Veganismus ist kein Verzicht! Nicht!

Ist es nicht!

Als ich vor fast drei Jahren umgestellt habe, tonnenweise Bücher las und anfing, meine kleine Küche für mehr zunutzen als nur fürs Kaffeekochen, war es tatsächlich so: Der Pflanzismus hatte für mich weniger mit Verzicht zu tun, sondern vielmehr eröffnete sich eine ganz neue Welt mit neuen exotischen, aber auch altbekannten aber kaum genutzen Lebensmitteln und Gewürzen. Ich glaube, ich hatte vorher nur Pfeffer, Salz und Knoblauchpulver im Haus. Bestenfalls noch Basilikum und Oregano. Jetzt steht da auch noch Kurkuma, Kreuzkümmel, Curry, Zwiebelpulver, Endoferm, Muskatnuss, Garam Masala, Rosenpaprika, Hefeflocken und Chilipulver. Meine Regale haben vorher nur Teller beherbergt, jetzt ist alles voller verschiedenfarbiger Bohnen, Linsen, Kichererbsen und Kidneybohnen. Hirse, Quinoa, Polenta, Amaranth, Buchweizen – damit hätte ich früher rein gar nichts anfangen können, jetzt teste ich Rezepte damit. Die einzige Salatsorte, ich ich mochte, war Eisbergsalat (kann ich jetzt nicht mehr sehen) und neben Gurken und Tomaten gabs wohl auch nicht viel mehr an Gemüse, jedenfalls nicht so regelmäßig. Durch die Lektüre der „China Study“, „Eat to Live“, „Anständig essen“ und so einigen anderen Büchern bekam ich mehr Appetit auf richtige, nährstoffreiche Lebensmittel. Ich wusste nun, was in Fertigkram drin ist. Und nicht nur in Fertigkram, das Gleiche gilt natürlich auch für Fleisch und Milchprodukte. Die sind zwar auch nährstoffreich, aber bringen aber noch anderes Unerwünschtes mit sich. Nicht zuletzt jede Menge Tierleid, das sich am Ende nicht nur negativ aufs Gewissen, sondern auch auf das „Produkt“ auswirkt. Es kommt mir weniger wie ein Verzicht vor, wie bei einer Diät, wo man weiß, man darf dieses oder jenes nicht mehr essen. Es fühlt sich eher wie eine Entscheidung für als eine Entscheidung  gegen etwas an. Das ist der Grund dafür, warum viele Veganer nicht von Verzicht sprechen. Weil man sich so viel Neues erschließt und einem auf den Rest eh der Appetit vergangen ist….

Die Fleischtheke sieht heute irgendwie nicht so vertrauenswürdig aus...
Die Fleischtheke sieht auf einmal nicht mehr so vertrauenswürdig aus…😉

Ist es doch!

Aber Veganismus ist natürlich Verzicht, auch wenn es sich subjektiv nicht immer so anfühlt. Wenn ich in den Superrmarkt gehe, stehen die Hälfte der Produkte dort für mich außer Frage. Wenn auf Arbeit jemand eine Geburtstagsrunde ausgibt, darf ich zusehen, wie die Kollegen Schokokuchen essen. Wenn ich spontan mit Freunden unterwegs bin, drücke ich die Daumen, dass auf der Karte irgendwas für mich dabei ist (und zwar nicht zum 20. Mal Spaghetti mit Tomatensoße) oder wenigstens der Kellner/der Küchenchef nett ist. Auch auf Reisen sind die kulinarischen Genüsse eher selten auch für Pflanzisten geeignet. Wenn ich einen Jieper auf Waffeln bekomme, muss ich den verschieben und warten, bis ich sie mir selbst zubereiten kann, oder einen Laden finden, wo es welche gibt. Überhaupt hab ich mich essenstechnisch von sofortiger Bedürfnisbefriedigung verabschiedet. Das alles kann ganz schön anstrengend werden, vor allem wenn man so verwöhnt/gewöhnt ist, dass sonst immer alles sofort verfügbar zu sein hat. Unsere Welt ist ja voller Angebote und Möglichkeiten. Es geht vielmehr darum, wie man leben will, wie man sich entscheidet. Es ist auch Verzicht, nicht zu rauchen, oder ohne Umgucken die Straße zu überqueren. Verzicht, ja. Aber die Frage ist doch, will ich das überhaupt, brauch ich das, will ich das unterstützen? Wenn es ausreichend Alternativen gibt? Natürlich nervt es manchmal, aber andere Sachen nerven ja auch gelegentlich. Das ändert nichts daran, dass ich mich für etwas entscheide. Jeden Tag neu. Denn ich will daran eben nicht teilhaben, ich will zeigen, dass man auch als Pflanzlist nicht vom Fleisch fällt *ahem*, dass diese system-inherente Grausamkeit total unnötig ist. Und das würde nicht funktionieren, wenn ich meinen Fleischkonsum nur reduzieren würde. Denn heutztage „reduziert“ ja jeder seinen Fleischkonsum (und vergisst dabei seine Frühstückswurstbrötchen) und isst „nur noch Bio“. Das ist eine zu subjektive Einschätzung und beweist gar nichts. Reiner Pflanzismus jedoch rüttelt an so einigen Mythen, wie Milch mache stark, tierisches Protein brauche man zum Leben und so weiter. Es hinterfragt Traditionen, es schreit nach Veränderung, es provoziert und demonstriert – ohne einen Laut. Subtil, aber nicht wirkungslos. Deshalb zählt jeder Veganer, jeder 30 Tage-Challenger, jeder Veggie-Tag in der Kantine. Es geht auch anders, heißt die Botschaft. Und wir wollen es anders, bezeugt die Umsetzung.

Wie empfindet ihr das? Ist Veganismus mehr Verzicht für euch? Oder habt ihr mehr gewonnen als verloren?

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Autor: Jea

// Leipzig, Germany // vegan // forming digital mindscapes //

41 Kommentare zu „Veganismus ist kein Verzicht! Nicht!“

  1. ich stimm dir da bei beiden punkten zu. Natürlich ist es ein verzicht manchmal nicht alles essen zu können, aber eben kein schlimmer. Da ich Veganerin wurde als ich Jugendliche war, habe ich da eh erst richtig kochen gelernt. Aber wenn ich was ich koche vergleich mit dem was es in meiner Kindheit immer zu essen gab oder auch wie andere Menschen um mich herum essen, dann ist Veganismus definitiv eine Bereicherung.

  2. Am Anfang war es Verzicht, nach eineinhalb Jahren veganer Ernährung ist es das nicht mehr. Was zunächst als Verzicht erscheint, kann durch eine Interessenverschiebung zu völliger Bedeutungslosigkeit geraten. Mir fehlt nichts und ich entdecke ständig neue interessante Rezepte, Zutaten etc. Ich habe mir auch früher nicht alles in den Rachen geworfen, worauf ich gerade Appetit bekam, insofern sehe ich auch da keinen Verzicht. Ich sehe es als mentalen Zugewinn, widerstehen zu können.

  3. … was den genuss betrifft, ist es breicherung pur für mich😀
    verzicht: eine von vielen zu sein in langjährigen freundschaften… hier geraten wir an und ab in ratlosigkeit, wenn spontan was geschlemmt werden will… hier bin ich „anders“, was nicht jede freundschaft durchsteht… aber das ist glaubs auch ok… vertraute teilen mir mit, wenn sie essenstechnisch in eine ohnmacht rutschen, wenn ich dabei bin… aber das hält nicht lang an… kurz bedaure ich, dass sie in dieses gefühl rutschen aber ich freu mich auch, dass sie sich mit dem thema auseinander setzen… oder sich sogar für mich stark machen (beispiel kantine: wo mir ja schlieeslich das salatbuffet zur verfügung stünde… oder mit glück ein paar beilagen, wenn sie nicht in butter schwimmen)

    was ganz toll ist😀 der werbemarkt ist eher für den omni ausgerichtet… somit bin ich nicht so werbeanfällig😉 ausser bei der fb-seite „vegane produkte schweiz“ hier herrscht gegenseitige unterstützung, da man echt müde wird bei all den zutatenetiketten… aber da es sich eher um den „verpönten“ fertigfood handelt, hält sich mein konsum da auch in grenzen…

    ich habe einfach eine riesenfreude, dass ich den mut hatte und habe, mir treu zu sein….

    1. Also nur am Essen sollten Freundschaften eigentlich nicht scheitern, oder?:-/ Aber ich kenne das Problem auf familiärer Ebene. Naja, steter Tropfen und so😉

  4. es ein Verzicht auf eingefahrene Gewohnheiten. Der Gewinn ist unendlich grösser. Es stellt sich garantiert eine „Leichtigkeit des Seins“ ein.

  5. Ich folge dir ja erst seit kurzem, aber ich muß sagen du hast es mal wieder 100%tig auf den Punkt gebracht.
    Ich lebe auch erst seit drei Monaten vegan und es war auch eine Entscheidung ohne irgendwelche Sachzwänge. Sicherlich ist es gerade unterwegs für einen Veganer schwer etwas zu Essen zu finden. Und auf dem Stadtfest bei uns lief ich an einer Burgerbude aus grauer Vorzeit vorbei und da stieg mir der Duft der wohlbekannten Hamburger in die Nase. Ja, in der Sekunde war es Verzicht! Und in nächster Zeit sind bei der Arbeit jedemenge Geburtstage, Einstände, Führerscheine u.s.w. zu feiern. Da wird auch keiner auf mich „schrulligen alten Sack“ Rücksicht nehmen. Im Gegenteil, die haben eher Angst, das ich mit meinem „Tofu-Quatsch“ ankomme, wenn ich Geburtstag habe. Eigentlich eine Beleidigung, diese Annahme, ebenso wie die Einstellung, das ich als Veganer mich an ihrem Buffet ja an die „Deco“ halten kann.
    Aber so lernt man seinen realen Stellenwert unter Freunden, Kollegen oder Bekannten einzuschätzen. Eine Freundschaft die schon am Essen scheitert war auch keine. Lieber nur einen Freund, der bedingungslos zu mir steht, als 100 Bekannte die mir bei irgendwelchen Partys ihre Freundschaft versichern.
    Aber zurück zum Thema: Für mich ist es eine Entscheidung, die wie jede Entscheidung auch ihre Schattenseiten mit sich bringt. Man sollte diesen Gedanken aber nicht hinterher hängen. Ich habe mich entschieden und die Vorteile wiegen die ein oder zwei Verzichtsmomente locker auf.

  6. *word* Du sprichts mir aus der Seele!!!
    Es ist ganz klar beides. Aber der „Verzicht“ kann einem auch bewusst machen wie wundervoll viele Dinge sind, die wir für selbstverständlich halten, und die doch der pure Luxus sind!!!

  7. Für mich war es von Anfang an gar kein Verzicht. Es eröffnete mir, wie du bereits auch schon geschrieben hattest, die Welt der bis dato unbekannten Lebensmittel und Gemüsesorten.

    Und ich verzichte doch nicht wirklich. Gestern zum Beispiel wurde bei uns gegrillt. Ich habe mir Tofu in einer leckeren Marinade eingelegt, ich habe Chili-Mango (superlecker, hätte ich vorher vielleicht nie ausprobiert) zubereitet, es gab gegrillte Tomaten, gegrillte Aubergine, Erdbeer-Chutney… und das Fleisch, dass für den Rest der Familie auf dem Grill lag, interessierte mich nicht die Bohne!

    Natürlich ist es manchmal etwas problematisch, wenn man unterwegs ist. Aber meistens nehme ich mir sowieso immer etwas zu Essen mit. Und mein Lieblings-Italiener geht auch immer sehr gut auf meine Sonderwünsche ein. Anstelle der Putenstreifen bekomme ich gebratene Zucchini auf den Salat. Die Pizza gibt es ohne Käse, dafür mit ganz viel leckerem Gemüse.

    Vegane Ernährung ist für mich eine Bereicherung!

    Und sollen sich die Arbeitskollegen doch den Schokoladenkuchen reinhauen. WIE OFT habe ich früher immer so ein Stück Kuchen genommen und gedacht „Bäh, schmeckt ja mal so gar nicht!“ Und habe es dann trotzdem aufgegessen?

  8. Es ist wohl wirklich beides.
    Auf der einen Seite koche ich jetzt richtig richti gerne (fande ich mit Fleisch immer bäh), auf der anderen Seite schränkt man sich schon ein wenig ein – allerdings stört mich das nach nunmehr fünf Jahren auch nicht mehr🙂
    Alles in Allem war es wohl die beste Entscheidung die ich je traf.

  9. Ich bin auf dem Weg von vegetarisch (seit 35 Jahren) zu immer mehr vegan (seit ca. 2 Monaten), aus dem einfachen Grund, weil mir die Tiere leid tun, (bin neben dem Schlachthof aufgewachsen…) nebst den mittlerweile zum Glück auch politisch immer relevanteren Begründungen wie Klimaschutz und Gesundheit.
    Ich finde, dass ich mit dieser Entscheidung nur gewinne, was das Essen betrifft: ich probiere neue Rezepte aus, bekoche meine Freunde vegetarisch und/oder vegan und sie sind begeistert. Ich entdecke laufend neue Produkte, das ist wirklich toll! Hab jetzt Kokosmilch im Kaffee ausprobiert, weil ich schwarzen Kaffee einfach nicht trinken kann und nicht ganz auf Kaffee verzichten kann. Schmeckt lecker!
    Das Problem für mich ist eigentlich ein ganz anderes: je mehr ich über Fleisch- und Milchproduktion weiss, desto trauriger und oft auch aggressiver werde ich, wenn ich ignoranten Menschen begegne. Auch die Meldungen über Grausamkeiten machen mir zu schaffen und ich kriege die Bilder nicht mehr aus dem Kopf. Trotzdem denke ich, dass es wichtig ist, gut informiert zu sein, um auch schlagende und manchmal, wenn nötig, schockierende Argumente zu haben. Viele sind einfach abgestumpft und geben zu, dass sie das Thema verdrängen. Ich habe gerade aus diesem Grund meine Kundschaft bei meiner Masseuse nach über 20 Jahren beendet.
    Ich hab einen wunderbaren Partner, der auch mal für ein Kongressessen für 250 Leute rein vegetarisch organisiert🙂 👍
    Ich unterrichte als Lehrerin an einer Grundschule momentan im 1. Schuljahr und freue mich jeden Tag, mit neugierigen Kindern zu arbeiten, die sich noch für fast alles begeistern können und die niemals das Häschen wählen würden, wenn ich ihnen einen Apfel und ein Plüsch-Kaninchen zur Menü-Auswahl gebe. (In welchem Alter kippt das eigentlich??)
    Ich hab zwei Hunde aus dem Tierheim… die geben natürlich auch Trost, wenn ich sie knuddle und mit ihnen spazieren gehe.
    Aber insgesamt bin ich doch immer wieder sehr deprimiert… Was habt Ihr für Tipps gegen das Gefühl der Ohnmacht? Was tut Ihr, um nicht aggressiv zu werden?
    Bin wirklich froh um weitere Ideen, danke!

    1. Tipps gegen das Gefühl der Ohnmacht und gegen die Traurigkeit bräuchte ich aktuell auch dringend. Ich stecke mitten drin in einem „Belastungssumpf“ und könnte an der Ignoranz der Leute in meinem Umfeld verzweifeln und das, obwohl ich selber bis vor ein paar Wochen von vegan nix wissen wollte, mich mit dem Vegetarischen zufrieden gegeben hab.
      Zur Frage des Verzichts: Da ich schon immer viel in der Küche ausprobiert habe, kann ich nicht sagen, dass das nun der vegane Gewinn ist. Ob ich thailändisch, indisch oder neue vegane Dinge koche, unterscheidet sich nicht sonderlich. Man hat „Gewinnerrezepte“ genauso wie den totalen Reinfall. Gewonnen hab ich denk ich an gutem Gewissen und gesünderer Ernährung.
      Verzichten muß ich Bequemlichkeiten (auch wenn ungesund, war lecker und praktisch: mal ne Pizza bestellen, der Schokoriegel zwischendruch, ein spontanes Essen gehen mit Freunden beim Griechen – denn für Spaghetti mit Tomatensauce oder Salat ohne Dressing brauch ich nicht essen zu gehen, da koch ich dann doch lieber selber)
      Verzichten könnte ich gut und gerne auf so manche Reaktionen und auf das Gefühl, ein Alien zu sein, und auf die eingebrannten Bilder in meiner Netzhaut, die ich mit kaum jemand teilen kann, weil sie keiner sehen oder davon hören will.
      LG,
      Hedwig, die Eule die den Schleier ablegte

    2. Anfangs war ich auch überschwänglich begeistert von den ganzen neuen Informationen und habe es meinem Omni Umfeld mitgeteilt. Davon wird man jedoch schnell geheilt, denn sie wollen es nicht wissen, es interessiert sie nicht und sie verstecken ihre Erkenntnis hinter Aggression. Da gab es den ein oder anderen Ärger…entsprechend lasse ich es.
      Neulich habe ich meinem Freund ein Foto dieser belgischen Fleischberg Rinderrasse unter die Nase gehalten…“ist doch toll“ – was soll er auch anderes sagen. Gibt man zu das man geschockt ist, besteht die Einladung an den Veggie doch weiter zu machen (so meine Erfahrungen). Die Ohnmacht/und der Ärger auf die Ignoranz verschwinden irgendwann. Tun kann man da wenig!
      Die Zeit bringt dich in die richtige Spur!
      Im „real life“ habe ich einen lieben Menschen kennengelernt, der in die vegane Ernährung einsteigt und ich habe zwei gute „Öko“😉 Freundinnen die offen sind. Der Rest akzeptiert es stillschweigend so lange ich doch schweige😉
      Als Verzicht empfinde ich Restaurant Besuche, weil da für mich wenig dabei ist und ich gutes Essen wirklich liebe!
      Ist man tagsüber in der Stadt unterwegs, ist das Angebot riesig -> dennoch laufe ich daran vorbei und denke mir nur „IGITT!“. Da habe ich immer etwas für mich dabei. Falls doch nicht stehen Kaiser, Basic oder Beganz zur Verfügung!
      Dennoch ist es eine unglaubliche Bereicherung, in jeder Hinsicht!

    3. Hallo Rotkäppchen, danke für den Einblick in deine Situation. Ich denke, das können dir viele nachfühlen, die Ohnmacht, die machtlose Wut und das Gefühl, den anderen die Fakten am besten sofort zu servieren, sie zu konfrontieren und kein Verdrängen mehr zuzulassen. Und dabei zu wissen, dass man das in der Form nicht machen kann, weil es wohl eher das Gegenteil bewirkt. ich denke, du bist da auf einem sehr gutem Weg. Es ist wichtig, die richtigen Argumente und Fakten parat zu haben, um gewappnet zu sein. Man wird nicht immer cool bleiben können, aber wir sind halt Menschen. Und wenn du zu depri wirst, ist es vielleicht gut, sich mit Gleichgesinnten auszutauschen.

  10. Hallo Jane!
    Ich habe erst vor sehr Kurzem mit der veganen Ernährung angefangen, aber schon jetzt habe ich die gleiche Erfahrung gemacht, die du hier beschreibst: Man verzichtet zwar auf Dinge, die man vorher bedenkenlos verzehrt hat, und das zwingt einen eben auch dazu, auf Speisen und Snacks zu verzichten, die vorher zu jeder Zeit in großer Zahl und zu kleinen Preisen verfügbar waren. Aber dafür eröffnen sich einem ganz neue Welten.
    Die ganzen veganen Rezepte in tollen Büchern und fast noch tolleren Blogs verwenden ganz oft Sachen, die ich bisher gar nicht auf dem (Speise)plan hatte und teilweise auch nicht einmal wirklich kannte. Es gibt unendlich viele tolle Körner und Kerne, leckere Nüsse, ausgefallenes Gemüse, und ja – auch die Gewürze, die Veganer scheinbar bevorzugen, weil sie dies und das aufpeppen oder diesen oder jenen Geschmack „imitieren“ können, sind großenteils ganz neu in meiner Küche.
    Ich finde das großartig!
    Naklar, auch Fleischesser können diese ganzen Sachen benutzen und die Rezepte nachkochen – aber ganz ehrlich: Ich wäre vorher nie auf die Idee gekommen, in einem veganen Blog nach einer coolen Rezeptidee fürs Mittagessen zu suchen.
    Insofern sehe ich die vegane Ernährung weniger als Verzicht denn als Tausch – ich tausche Tierleid, Cholesterin und geschmacksverstärktes Convenience Food gegen ausgefallene Aromen, nahrhafte Zutaten, neue Ideen, gesunde Alternativen und ein gutes Gewissen.

  11. Hihi, danke für den tollen Post Jane🙂 Ich kann dir wieder mal voll zustimmen.
    Ich fand es anfangs eigentlich sogar toll, sich etwas einschränken zu müssen, es war für mich auch ein wenig eine Befreiung aus der ganzen Angebotsüberflutung im Kaufhaus. Ich lernte gezielter und viel bewusster einzukaufen und das war eher ein Gewinn für mich. Mittlerweile gibt es zwar auch unzählige vegane Produkte, was auch wieder schwierig ist. Es gibt ja fast alles auch in vegan. Ich versuch eigentlich möglichst umweltfreundlich, gesund aber meist eben auch junk-food-tauglich einzukaufen, das macht Entscheidungen beim Einkaufen manchmal echt schwer.

    Aber ich denke eigentlich, ein wenig „Verzicht“ tut einem in unserer Überflussgesellschaft ganz gut🙂 Obwohl mein Lebensstil meilenweit von einer Askese entfernt ist, finde ich es positiv, sich etwas mehr Gedanken darüber machen zu müssen, was wir wirklich brauchen und was einfach (zerstörerischer) Luxus ist. Daher ist veganes Essen für mich also eine geschmackliche Bereicherung und weniger ein Verzicht als ein Anstoss zu bewussterem Konsumverhalten🙂

    1. Hey Debbie, deine Einstellung gefällt mir sehr gut!🙂 Ein bißchen mehr „Gedanken machen“ hat noch keinem geschadet. Danke für den Kommentar!

  12. Ich lese eure Beiträge schrecklich gerne. Sie motivieren mich, noch entschiedener zu sein und kein Jein zu sagen, bei Einladungen mit tierischen Angeboten. Ich bin 74 jahre und lebe seit 1/2 Jahr vegan. Anfangs empfand ich das schon gelegentlich als Verzicht. Ich liebte mein Frühstücksei und gewisse Käsesorten. Diese Vorlieben verschwinden immer mehr. Ich hatte auch schon oft den Mut Gästen Veganes aufzutischen und ich bekam viel Zustimmung. Manchmal gibt es auch Kopfschütteln, womit ich mich jetzt wieder in den Mittelpunkt stellen will, wenn ich ein veganes Gericht zaubere. Dabei lasse ich allen ihre Gewohnheiten, habe sogar Wurst und Käse für sie auf dem Frühstückstisch.
    Ich kann nicht mehr zurück, das ist undenkbar. Und eure Beiträge geben mir viel Mut bei der Stange zu bleiben.
    Es grüßt euch
    Anne

    1. Liebe Anne, das ist mir auch schon aufgefalle, dass das Bedürfnis nach so einigen Sachen, die ich früher liebte, stark nachgelassen hat. Käse eben zum Beispiel.
      Ich denke, du machst das prima und bist dabei ja supertolerant, da kann sich nun wirklich niemand beschweren! Herzliche Grüße und vielen Dank für den Kommentar!

    2. Ich bitte darum, meinen Kommentar in folgendem Kontext zu verstehen:
      Vorurteile sind ja meist nicht komplett wurzelfrei. Und die meisten Leute ü60, die ich kenne, würden sich nie und nimmer auf vegane Ernährung einlassen.
      Von daher:
      Respekt und eine tiefe Verneigung vor deiner Offenheit für Neues, liebe Anne! Ich bin baff, freue mich über dein Gutes Beispiel und hoffe, später auch so weltfrisch an neue Dinge heranzugehen wie du jetzt.

      Viele Grüße
      Hanna

  13. Das mit dem Verzicht ist meiner Ansicht nach etwas, das im Hirn entsteht. „Darauf könnte ich nie verzichten“ ist so ein Standardspruch, der mir ungefragt um die Ohren gehauen wird (vermutlich zur eigenen Gewissensberuhigung). Von Käse hätte ich das vorher auch gedacht, aber der ist mittlerweile ersatzlos gestrichen (weil mir die veganen Ersatzprodukte nicht schmecken) und erstaunlicherweise ist mir das völlig egal. Oder auch, wenn mir manche „lustigen“ Menschen z. B. im Sommer ihr tierisches Grillgut schmackhaft machen wollen, erzeugt das bei mir keinerlei Speichelfluss, weil ich Fleisch so sehr vermissen würde. Klar, wenn ich tagein, tagaus ungewürzten Haferschleim und Blattsalat essen müsste, würde ich schon von „Verzicht“ sprechen, aber so ist es ja bei weitem nicht, wie du auch in deinem Post geschrieben hast. Da diese Vorstellung von Verzichten durch das tatsächlich sehr stark erweiterte Nahrungsspektrum eines Veganers völlig entkräftet wird, vermute ich eher, dass es sich dabei um irgendein tiefsitzendes Vorurteil handelt, das von Generation zu Generation (unterstützt durch Werbeslogans der Nahrungsindustrie) wiedergekaut wurde.

    1. Hallo Herbert, danke für deinen Kommentar. Naja, ich gebe zu, ich mag den Geruch von gegrilltem Huhn total, aber es schiebt sich dann auch gleich so ein Bild in meinen Kopf, wie es dem Huhn vorher wohl ergangen ist, und dann sind mir alle Gemüsesorten der Welt oder bei Bedarf eben Tofuwürstchen wirklich viel lieber beim Grillen🙂

      1. Da magst du recht haben, dass manche sich problemloser umgewöhnen können. Hängt wahrscheinlich irgendwie mit dem Belohnungszentrum im Gehirn zusammen. Unsere ersten Erfahrungen mit lebenswichtigen Aminosäuren haben wir in der Regel mit totem Tier gemacht. Und das prägt sich ein und sorgt auch dann für diese Vorliebe, wenn wir unsere Nährstoffe anders beschaffen. Aber eine andere Sache: Was ich bei mir feststelle, ist eine zunehmende Sensiblität (und Abneigung) gegen diesen „Stallgeruch“ bei Fleisch und Eiern. Den habe ich als Fleischesser so gut wie gar nicht bemerkt, und wenn, dann war er mir egal. Geht das auch anderen so?

  14. Hallo Jane,
    ich kann mich nur anschließen. Ein schöner Artikel. Bei mir hat die Ernährungsumstellung auch vor etwa 3 Jahren begonnen. Damals habe ich testweise je eine 1 Woche vegetarisch, vegan, vollwertköstig und rohköstig ausgetestet und bin jetzt bei einer Mischung aus Vollwertkost nach Bruker und vegan gelandet. Im Großen und Ganzen ein Riesengewinn.
    Manchmal denk ich noch zurück, was ich früher nicht alles geliebt habe, aber ernsthaft dahin zurück möchte ich gar nicht mehr.
    Interessant ist auch die Entwicklung im Freundeskreis. An sich gefällt es mir, dass auch gute Freunde von mir sich mittlerweile um Ihre Ernährung kümmern und trotzdem hat es mich letztens dann doch schon in die Bredouille gebracht für die eine vollwertig (d.h. ohne Zucker, ohne verarbeitetes Soja) für die nächste vegan (ohne Honig, ohne Sahne, ohne Butter) und für die dritte mit Fruktoseintoleranz (ohne Trockenfrüchte, ohne Obst) etwas auf den Tisch zu stellen.

  15. Ich sehe es ähnlich wie Du – ja und nein.

    Ja, weil es einfach nichtvegane Sachen gibt, die man zwar nachahmen, aber nie komplett perfekt ersetzen kann (zum Beispiel Eier). Nein, weil ich komplett überzeugt von meinem veganen Lebensstil bin und unter keinen Umständen wieder zum Teufelskreis der Tierausbeutung beitragen möchte. Weil ich gelernt habe, dass man so unglaublich kreativ kochen kann und weil Veganismus heutzutage lange nicht mehr so weit am Rande der Gesellschaft steht. Weil meine Freunde und Familie ihre Ernährung überdenken. Weil ich das Experiment Dukan und vegan geschafft habe und damit ALLE beeindruckt habe und viele jetzt „auch mal vegan“ kochen.

    Ich bin seit über drei Jahren Veganerin und habe es noch keinen einzigen Tag bereut🙂

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