Die Ernährungslüge – Hans-Ulrich Grimm

Die Ernährungslüge - Ulrich GrimmEigentlich wollte ich mir nach „Die Suppe lügt“ nicht nochmal ein Buch von Herrn Grimm zulegen. Nicht, weil ich es nicht mochte, sondern weil wohl wenig Neues darin zu finden sein würde. Dass Geschmacksverstärker, Zusatzsstoffe und Arome möglichst zu meiden sind, ist ja schon bekannt. Wie der Untertitel „Wie die Lebenmittelindustrie uns um den Verstand bringt“ befasst sich dieses Buch aber eher mit den Auswirkungen dieser Stoffe speziell aufs Gehirn bis hin zu Krankheiten wie Autismus, Alzheimer, Übergewicht und ADHS. Dabei geht es nicht um eine simple Ursache-Wirkung-Beziehung, die Zusammenhänge sind ungleich komplexer und Ernährung ist nur ein Faktor unter mehreren. Dennoch ist er nicht zu unterschätzen, besonders wenn man ihn in Relation zu Menge und Dauer betrachtet. Eine Tütensuppe bringt einen nicht um. Aber ein Leben lang mit verarbeiteten Produkten, gezuckerte Cerealien zum Frühstück, Kantinen-Glutamat-Kost zum Mittag und Dosen– oder Fertigkram zum Abendessen und unterwegs am besten nochmal zu McDoof oder eine Tüte Süßigkeiten – das bleibt zweifellos nicht ohne Folgen. So weit, so bekannt. Obwohl es vielleicht nicht so bekannt ist, wie es sein sollte. Schließlich geben sich die Unternehmen, die diese Produkte verkaufen, viel Mühe um derartige Konsequenzen zu verschleiern. Teils mit selbstfinanzierten Studien, teils sogar indem sie Wissenschaftler unter Druck setzen. Und obwohl das schon wieder sehr nach Verschwörungstheorie klingt und ich derartiges nicht unterstützen, geschweige denn glauben will, läuft einem dieses Thema immer wieder über den Weg. Und es wirkt auch nicht mehr so weit hergeholt, wenn man bedenkt wo zum Beispiel Glutamat oder meinetwegen künstliche Süßstoffe wie Aspartam überall drin sind und gut sich solche Produkte verkaufen. Würde man per Gesetz diese Stoffe verbieten, hätten die Konzerne schließlich ein richtig großes Problem. Denn ohne dieses Zeug ist der Fertigkram kaum schmackhaft, Cola ohne Süßstoff oder Zucker untrinkbar. Und normale Lebensmittel halten sich nicht lange, machen nicht so schön abhängig von einer Marke (ein Gurke sieht eben aus wie eine Gurke) und steigern auch nicht so wunderbar Appetit ins Unendliche. Auch die Produktion verlangt ganz andere Vorraussetzungen, kurze Transportwege, schonende Behandlung und so weiter, wäre also viel teurer. Man kann auch nicht einfach irgendwas untermischen. Wie will man da Profit machen?

Zwar gibt es weltweit Millionen von Produktmarken, dahinter stehen aber nur wenige Konzerne. Es verwundert also kaum, wenn man Studienergebnisse unter den Tisch kehren oder mit selbst zusammengestellten Gremien „widerlegen“ will. Im Falle des Toxikologen Dr. Herrmann Kruse (Uni Kiel) dauerte es laut Grimm nur 45 Minuten nach Ausstrahlung eines ZDF – Interviews bis der erste „ruppige“ Anruf von Nutrasweet kam und in einem Gerichtsverfahren endete (Urteil siehe hier). Und das war 1999. Im Jahr 2013 ist der Stoff immernoch in Backwaren und Backglasuren, Frühstückscerealien, Kaugummi, Trockenmischungen für Getränke, Instantkaffee, Softdrinks, Tee- und Milchgetränken, Pudding, Süßwaren, Milchprodukten und Fertiggerichten zu finden. Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) bewertet den Stoff derzeit neu, wobei der Termin zum vierten Mal verschoben wurde und jetzt auf den November 2013 datiert ist.

Man muss deswegen nicht in Panik und blinden Aktionismus ausbrechen, der menschliche Körper ist ein Meister im Entgiften. Es sind sicherlich keine bösen Folgen zu erwarten, wenn man mal Diät-Cola trinkt oder Kaugummis einwirft. Die Frage ist nur, wie sich das Ganze im Konzert mit den Hunderten anderen Zusatzstoffen (plus Hormonen, Aromen, Enzyme, Umweltgifte etc.) auswirkt. In den Studien wird gewöhnlich nur ein Stoff getestet, aber als Otto-Normalesser ist man aber vielen weiteren ausgesetzt. Solche Studien haben also letztlich kaum Aussagekraft in Bezug auf die Realität. Aluminium (E173) zum Beispiel kann nicht allein die Blut-Hirn-Schranke durchbrechen und Schaden anrichten, wird einfach augeschieden. Zitronensäure (E330) und Glutamat zum Beispiel erleichtern aber das Überschreiten dieser Grenze…Nicht zuletzt ist es nicht nur ein Zuviel an diversen Stoffen, die Probleme darstellen können, sondern auch ein zu wenig an anderen: so wird Grimm nicht müde, die Bedeutung der heute so selten gewordenen Omega-3-Fettsäuren zu betonen (wobei womöglich Furanfettsäuren aus Algen die eigentlichen Helden sind, wie bereits hier geschrieben). Natürlich sind auch Vitamine und Mineralien wichtig, also jene empfindlichen Stoffe, die in Fast Food und Fertigkram durch ihre extreme Verarbeitung kaum noch vorhanden sind. Und Supplemente sind keine Lösung, im Fall eines Mangels sind sie sicher die letzte Rettung, aber eignen sich nicht für den Normalgebrauch. Denn sie versorgen einen zwar mit den gewünschten Stoff, blockieren aber die Aufnahme anderer, so erschweren Zink-Tabletten die Eisen- und Magnesiumaufnahme, Eisenpräparate können wiederum  die Zink-Resorption vermindern und so weiter. Außerdem beschreibt er wunderbar, wieso der Darm eine Art zweites Gehirn darstellt (Neuronen, Nervenzellen, Serotoninbildung uvm.) und geht auf das „Leaky Gut Syndrome“ ein. Letztlich hilft nur der Selbstversuch. Fertigkram weglassen, Lebensmittel essen, die auch noch wie solche aussehen und hierbei dem Bauchgefühl folgen. Dann schauen, was passiert🙂

Autor: Jea

// Leipzig, Germany // vegan // forming digital mindscapes //

9 Kommentare zu „Die Ernährungslüge – Hans-Ulrich Grimm“

  1. Bravo, eine sehr gute Rezension. Aber weißt du, ich habe den Autor und andere schon mehrfach im Fernsehen, zuletzt bei ARTE-TV, erlebt und kann mir ein Bild von der gegenwärtigen Situation in der Nahrungsmittelbranche machen, deshalb gebe ich keinen Cent mehr für derartige Publikationen aus. Die Medien berichten inzwischen nahezu tagtäglich über die Missstände in der korrupten Welt dieser Branche, die den Namen „Lebensmittel-“ nicht verdient und in der nur noch der Profit zählt. Die Menschen werden belogen und betrogen und deshalb bleibt dem Nachdenkenden nur der Ausweg, den du am Schluss deines Beitrages genannt hast.
    Umdenken, rette sich wer kann!

  2. Danke für deine Rezension! Ich habe das Buch jetzt sogar bei Skoobe entdeckt und könnte es mit meiner Flat sofort lesen, schön🙂 Aber muss ich das wirklich? Dein letzter Satz sagt alles🙂 An natürliche Nahrung sind wir einfach im Laufe der Jahrhunderte angepasst und das sollte auch der Hauptbestandteil sein, denke ich.

  3. Vielen Dank für die informative Rezension. Das Buch kannte ich noch nicht. Ich habe, ohne viel darüber zu lesen, diesen Weg in den letzten Jahren beschritten, nachdem ich eine chronische Darmerkrankung hatte bzw. habe und hierdurch viel an mir experimentiert habe. Je verarbeiteter – umso weniger verträglich ist die Devise.
    Ich finde schön, das du hervorhebst: Die Menge macht das Gift! Eine Diät-Cola bringt uns nicht um, aber dieser tägliche Cocktail kann ganz schöne Langzeitschäden anrichten!

    PS: Bin erst vor kurzem auf deinen tollen Blog gestoßen. Vielen Dank für die tollen Beiträge :-)!

      1. Hey Jane, ja es ist Morbus Crohn. Ich hatte schon mit 21 Krebs und habe ein halbes Jahr lang Chemotherapie bekommen. Das hat meinen ganzen Darmtrakt ganz schön fertig gemacht. Tja, raus kam Morbus Crohn. Ich lebe mittlerweile ganz gut damit. Falls du dich dafür interessierst, ich schreibe mit einer Freundin einen Blog. Ich glaub wenn du auf blackcatslife hier klickst, kommt er. Da schreibe ich unter anderem über meine Erfahrungen damit – wir haben aber erst angefangen, daher wird noch mehr folgen. Übrigens, deine Gestaltung hier ist so schön klar und übersichtlich. Macht richtig Spaß hier rumzustöbern! Liebe Grüße
        Anke

  4. es ist bewiesen, dass aluminiumanlagerungen im gehirn alzheimer auslösen. und die bluthirnschranke wird durch den proteinkomplex ferritin überwunden , der eigentlich an eisenionen bindet. und die süßstoffe, die wir in cola etc konsumieren, werden bei scheinen als mastmittel benutzt, damit sie schön fett werden, die lebensmittelindutsire geht also hand in hand mit der pharma (süßstoffe machen fett, übergewicht kann bluthochdruck und diabetes bringen, lebensmittelindustrie verdient sich dumm und dämlich mit light produkten und blutdruckmittel und insulin sind nicht umsonst die meistverschriebenen medikamente.

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