Rohvegan – Claudia Renner

Fast schon HerbstIch strecke die Hand aus und bewege meine Finger im Licht, in den letzten sommerwarmen Strahlen. Lange hab ich gezögert, mich durch das Buch von der lieben Claudi von „Claudi goes vegan!“ zu testen, das sie mir schon vor einiger Zeit zugeschickt hatte. Zwar wollte ich die Rezeptetesterei ohnehin auf den Sommer verlegen, da sich Rohveganes meiner Meinung nach am besten in der heißen Zeit des Jahres macht. Aber nach meinen zum Teil geglückten, aber zum Teil auch weniger erfolgreichen Experimenten mit Rohkost im letzten Jahr, war ich irgendwie doch nicht mehr so heiß drauf, mich der kalte Küche erneut zu widmen. Mühsam geschichtete rohe Lasagne, wahnsinnig viel Nussmus und Bauchweh von zu viel Avocado – das alles war mir noch zu gut in Erinnerung. Und dass man nicht unbedingt alles roh essen muss oder sollte, um gesund zu bleiben, hatte ich ja ebenfalls schon recherchiert. Mir persönlich reicht es, täglich einen schönen Salat ins Tagesmenü einzubauen (wobei Salat ein ziemlich dehnbarer Begriff ist). Aber ehrlich, wenn ich mich nicht bewusst durch Rezepte teste, esse ich entweder immer so ziemlich das Gleiche oder ich fange an, ins vegane Junk Food zurückzufallen, weil ich zu spät merke dass ich Hunger habe und dann sofort was her muss. Meine wieder enger gewordenen Hosen zeugen von dieser Phase…*seufz* Schließlich machte ich mich doch daran, das Büchlein zu lesen, und sei es nur, weil es mich monatelang mit großen Schafaugen gespannt ansah. Die Rezepte Ich gehe beim Rezeptbuch-Testen gern methodisch vor. Ein bißchen Disziplin muss sein, damit der kleine Chaot in mir es auch wirklich durchzieht😀 Ich schreibe mir die Namen der Rezepte heraus, auf die ich Lust habe – mit Seitenzahl und vermerke darunter jeweils klein die noch zu besorgenden Zutaten. So habe ich etwas mehr Übersicht. Da fällt mir auf: Warum gibt es hier kein Rezepteverzeichnis? Hm… Einige von Claudis Rezepten kannte ich schon durch die Roh-Experimente des letzten Jahres. Grüne Smoothies, Gazpacho, Gemüsenudeln, Lasagne, Chia Pudding, Schokoladenmousse, Eis und rohe Törtchen. Anderes war neu: Gefüllte Paprika oder Pilze, Vushi, Zucchiniröllchen, Schoko-Pralinen, Mangold-Chips, Knäckebro(h)t und Mandelmilch zum Selbermachen.

Beim ersten Durchblättern fällt das an ihren Blog orientierte Design auf, alles übersichtlich strukturiert mit recht ansprechenden Fotos zu jedem Rezept. Und man bemerkt schon den ersten Vorteil roher Küche, den ich schon fast vergessen hatte: die Zutatenliste ist meist sehr kurz. Im Normalfall braucht man auch nichts Exotisches, da Rohkost nunmal hauptsächlich aus rohem Obst und Gemüse besteht, logisch. Allerdings kommt es hier auch drauf an, wie genau man es nehmen will mit der Rohkost. Wirklich rohe Nüsse, Gewürze, Öle, Kakao, ja sogar Trockenfrüchte sind nicht immer roh im normalen Handel erhältlich, sondern nur über Online-Shops oder spezialisierte Läden. Für meine eigene Testreihe habe ich es hierbei nicht so genau genommen und mir in den Fällen keine extra Sachen bestellt, was aber dem Experiment an sich nicht schadete. Der zweite Vorteil roher Küche, zumindest in Claudis Fall: die Zubereitungszeit ist wahnsinnig kurz! Und dieser geht Hand in Hand mit Nummer drei: sie ist wunderbar einfach. Hier eine Möhre durch den Scheider gedreht, Zutaten in den Mixer fürs Topping, fertig. Oder ein bißchen Gemüse zusammengeschnitten, Soße mixen, done! Und während ich hochmotiviert von so vielen Vorteilen in der Küche hantierte, kam ich mir schon selber ein bißchen dusselig vor, dass ich so lange damit gewartet hatte, es endlich anzugehen. Und ja, es hat geschmeckt, auch wenn ich bei einigen vorher skeptisch war. Ich bin kein Fan von rohen Pilzen, zum Beispiel. Aber Claudis Gefüllte waren einfach fabelhaft! Und Pastinaken liebe ich als Suppe sehr gern, aber roh als Salat? o.O Ich kostete sehr vorsichtig. Und ja, die pure, zerkleinere Pastinake machte nichts her, mit diesem komischen stechenden Nachgeschmack der Wurzel. In der Kombi mit Banane und ein, zwei anderen Sachen in Claudis Rezept – tadaa! Es funktionierte. Ich glaube der einzige Reinfall war wieder der Avocado-Overkill mit der gefüllten Paprika. Ich vertrage die grüne Superfrucht wohl nur in geringen Mengen. Das liegt aber ja nun nicht am Rezept😉 Die Geschichte Rohvegan - Claudia RennerNun ist Claudis Buch aber kein reines Rezeptebuch. „Mein 4-Wochen-Selbstversuch“ hat sie es genannt und auch genauso, fast chronologisch, geschrieben. Wie sie auf vegan gekommen ist, dann auf rohvegan, wie sie sich vorbereitet hat, welche Geräte sie benutzt, wo sie Rohköstliches herbekam, welche Gedanken und Sorgen sie bewegten und wie Freunde und Familie auf ihren Selbstversuch reagierten. Das alles macht das Büchlein sympathisch und praxisnah, wobei alles immernoch sehr kompakt gehalten ist. Man findet hier keine endlosen Textwüsten, durch die man sich erst durchwühlen muss. Dazu schreibt sie natürlich über Rohkost selbst: Was dahinter steckt, welche Konzepte es gibt, welche gesundheitlichen Vorteile man hat, wie ein typischer Speiseplan für einen Tag aussieht, wo man mehr Informationen bekommen kann. Besonders hilfreich fand ich auch die Übersicht auf Seite 22/23, mit einer Tabelle von Lebensmitteln, die nicht roh sind und warum und was ihre rohköstlichen Alternativen sind. Insgesamt ist das Buch am besten für die geeignet, die einen unkomplizierten Einstieg in die Rohveganitäten suchen, mal reinschnuppern und  erste, einfache Gerichte kosten möchten. Es vermittelt die Grundlagen sowie leckere Basis-Rezepte. Für alles weitere gibt es ausführlichere Werke. Weiterlesen:

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Autor: Jea

// Leipzig, Germany // vegan // forming digital mindscapes //

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