No Happy Cows – John Robbins

No Happy Cows - John RobbinsVon seinem Buch „The Food Revolution“ war ich damals schwer begeistert. Es beleuchtet viele komplexe Zusammenhänge und hat mir so die Augen geöffnet, was die Lebensmittelindustrie, Umweltverschmutzung, Genmanipulation, Nutztierhaltung, Klimawandel, Welthunger und Überfischung angeht. Das Buch „No Happy Cows“ (auch auf deutsch erhältlich) ist nun so eine Art Update und trägt daher auch den Untertitel „Dispatches from the Frontlines of the Food Revolution“. Im Gegensatz zum 450 Seiten-Vorgängerbuch umfasst dieses gerade 173 Seiten, eine Sammlung kurzer Artikel (die zum Teil auch online veröffentlicht wurden), und eignet sich daher wunderbar zum Hin-und-Wieder-Reinschmökern und für unterwegs. Die Beiträge sind in vier Teile gegliedert. Im ersten geht es um einen Schweinefarmer, dem wir schon in „Food Revolution“ begegnet sind, um Hühner und die Eierindustrie und im die nicht wirklich glücklichen Kühe, die dem Buch seinen Namen gegeben haben. Der zweite Teil ist mit „What Are We Putting into Our Bodies?“ überschrieben und dreht sich demnach um die Frage, was genau wir uns eigentlich täglich einverleiben. Dabei beginnt er gleich mit den Hype und Anti-Hype um Sojaprodukte. Hier findet man also die Antwort darauf, ob Soja nun schädlich ist oder nicht, ob es Krebs, Alzheimer oder Herzkrankheiten verursacht, wie immer wieder behauptet wird, die Mineralienabsorption behindert, das Knochenwachstum beeinflusst, und ob man seinem Kind Soja geben sollte oder nicht. Spoiler: Soja ist heutztage in so vielen Produkten versteckt (Sojalecitin, -öl, Emulgatoren), dass man möglicherweise zu viel von diesen extrahierten Bestandteilen zu sich nimmt. Trotzdem ist es ein Unterschied, ob man von vollwertigen Lebensmitteln aus Soja spricht oder von extrahierten Einzelteilen, so wie es ein Unterschied ist, ob man von Maiskörnern oder von High Fructose Corn Syrup (HFCS) spricht. Die Anschuldigungen gegenüber Soja sind aber nicht nur haltlos, es ist oft genug genau das Gegenteil der Fall, wie er anhand von Studien darlegt: Soja ist der Gesundheit durchaus zuträglich. In einer vollwertigen Ernährung ist es (in Form von Tofu, Tempeh, Sojamilch, Edamame etc). eine wertvolle Ergänzung, auch als Fleischersatz zu empfehlen. Auf die extrahierten und zu sehr verarbeiteten Produkte sollte man eher verzichten, also auch auf texturiertes Sojafprotein usw.. Auch das Kapitel über das so begehrte Fleisch von Bio-Weidetieren, also vermeintlich „gesünderem“ Fleisch fand ich sehr erhellend. Natürlich hat es einige Vorteile, aber auf lange Sicht und im größeren Kontext ist es leider auch keine Lösung…

Ein von der Öffentlichkeit immernoch radikal unterschätztes Problem sind die antibiotika-resistente Keime, für die Massentierhaltung die reinste Brutstätte ist. Dabei warnt die WHO seit Jahren, dass die nächste Pandemie kommen wird, sie sei fast schon überfällig “Alle Länder werden betroffen sein. Es wird zahlreiche Tote geben. Die medizinische Versorgung wird nicht ausreichen.” (siehe Statement der WHO). Auch zum Stichwort Monsanto weiß Robbins noch einiges zu berichten. Aber es gibt auch gute Nachrichten: Leute, esst Schokolade!😀 Den Artikel zu den postiven Wirkungen von dunker Schokolade könnt ihr auch hier online nachlesen. Nicht, dass man jemanden zum Schokoladenkonsum überreden müsste…Es muss natürlich Bio-Schoki aus Fair Trade sein, und nur in Maßen, aber immerhin. Um Fair Trade geht es folglich im dritten Teil , der einige Aspekte der industriellen Lebensmittelproduktion und ihre Vermarktung aufgreift, etwa am Beispiel McDonalds und KFC. Im vierten Part erzählt Robbins in Anekdoten von den Schwierigkeiten im Umgang mit Freunden und Familie – nicht immer ist es einfach, einerseits fürs tierfreie Salatfuttern ausgelacht zu werden und andererseits zuzusehen, wie andere Junk Food in sich reinstopfen, das ihnen merklich nicht gut tut. Trotzdem ist es wichtig, die Entscheidungen von anderen zu respektieren. Wir können alle nur das tun, was wir aufgrund unserer Erfahrungen und Wissen für richtig und notwendig halten. Jemanden in eine bestimmte Richtung zu drängen, wird meist nicht viel bringen, sondern eher Widerstand provozieren. Letztlich muss ja jeder selbst mit den Konsequenzen seiner Entscheidungen leben. Gegenseitiger Respekt ist genauso wichtig wie seinem Herzen zu folgen.

„The next time anyone tells you that who you are doesn’t matter or that your actions and love are insignificant, here’s what they need to know: All who take a stand with their lives on behalf of what they cherish are part of something vast. The struggle for justice is as old as tyranny itself, and the longing for a world guided by love is as old as the human heart.“

Weiterlesen:

Autor: Jea

// Leipzig, Germany // vegan // forming digital mindscapes //

8 Kommentare zu „No Happy Cows – John Robbins“

  1. danke! ich les schon ewig hier mit und freu mich auf jeden neuen artikel!
    das zitat hat mich gerade voll berührt…
    merci für deine recherchen die du mit uns teilst, ich fühl mich nach jedem artikel ein bisschen schlauer😉

    1. Hallo Laa!
      Ich fand die Zeilen auch toll, also eigentlich sind die ganzen letzten Kapitel im Buch so berührend…. Danke für dein Feedback, das motiviert natürlich🙂
      lg, Jane

  2. Ach Jane, dein Blog ist einfach so toll!

    Hab ihn bei meinen Top Sites und besuche ihn jede Woche hoffnunsgvoll auch wenn kein „News“-Sternchen einen neuen Beitrag anzeigt🙂 Und gerade jetzt habe ich genau diesen Blogeintrag gebraucht🙂

    Vielen Dank dafür, dass du so fundiert und klug informierst und motivierst! Und danke dafür, dass du so gute Buchtipps bringst. Selbst ich als Buchhändlerin kannte viele davon noch nicht🙂

  3. ich finde dieses gerede um soja auch ziemlich eigenartig. besonders von den Leuten, die selbst Fleisch essen und Soja in Grund und Boden reden. dabei vergessen sie, dass ihr Fleisch selbst einmal meist Soja gefressen hat…

    das mit der Entscheidung anderer ist leider meist leichter gesagt als getan. man selbst kann tolerant sein wie sonst was, meist provozieren einen die gegenüber dann trotzdem. denn irgendwie scheint das veganersein das schlechte gewissen der nicht veganer zu wecken. oder was auch immer.. jedenfalls wird alles in frage gestellt, warum man dies isst, aber nicht das. das Eier die Hühner ja nicht umbringen und die Kuh ja milch geben muss. und warum man denn diese Schuhe aus Leder hat etc. anstatt dass sie einen einfach sein ding machen lassen.

    und danke für deinen Kommentar! mittlerweile ist es tatsächlich besser mit dem Heimweh. leider sogar zu gut. ich fühle mich wohl, habe endlich die richtigen Leute getroffen und habe eine gute zeit. nur, dass bereits meine Flüge gebucht sind und ich in Zugzwang bin. möchte ich bleiben und dem ganzen noch ne chance geben? oder möchte ich nach perth zurück, arbeiten und in die comfortzone? hobbies habe ich. ich male gerne, lese gerne, aber was einem irgendwann fehlt, ist etwas mit sinn. ein job, Studium, freunde treffen. da helfen die tollsten hobbies nichts. vor allem auch, weil es zeitlich so begrenzt ist. würde ich ein halbes Jahr bleiben, dann wär ich das alles ganz anders angegangen.

    liebe grüße, Vanessa

    1. Hallo Vanessa, ist nicht ganz so einfach, wa? Aber immerhin geht es dir jetzt besser. Ich hoffe, dass sich alles so regelt, dass du damit zufrieden bist.🙂

  4. Hallo Jane!

    Danke erstmal für den informativen Artikel und deine aufrichtigen Worte zum Schluss, ich glaube du hast den meisten Vegetarier und Veganer aus den Herzen gesprochen. Es ist oft ziemlich anstrengend, sich immer rechtfertigen zu müssen, warum man kein Fleisch isst. Andere, die dreimal die Woche bei Mc Donalds essen, müssen sich hingegen vor niemanden rechtfertigen, anscheinend ist Junk Food Konsum gesellschaftlich anerkannter als Vegetarismus.
    Ich persönlich habe mich schon vor Jahren dazu entschieden, der Massentierhaltung entgegen zu wirken und auf Fleisch zu verzichten. Bei mir steht das Tierleid in Vordergrund, ein Kalb ist für mich genauso wertvoll wie ein Hund. So gut wie niemand hier in Europa würde einen Hund verspeisen, ein Kalb verspeisen ist aber ethisch in Ordnung. Ich verstehe die Logik zwar nicht, akzeptiere sie aber. Genauso wie ich die Ansichten anderer akzeptiere, sollte auch meine Haltung in Bezug auf Fleischkonsum akzeptiert werden.

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