Merry Vegan X-mas: Wie ich Weihnachten ohne Käse überlebte

Das Fest der Liebe kam dieses Jahr besonders schnell. Wer behauptet, es finde jedes Mal zur gleichen Zeit statt, hat einfach mal keine Ahnung. 😀 Meiner höchst subjektiven Einschätzung zufolge rasten die Tage nur so dahin. Das lag vor allem daran, dass ich das ganze Jahr auf ein für mich sehr wichtiges Event hinarbeitete…die Kunstmesse Leipzig im November. Zehn Quadratmeter Platz für meine Bilder und sehr interessierte Besucher, es war wirklich aufregend. Im nächsten Jahr bin ich wieder am Start! 🙂 Und kaum war sie da, war sie auch schon wieder vorbei. Dann folgten ein paar Wochen des Aufräumens und Bilder-durch-die-Stadt-Tragens und schon war Weihnachten. Aber ich hab das ja schon ein paar Mal gemacht, es lief vorerst alles wie sonst auch: Würstchen und „Festtagsbraten“ besorgen, vegane Mayo, Soße, diverse Aufstriche und Zutaten für den Kartoffelsalat. Am 23.12. dann selbigen zubereiten (er sollte einen Tag ziehen), besser gesagt, machte ich zwei Varianten, einmal mit und einmal ohne Mayo, aber beide vegan. Würstchen der Wahl waren diesmal die Chili-Würstchen von Veggie Friends, eine sichere Wahl, die hatte ich schon öfter. Und für den Festtagsbraten am ersten Weihnachtsfeiertag wählte ich diesmal kein Fleischersatzprodukt aus Seitan oder Tofu, sondern ein schlichtes Gemüseschnitzel. Auch okay! Und bei euch so?

Kannst du Brot essen?

Ansonsten war der Weihnachtsfrieden etwas gestört, ich weiß nicht warum, aber aus irgendwelchen Gründen fiel es mir schwer, cool zu bleiben. Ich habs auch nicht verstanden, schließlich mache ich das alles seit 2011, da sollten doch inzwischen kaum noch Fragen wie „Kannst du Brot essen?“ aufkommen. Ich versuche immer, weitestgehend nichts zur toten Gans/Ente auf dem Tisch zu sagen, was diesmal nicht so ganz gelang, und irgendwie schaukelte sich die Anspannung beiderseits hoch. Das mehrmalige Anpreisen des köstlichen Camemberts, von dem ich „doch mal ein Stück kosten könne“, half da irgendwie nicht. Naja, was will man machen. Bingo spielen vielleicht. 😀

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Vegan for Fit – 34 Millionen Gipfelstürmer

Immerhin ist der Veganismus inzwischen so deutlich angekommen in normalen Supermärkten und die meisten Menschen können etwas damit anfangen. Das sah vor fünf Jahren noch ganz anders aus! Damals hat man die meisten Sachen nur im Internet bekommen und die Rezepte vor allem von den kleinen privaten Blogs geholt. Jetzt findet man das Thema in jeder zweiten Zeitschrift, auf Instagram kann man unter #vegan
34 Millionen Einträge finden und Attila Hildmann ist der Popstar der Pflanzistenszene. Ich hab mir das ganz bestimmt nicht ausgesucht! 😀 Apropos, eine Arbeitskollegin von mir macht gerade die 7-Tage-Detox- Sache von Herrn Hildmann, mal sehen, wie das ausgeht. Sie beschwerte sich bereits vorab, wie teuer die ganzen Zutaten sind. Na, welche Überraschung! 😀 Das ist wiedermal ärgerlich, weil dadurch der Eindruck entsteht, dass veganes Essen zwangsläufig mega teuer sein muss. Auf die Frage, wo ich im normalen Supermarkt denn überhaupt etwas kaufen kann, antworte ich gern etwas gereizt, na, in der kompletten Obst-und Gemüseabteilung zum Beispiel. Auch fand ich mich zuletzt auf einer hitzigen Party-Diskussion wieder, als einziger Veganer unter Fleischessern, die natürlich „alle nur Bio-Fleisch“ essen. Ich hasse es immer, ihnen diese Illusion zu rauben, aber es hilft ja nichts. (Sie vergessen, das Würstchen unterwegs, das Kasseler in der Kantine, die Wurstsemmel zu Frühstück  – und die sind sehr wahrscheinlich nicht bio – abgesehen davon, dass Bio ja auch keine Lösung ist, aber das führt jetzt zu weit).

Aufgeben ist nicht! Immernoch nicht!
Es gibt endlich richtig guten veganen Camembert!
Veganer Camembert is ja auch ganz geil!

Dennoch unterstütze ich jeden Schritt in die richtige Richtung, jeden zusätzlichen Gedanken, jedes Mehr an Bewusstsein. Es sind die kleinen Schritte, die zählen, es ist die Masse, die am Ende entscheidet. Jeder Einzelne, der sich bei Kaufentscheidungen Zusammenhänge bewusst macht, geht sozusagen mit seinem Kassenzettel wählen und ist von Bedeutung, jedes einzelne Mal. Und je mehr das tun, desto mehr Einfluss hat es. Der Veganismus allein kann die Welt nicht retten, auch wenn viele von uns das gern so hätten. Der Veganismus ist nur ein Weg unter vielen, wenn auch ein äußerst tiefgreifender. Respekt könnte vielleicht die Welt retten, Liebe und Achtung für Mitlebewesen, Menschen, Tiere, Umwelt, auf jedem nur denkbaren Level. Bestärken, unterstützen und helfen, mit Fakten und mit Herz argumentieren, nicht anklagen und verurteilen. Es ist immer schwierig, es ist nie perfekt, es gibt Rückschläge. Es wird sich möglicherweise trotz allem nie wirklich etwas ändern. Aber es wird sich ganz sicher nichts ändern, wenn es niemand versucht.

Ich wünsche euch ein schönes neues Jahr! ❤

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Autor: Jea

// Leipzig, Germany // vegan // forming digital mindscapes //

2 Kommentare zu „Merry Vegan X-mas: Wie ich Weihnachten ohne Käse überlebte“

  1. Oh je, das klingt ja nicht nach einem tollen Fest. Gott sei Dank hat meine Familie (bzw. der Teil, mit dem ich feiere) keine Wahl als uns Veganer zu akzeptieren, immerhin ist die gesamte junge Generation mittlerweile vegan (drei willensstarke, junge Mädels, die sich nicht drein reden lassen, was sie essen wollen. Stell die Wurst woanders hin und wag es nicht, den kuhmilchsahneverschmierten Tortenheber für unseren veganen Zupfkuchen zu nehmen!). Wenn es dann aber auf Parties mit Freunden geht … oha. Je mehr Leute, desto mehr Kommentare. Leider ist der Mann einer Freundin, mit dem ich eigentlich gut auskomme, der Meinung, jedes Mal diskutieren zu müssen, wie absurd es ist, vegane „Wurst“ zu essen und dass alles Soja schlecht ist (whoops, bei deinem massiven Fleischkonsum nimmst du indirekt sogar mehr davon zu dir als ich). Das ist nichts gegen Veganer an sich, er provoziert grundsätzlich gern, aber es strengt an.
    So, wie du das schreibst, kennst du es wohl auch, dass manche Leute dich einfach nicht mehr zum Essen einladen, wenn du nicht ausdrücklich und mehrfach anbietest, dir alles selber mitzubringen, und die nicht bereit sind, den Speck am Ende unter den Salat zu rühren, sodass du nicht parallel zu ihnen dein komplettes Menü selbst kochen musst. Was das betrifft, suche ich immer noch nach einer Lösung, wie man solche situation entschärfen oder zu einem Kompromiss kommen kann. Hast du da Tipps?

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