Alle Jahre wieder…

…ist Weihnachten nicht gerade die einfachste Zeit für Pflanzisten. Überall werden Enten und Gänse verspachtelt, in 99 Prozent aller Weihnachtsleckereien sind ebenfalls Tiere versteckt und auf dem Gabentisch findet sich ganz sicher das ein oder andere lieb gemeinte, aber leider eben doch unvegane Präsent. Und als würde diese Zeit des Familienzusammenfindens nicht schon genug Streitpotenzial bieten, hat man hier noch mehr Anlass zum Diskutieren, obwohl das so ziemlich das Letzte ist, was man sich in der ach so stillen Zeit wünscht…

Zweiter Veganer Weihnachtsmarkt in Leipzig
Zweiter Veganer Weihnachtsmarkt in Leipzig

Für mich begann die Weihnachtszeit mit dem Kontrastprogramm: dem zweiten Veganen Weihnachtsmarkt in Leipzig, wieder auf dem Feinkostgelände in der Südvorstadt. Wie im letzten Jahr fanden sich hier neben Handwerks– und Infoständen vor allem weihnachtliche Köstlichkeiten. Für die Kleinen gab es ein Kinderprogramm, für die Großen Live-Musik und eine Feuershow. Und für mich gabs einen Xmas-Dürüm gefüllt mit Wildem Bratenfilet, Rotkohl und Klößen. Ja, schmeckt genauso lecker wie es klingt. Fantastisch!😀

Weihnachten am Kreuz
Weihnachten am Kreuz

Aber das war noch nicht alles, was Leipzig abseits vom großen W-Markt in der City zu bieten hat. Der nun schon zehnte Weihnachtsmarkt „Weihnachten am Kreuz“ im Werk 2 ist durch das Hallengelände zum Großteil überdacht (sehr praktisch bei Regen und es hat, oh ja!). Innen entdeckt man die wohl größte Konzentration an alternativen Angeboten, Kunst und Handwerk der anderen Art: Schmuck, Grafiken, Genähtes, Spielzeug und vieles mehr. Es gibt so viel zu sehen (und zu kaufen, natürlich), dass man das Kulinarische fast vergisst. Davon findet sich hier einiges, darunter auch Veganes. Für meine Begleitung und mich mussten es Burger vom Stand der Vleischerei sein. Kann man zwar unmöglich essen, ohne sich zu bekleckern, aber ist geschmacklich kaum zu überbieten…
FestmenüWeihnachten bei meinen Eltern lief fast konfliktfrei: Für das Festmenü steuerte ich zweierlei Kartoffelsalate bei, einmal mit und einmal ohne Mayo, aber beide vegan (dazu für mich Taifun-Tofu-Würstchen). Das ist nun schon das dritte Jahr und jedes Mal kamen beide Salate sehr gut an. Mein Dad wollte diesmal trotzdem lieber echte Mayo statt meiner. Sorgfältig verglich er die Zutatenliste und meinte dann, da sei ja fast genau das Gleiche drin nur fehle bei meiner eben das Ei. Ja, sagte ich, siehste, braucht man gar nicht, das Ei. Genau wie bei Nudeln. Aber einen Punkt zum Mäkeln fand er dann doch, Maisstärke aus US-Mais, stand da wohl drauf. Ha! Ist zwar vegan, aber es ist Genmais drin, lachte er. Welche Ironie! Auf meinen Hinweis, dass das Ganze „Bio“ ist und deswegen keine genveränderte Zutaten drin sein dürften, kam dann nichts mehr. Denn er hatte den Raum schon verlassen…Am ersten Weihnachtsfeiertag wurde eine Ente aufgetischt. Es sei eine Glückliche, sagte mein Dad. Ich sagte, sie ist nicht glücklich, sondern tot, und betrachtete traurig den blutigen Stumpf, wo mal der Kopf gewesen war. Meine Mom legte dann ein Tuch darüber. Ich machte mir Wheatys Rosmarin-Rouladen, die wirklich sehr rosmarinig schmeckten und sonst ganz in Ordnung, aber nicht der Knaller, waren. Abgesehen von diesen zwei Bemerkungen war aber alles harmonisch. Ach, hab ich erwähnt, dass ich „Vegan to Go“ geschenkt bekommen hab? Es geht doch nichts über einen echten Hildmann unter ’ner Tanne. Und wie lief’s bei euch?

Weiterlesen

 

Autor: Jea

// Leipzig, Germany // vegan // forming digital mindscapes //

9 Kommentare zu „Alle Jahre wieder…“

  1. Ich persönlich finde Weihnachten in Bezug auf das Essen sehr einfach – in den letzten Jahren hat sich so viel getan, dass man problemlos an viele fleischlose Köstlichkeiten kommt.🙂

  2. moin jane
    ja, bei uns sieht es auch so aus, daß das fleischlastige essen natürlich oberlecker schmeckte und ich als veganerin, mit meinem (schäbigen) linsenbraten, betrübt, traurig und neidisch dreinschaute, weil ich die (auch ehemals äußerst glücklichfreilebende) ente nicht DURFTE. mein linsenbraten schmeckte nach „kann man essen“ und damit war das thema auch schon wieder vom tisch. ich bin nicht böse drum. führen zu nichts diese diskussionen am tisch. leider. mein nachtisch kam indes ganz hervorragend an. vielleicht sollte man den menschen einfach nicht verraten, was genau sie da essen – so komplett ohne ei😉 um deinen hildmann bin ich nicht neidisch. mein omni las letztens den titel übrigens als „Vegan -Togo“ – läßt sich halt immer wieder was hübsches neues einfallen, der knabe (damit meine ich den hildmann) 😆
    liebe grüße!
    sandra

    1. Ja, ironie ist immer schwierig im Internet😉 Linsenbraten klingt jedenfals gut. Und ja, diskutieren würde ich bei diesem Anlass persönlich immer vermeiden. Außer man wird provoziert😀

  3. … die glückliche tote ente… im tagesanzeiger (schweiz) habens letztens auch so ein bild (fotostrecke) von einem „glücklichen“ schwein gezeigt… es war tot, ein fotograf hat es mitsammt der schlachtung begleitet und auf dem foto „lächelt“ es praktisch als würde es schlafen…
    wir hatten auch kartoffelsalat🙂 mit würstli (alles vegan) und einfach lecker, mutti ist vegi und findets spannend. und wir hatten auch „ente“ aus dem glas (wie auch immer sie das schaffen), lecker rotkohl und selber gemachte gnochi knusprig gebraten… yummi….ach ja und gestern marronisuppe😀 bin mir gar nicht sicher, ob marronis schon einzug gehalten haben in sachsen… soo lecker… nur kochen, leicht salzen und dann pürrieren und es bitz veganen rahmersatz hinein… und loslöffeln

    ja und familie🙂 es heisst auf feiern ja, nicht über krankheiten, politik und religionen reden… die eigene philosophie wird auch rasch zum knackpunkt… und wenn da noch jemand streitlustig ist, wars das mit dem „frieden“ am tisch/im raum… fleisch/käse & co auf dem tisch sehen, ist eine „istsituation“ in dem moment für mich und ich kann damit umgehen… erneut aufgerüttelt haben mich diesmal sehr die geschäft, die jeden kleinkram in plastiktüten über die theke reichten… hier merke ich, dass ich mich selber noch besser ausstatten muss und vor allem immer etwas dabei haben muss, dass ich nicht in versuchung komme… ich wünschte es wäre verboten und wir müssten von heute auf morgen selber schauen, denn es geht immer irgendwie…

    das kommt gut🙂 peu à peu….

  4. Ein veganer Weihnachtsmarkt, wie toll!!

    Ich beschwere mich nach dem Lesen deines Beitrages nicht mehr über meine angeheiratete Familie :-O Zwar ist es auch jedes Mal mühsam, wenn man die unveganen Guetzli aufgetischt kriegt, das French Dressing oder das Ei aufm Salat hockt oder die Milch zum Kaffee kommt, aber immerhin erzählt mir keiner was von toten Tieren und mit einem Raclette und ein wenig Speck obendrauf war es nicht ganz soviel totes Tier wie bei euch.

    Traurig.

  5. Ich überlege es gerade, Vegetarier zu werden, deswegen ist der Veganismus aus meiner Perspektive noch zu abstrakt, aber vielleicht eines Tages…🙂 seid ihr einfach so Veganer gewesen? ich meine , habt ihr plötzlich entschieden, dass ihr nicht mehr Fleisch und allgemein Tierprodukte esst?
    LG,
    Sarah

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s