Ist die Zeit des Lesens vorbei?

Achtung, Pflanzenfresser - Header

„Der Veganismus ist in der Mitte der Gesellschaft angekommen.“ Was wie eine Floskel klingt, ist zumindest halbwegs wahr. Immerhin ist die Vokabel „vegan“ nicht mehr ganz so exotisch wie noch vor fünf Jahren. Es gibt so viele pflanzliche Produkt-Labels, dass man sie gar nicht mehr alle aufzählen kann und jeder Supermarkt, der etwas auf sich hält, hat wenigstens eine Kooperation mit einer veganen Marke laufen. Zu Beginn dieser Entwicklung war der Pflanzismus noch ein bißchen mehr Aktivismus und vor allen viel Pioniergeist. Es galt, aus pflanzlichen Zutaten neue Gerichte zu zaubern – von einfach bis Gourmet, von „wie adaptiere ich Fleischgerichte am besten in vegan“ bis „Alles neu, alles besser“ oder „besonders familienfreundlich“  bis hin zu besonderen Schwierigkeitsstufen wie vegan für GlutenSensitive oder Soja-Allergiker. Viele Frischveganer oder auch langjährige Pflanzisten schrieben ihre Rezept-Experimente in Blogform auf und füllten so das Netz mit atemberaubend schönen Bildern und kreativen Inhalten, der für jeden zur Verfügung stand und zum Ausprobieren einlud. Der Bedarf war da, der Trend auch, die Industrie folgte. Bücher statt Blogs, Attila Hildmann statt der Familien-Mama von nebenan, Zeitschriften und Internetdatenbanken füllten ihre Koch- und Backideen mit veganen Inhalten auf. Rezepte gibt es also zuhauf, auch Informationen über den Pflanzismus sind problemlos zu finden. Don’t get me wrong, das ist gut! Ich schätze es sehr, dass es mit dem Veganismus voran geht, und man seinen Kaffee überall auch mit Sojamilch bekommt.

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Foodporn statt Wortwüsten, Klicks statt Content?

In der Blogger-Szene haben sich diejenigen durchgesetzt, die sich mehr oder weniger professionalisiert haben, exzellente Fotos und Inhalte in stylischen Designs präsentieren, ein paar Bücher veröffentlicht haben, überdurchschschnittlich viel Arbeit als Team reinstecken, oder als Ernährungsberater unterwegs sind. Alles ganz normal! Wenn mich jemand nach interessanten Rezepten fragt, teile ich am liebsten die Blogs, die schon allein durch die Bilder stark beeindrucken. Als Veganer steht man immer ein bißchen unter Zugzwang, dass das Essen gut aussehen muss, denn die Vorurteile („Was kann man denn da noch essen?“ usw.) sind ja immer noch ungebrochen. Ich bin Teil dieser Bewegung, auch für mich hat sich alles von Text zu Bild hin entwickelt – und nicht nur, weil ich auch sonst viel „Bildendes“ mache. Bilder wirken unmittelbar, unwillkürlich, ohne lange Denkprozesse. Und Galerien bringen viele Klicks, Artikel nur einen einzigen. Texte, besonders lange Texte, funktionieren nur noch, wenn sie einen Nerv treffen, polarisieren – also auch in den sozialen Netzwerken funktionieren (gut geteast werden und entsprechend weitergeteilt). Alles andere ist automatisch TLDR! Wir sind es gewöhnt, nicht mehr als drei Zeilen zu lesen und uns an Zwischenüberschriften und Bildunterschriften entlang zu hangeln um schnell zu entscheiden, ob sich der (Zeit)Aufwand lohnt. Denn, seien wir ehrlich, die allermeisten surfen im Netz herum, wenn sie auf Arbeit sind und nur mal kurz irgendwo die Likes oder Schlagzeilen checken wollen. Außerdem ist es nicht Jedermanns Sache, einen langen Text auf einem eher kläglich kalibrierten Bildschirm zu lesen.

Ist die Zeit des Denkens vorbei?

Heute muss dich ein Text, der bis zum Schluss gelesen werden will, von Zeile zu Zeile verführen oder stark emotionalisierend von Absatz zu Absatz geleiten, die Fakten sind dabei erstmal gar nicht so wichtig. Meist folgt auf einen geposteten und diskutieren Artikel mit schwammigen oder gar misinterpretierten Daten innerhalb von drei Stunden eine Gegendarstellung – entweder schon in den Kommentaren oder tatsächlich in einem Blog. Vielleicht ist das die neue Aufgabe der kleinen, privaten Blogger: Bei Bedarf genauer hinzuschauen und Quellen zu prüfen, wenn Focus Online mal wieder unreflektiert Sarah Wieners Ergüsse spiegelt. So wie Der Graslutscher es gern tut, zum Beispiel. Auch das ist ein allzu offensichtlicher Fakt in Zeiten des Postfaktischen: Dank des Internets sind Journalisten nicht mehr die Gatekeeper der Meinungsbildung. Informationen leaken ungefiltert und roh in die Netzwerke, bevor sich der durch die Sorgfaltspflicht gebundene Journalist dem ausreichend widmen kann und gesicherte Informationen präsentiert. Gerade Online-Redakteure stehen deshalb unter enormen Druck – oft bei gleichzeitiger Unterbezahlung (und bedeutend weniger Ansehen), denn der User ist es schlicht nicht gewöhnt, für Inhalte im Internet zu bezahlen. Diese Lücke wirkt sich dann gerade bei negativen Ereignissen geradezu katastrophal aus, gerade wenn sie durch zweifelhafte Publikationen geschlossen wird, die auf den ersten Blick seriös wirken. Stichwort: Verschwörungstheorien und Vertrauensverlust bezüglich der deutschen Presselandschaft. Insofern müsste ich den Titel ändern in „Ist die Zeit des Denkens vorbei?“ Aber ich schweife ab…

TLDR?

Wer jetzt noch mit liest (Yay! 😀 ), darf gern in den Kommentaren folgende Frage beantworten, denn es interessiert mich wirklich, wie ihr das so seht. Und ich antworte auch gleich selbst drauf.
1. Wie schätzt ihr euer Leseverhalten im Internet ein?
Siehe oben, eher kurze Texte, es sei denn, sie packen mich. Bilder nehme ich stärker wahr.
2. Folgt ihr noch Blogs oder seid ihr eher woanders unterwegs?
Instagram ersetzt öfter mal meine Zuglektüre. Traurig, aber wahr! Ich folge noch Blogs, aber vorrangig über Facebook oder andere Drittplattformen. Auch, weil WordPress es immer noch nicht hinbekommen hat, eine sich selbst aktualisierende Blogroll zu bieten (so wie bei anderen Blogger-Plattformen). Ein Thema, was mich von Anfang an geärgert hat. Und mein Feedly hab ich nie vollständig eingerichtet…
3. Was war der letzte lange Artikel, den ihr im Netz gelesen habt?
Es war ein Artikel über Sterbehilfe in der Schweiz, ansonsten sind es oft Sachen über Veganismus oder Reportagen, etwa diese hier über einen sehr einsamen Menschen, der per Kleinanzeige Gesellschaft suchte.

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Autor: Jea

// Leipzig, Germany // vegan // forming digital mindscapes //

21 Kommentare zu „Ist die Zeit des Lesens vorbei?“

  1. Na dann mal los 😉

    1. Wie schätzt ihr euer Leseverhalten im Internet ein?

    Ich lese auch eher die kürzeren Texte, überfliege Artikel mit spannenden Themen und kontrolliere, ob der Titel spannender ist, als der Inhalt (was oft der Fall ist) bevor ich mir alles durchlese. Oft werden spannende Artikel zum Beispiel auf Pinterest zum ’später lesen‘ gespeichert, aber dann völlig vergessen. Wenn mich ein Thema wirklich interessiert, lese ich mir aber auch alles durch.

    2. Folgt ihr noch Blogs oder seid ihr eher woanders unterwegs?

    Ich folge den meisten Blogs auch eher über Facebook oder lasse mich durch deren Newsletter auf dem Laufenden halten. Ich hatte aber noch nie ne Blogroll, wollte mir aber immer mal eine anlegen. Demnach hat sich da für mich nicht viel verändert. Blogs die mich interessieren speichere ich ab und stöbere dann bei Lust und Laune immer mal die Inhalte durch.

    3. Was war der letzte lange Artikel, den ihr im Netz gelesen habt?

    Zählt dieser hier? 😉 Ansonsten dürfte der letzte lange Artikel, einer über schädigende Nahrungsmittel fürs Gehirn gewesen sein, mit Infos zum geschichtlichen Verhalten der Nahrunsgsmittel – wann hatten wir was und in welchen Mengen und wieso ist es jetzt anstrengend fürs Gehirn, von manchen Nährstoffen (aloha Zucker) so überschwemmt zu werden. Ansonsten sind Artikel bei denen ich nicht wirklich auf die Länge schaue oft im Zusammenhang mit Entspannung oder veganer Ernährung, spannenden Unternehmen, die sich für die Welt einsetzen und tolle Visionen haben, Einträge zur veganen Kosmetik … das Übliche. 😉

  2. Was mich besonders bei „Küchen-Blogs“ (also solche mit Rezepten) total nervt ist der Trend zum Schwafeln und das zukleistern mit Unmengen an noch dazu viel zu großen Bildern. Wenn die Überschrift lautet „megageiles Käsekuchen-Rezept“ freue ich mich auf ein Käsekuchen-Rezept. Wenn dann aber erst einmal lang und breit erklärt wird, dass die Bloggerin gerade XY besucht hat und in diesem Laden jenes gekauft hätte und blablabla, das ganze mit sieben oder acht Riesenbildern des versprochenen Käsekuchens unterbrochen ist und dann, irgendwann doch das Rezept steht – sorry, dann intressierts mich auch nicht mehr. Ich hab mir mal den Spaß erlaubt und solch einen Beitrag (als pdf) „gedruckt“ – der war ungelogen 13 Seiten lang – das allermeiste davon Fotos, wo eins oder maximal zwei auch gereicht hätten. Und bitte auch nicht größer als allerhöchstens 300 kb!

    Was mich angeht: DIESER Trend zu mehr Geschwafel und abartig viele und viel zu große Fotos bringt mich dazu immer mehr Food-Blogs aus meinem Feed zu löschen. Weil das nervt einfach nur.

    Das mit den großen Fotos versteh ich eh nicht, erst recht nicht im Smartphone-Zeitalter: Bitte was bringt mir da ein 2-MB-Bild, wenn ichs eh nur im Kleinformat anguggen kann?!

    Sorry, falls das jetzt eine Thema-Verfehlung ist – aber der Kommentar ist vermutlich eh viel zu lang, als dass er von vielen gelesen werden würde 🙂

    1. Hallo! 🙂 Naja gut, dieses „Geschwafel“ ist ja sozusagen der Ursprung des Blogs ( Tagebuchs), dass man aus seinem Leben erzählt. Ein Blog ist ja keine Datenbank. Mir ging es genau darum: liest sowas überhaupt noch jemand? Aber ich verstehe, dass das umständlich wird, wenn man wirkich nach etwas bestimmten sucht und erstmal mit allem anderen zugepflastert wird. 13 Seiten ist schon extrem sportlich! 😀 Da kann man schon nicht mehr von Nutzerfreundlichkeit sprechen!

      1. *grins* Dochdoch, „Geschwafel“ les ich schon durchaus gern! Nur halt nicht, wenn die Überschrift ein Rezept verspricht. Dann doch lieber die Gunst der Stunde nutzen und zwei Beiträge draus machen 😉

  3. Hallo Liebes,

    ja ich habe tatsächlich bis zum Ende gelesen und möchte natürlich gerne auch deine drei Fragen beantworten.

    1. Ich lese gerne lange Texte (mit Bilder oder ohne) wenn ich mich für ein Thema interessiere oder etwas recherchiere. Wenn ich eher durch Zufall auf einen langen Artikel etc. stosse und er fesselt mich nicht nach drei Sätzen gebe ich ihm kaum eine Chance.

    2.Im Internet bin ich vorrangig auf Instagram, ja sogar Snapchatstorys sehe ich mir gerne mal an. Blogs verfolge ich schon auch noch viele, aber das mehr Abends oder am Wochenende. Ich bin auch noch oft auf Wikipedia oder Seiten wie dem Standard/FAZ unterwegs. Aber ja ich denke mein erster Klick am Handy gilt wirklich meist Instagram.

    3. mmmh ich weiss nicht mehr wo der Artikel genau war, ich habe den Artikel jedoch heute morgen gelesen und er handelte von Donald Trump und der Tatsache das er gestern noch auf der offiziellen Homepage des weissen Hauses die Seiten zu den Themen Bürgerrechte, Klimawandel etc. gelöscht hat (und ja er war recht lang :D)

  4. Was Zauberweib da sagt, kann ich unterstreichen – gerade auf englischsprachigen Blogs (und hier speziell amerikanische) neigen dazu, einen elendig lange zuzuschwafeln. Klar, die Bilder, das Design, das Layout – alles hübsch anzusehen und meist appetitanregend. Kann sogar die hohe Qualität genießen, weil ich in aller Regel dabei am Laptop sitze. Trotzdem, bei sowas gehe ich nach der Überschrift (vegan carrot cake), dem ersten Bild (nice!) und scrolle dann sofort runter zum Rezeptteil. Das ganze Gerede dazwischen ignoriere ich.

    Ganz anders sieht es dabei mit Artikeln oder Blogeinträgen aus, in denen es um eine Meinung geht. Eine Diskussion. Eine Geschichte. Rezensionen. Tipps und Tricks. Etwas, was man nicht fotografieren kann. Das lese ich, lese es sogar sehr gern. Und ja, da darf der Text ruhig auch etwas länger sein, solange es nicht in inhaltsloses Geschwafel abdriftet. Es würde mich im Gegenteil sogar irriteren, wenn da keine gründlich überlegten Gedanken stünden, sondern nur ein „Hab ich gekauft, hab ich Foto gemacht, hähä.“ … nicht hilfreich, ebenso wie diese superkurzen News-Meldungen, die maximal so lang sind wie die fett gedruckten Zusammenfassungen/Einleitungen am Anfang „richtiger“ Artikel, oder die sogar nur mit anderen Worten wiederholen, was in der meist nicht sehr aussagekräftigen Schlagzeile steht. Vielleicht habe ich einen Trend verpasst, aber wofür ist das bitte nütze? Aktualität und schnelle Meldungen in allen Ehren, aber kann man dann nicht einfach mal mehr recherchieren, warten bis es tatsächlich was zu berichten gibt oder generell einfach mehr Zeit reinstecken in die Arbeit, sodass man tatsächlich Informationen erhält und sich nicht nur fragt „Aha, schön, was genau ist jetzt also los?“.
    Das ist vermutlich auch der Grund, warum ich mich nie für Facebook oder Instagram begeistern konnte, denn hingeworfene Fotos und Statusupdates sagen mir einfach mal nichts. Es gibt nur ungefähr drei Leute, die mir zusammenhangslos Fotos schicken können von allem, was ihnen gerade vor die Füße gefallen ist/auf ihrem Teller liegt, und es interessiert mich auch tatsächlich, weil mich nahezu jedes Lebenszeichen von ihnen interessiert. Für alle anderen gilt: schön, dass du einen Schokoriegel gekauft hast, nett, dass du dein Essen postet, guten Appetit, aber mir wäre es bedeutend lieber, du würdest mir erklären, warum du das getan/gewählt hast, denn wir stehen uns nicht so nahe, dass ich jede Belanglosigkeit von dir interessant fände oder ohne Erklärung damit was anfangen könnte. Wenn, dann möchte ich deine Meinung oder deine Weltsicht dazu kennen lernen. Und sollte es wirklich nur einfach ein Statusupdate ohne großen Hintergedanken sein: warum genau möchtest du, dass alle, auch die, die kaum was mit dir zu tun haben, das wissen …?

    Aber jetzt bin ich abgeschweift. Ja, ich lese noch Blogs, und ich durchforste das Netz lieber nach längerem Input als kurzweiligen Bilderchen oder Dreizeilern. Das ist wesentlich anregender.
    Der letzte richtig, richtig lange Artikel, den ich gelesen habe war glaube ich der über die Lage der Prostitutierten in Deutschland und warum genau die Position, jeder solle selbstbestimmt in diesem Gewerbe ohne staatliche Reglementierung arbeiten können, zwar vom Freiheitsgedanken her nett gedacht ist, aber komplett an der Realität (=Menschenhandel, nahezu KEINE freiwillige Prostitution) vorbeirauscht und warum hier der Schutz der Opfer das Selbstbestimmungsrecht übertrumpfen sollte. Das war ein pdf, etwa 11 Seiten lang. Wie lang genau die Beiträge sind, die ich sonst so lese, lässt sich im Web irgendwie schwer einschätzen … aber mehr als 10 Zeilen sind es in jedem Fall ;).

    1. Hallo Franzi, deine Ausschweifungen fand ich sehr hilfreich, vielen Dank dafür! Es sollte also vor allem einfach zielgerichteter sein, ein Rezept nur ein Rezept bleiben und ein Artikel dann auch mit echten Infos versehen. Zielgerichteter kommunizieren. So etwa. 🙂

      1. Genau, mir geht es darum, dass man sich vorher Gedanken macht, was man da schreiben will und warum, und sich dann daran orientiert. Wenn Überschrift, Absicht und Inhalt übereinstimmen, macht man auch die Leser glücklich. Man kriegt, was einem versprochen wird und beschließt nicht frustriert nach der x-ten falschen Erwartung, die Person/Webseite aus seiner Leseliste zu streichen. Wenn man ein Rezept für Erdbeereis posten will, soll man das tun, wenn man aber eigentlich lieber eine lange Geschichte über den Ausflug aufs Erdbeerfeld schreiben will und wie glücklich es einen macht, eigenhändig sein Essen zu sammeln, das Rezept bestenfalls ein Gimmick ist, dann sollte man überlegen, ob man den Artikel nicht besser splittet. Ich mag das Konzept, seine „Tagebucheinträge“ für eine Woche zu bündeln oder sich das Beste rauszupicken und dann getrennt von Rezepten etc zu posten. Wer sich für die Person interessiert oder gerade die Muße hat, kann da reinklicken, wer lieber die Rezepte oder die (fundierten) Artikel und Diskussionen lesen will, nimmt halt die …
        Ein roter Faden ist wichtig, und es gilt wie bei so vielen Sachen (ich muss da prompt an Seminararbeiten und Fachartikel denken): wer labert, kriegt zwar die Seitenzahl voll, macht aber nicht den Eindruck, zu wissen, was er eigentlich sagen will. Es ist schließlich nicht umsonst ein rhethorischer Kniff, bei einer überraschenden Frage in einer Live-Diskussion erst einmal vor sich hinzuschwafeln um sich Zeit zu erkaufen 😉 … nur hat man das im Schriftlichen nicht nötig. Und etwas zu posten, nur, damit man eben regelmäßig Content hochlädt … na ja, man merkt dem sehr deutlich an, wie gehaltlos das Ganze ist. Wenn man sich eine hands-on-Challenge stellt, wie z.B. ich will endlich Omas Kuchenrezepte veganisieren und nehme mir ein Rezept pro Woche vor, dann kann das durchaus funktionieren, aber vieles wirkt schnell so erzwungen. Das bringt es nicht. Wenn man keine gute Idee hat, bleibt es halt ein Weilchen ruhiger.

        Ich habe einer Freundin fast vier Jahre lang dabei zusehen können, wie sie ihren Blog betreut hat, und wann immer sie sich vorgenommen hat „professioneller“ zu werden und sich voller Elan ein Konzept mit fest getakteten Posts, vielen kleinen „Updates“ und Terminplan für die einzelnen Kategorien ausgedacht hat, hat sie sich mehr davon entfernt, was sie eigentlich hatte machen wollen, bis sie ihren Blog deswegen eingestampft hat. Und viele der Beiträge waren bei diesen Versuchen wie diese hübschen Fototagebücher oder die voller Geschwafel aufgebaut.

        Args, ich habe zu diesem Thema einfach so viel (negative) Meinung angestaut, dass ich immer gleich ausschweife. Mea culpa.

  5. *g* Franzi, _wäre_ ich auf FB, würde ich dich liken (oder wie man da sagt…)
    Bei langen Texten mag ichs gern, wenn es Absätze und gern auch mal ne Zwischenüberschrift gibt. Ist mir noch eingefallen. 🙂

  6. Tatsächlich lese ich noch sehr viel – mittlerweile gerne auch wieder mehr offline – und besonders gerne längere Texte. Nicht unbedingt auf Food-Blogs/über Essen, sondern tiefgründiger Post mit Themen, die zum Nachdenken anregen.
    Zu viele Bilder empfinde ich insbesondere beim Lesen per Smartphone eher als störend. Klar, euer Rezept ist ganz toll, aber trotzdem muss ich die Muffins nicht aus x verschiedenen Perspektiven sehen …
    Ach und um diese Frage noch zu beantworten: der längere Artikel, den ich zuletzt – vorhin – gelesen habe, handelte vom effektiven Altruismus.

  7. Ich habe mich – unter anderem deswegen – weitgehend aus der Bloggerszene verabschiedet und schreibe nur noch alle heilige Zeit, meistens auch gar nicht mehr unbedingt auf meinem eigenen Blog, sondern für größere Projekte, zu denen man dann mal ne Perspektive beisteuert.
    Ehrlich gesagt habe ich einfach genug von den bunten Teasern, hinter denen sich die immergleichen 5-Punkte Selbstverständlichkeitenlisten verbergen. Mir fehlen scharfe Analysen, die nicht immer ausgegoren sein müssen und Leute, die nicht nur für Klicks schreiben, sondern auch einfach mal so. In dieser Hinsicht hat die vegane Szene extrem abgebaut, finde ich. Die kleinen Blogs, die einfach kein Geld verdienen und keine Dienstleistung bewerben wollten sind irgendwie verschwunden.´Stattdessen gibts Produkttests und Bildergalerien. Und da wären wir gleich beim nächsten Thema: Dieses permanente Verkaufen. Viele Blogs sind nichts anderes mehr als besonders perfide Marketingmaschinen, die gleichzeitig den Schreiber und den Leser ausbeuten. Schlecht recherchierte, lieblose Produktpräsentationen, weil man da irgendwo noch 20€ für abstauben kann oder die Omnipräsenz gewisser Mixerverkäufer lassen mich Blogs (nicht nur im Veganbereich) mittlerweile meiden.
    Was Bloggern häufig fehlt ist das, was guter Journalismus haben sollte: Selbstverpflichtung einhalten, eigene Relevanz erkennen und mit dem Status als (kleiner) Medienschaffender kritisch umgehen.

    1. Hallo Annette, woran erkennst Du ein nichtkommerzielles Blog? Ich baue an einem über pflanzliche Vollwertkost (WholeVood), und halte es frei von jeder Werbung, Affiliate-Links etc., aber woran/wann sieht das der Besucher? Bin für jeden Tipp dankbar.

    2. Hallo Annette! Schön, von dir zu lesen! 🙂 Du hast ja einen der wenigen Diskussions-Blogs. Naja, ich bin neulich meine sehr lange Bloggerliste durchgegangen (https://achtungpflanzenfresser.wordpress.com/vegan-blogs/ ). Entweder sie sind verlassen, gelöscht oder sind auf einmal mega-schick und professionalisiert. Dazwischen gibt es irgendwie kaum nur noch sehr wenig. Deswegen vermute ich, dass die Blogger-Zeit schlicht vorbei ist. Es stimmt natürlich auch, dass so ein Blog aufwendig ist. Nichts recherchiert sich von alleine und Bilder fallen auch nicht einfach aus der Kamera. Vielleicht ist es natürlich, dass private Blogs nach einer Weile eingehen, weil sich die Lebensumstände verändern usw. Veränderung ist ja ganz normal. Nur kommt halt nix mehr nach…oder? Irgendwelche Tipps? Vielleicht meldet sich ja Mausflaus noch! 😀

  8. Ich lese gerne Blogs. Und ich mag keine Videos. Das hier bereits angesprochene weit verbreitete Schwafeltum wird hier meines Erachtens noch auf die Spitze getrieben. Ich klicke grundsätzlich nicht auf Artikel die mit „Die 3/7/10 wichtigsten/größten/besten/häufigsten Fehler/Mythen/Seiten/Angewohnheiten… …“ Das ist auch immer nur Mumpitz zum Seiten füllen. Lange fundierte Artikel lese ich letztlich gerne, Zuletzt ging es bei einem darum, ob Jungs eine andere Erziehung brauchen, als Mädels. Lang, aber wie bei diesem Thema so häufig – wenig fundiert.
    LG
    Drea

  9. Liebe Jea,

    über das Thema hab ich mir in letzter Zeit auch Gedanken gemacht und hier sind meine Antworten:

    1. Wie schätzt ihr euer Leseverhalten im Internet ein?
    Ich lese noch längere Texte und Artikel, aber nur, wenn mich das Thema (oder die Person) wirklich interessiert. Ansonsten ertappe ich mich auch beim Überfliegen der Überschriften, um abschätzen zu können, ob sich das Lesen für mich lohnt. Und ich denke, es ist genau wie du sagt: Der Text muss mich packen und weitertragen, von Zeile zu Zeile. Viele lange Ergüsse sind halt leider nicht besonders gut geschrieben und oft auch eher inhaltsarm, und da breche ich dann nicht selten in der Mitte ab.
    Ich muss zugeben, dass gute Fotos mich schon schneller und effektiver fesseln als ein Text. Gerade bei Foodblogs glaube ich dann eher, dass ein Rezept toll schmeckt, wenn die Fotos toll sind. Dabei hängt ja die Fotoqualität überhaupt nicht mit der Qualität des Rezepts zusammen, sondern schlicht mit den Styling- und Kameraskills des Bloggers.
    2. Folgt ihr noch Blogs oder seid ihr eher woanders unterwegs?
    Ich folge Blog, habe aber irgendwie nie eine Methode gefunden, die für mich gut funktioniert. Also gehe ich beim Verfolgen von Blogs etwas konfus vor und folge mal über Facebook, mal über Instagram, mal per E-Mail-Abo.
    3. Was war der letzte lange Artikel, den ihr im Netz gelesen habt?
    Gestern auf dariadaria.com darüber, wie kritische Bloggerinnen mundtot gemacht werden.

    Ich finde es interessant, was Zauberweib gesagt hat, also, dass ihr das Geschwafel auf Foodblogs auf die Nerven geht. Ich bin da ein bisschen zwiegespalten. Nur ein Rezept wäre mir auf einem Blog zu wenig. Ich lese gern, was der Hintergrund für das Rezept ist, wie es zustande kam und warum es wert ist, nachgekocht zu werden. Ich mag diesen persönlichen Touch.
    Andererseits finde ich zehn Fotos, die eigentlich immer nur das gleiche zeigen, auch zu viel und manchmal habe ich auch den Eindruck, dass der lange Text nur geschrieben wird, damit etwas da steht und nicht, weil man etwas Relevantes zum Rezept zu sagen hat. Naja, nicht so einfach 🙂 Ich finde, da geht es auch wieder um Qualität. Wenn etwas gut geschrieben ist und mir interessante Informationen/Gedanken/Einblicke liefert, dann lese ich gerne einen längeren Text. Und wenn es tatsächlich nur Geschwafel über Belangloses ist, dann halt nicht.

    Deine Texte lese ich übrigens immer gerne 😉
    Liebe Grüße,
    Elisabeth

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