Veganz oder gar nicht: endlich in Leipzig!

Folge den grün-weißen Ballons!

Nicht nur gefühlte Ewigkeiten hat es gedauert, immer wieder wurde der Eröffnungstermin verschoben, die Location gewechselt – rund 2 Jahre brauchte die vegane Supermarktkette „Veganz“ um in Leipzig endlich Fuß zu fassen. Gestern und heute feiert die Filiale endlich Eröffnung; wer kann, sollte noch hin, bis 21 Uhr könnt ihr noch verkosten, quatschen und euch mit 10 Prozent Rabatt schonmal warmshoppen🙂 Achtet dabei besonders auf den mit weiß-grünen Ballons geschmückten Nebeneingang, der in eine für Leipzig so typische Passage führt, wo ihr mehr Verkostungsmöglichkeiten, Info-Stände und viele freundliche Gesichter finden werdet.

Veganz in LeipzigIch war am Freitag da, mitten unter unfassbar vielen Besuchern, die Kamera dicht an mich gedrückt, ein bißchen überwältigt vom Hin-und Hergeschoben werden. Man muss es mir angesehen haben, denn als erstes wurde mir an einem Stand ein kleiner Becher Tee zum Kosten gereicht. Nun gut, dachte ich, grünen Tee kennst du ja, Matcha auch, kann nix schief gehen. Aber Tee ist eben nicht gleich Tee. Das hier war original japanischer Bio-Halbschattentee der Marke „Keiko“ von einer deutsch-japanische Firma. Laut Anbieter in speziellem Verfahren gedämpft, vitalstoffreich und höchst ergiebig. Meine Probe hatte ein leichtes Röstaroma, das ich so im Tee nicht erwartet hatte. Diese Qualität hat ihren Preis, aber dafür kann man grünen Tee mehrmals aufgießen, erst dann entfaltet er überhaupt erst sein Aroma, erfuhr ich von der Standinhaberin….

Aber bevor das hier zu gesundheitsbewusst wird, bringe ich hier gleich mal den Schokoladenbrunnen ins Spiel. Ohhhh ja! Genau! Wer jetzt nicht sofort die Sneaker schnürt, ist selber Schuld!😀 Und am nächsten Stand testete ich mich allen Ernstes durch jede einzelne Trinkprobe. Zumindest kann ich meine Gier mit Gutmenschentum entschuldigen: bei LemonAid und ChariTea freut man sich nicht nur über marketingwirksame Wortspiele und leckeren Inhalt, sondern auch über frische, fair gehandelte Bio-Zutaten. Und weil „Fair Trade“ nicht immer genug ist (darauf gehe ich demnächst in einem BlogPost genauer ein) werden hier mit jeder verkauften Flasche ChariTea (zusätzlich zum fairen Handel) Sozial-Projekte in Südafrika, Sri Lanka und Paraguay unterstützt, verspricht das Hamburger Unternehmen. Anderswo gehöre es längst zum guten Ton, mit diesem ethisch hyperkorrekten Kultgetränk durch die Gegend zu flanieren, wo man hier noch mit der deutlich günstigeren Club Mate-Flasche sein Hipstertum unterstreicht. Aber letztere ist nunmal so günstig, weil sie nur aus Konzentraten besteht, durfte ich mir anhören. Aber genug verraten, macht euch lieber selbst ein Bild vor Ort, kostet Buddha-Bärchen, Schoko-Aufstriche, Heißgetränkte an der Aroma-Bar, Smoothies, Tofurky-Würstchen, gebackenen Tempeh und andere Ersatzis, etwa von „Fry’s Family“, einer Veggie-Familie aus Südafrika, die inzwischen eine ganzes Tiefkühlsortiment auf den Markt gebracht hat – sehr bekannt in Großbritannien.

Nun könnte man sich die Frage stellen, wieso Leipzig eigentlich einen veganen Supermarkt braucht. Es ist nicht der erste rein vegane Laden hier, ich denke da an „Vegan Leben“ in der Kurt-Eisner-Straße, der außerdem noch warme Mittagsgerichte und Bio-Gemüse auf Bestellung via Doodle anbietet (großartige Idee!). Auch der noch neue Klamottenladen ConVeg Style fällt mir da ein, den ich auf dem letzten „Vegan Summer Day“ kennengelernt habe. Außerdem haben zahlreiche Bio-Läden und Reformhäuser ein veganes Sortiment am Start. Auch an veganen Lokalitäten oder welchen mit ebensolchen Optionen mangelt es nicht mehr (eine Karte findet ihr hier). Nicht umsonst wurde Leipzig kürzlich von PETA zur vegan-freundlichsten Stadt 2014 gekürt (Kategorie der Städte unter 600.000 Einwohner). Selbst im gesamtdeutschen Vergleich 2013 kommt Leipzig auf Platz 3 gleich nach den schon allein aufgrund ihrer Größenordnung unschlagbaren Städte Berlin und München! Also abgesehen davon, dass das Veganz natürlich mächtig rumgebummelt hat und nur deswegen nicht der erste vegane Laden hier werden konnte, wird einem der Grund schnell klar, wenn man mal drin gewesen ist. Was ich nach meinem Rundgang im Innenhof in Angriff nahm…

Ich kannte das Veganz schon von der (kleineren) Filiale in Berlin. Aber das ist gar kein Vergleich, das hier ist sowas wie ein Veganer-Paradies auf 400 Quadratmetern – ich hab noch nie so viele verschiedene Sorten und Marken an veganen Produkten gesehen! Und ich kenne einige, ich bin Stammgast in veganen Online-Shops und immer furchtbar neugierig auf alles Neue, was der Markt bietet (nicht unbedingt ein Vorteil, ehrlich :D). Aileen von Minzgrün, die schon vor mir einen sehr schönen Review zum Pre-Opening verfasst hat, kann die Vielfalt sogar in Zahlen fassen, sie berichtet, dass 90% des Sor­ti­ments aus Bio-Produkten besteht, dar­un­ter bei­spiels­weise 45 ver­schie­dene Pflan­zen­drinks und über 80 Käseal­ter­na­ti­ven. Wenn man reinkommt, erwartet einen erstmal das Cafe „Goodies“ mit veganen Snacks, Smoothies, Backwaren, Kaffee und freundlichen Angestellten, die passend zum Anlass sogar ein bißchen glitzerten😉 Der Supermarkt selbst befindet sich gleich dahinter und – man landet erstmal in der Gemüse- und Obstabteilung – denn im Veganz gibt es natürlich nicht nur Ersatzprodukte, auch wenn meine Fotostrecke den Eindruck erweckt.😀 Aber das Gros besteht natürlich aus ebensolchen, also aus Wurst, die keine ist, oder gar Erdnussbutter ohne Erdnüsse, Glutenfreies, Rohköstliches und so weiter – ein Sortiment eben für Veggies, Allergiker, ethisch und/oder ökologisch motivierter Konsumenten. Auch wenn man angesichts What do Vegans Eat?zahlreicher Importprodukte über Klimabilanzen streiten könnte. Aber das Motto lautet ganz offensichtlich: Mehr ist einfach mehr! Jeder Omni, der einmal da drin war, ist geheilt von der Vorstellung, dass Veganer nur von Kleeblättern und zementfarbenen Tofu-Blöcken leben.

Was mich bei meinem Besuch da besonders gefreut hat, wie auch schon bei den Vegan Summer Days, ist das offenkundige Interesse, denn der Andrang hier ist einfach unglaublich gewesen. Überall Menschen, die neugierig die Produkte begutachten, sich durch die Pflanzendrinks testen (clever, die kleine Milchbar!), sich Würstchen schmecken lassen. Das gibt mir immer ein bißchen Auftrieb, hier bewegt sich was, das ist ganz klar! Und genau deswegen braucht es eben auch einen veganen Anlaufpunkt nicht nur in Connewitz oder Plagwitz sondern mitten im Herzen von Leipzig, wo vor allem Omni-Fußvolk eingesammelt wird. Denn, wie Veganz-Gründer Bredack beim Interview mit einen lokalen TV-Sender (ich stand eisschleckend zufällig daneben und hab gelauscht, jaja!) sagte, 70 Prozent der Veganz-Kunden sind weder vegan noch vegetarisch. Auch wenn ich mir kaum vorstellen kann, was erst ein Normesser denken mag, wenn er vor den Regalen voller verrückter Fleischersatzis steht, wenn sogar ich schon davon einigermaßen erschlagen bin… Huch, ich hab mich verplappert und ihr seid ja immernoch da! Jetzt aber nichts wie hin!😉

Veganz – wir lieben Leben – Leipzig GmbH
Nikolaistraße 53
04109 Leipzig

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Autor: Jea

// Leipzig, Germany // vegan // forming digital mindscapes //

5 Kommentare zu „Veganz oder gar nicht: endlich in Leipzig!“

  1. soo cool… ich glaub für Zürich schauen sie auch seit einiger Zeit… Ich hoffe es dauert nicht mehr sooo lang… ist ja ein echter Traum und erst der Standort… ich freu mich für euch😀

  2. Ahh, den Schokobrunnen hab ich leider verpasst – mist! Aber ansonsten ist es wirklich eine tolle Eröffnung gewesen. Meine Güte gab es viel zu essen🙂

    Das München vor Leipzig in der Liste der „vegan-freundlichsten Städte“ rangiert, finde ich immer noch sehr merkwürdig. Neben dem Max Pett kenne ich fast keine Lokalität, die erstens schmeckt oder noch geöffnet hat. Und haben die dort eigentlich vegane Einkaufsmöglichkeiten?

  3. Schade, daß Solingen so klein ist, wir sind nämlich auch verdammt veganfreundlich🙂 Das Kochen ohne Knochen Magazin kommt schließlich aus Solingen, wir haben jährlich das über das Bergische Land hinaus wirkende Veggiefest und ein veganes Café. Und demnächst auch einen veganen Schnellimbiß! Ganz schön viel. für so ein kleines Kaff!🙂

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