Warum vegan? Pflanzenhass! Reiner Pflanzenhass!

Mir wurde auf meiner Facebook-Page vor kurzem die Frage gestellt, wieso ich stolz darauf wäre, Pflanzen zu vernichten. Offenbar ist mein Blog-Titel doch missverständlicher als ich dachte – oder Humor transportiert sich wirklich nicht gut im Internet. Meine Seite soll die vegane Küche als Erweiterung des Speiseplans, nicht als Verzicht oder Zwang darstellen. Es soll keiner ausgeschlossen, sondern jeder ermutigt werden, sich mehr oder möglichst ganz pflanzlich zu ernähren. Dahinter steht natürlich neben möglichen gesundheitlichen Vorteilen auch das Vermeiden von Tierleid – so gut es eben möglich ist und egal, wie theoretisch dieses Anliegen sein mag. Mit Stolz hat das wenig zu tun, mir vergeht angesichts dessen, was in der Welt vor sich geht, jede Form von Stolz…



Wie auch der Artgenosse im Video so schön zusammenfasst, ist nicht nachgewiesen, dass Pflanzen ein Nervensystem haben und Schmerzen empfinden. Und selbst wenn dies so sein sollte, fressen doch Nutztiere ebenso Pflanzen (und davon nicht wenige). So würde sich das pflanzliche Leid noch mit dem der Tiere multiplizieren. Sollte sich also jemand Sorgen um Pflanzen machen, müsste er erst recht Pflanzenfresser werden, wenn er den Schaden nicht noch um ein Vielfaches vermehren möchte. Leider zeigte sich der Fragende und sein Anhang als einigermaßen argumentationsresistent, d.h. ging nicht wirklich auf diese Aussagen ein. Nach und nach stellte sich aber heraus, dass es ihm vor allem darum ging, dass alle Lebenwesen gleichzustellen sind, Pflanzen also nicht weniger wert sind als Tiere. Und ja, er zöge auch Konsequenzen aus seinen Ansichten: „Ich tue keiner Pflanze etwas zuleide, wenn es sich nicht vermeiden lässt (sprich: wenn es zum Überleben notwendig ist). Ich bevorzuge Früchte gegenüber allem Pflanzlichen, das durch den Verzehr komplett stirbt. In meine Wohnung kommen keine Schnittblumen. Eine Zimmerpflanze hat für mich die gleiche Priorität wie ein Haustier. Wenn jemand Pflanzen misshandelt, setze ich mich mit demjenigen auseinander.“

Tod der Petersilie!
Lauf, Petersilie, lauf!


Er erinnert mich damit an die Frutarier oder Fruktarier, die sich auch vegan ernähren, aber nur diese Pflanzen, die sie essen können, ohne sie damit zu zerstören. Früchte, Nüsse und Samen sind also ok, weil die Pflanze danach noch weiterlebt, manche essen auch Getreide, da es bei der Ernte schon abgestorben ist. Knollen, Blätter oder Wurzeln hingegen stehen nicht auf den Speiseplan. Neben den üblichen ökologischen und ethischen Aspekten scheint es hier noch einen philosophischen zu geben, und in dem speziellen Fall eben die Gleichstellung. Leider scheinen Menschen anderer Meinung nicht in sein gleichstellendes Weltbild zu passen, da er einer Kommentatorin schrieb, sie solle sich lieber umbringen, das wäre ein Vorteil für alle Pflanzen und Tiere. Aber abgesehen von diesen Ausfällen hat er nicht ganz unrecht – wenn ich auch nicht weiß, wie er darauf kommt, dass ich Pflanzen nicht achte, nur weil ich sie esse (n muss). Denn das tue ich natürlich, aber ich verbringe meine Freizeit nicht gerade damit, wehrlose Gänseblümchen zu köpfen, Bäume zu fällen und mit Kohlköpfen Weitwurf zu veranstalten. Sicher behandle ich sie anders als Tiere, eben weil ich nach derzeitigem Stand der Wissenschaft davon ausgehe, dass Pflanzen kein Leid empfinden, wenn auch einige Wissenschaftlicher zu beweisen suchen, dass sie durchaus sehen, hören und kommunizieren können. Schmerzen haben sie aber offenbar nicht. Ich schneide Tomaten zu Salat klein, ja mittendurch! ich beiße Äpfel und futtere ganze Blumenkohlköpfe, wenn mir danach ist! Die Petersilie steht auch nicht nur zur Deko am Küchenfenster. Ist diese Einstellung bigott? ich weiß es nicht. Für mich ist es nur logisch. Wie seht ihr das?

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Achtung, Pflanzenfresser auf Facebook Achtung, Pflanzenfresser auf Facebook

Autor: Jea

// Leipzig, Germany // vegan // forming digital mindscapes //

15 Kommentare zu „Warum vegan? Pflanzenhass! Reiner Pflanzenhass!“

  1. Darüber habe ich schon häufiger nachgedacht und bin noch zu keiner befriedigenden Lösung gekommen. So lange man nicht sicher weiß, dass Pflanzen nicht leiden, schließe ich den Schmerz nicht aus und tue mir je nach Phase schwer damit, sie zu essen.
    Da ich allerdings eine Fruktoseintoleranz habe, ist es mit Früchten recht schwierig. Ich werde also weiterhin darüber nachdenken und Kompromisse eingehen.

    1. Es ist unwahrscheinlich, dass sie Schmerzen haben. Es gibt keinerlei Hinweise dafür. Aber Achtung gehört trotzdem dazu, denke ich. Bäume fällen z.B. nur, wenn es wirklich notwendig ist und nicht anders geht.

  2. Als ethisch begründeter Veganer ist man sicher leichter zu sensibilisieren für dieses Thema. Zudem sind Pflanzen wahnsinnig interessant. Aber derzeit fehlen mir die schlüssigen Belege für eine Leidensfähigkeit. Allein auf Spekulationen möchte ich mein Handeln diesbezüglich nicht basieren lassen.

  3. Für mich gilt im Prinzip der Kerngedanke des Veganismus – die Vermeidung von Leid. Und wie du schon so schön geschrieben hast, gibt es derzeit keine Hinweise darauf, dass Pflanzen leiden können.
    Außerdem kann ich bei solchen Diskussionen eh nur den Kopf schütteln. Angesichts der Probleme auf dieser Welt muss man doch keinem Veganer Vorhaltungen machen, dass er Pflanzen isst. Schon alleine der Versuch, die Menschheit von der vegetarischen Idee zu überzeugen, wird irrsinnig viel Spucke und Überzeugungsarbeit brauchen – da könnte der Typ sich lang und breit auslassen und mit den Menschen reden, wo noch Redebedarf ist. Bis sich überhaupt die Frage stellt, ob es nach dem Veganismus noch etwas umweltfreundlicheres und leidfreieres gibt, haben wir ganz andere Probleme anzupacken.

    1. Ja, ich verstehe auch nicht , warum sich Veganer/Vegetarier auch noch untereinander angehen müssen. Dass man nicht immer einer Meinung ist ok, aber auch hier sollte gegenseitiger Respekt an erster Stelle stehen.

  4. Hallo Jane,

    meiner Ansicht nach gibt es keinerlei plausible Argumente, Pflanzen die Möglichkeit zu einem bewusssten Erleben geschweige denn Schmerzempfinden zuzusprechen, da dies nach allem was wir wissen, ein zentrales Nervensystem oder etwas damit Vergleichbares voraussetzt. Oder umgekehrt: Ein ethischer Frutarier müsste mir schon erklären, wieso er ganzen Pflanzen eine Empfindungsfähigkeit zuspricht, ihren Früchten und Samen aber nicht.

    Im Normalfall ist der Einwand mit den Pflanzen ja auch nicht ernst gemeint, sondern kommt von Tierverbrauchern, die durch das Gleichsetzen von nunmal eindeutig bewusstseins- und empfindungsfähigen Tieren mit Pflanzen ihr Gewissen beruhigen wollen.

    Viele Grüße
    Hauke

    1. Würde das konsequent zu Ende gedacht, dann dürften Frutarier ja auch keine Nüsse, Samen, Beeren, Früchte etc. essen, da sie ja dann der Pflanze die Vermehrungsfähigkeit ebendieser zur Weitergabe der Gene bestimmten Pflanzenteilen rauben würden!

    1. Danke, Theresa! Ich hab ja auch nichts gegen Denkanstöße und andere Ansichten, im Gegenteil. Leben und leben lassen😉 Nur bei Beleidigungen und absichtlichen Provokationen haben Diskussionen wenig Sinn…

  5. Ich finde es etwas übertrieben, das Essen von Gemüse, Obst, Kräuter, etc. als „Pflanzenhass“ zu benennen. Pflanzenhass wäre es für mich, wenn man willentlich die Umwelt zerstört – durch zertrampeln, durch abroden, auch durch Luftverschmutzung. So hängt für mich beispielsweise eine umweltschädigende Lebensweise eng mit „Pflanzenhass“ zusammen. Wer aber die Pflanzen als Geschenke der Natur ansieht, sie wertschätzt und nicht verschwenderisch damit umgeht, ist in meinen Augen kein Pflanzenhasser.

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