Veganer gefährden ihre Gesundheit – Duh!

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Des Veganers liebstes Futterchen: Burger mit Ersatzfleisch!

…las man kürzlich in der überaus „renommierten“ Webausgabe des Focus (zu der ich aufgrund der massiven Werbebombardements nur ungern verlinke – ich hab euch gewarnt). Darunter ein Zitat von der gerade äußerst medienwirksamen Sarah Wiener, ihres Zeichens TV-Köchin (die mir bisher völlig unbekannt war): „Kinder vegan zu ernähren ist absurd“. Duh! Auf ihren vorherigen Erguss „Sojamilch ist so künstlich wie Cola“ auf eben dieser Plattform hat der Herr Graslutscher bereits hier wunderbar pointiert geantwortet. Ich überspringe auch gleich das Intro des Artikels, das den Inhalt schlagzeilenhaft verkürzt und dadurch zwar schön polarisiert, aber naturgemäß gleichzeitig für Missverständnisse sorgt: „Gut für die Umwelt? nein. Gesund? Erst recht nicht.“ Darauf folgt aber erstmal ein beruhigender Absatz, in dem Sarah die Pudding-Veganer (also die Ersatzprodukte-Junkies) von den Bio-Veganern abgrenzt, „die selbst frisch und ökologisch kochen“: „Die meisten Veganer seien ‚reflektierte Menschen'“, wird sie zitiert. Vielen Dank, liebe Sarah! √

Dann komme ich mal meinem Job nach und reflektiere deine darauf folgende Aussage, auf der du laut Focus Online dennoch weiterhin bestehst: „Veganismus ist eine diätische Mangelernährung.“ Damit kannst du dich im Übrigen mit meiner (Ex-) Hausärztin zusammentun, die vertritt genau die gleiche Ansicht. Mit solchen Verallgemeinerungen kann ich aber leider überhaupt nichts anfangen. Also freue ich mich auf deine nun folgenden Argumentation, die deine These stützen sollen.

Irrtum 1: Vegane Ernährung ist gesund bzw. Veganismus kann krank machen.

Und zwar weil „einige Veganer“ sich sehr viel von Ersatzprodukten ernähren würden. Woher sie diese Theorie hat, steht da leider nicht, vermutlich hat sie sich eine Woche vor einer Frittenbude postiert und jeden Besucher gefragt ob er vegan sei. Egal, natürlich hat sie damit so oder so vollkommen recht. Sich hauptsächlich von Ersatzis zu ernähren, die voller Zusatz- und Aromastoffe sowie Konservierungsmittel stecken (sofern sie das tun), ist sicherlich nicht gesund. Zum Glück sind aber ja ihrer eigenen Einschätzung zufolge „die meisten Veganer reflektierte Menschen“ und ich würde hinzufügen: des Lesens durchaus mächtig und notwendigerweise sehr geübt im Lesen von Zutatenlisten. Wir reden also hier von einer Minderheit an Veganern, wie sie selbst sagt, „einige“. Was diese Minderheit von der möglicherweise absolut unreflektierten Omni-Gesellschaft unterscheidet, die in ihrem Leben noch nie über E620 nachgedacht haben? Achja richtig, geht ja hier nur darum, die Veganer von ihrem hohen Ross zu holen, weil wir ja behaupten, wir hätten „eine Lösung für all diese Probleme.“ Äh…nee?! ich weiß ja nicht, wer die arme Sarah auf der letzten Party stundenlang mit veganen Parolen und Scheinargumenten vollgequatscht hat, so dass sie sich genötigt fühlt, zu sagen, wir würden alle denken, wir hätten die Lösung, aber ich kann mich selbst gar nicht damit identifizieren und ich sehe das auch kaum bei anderen. Im Gegenteil, ich sehe ein verstärktes Bewusstsein, dass neben Massentierhaltung und Überfischung der Meere auch andere Probleme existieren, wie etwa die Plastikthematik, Umweltzerstörung, Welthunger, die Flüchtlingsproblematik, oder – um wieder zum Thema zu kommen: eben auch die Einsicht, dass es echt schwer ist, was zu bewirken, denn obwohl der Fleischverzehr in Deutschland zurückgeht und vegetarische Produkte deutlich mehr konsumiert werden, steigt die Produktion stetig weiter – es wird einfach ins Ausland exportiert, wenn die verwöhnt-verrückten Deutschen sich auf einmal verweigern.

Irrtum 2: Vegane Ernährung ist natürlich

Auf die Vitamin B12-Thematik bin ich schon eingegangen, die lasse ich mal außen vor – zugungsten von: Sojamilch ist ein Kunstprodukt. Bitte was? Wasser und Bohnen/Nüsse = Pflanzenmilch. Kann man sogar selber machen, liebe Sarah, ist ganz easy!😉 Ich stimme allerdings zu, dass es bei gekauften Pflanzendrinks nicht immer so ist und dass sich die Lebensmittelindustrie den Veganismus-Trend zunutze macht. Ich denke da etwa an die in Werbeclips sonst so fröhlich Fleischwurst verputzenden „Rügenwalder Mühle“-Produzenten, die auf einmal Veggie-Produkte anbieten (wobei die meist nur vegetarisch sind). Und auch sonst ist dies öfter zu beobachten und eher ein zweischneidiges Schwert. Natürlich ist es schön, wenn vegetarische/vegane Produkte in jedem Supermarkt verfügbar sind. Andererseits macht es erstens u.U. die kleinen Hersteller kaputt wenn die Großen auf den Zug aufspringen. Und es sorgt womöglich bei weniger reflektierten Leuten dazu, dass sie sich eventuell vorranging davon ernähren (immerhin schaden sie damit dann aber wenigstens keinen Tieren. Der ethische Aspekt geht in diesem Artikel ohnehin etwas unter). Ziemlich hypothetisch, das Ganze.

Herausforderungen des veganen Lebens: Gemüse essen, BEVOR es verwelkt.
Herausforderungen des veganen Lebens: Gemüse essen, BEVOR es verwelkt.

Irrtum 3: Vegane Ernährung ist gut fürs Gewissen

bzw. Veganismus schadet der Umwelt, weil unser Quinoa und unser Obst aus Übersee kommen. Aha. Und wo genau bekommst du deine Bananen her? Aus Thüringen? Ich stimme auch hier zu, wenn sie sagt, dass es nicht zielführend sein kann, wenn Produkte erst um die halbe Welt transportiert werden müssen, damit wir sie hier in unseren veganen Einkauswagen legen können. Ich würde aber auch hier von Verallgemeinerungen absehen. Es gibt ja nämlich noch diesen anderen Trend: Er heißt Regionalität. Und bevor ich hier auch noch mit Pestizid-Soja herumargumentieren muss: ein anderer heißt Bio. Und komischerweise gehen beide oft Hand in Hand mit dem Pflanzismus: Bewusstsein und so. Hast du schonmal versucht, hierzulande an Sojaprodukte zu kommen, die nicht bio sind? Genau. Und schau mal aufs Label. Österreich steht da gern. Ist wohl eher so, dass die meisten Nutztiere dein regenwaldtötendes Pestizid-Soja zu fressen bekommen und nur einige nicht. Oder warum kommen 98 Prozent der verkauften Fleisch und Wurstprodukte aus Massentierhaltung und nur lächerliche 2 Prozent aus Bio-Haltung? (Und selbst die…naja). Dann lass uns doch nochmal über das vermeintliche gute Gewissen in Form von erfolgreicher Selbsttäuschung reden. Jeder Normalesser, den ich treffe, isst komischwerweise nur ganz wenig Fleisch und wenn dann nur Bio… Aber nee, Moment, das ist ja gar nicht das Problem, denn Sarah sagt: „Wir sind Tiere und müssen Leben vernichten, um zu überleben“. Genau, müssen wir. Ich kann mir nicht jeden Tag Gedanken um alle Käfer machen, die ich in meinem Leben versehentlich zertreten haben mag oder wie viele Mäuse bei der Ernte im Mähdrescher gelandet sind. Aber das ist schon wieder ein Scheinargument. Denn ich kann mir durchaus Gedanken machen um die mechanisierte, gut versteckte Grausamkeit, die jeden Tag unnötigerweise in Schlachthäusern und in der industriellen Massentierhaltung vonstatten geht. Ich kann mir einen Kopf machen, ob man Tiere unnötigerweise züchten, quälen und töten muss nur um ihres Fells wegen. Ich kann darüber nachenken, ob wirklich alle Tierversuche sinnvoll sind, oder ob man nicht inzwischen vieles vergleichbar beweishaltig durch andersartige Laborversuche ersetzen kann. Das macht mich nicht zu einem weltfremden Spinner, der im Veganismus die Lösung für alles sieht. Ich denke, mit dem Veganismus haben wir gerade mal angefangen nachzudenken, welche Lösungen es geben könnte. Es muss Veganer geben, damit die Leute merken, dass Fleisch kein Stück Lebenskraft ist, dass die Milch es nicht macht und dass man ohne all das nicht stirbt, sondern womöglich besser lebt. Deswegen soll nicht die ganze Welt veganisiert werden – das halte ich durchaus für realitätsfremd. Es geht in erster Linie eher darum, überhaupt erstmal auf diese ganzen Zusammenhänge aufmerksam zu machen, darum, ein Problembewusstsein zu herzustellen – denn nur dann kann auch gehandelt werden. Und nicht darum „den Tod abzuschaffen.“ …äh…what?! Leiden wir Veganer nicht nur so sehr unter Verblendung, dass wir nicht nur denken, wir hätten die Lösung für alle möglichen Probleme, sondern dass wir gar gottesgleich auch noch den Tod abschaffen können? Das wär ja praktisch. Dann gäbe es irgendwann nur noch unsterbliche Veganer auf der Welt.😀 Nee, echt jetzt. Wenn ich den Veganer treffe, der die arme Sarah auf der Party so zugespammt hat, dann lad ich ihn auf eine (vermutlich höchst aromastoffbelastete) vegane Biowurst und Bier ein (Kampf der Orthorexie!) und dann wird gequatscht. Soll ja helfen.😉

Kommen wir zu Sarahs Sternstunde: Kinder sollen lernen, dass Ernährung und Gesundheit zusammenhängen, sagt sie. „Natürliche ‚Geschmäcker‘ (*hüstel*) und Grundnahrungsmittel“ sollen sie kennenlernen statt stark verarbeitete Fertigprodukte in sich reinzustopfen. Bravo, Sarah! √ Sie setze sich für „lustbetonte und vernünftige Ernährung“ ein, denn viel zu oft sei „gesundes Essen noch mit Verzicht und Lustvermeidung negativ besetzt“. Ganz hervorragend analysiert! Aber „Kinder vegan zu ernähren, ist absurd und nicht sinnvoll“, konstatiert sie weiter. Aha. Die Starköchin ist vielmehr dafür, Kinder aufzuklären, damit sie selbst wählen können. Okay, hier sehe ich ein Problem. Wenn ich meinem Kind sage, dass es gerade Schweinchen Babe futtert, ist es womöglich eher mittelmäßig begeistert? Oder dass für das Hühnerei kleine süße gelbe Puschelküken lebendig geschreddert werden, könnte dem ein oder anderen Vierjährigen vielleicht nicht so gaaaanz so gut gefallen. Oder kleine Kälbchen, die vor ihren milchgebenden Müttern weggesperrt werden. Nicht grad der Stoff aus dem Träume sind. Aber okay, liebe Sarah! Wie du möchtest.😉 ich kann mich dazu nicht näher auslassen, denke aber doch, dass vegane Ernährung für Kinder machbar ist und die meisten Eltern dazu neigen, Kinder nach den Vorstellungen zu erziehen, die sie für richtig halten. Ich habe von einigen gehört, die es so handhaben, dass zu Hause vegan gegessen, aber in Schule oder Kindergarten selbst gewählt wird. Bitteschön! Ich fänd das auch okay, aber kann und will als Nicht-Elternteil nicht mitreden. Ich finde es nur ungünstig, vegane Kinderernährung von falschen Prämissen ausgehend als sinnlos und absurd abzustempeln. Beim Thema Absurditäten fluten mir da eigentlich eher ganz andere Bilder das Hirn, als Eltern, die sich Gedanken um die Ernährung ihre Kinder machen…

Autor: Jea

// Leipzig, Germany // vegan // forming digital mindscapes //

14 Kommentare zu „Veganer gefährden ihre Gesundheit – Duh!“

  1. Irrtum 4: Rügenwalder Mühle hat keine veganen Produkte😉
    „Unser Vegetarisches Mühlen Hack und die Vegetarischen Mühen Hamburger sind vegan. Bei unseren anderen vegetarischen Produkten ist derzeit noch der Einsatz von Hühnerei notwendig, um den Geschmack in der von uns gewünschten Qualität hinzubekommen. Wir arbeiten jedoch im Rahmen der ständigen Weiterentwicklung unserer Produkte auch daran, einen pflanzlichen Rohstoff zu finden, der unsere Geschmacksanforderungen erfüllt.“
    http://www.ruegenwalder.de/unsere-produkte/fragen-vegetarisch/

  2. Oh Mann, du sprichst mir gerade ein bißchen aus der Seele. Ich hatte gerade, als Nicht-Elternteil, eine Diskusion über Kinderernährung. Vegetarische, wohlgemerkt, nicht mal vegane. Und es ging nicht darum, ob es gesund sei oder nicht (das hat irgendwie keinen gejuckt, vegetarisch ist ja jetzt, wo wir Veganer sind, sogar wünschenswert!), sondern darum, dass das ja absolute Beeinflussung sei. Also auch dann, wenn nur zu Hause vegetarisch gegessen würde und auswärts (Kindergarten, Geburtstage etc.) die Kinder selbst entscheiden könnten. Auslöser: meine Cousine, deren Kinder vegetarisch essen. Die Große nach auswärts-und-bei-Laune-Omnivorzeiten jetzt bewusst (sie ist 7 und seit einem halben Jahr SEHR stolze Vegetarierin), die Kleine (2) eben durch die Mama. Und das gehe ja gaaaar nicht weil keine eigene Entscheidung blabla. Bis sie sich selbst entscheiden könnten, MÜSSTEN sie ja Fleisch essen, um es auszuprobieren etc. Voll die Beeinflussung und Erziehung, Indoktrinierung. Ja nee. Man kann auch sagen, man ernährt sie vegetarisch, BIS sie selbst entscheiden könnten, für den Fall, dass sie mit omnivorer Entscheidung nicht einverstanden sind, aber das ist ja auch nur zu diesem Glauben erziehen blablaaa … und dass einige wohl sehr konkrete Angst hätten, was die seit Jahren vegetarisch/vegan lebenden Kinder mit potentiellen Enkelkindern täten. Da kamen Aggressionen im Tonfall auf, wow. Fiel mir sehr schwer, da ruhig zu bleiben. Schlussendlich bin ich gegangen, mit einem Grummeln im Bauch.

    Mir persönlich tut die Entscheidung, vegan zu leben, kein bißchen Leid. Im Gegenteil. Die ersten paar Wochen/Monate habe ich mich so erleichtert gefühlt, als hätte ich die ganze Zeit etwas auf der Seele lasten gehabt, das jetzt endlich weg ist. Endlich im Reinen mit sich selbst, und das tat und tut mir richtig gut. Mal ganz abgesehen davon, dass ich eine unglaubliche Lust auf gesundes Essen bekommen habe. Ich genieße es in vollen Zügen❤.

    1. Der letzte Absatz gefällt mir am besten!❤

      Ja, ich glaube, es wird viel diskutiert, wenn es um Ernährung geht und erst recht, wenn es um Kinderziehung und Ernährung geht. Das bleibt dann auch nicht immer sachlich….

  3. Das kann ich auch immer nicht nachvollziehen, ich lasse meinem Kind schließlich auch nicht die Wahl, ob es sich nur von Schokolade ernähren will, wenn ich das selbst ablehne. Denn das wäre ungesund, ebenso wie Fleischkonsum es nun mal ist.

    1. Wenn ich manchmal die Einkaufswagen von Familien im Supermarkt sehe, frage ich mich wirklich, warum sich keiner um diese Sorgen macht. Toastbrot mit Nutella, Süßkram, Fertigprodukte. Na denn…

  4. der link mit dem Bilwill nicht klappen, ich versuchs damit: „https://www.facebook.com/photo.php?fbid=842247399207176&set=p.842247399207176&type=3“

  5. Ja! Danke, danke, danke. Ich selber lebe “nur“ vegetarisch (bzw. Nicht vollständig vegan) und ich werde so oft mit irgendwelchen dämlichen Vorurteilen beworfen, aber diese Frau ist wirklich die Höhe. Und das die Industrie sich jeden Trend zunutze macht, ist auch nicht wirklich eine Überraschung. Angebot und Nachfrage. Die Mini-Frikadellen oder die Bärchenwurst wurden ja auch zu keinem anderen Zwecke erfunden, als damit Geld zu verdienen. Wenn auf einmal alle dieser oder jener Diät aufsitzen, na dann gibt es halt Überall Diätgerichte. So ist das. Das da Schrott drin sein kann ist weder bei veganen noch bei irgendeinem anderen Produkt eine Überraschung. Gerade einen Ernährungsumstellung zwingt einen, wie du schon sagtest auch pber den ganzen Rest nachzudenken. Und je nehr ich drüber nachdenke, desto mehr frage ich wie andere so “unwissend“ und mit alufolie in Plastiktüten durchs Leben gehen können.

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