The China Study in der Kritik, Runde 2

China Study in der Kritik, Runde 4Willkommen zu Runde zwei im Battle „Minger versus Campbell“! Das Wort hat heute Mr. Campbell der sich in einer ausführlichen Antwort der noch ausführlicheren Kritik von Miss Minger widmet. Danach switchen wir gleich zu Mingers überarbeiteten Analyse. Wie im vorherigen Post zu dem Thema geschrieben, versuche ich mich an einer Zusammenfassung ohne mich allzusehr vom Originaltext zu entfernen, wobei leider immernoch zu ziemlich viel Lesestoff zusammenkommt…

Eingeleitet wird seine Antwort mit einem Vorwort des Herausgebers der Webseite VegSource, der erklärt, wie Minger kritische Kommentare eines Epidemiologen auf ihrem Blog entfernt habe, der Fehler in ihren Methoden aufzeigte. Nach einigem Hin und Her habe das Minger auch zugegeben und sei dankbar über die Hilfe gewesen und sie hoffe, dass auch andere professionelle Forscher sich daran beteiligen, Campbells China Study zu entkräften, was die Aufmerksamkeit unter den Medizinern erregen könnte. Nach Aussage des Herausgebers meint Minger damit die Weston Price Foundation, die sich für vollwertige Kost inklusive tierischer Produkte einsetzt (um es mal mild auszudrücken). Außerdem impliziert er, dass sie die Fleischindustrie auf sich aufmerksam machen möchte und betont er die fehlende akademische Qualifikation der 23-Jährigen.

Bei dem erwähnten Epidomologen handelt es sich wohl um die Kommentatorin namens „rayna“, die Minger vorwirft, ihre Analyse sei zu stark vereinfacht und Korrelation sei nicht das gleiche wie Assoziation. Alles, was sie mit ihre Reihe an Korrelationen zeigen kann, sind lineare, richtungslose unangepasste Beziheungen zwischen zwei Faktoren. Dies sei unverantwortlich, zumindest eine Regressionsanalyse sei notwendig, um mehrere Faktoren gleichzeitig einzubeziehen. Damit wolle sie nicht sagen, die China Study sei kein Mist, sie wolle nur auf die Fehler in Mingers Analyse und Schlussfolgerungen aufmerksam machen. Sie bietet Minger ihre Hilfe an um die Daten zu analysieren…

„China Study author Colin Campbell slaps down critic“ Colin T. Campbell

Zunächst drückt Mr. Campbell seine Freude darüber aus, dass sein Buch eine so große Resonanz in zahlreichen Blogs bewirkt hat und zur Diskussion anregt. Leider habe er wegen terminlichen Drucks nicht die Zeit, jede einzelne der aufkommenden Fragen zu antworten und konzentriere sich daher auf die wichtigsten. Er rechnet es Denise Minger hoch an, dass sie sich die Zeit genommen hat, so eine ausführliche Analyse vorzunehmen und sie in verständlichen Worten wiederzugeben. Er ziehe den Hut vor ihr, da sie außerdem klar und deutlich zu verstehen gibt, dass sie weder ein Statistiker noch ein Epidemologe ist, sondern einen Abschluss in Englischer Literatur hat, das Schreiben liebt und sich für Ernährung interessiert. „We need more people with this kind oft interest“, betont er.

Campbell erklärt, er sei der erste, der zugibt, dass wissenschaftlicher Hintergrund und akademische Zeugnisse nicht alles sind – auch Außenseiter haben bereits wichtige Beiträge geleistet und Entdeckungen gemacht. Andererseits geben einem Werdegang, Erfahrung auf dem Gebiet und besonders Prüfungen durch Experten eine Art Einsicht und Perspektive, die man sonst nicht erhalten kann. Seine Antwort ist in drei Teile gegliedert und richtet sich vor allem an den Mangel an Verhältnismäßigkeit in ihrer Argumentation – bezogen auf was wirklich von Bedeutung ist und was nicht:

  • sie missversteht die Ziele des Buches und die Forschungsergebnisse
  • sie verlässt sich zu sehr auf unangepasste Korrelationen im Datenbestand
  • sie erkennt die weitreichenden Folgen nicht, welche die Wahl der richtigen Ernährungsweise implizieren

Doch zuerst noch eine allgemeine Bemerkung zu seinem Ansatz: Campbell hält Denise durchaus für eine sehr intelligente Person und kann nachvollziehen, wie sie zu ihren Schlussfolgerungen gekommen ist. Dies könne jemandem ohne Erfahrungen in wissenschaftliche Forschungsarbeit leicht passieren. Dennoch gebe es grundsätzliche Fehler in ihrer Argumentation und auf diese wird er sich konzentrieren. Er lehnt es ab, jede einzelne ihrer Behauptungen durchzugehen, da diese durch fehlerhafte Beweisführung hergeleitet wurden, er will sich hingegen dem zugrunde liegenden Problem widmen. Anhand ihrer Thesen bezüglich Weizen wird er demonstrieren wie man mit all ihre Behauptungen umgehen kann.

A. Sie versteht die Ziele des Buches nicht

Die Forschungsergebnisse, die im Buch beschrieben werden, beruhen nicht ausschließlich auf der China-Datenbasis, selbst wenn es die umfassendste (wenn auch nicht die größte) Studie dieser Art ist, statuiert Campbell. Wie im Buch erklärt, ziehe er Schlüsse aus verschiedenen Untersuchungsbefunden – es ist die Übereinstimmung unter diesen diversen Befunden, die zählt! Zuallersteinmal war die umfassende Arbeit zur Wirkung des Caseins auf Krebs bei Labortieren (nur teilweise im Buch beschrieben) deswegen so prominent, weil diese Befunde Hinweise zu den grundsätzlichen Prinzipien und Konzepten lieferten, die sich auf die weitreichenderen Wirkungen von Ernährung auf Krebsentwicklung anwenden lassen. Diese Hinweise waren so überzeugend, dass sie sich auf verschiedene Spezies, viele Nährstoffe und fast unendlich viele Gesundheits- und Krankheitsresonanzen anwenden ließen (z.B. Nährstoffkontrolle von Genexpression, (..) Umkehr von Krebsförderung aber keine Umkehr der Aktivierung (…) etc.) Außerdem ließen sie in ihrer Gesamtheit wesentliche Rückschlüsse auf bedeutende gesundheiltliche Vorteile von vollwertigen, pflanzenbasierten Lebensmitteln zu. Diese frühe Laborarbeit, die ausführlich in den besten Fachzeitschriften veröffentlicht wurde, ging der Studie in China voraus. Diese Forschungsergebnisse setzten den Grundstein der biologischen Plausibilität, eine der wichtigsten Eckpfeiler, die die Verlässlichkeit epidemologischer Forschung stützen. Unglücklicherweise entziehe sich diese biologische Plausibilität oft der Aufmerksamkeit von Statistikern und Epidemologen, die lieber mit Zahlen jonglieren als sich mit biologischen Phänomenen auseinanderzusetzen: In den ersten 15-20 Jahren seiner Arbeit ging es nicht, wie einige annehmen, darum, speziell die krebserregende Wirkung von Casein zu erforschen. Es war vor allem eine Studienreihe zur Erforschung der grundsätzlichen Biologie von Krebs und die Rolle der Ernährung dabei. Der Eiweiß-Effekt war natürlich bemerkenswert, und daher auch sehr nützlich um neue Einsichten in die Arbeitsweise des Krebsverlaufs zu gewinnen. [Nichtsdestotrotz macht der Casein-Effekt, der gründlich untersucht und auch an den formalen Maßstäben von Karzinogenen gemessen, Casein zum wichtigesten Karzinogen, das jemals identifiziert wurde.]

Zweitens bildet die China-Studie, die auf den Daten einer einzigartigen Bevölkerung und ebenso einmaligen experimentellem Format (nämlich aus verschiedenen Perspektiven) basiert, eine Sammlung außergewöhnlich umfassender Daten. Diese Sammlung ermöglichte in erheblichem Ausmaß die im Labor entstandenen Hypothesen und Prinzipien zu testen, sowohl seine eigenen als auch die von anderen. Mit „Testen“ meine er das Hinterfragen, ob irgendein Beweis im China-Datenbestand zu finden ist, der den schützenden Effekt einer pflanzenbasierten Ernährung belegt. Er sei sich nicht sicher gewesen, wie die Ergebnisse aussehen würden, war aber beeindruckt von dem, was sich letztendlich ergab. Die Daten des China-Projekts boten die Möglichkeit, das gesamte Zusammenspiel und die Effekte von vielen potenziellen Ursachen mit zahlreichen Krankheiten zu betrachten. Das Projekt habe das Team ermutigt, sich nicht auf unabhängige statistische Korrelationen mit geringer oder keiner Bedeutung für die biologische Plausibilität zu verlassen. In seinem Buch zog er seine Schlüsse aus sechs voherigen Forschungsmodellen um diesen Ansatz zu illustrieren: Brustkrebs, Leberkrebs, Darmkrebs, Energieausnutzung/Körpergewicht, Wohlstandskrankheiten-Armutskrankheiten und Eiweiß versus Körperwachstumsraten. Mit dieser Vorgehensweise untersuchte er zuerst, ob eine Sammlung an Variablen in der China Studie (von univariater Korrelationen bis hin zu differenzierteren Analysen) jede dieser biologisch plausiblen Modelle lückenlos stützen können. Er habe verglichen, ob die Befunde mit der allumfassenden Hypothese übereinstimmten, dass eine pflanzenbasierte Ernährung die Gesundheit fördert – auf den begrenzten Seiten eines für die Öffentlichkeit bestimmten Buches konnte er diese Grundüberlegung allerdings nicht im gesamten Umfang erörtern.

Am allerwichtigsten sei aber, dass die Befunde des China-Projektes an sich nicht seine finale Auffassungen bedingen. Deswegen wurde nur Kapitel 18 der China-Studie gewidmet, die nur ein Glied in einer Kette an Versuchsansätzen ist. Es ging nur darum, ob es biologisch plausible Daten im „China“-Datenbestand gab um die Forschungserbenisse aus dem Labor zu bestätigen. Weil die Daten so einzigartig sind, glaubte er, dass die Beweiskraft sehr hoch sei. Eine der einmaligen Charakteristiken der Studie sind die traditionellen Ernährungsgewohnheiten der Menschen. Sie folgten bereits einer Ernährung, die hauptsächlich aus pflanzlichen Lebensmitteln bestand, was die Ergebnisse nicht nur hypothetisch macht, sondern äußerst aussagekräftig. Drittens fasst er im Buch die Ergebnisse anderer Forscher in Bezug auf zahlreiche Krankheiten zusammen um herauszufinden, ob sein Modell mit deren Befunden übereinstimmt. Das Spannnende dabei war, dass so viele ihrer Befunde, obwohl sie in Fachmagazinen erschienen sind, schlicht ignoriert und/oder falsch wiedergegeben wurden und immernoch werden, ein äußerst verstörendes und rätselhaftes Phänomen. Er habe sich gefragt, woran das liegen könnte. Seine Teilnahme an den umfangreichen Prüfungen der Arbeit anderer während seiner 20 Jahre als Teil eines Expertenkommittees gaben ihm ausreichend Gelegenheit, diese vorher publizierten Studien unter die Lupe zu nehmen. Es werden noch immer Anstrengungen auf verschiedenen Ebenen unternommen, um Studien zum Thema pflanzliche Ernährung schlecht zu machen. Die Tatsache, dass es von Seite der Laien Widerstand gab (oft auch feindseligen), spricht Bände. Viertens gebe es enorm viele eindrucksvolle Forschungsergebnisse von Ärzten, die er gegen Ende der China-Projekt-Datensammlung entdeckte und die bemerkenswerte gesundheitliche Vorteile pflanzenbasierter Ernährung zeigen, nicht nur auf Prävention bezogen, sondern auch bei der Behandlung  (alphabetisch: Diehl, Esselstyn, Goldhamer, Klaper, McDougall, Ornish, Shintani-und viele nach Veröffentlichung des Buches: T. Barnard, N. Barnard, Corso, Fuhrman, Lederman, Montgomery, Popper, Pulde, Schulz, Shewman). „Ich kann die bemerkenswerten Leistungen dieser Hausärzte nicht genug betonen“, zeigt sich Campbell begeistert. „Ihre Arbeit bestätigte meine frühe Laborfoschung. Ich sollte noch hinzufügen, dass ich zu der Zeit ihre Arbeiten noch nicht kannte und daher nicht befangen war oder  ihre Erkenntnisse zu bestätigen suchte.“

Es ist die Kombination dieser verschiedenen Forschungsfelder, die das Buch so überzeugend macht, erklärt Campbell. Denise Minger hingegen ignoriere diese grundsätzlichen und hochgradig übereinstimmenden Teile des Ganzen. Er sei der Ansicht, dass die Befunde einer einzelnen Studie oder auch eine Studienreihe nicht zu ernst genommen werden sollten, bis der Kontext etabliert ist. Biologie sei nichts für Ingenieure oder Zahlenschieber, so wichtig sie auch sein mögen, denn, verglichen mit ihren Systemen, sind biologische Reaktionen ungleich komplexer und dynamischer.

B) Die Nutzung „roher“ univariater Korrelationen

Campbell weist darauf hin, dass in einer Studie wie der „China Study“ (ecologic, cross-sectional) die unvariaten Korrelationen 1:1-Assoziationen zweier Variablen repräsentieren. Dabei könnte eine Variable die Ursache, die andere die Wirkung sein. Aber wenn man diese Korrelationen nutzt (es gibt davon etwa 100 000 im Datenbestand) muss man damit sehr vorsichtig umgehen und darf nicht einfach 1:1-Kausalzusammenhänge ableiten, denn univariate Korrelationen können hier aus verschiedenen Gründen nicht angewandt werden um spezifische Nahrungs-Krankheitszusammenhänge zu bestimmen. Eine Variable könnte die Wirkung von anderen Faktoren wiedergeben, die sich zusammen mit der Variable verändern. Daher müsse man die Störfaktoren bereinigen, was Denise nicht getan hat. Zweitens muss eine Variable, damit sie überhaupt von Bedeutung ist (wie in einer Korrelation) eine adequate Reichweite aufweisen. Wenn beispielsweise eine Variable in 65 Bezirken gemessen wird (wie in China) muss es eine Verteilung an Werten über eine adequate Reichweite geben, damit sie von Nutzen ist. Drittens müssen die Variablen auch Hinweise auf die vorherigen Jahre liefern, als sich die Krankheit entwickelte. Es gebe kaum oder gar keine Anzeichen dafür, dass Denise diese Anforderungen berücksichtigt hat.

Campbell fügt hinzu, dass es eine sehr ungewöhnliche Entscheidung gewesen ist, die rohen Daten zu veröffentlichen, in der Hoffnung dass künftige Forscher wissen würden, wie sie sie anwenden können. Es hätte Grund zur Annahme gegeben, dass die westlichen Forscher die Stichhaltigkeit der Datensammlung anzweifeln würden – die Transparenz der Daten war wichtig, damit nicht der Verdacht von Hintergedanken aufkommt. Natürlich war das ein Risiko, denn so könnte man die Daten auch missbrauchen, daher haben sie schon 1988 ein paar Worte der Vorsicht hinzugefügt, die Denise wohl nicht gelesen hat.

Der Wert der China-Daten liege in ihrer deskriptiven Natur, führt er weiter aus, die eine Basis bildet, an der sich andere Daten weitestgehend vergleichen lassen. Die Korrelationen dürfen NICHT blind benutzt werden um Kausalzusammenhänge herzustellen – zumindest nicht für spezifische Ursache-Wirkung-Assoziationen, die keine biologische Plausibilität haben. Nichtsdestoweniger eröffnen sie Möglichkeiten um interessante Hypothesen aufzustellen, von denen bisher nur wenige erforscht wurden. Campbell wollte herausfinden, ob seine biologisch plausiblen Modelle aus vorheriger Forschung mit den Daten der China-Studie übereinstimmten.

Beispiel Weizen

Um das Riskio der Anwendung univariater Korrelationen zu illustrieren, kommt er nun auf das Beispiel Weizen zu sprechen, das ein paar Korrelationen betrifft, die Denise aufgrund ihrer Weizenunverträglichkeit für wichtig hält. Allerdings könne er auch viele andere Beispiele aus Denises Analyse dafür nehmen, fügt er noch hinzu. Denise Minger stellt eine höchst signifikante (aber unbereinigte) univariate Korrelation zwischen Weizenmehlkonsum und zwei Herzerkrankungen und ein paar anderen Krankheiten fest. Daraus schließt sie, dass Weizenmehl diese Herzerkrankungen verursacht. Sie weist darauf hin, dass keine dieser Korrelationen mit risikoerhöhenden Variablen verbunden zu sein scheinen. Und weiterhin impliziert sie, dass Campbell diese potenziell wichtigen Korrelationen ignoriert habe – möglicherweise sogar absichtlich, wegen seiner angeblichen Voreingenommenheit gegenüber Fleisch. Auch andere haben bereits behauptet, dass gerade dies Campbells mangelnde Integrität beweise.

Diese Korrelation zwischen Weizenmehl und Herzkrankheiten sei interessant, aber es gebe keinerlei vorherigen und biologisch plausiblen und überzeugenden Beweis für die  Hypothese, dass Weizen diese Krankheiten verursacht. Hat sie nach anderen Variablen gesucht, die diese Korrelation stören, Variablen, die sich im Laufe des Weizenmehlkonsums verändern? Angeblich habe sie das, und alle seien statistisch relevant:

Zu den  Aussagen Denise Mingers: „Höherer Weizenmehlkonsum korrelliert als unvariate Korrelation mit…

  • niedrigem Konsum grünen Gemüses (in den nördlichen, trockenen Regionen wird mehr Fleisch verzehrt und kaum Gemüse). [Campbell wirft hier ein, dass die Daten der Region Tuoli aus seinen Analysen ausgeschlossen wurden, da dieses Gebiet bei der Datenerhebung sehr hohen Fleischkonsum aufwies, aber sehr niedrigen wenn es um die Frequenz ging, soll heißen, die Tuoli-Nomaden zogen für einen Teil des Jahres in die Täler, wo sie mehr Obst und Gemüse verzehrten]
  • niedrigerem Serumspiegel einfach-ungesättigter Fettsäuren  (möglicherweise  höheres Risiko für Herzerkrankungen?)
  • höherem Serumspiegel von Urea (Biomarker für Proteinzufuhr)
  • höherem Körpergewicht (höheres Risiko für Herzerkrankungen?)“

Campbell spricht hier Denise darauf an, dass diese Übersicht so ziemlich das Gegenteil von dem zeigt, was sie eigentlich rüberbringen wollte und spielt auf ihre eigene möglicherweise vorhandene Voreingenommenheit gegenüber Weizenmehl und ihre Vorliebe für rohes Fleisch an. Er fragt, wieso sie diese Beziehung als Campbells „Unterlassungssünde“ darstellt…er hätte sie ernst genommen, wenn sie weitere Korrelationen gesucht hätte, die auf Beweise hindeuten, die diese Hyptothese stützen – so macht man das für gewöhnlich mit unvariaten Korrelationen. Wenn diese ausreichend überzeugend wären, könnte man einen analytischere Studie entwerfen. Dies nennt man Entwicklung einer Hypothese und dafür ist die China-Datensammlung wunderbar geeignet. Aber Denise macht etwas anderes, sie schließt fast willkürlich auf Kausalzusammenhänge ohne die Störfaktoren zu bereinigen, ohne die Variablen auf ihre analytische Authentizität zu prüfen und ohne vorrausgehenden Beweis biologischer Plausibilät für eine solche Hypothese. „Und dann nutzt sie dieses Beispiel als Beweis für eine ‚Unterlassungssünde“ und verzerrte Ergebnisse meinerseits“, ärgert sich Campbell über ihre „hetzerische“ Wortwahl. „Meint sie das etwa ernst?“ fragt er.

Man könne univariate Korrelationen in einer solchen Datensammlung unterschiedlich anwenden, kommt er endlich aufs Thema zurück. Es ist nicht so, dass diese Korrelationen nutzlos wären und ignoriert werden sollten. Es sei nur eine Frage, wie man sie vernünftig einsetzt. Damit meint er die Bereinigung der Korrelationen von Störfaktoren und (wenn möglich) die Prüfung der individuellen Variablen der Korrrelationen auf ihre Stichhaltigkeit. Je nachdem ob sie diese Prüfung bestehen, können sie dann genutzt werden um herauszufinden ob ein hypothetisches Ursache-Wirkung-Modell geeignet ist. Um dies zu nutzen muss man die grundlegende Biologie kennen, was vielen Statistikern abgehe.

Die sechs Modelle, auf die sich Cambell bezieht, seien auf diese Art und Weise evaluiert worden. Wenn möglich habe er auch univariate Korrelationen angewendet (zusammen mit statistischer Signifikanz) um diese Modelle abzusichern, aber nur nachdem sie vorläufige unterstützende Daten für das Modell hatten (im Buch nur kurz zusammengefasst). Er zählt dann ein paar repräsentative Veröffentlichungen dieser Daten der sechs Modelle auf, die ihr im Originaltext leicht findet.

Wie er zuvor schon sagte, wollte Campbell vor allem Beweise für die gesundheitlichen Vorteile einer pflanzliche basierten Ernährung in Bezug auf diese Modelle finden. Die Tatsache, dass sie eine Menge statistisch signifikanter Ergebnisse verzeichneten, besonders in Bezug auf Nahrung mit einem geringen Fett- und Tierprodukteanteil, war bemerkenswert. Zeigte jede einzelne der 100 000 Korrelationen das Erwartete? Darauf hat er bereits im Buch Stellung bezogen, was Denise ebenfalls ignoriert hat:

„Glaubt er, dass die Befunde der China Studie einen absoluten wissenschaftlichen Beweis abbilden? Natürlich nicht. Bieten sie genug Informationen um bei einigen praktischen Entscheidungen zu helfen? Absolut. Ein beeindruckendes Informationsnetz enstand mit dieser Studie. Aber passt jeder potenzielle Faden (oder Assoziation) in diesem Mammutwerk perfekt in dieses Netz? Nein. Obwohl sich die meisten statistisch signifikanten Stränge nahtlos ins Netz fügen, gibt es ein paar Überraschungen. Mit den  meisten, aber nicht mit allen, hat man sich inzwischen auseinandergesetzt.“

Denises Kritik mangelt es an einem Sinn für Verhältnismäßigkeit, fasst er zusammen. Sie gesteht der China-Datenanalyse (und manchmal in ziemlicher Übertreibung) mehr Gewicht zu als sie verdient und lässt dabei die anderen Beweise, die in den anderen 18 Kapiteln dargelegt werden, außer Acht. Das China-Forschungsprojekt war ein Meilenstein, aber sie war nicht der einzige entscheidende Faktor für seine Ansichten, wie er immer wieder in seinen Vorlesungen betone. Demnach ignoriert sie auch die anderen Forschungsergebnisse in seinem Buch, bis auf ein paar abwertende Bewertungen zu den Tierversuchen. Sie scheint nicht zu verstehen, was die Laborforschung aufzeigt. Univariate Korrelationen ohne Bereinigung der Störfaktoren, Qualifikation der Stichhaltigkeit der Variablen und/oder biologischer Plausibilität kann zu willkürlichem Beweismaterial führen, das den Launen der persönlichen Vorlieben unterliegt. Außerdem können univariate Korrelationen dieser Art dazu führen, dass den einzelnen Nährstoffen und Lebensmitteln als potenzielle Ursache zu viel Bedeutung beigemessen wird.

Wie gesagt, stellt sie die Auslassung der Tuoli-Daten in Frage, als ob dies eine Art Kunstgriff von seiner Seite her gewesen sei. Sie überinterpretiere die äußerst limitierten Daten zu Milch, die lediglich in 3 Gebieten erhoben wurden und die ein anderes Produkt betreffen, als das was wir als Milchprodukt kennen. Und sie verbindet Campbells mit  Vegetarismus und Veganismus (diese Worte benutze er nie) als ob er von einer Ideologie motiviert sei statt von empirischen Daten und biologischer Plausibilität. Denise missversteht und stellt nicht nur das Ziel der Wissenschaft in der China Study falsch dar, ihre Wortwahl trägt auch nicht zu ihrem eigenen Ziel bei. Ihre Botschaft – oft mit Ausrufezeichen und subjektiven Bemerkungen angereichert, gefällt einigen fragwürdigen Figuren, die mit der Weston A. Price Foundation sympathisieren, einer Lobby-Gruppe, deren Vertreter und Verteidiger Campbell bereits als Betrüger, Lügner und Clown und früher sogar Terroristen bezeichnet haben. Campbell bezweifelt, dass dies Mingers Absicht gewesen ist. Diese Individuen haben Wissenschaft schon sehr lange ignoriert oder nachlässig behandelt um ihre eigenen Ziele zu verfolgen, etwa eine Ernährungsweise mit hohem Fett- und Proteinanteil zu unterstützen, die derjenigen, die uns so viele Probleme bereitet, ziemlich ähnlich ist.

Diese Beschimpfungen bedeuten Campbell nichts, aber es zeige deren Verzweiflung in Bezug auf seine Botschaft. Sie wären besser beraten solche Taktiken nicht anzuwenden, denn es sagt mehr über sie selbst aus, als über ihn. Ob Denise dies beabsichtigt hat oder nicht, ist unklar, aber die Resultate ihrer Kritik sind deutlich. Campbell möchte nocheinmal betonen, dass keine einzelne Studie (oder Studienreihe) jemals perfekt sein kann – weder in der Art wie sie angelegt wurde, noch ihrer Datensammlung oder ihrer Interpretation. Wenn es darum geht, eine Karriere in der Forschung anzustreben, sehe er zwei mögliche Wege: eine Option ist es, sich von Experiment zu Experiment zu hangeln und immer mehr ins Detail zu gehen, bis man irgendwann ein Level erreicht hat, wo die Ergebnisse präzise sind und nützlich werden – doch bis dahin passieren sie einfach unverhofft. Die zweite Option verläuft ‚außerhalb‘ um die weitreichenderen Implikationen einer Reihe von Befunden oder Experimenten zu verstehen. Campbell habe anfangs ersteres gemacht, bevorzuge aber die zweite Vorgehensweise: hier wird das Forschungsergebnis nicht als etwas gesehen, das bis zur Perfektion verfeinert wird, sondern hinterfragt es, ob es ausreicht, das nächste Experiment anzuregen, das schließlich zu einem wichtigen Netzwerk an Befunden führt. Dieses Ganze sei aussagekräftiger als seine Einzelteile. Er glaube außerdem, dass diese zweite Option wesentlich mehr Potenzial für die Öffentlichkeit habe, die diese Arbeit letztlich finanziert. Er sei vor allem stark motiviert von der Tatsache, dass es zu viele Individuen gibt, die unnötigerweise einen viel zu hohen Preis für ihre Gesundheit zahlen, da sie keinen Zugang zu Informationen dieser Art erhalten. Unter keinen Umständen sei er von persönlichen Vorlieben geleitet gewesen.

In Sachen China-Studie glaube er, dass ihr Design, ihre Einzigartigkeit und ihre Ausführung qualitativ gesehen praktisch ohne Vergleich sind. Allerdings, wie entsprechend ausgebildete Leute wissen, ist es bei dieser Art von Studie unangebracht, spezifische kausale Schlüsse daraus zu ziehen. Das Konzept der „ecologic fallacy“, wo eine univariate Korrelation unsachgemäß benutzt wird um eine Person zu behandeln, ist bekannt. Hingegen, wenn man eine überzeugende und biologisch plausiblen Datenmenge hat und diese angemessen qualifiziert wurde, dann kann man bei einer solchen Studie sehen, ob sie konsistent ist. Dies sei seiner Ansicht nach angemessen, wenn die Hypothese einen umfassenden Kausalzusammenhang darstellt, wo viele Faktoren zusammenkommen und wo es zahlreiche Wege gibt diese Daten zu prüfen (z.B. mehrere Faktoren, mehrere klinische Biomarker, mehrere Messmethoden und vielleicht sogar mehrere Ergebnisse). Dies hätte sein Forschungsteam getan, so Campbell weiter. Sie hätten eine Sammlung vorher entwickelter Ursache-Wirkung-Modelle (vorher veröffentlicht), die sie mit der China Study auf ihre Konsistenz prüfen konnten. Wie er so oft gesagt habe, stützen nicht alle Befunde der China-Datensammlung diese Schlussfolgerung, obwohl die überwiegende Mehrheit es tut. Dieses Grad an Konsistenz in einer Bevölkerung zu finden, die hauptsächlich vollwertige pflanzliche Kost fast ohne verarbeitete Produkte und wenig Fett konsumiert, war beeindruckend. Man sich kann nicht einfach, wie Denise, auf univariaten Korrelationen verlassen um daraus Schlüsse zu ziehen, besonders wenn es um spezifische Nahrungsmittel und spezifische Krankheiten geht, auf die Art findet man zu leicht das, was man finden will.

Da es wahrscheinlich schwierig ist, diese Diskussion zu verfolgen ohne die rohen Daten vor sich zu haben und ohne Wissen, wie man damit umgeht, schlägt Campbell vor, man solle danach urteilen, wie gut gesundheitliche Effekte damit vorausgesagt werden können. In diesem Fall können Resultate der Menschen, die eine vollwertige, pflanzenbasierte Nahrungsmittel (wie einige Ärzte wie McDougall, Esselstyn, Ornish, Barnard, Fuhrman, et al gezeigt haben) hinweisgebend sein, sowie die der vielen Leser des Buches – die Ergebnisse sind schlichtweg unglaublich.

C) Denise erkennt die weitreichenderen Implikationen durch die Wahl der richtigen Ernährungsweise nicht

Campbell schlägt vor, dass diejenigen, die sich über die Botschaft so aufregen, ihre eigene Argumentation prüfen. Hier geht es um mehr als nur um wissenschaftliche Daten. Es gibt große Probleme in der Gesundheitsversorgung und deren Kosten, es gibt ernste Umweltprobleme, die der Öffentlichkeit noch nicht genug nahe gebracht wurden und es gibt politische, soziale und ethische Aspekte, die in Betracht zu ziehen sind. Vor allem aber gibt es Menschen, die es verdienen, diese Botschaft zu hören, nämlich die Steuerzahler, die diese Arbeit finanziert haben. Für ihn sei es unethisch und unmoralisch, darüber nicht zu berichten. In den gegenwärtigen Diskussionen über dieses Problem ist es unerlässlich, diese Ideen im Hinterkopf zu behalten ohne seine eigenen Vorlieben zu promoten. Er glaube fest daran, das die Diskussion für uns alle von Vorteil ist, nicht nur zur Befriedigung eines einzelnen Egos.

Sein größter Fehler während dieses Prozesses, gibt Campbell zu, könnte sein, dass sie den Buchtitelvorschlag des Verlegers akzeptierten: „Wir schlugen 200 Titel vor, keiner davon war ‚The China Study'“. Aber als sie Einspruch erhoben, verwies der Verleger auf den unterschriebenen Vertrag und dies sei sein Recht und läge in seiner Verantwortung. Mit etwa zehn anderen Verlegern haben sie über die Veröffentlichung gesprochen, einige hätten gute Angebote gemacht, wenn sie ihren Bedingungen zugestimmt hätten. Aber sie hätten deren Vorschläge abgelehnt (z.B. das halbe Buch mit Rezepten zu füllen, die Quellenangaben auf die leichte Schulter zu nehmen oder die Sprache einfacher zu gestalten), also hätten sie keine Wahl als ihrem neuem Verleger zuzustimmen, der immerhin erlaubte, ihre Geschichte auf ihre Art zu erzählen. Offensichtlich ist der Titel des Buches irreführend, weil der dem China-Projekt so viel Platz zugesteht, obwohl deren Ergebnisse allein nicht verlässlich sind, sondern nur im Zusammenhang mit den biologisch plausiblen, multi-Faktor Ursachenmodelle und mit den anderen Studien Sinn ergeben, die im Buch ebenfalls diskutiert werden.

„The China Study: A Formal Analysis and Response“, Denise Minger

Ich gehe jetzt zu „The China Study: A Formal Analysis and Response“, also Mingers aufgebesserter Analyse über und behandle dabei vor allem Einleitung und Schlussfolgerung. Es macht wenig Sinn, Denises Zahlen weiterhin detailliert folgen zu wollen, da es sich nur um eine Vertiefung und meinetwegen auch „bereinigte“ Version ihres ersten Aufsatzes handelt. Sowohl Campbell als auch Minger haben darauf hingewiesen, dass man Daten so verbiegen kann, bis sie für den eigenen Zweck passen. Also geht es eher darum, zwischen den Zeilen zu lesen. Ich denke, dass man anhand ihrer Erstanalyse und der Antworten von Campbell schon ziemlich gut mitbekommt, wohin der Hase läuft und ich werde darauf nochmal zusammenfassend eingehen.

Let’s begin: Zunächst bedankt sich Minger bei Campbell für seine Antworten auf ihre Kritik und drückt ihren Respekt gegenüber seiner Leistungen im Bereich der Gesundheit und Ernährung aus, auch wenn sie nicht in allen Punkten mit ihm übereinstimmt. Überraschenderweise erklärt Minger Campbells Hypothese nicht für komplett falsch, sondern eher für unvollständig. Während er die Bedeutung von vollwertigen, unverarbeiteten Lebensmitteln für die Gesundheit aufgezeigt hat, fokussiere er zu sehr darauf, Tierprodukte für Krankheiten verantwortlich zu machen – und das auf Kosten anderer krankmachender Faktoren, die für die Öffentlichkeit und die Ernährungswissenschaft signifikanter und bedeutender sind. Sie wolle Campbell weder unglaubwürdig machen noch sich für oder gegen eine bestimmte Ernährungsform aussprechen. Sie wolle die Daten der China-Studie nur neu beleuchten und die Defizite von Campbells Schlussfolgerungen aufzeigen.

Minger ist der Ansicht, dass auch eine nicht-westliche omnivore Ernährungsform gesundheitliche Vorteile bietet. Damit meint sie eine vollwertige, omnivore Ernährung aber ohne Getreide und Hülsenfrüchte, die sie auch selbst befolgt (Richtung Paleo-Anm. der Blogschreiberin). Dies versucht sie in ihrer Argumentation zu belegen und schließt dann, wenn sowohl vollwertige vegane Ernährungsweisen und nicht-westliche omnivore Ernährungsform ähnliche gesundheitliche Vorteile bieten, wäre dies ein deutlicher Hinweis darauf, dass die Resultate, die von McDougall, Esselstyn, Ornish, et al erzielt wurden, nicht auf das Vermeiden von Tierprodukten zurückzuführen ist, sondern auf den Verzicht auf andere krankmachende Elemente. Westliche Ernährungsweisen beinhalten weit mehr als als den zunehmenden Konsum von Tierprodukten und für einige, wie etwa die Ureinwohner Alaskas – bedeutet die Umstellung von der traditionellen zur westlichen Ernährungsweise sogar die Reduktion von Tierprodukten – die kalorische Lücke wird hier durch raffinierte Kohlenhydrate, gehärtete Fette und Getreide, Zucker und Fertiggerichte, argumentiert sie weiter. Die Tatsache, dass die Umstellung auf westliche Kost unweigerlich zu vermehrten Wohlstandskrankheiten führt – egal ob der Konsum von tierischen Produkten ebenfalls geändert wurde – legt nahe, dass ein oder mehrere andere Faktoren für diese Abnahme der Gesundheit verantwortlich sind. Der Erfolg der Chinesen mit ihrer pflanzlich-basierten Ernährung entkräftet keineswegs die Erfahrungen anderer Völker, die tierische Produkte konsumieren und dennoch Krankheiten entgehen. Noch hebt der individuelle Erfolg eines veganen Programms die Umkehr von Krankheiten auf, der bei spezifischen omnivoren Ernährungsweisen auftritt. Statt die Unterschiede zwischen gesunden Völkern zu untersuchen, sollte man vielleicht ihre Gemeinsamkeiten studieren – den Mangel an raffinierten Kohlenhydraten, das Fehlen raffinierter Süßungsmittel und gehärteter Fette, die Betonung vollwertiger unverarbeitete Nahrungsmittel in nahezu natürlicher Form und der Konsum von nährstoffreicher Kost an Stelle von leeren Kalorien oder Zutaten aus dem Labor. Moderne Nahrungsmittel und die Krankheiten die sie induzieren, haben vollwertige Kost ersetzt. Es ist diese Gemeinsamkeit – die Verbindung zwischen gesunden Völkern – die den meisten Nutzen für menschliche Gesundheit bieten könnte. Eine solche allgemeingültige Theorie wie die Campbells sollte per definitionem die verschiedenen Gesundheits- und Krankheitsmuster der Kulturen vereinen ohne Anomalien zu produzieren. Indem er tierische Produkte als Quelle westlicher Leiden benennt, hat Campbell eine Hypothese aufgestellt, die nur unter handverlesenen Umständen funktioniert, und nicht auf andere epidemologische Trends oder auch nur auf fallkontrollierte Studien anwendbar ist. Das ist ein Anzeichen für eine unzulängliche Theorie, die nur Teilwahrheiten über weitgehendere krankheitserregende Mechanismen beinhaltet. Minger schlägt vor die „China Study“ als eine größtenteils unerschlossene Quelle für Muster zu Ernährung und Gesundheit anzusehen. Sie lädt Campbell ein, wenn er Zeit und Interesse hat, eine detailliertere Beschreibung seiner Methoden abzuliefern, wie etwa das nicht veröffentlichte Kapitel, das er in seiner ersten Antwort zu ihrer Kritik erwähnte. Nur durch fortlaufende Diskussion und Präzisierung kann sich das Forschungsfeld Ernährung zu einem zunehmend einheitlichen Verständnis von Gesundheit weiterentwickeln.

Pflanzenfressers Fazit

Für mich ergibt sich hier das Bild, dass Minger tatsächlich nicht ganz korrekt mit den Daten verfährt und ich vermute, dass es stimmt, dass sie zu stark vereinfacht. Dass sie oft (aber nicht immer) genau das Gegenteil in den Daten findet als Campbell, deutet zumindest auf eine gewisse Ungenauigkeit hin. Gleichzeitig hat sie mit ihrer Analyse möglicherweise einen Nerv getroffen. Nicht umsonst reagiert Campbell doch ziemlich verärgert. Es macht ja durchaus Sinn, dass Alkohol und Rauchen zum Beispiel sehr starke (evtl. stärkere) Korrellaltionen zu Krankheiten, besonders verschiedenen Krebsarten bilden, zumindest wenn ich mir diese zusammenfassende Tabelle aus „Becoming Vegan“ ansehe, wird dies auch durch zahlreiche andere Studien impliziert. So wie es Campbell formuliert, ist das einfach nur nicht das, wonach er in der Datensammlung gesucht hat. Es ging ihm um die Bestätigung seiner Modelle, und die betreffen Ernährung und Gesundheit (aber das ist reine Spekulation meinerseits, die erwähnte „Bereinigung der Störfaktoren“ bedeutet vermutlich genau das).

So ganz Unrecht hat Minger nicht, meiner Meinung nach. Es ist sicher so, dass der Verzicht auf Fertigkram und verarbeiteten Produkten zu einer Verbesserung des Gesundheitsszustands führt. Und es stimmt, dass auch die praktischen Ärzte, die Campbell gern zur Verifizierung heranzieht, diese beiden Sachen nicht trennen. Im Prinzip müsste man versuchen, einer Versuchsgruppe mit der Standard-Ernährungsweise nur die Tierprodukte zu streichen um herauszufinden, ob dieser Verzicht allein Vorteile bringt, bzw. eine andere Versuchsgruppe auf vollwertige Kost inklusive Tierprodukte umzustellen. Hier sehe ich dann zwei Probleme. Im ersteren Fall wissen wir ja alle am besten, dass viele Fertiggerichte für uns nicht mehr in Frage kommen, weil sie nicht rein pflanzlich sind. Daher kommt es, dass bei der Umstellung auf vegan durchaus mehr natürliche Lebensmittel im Kochtopf landen, auch deshalb, weil vegane Ersatzprodukte ziemich teuer sind. Allerdings ist das natürlich nicht zwingend der Fall, es wäre durchaus möglich, so eine Versuchreihe zu starten. Der zweite Weg ist problematisch, weil die Frage ist, was genau vollwertig bei Tierprodukten heißt. Wildtiere, oder fast freie Weidetiere, die ganz natürlich nur Gras bekommen und keiner komischen hochgezüchteten Rasse angehören, in Ordnung. Aber wie verarbeitet dürfen die Produkte dann sein? Geht dann nur Rohmilch? Ich brauche wohl nicht drauf hinzuweisen, dass eine solche Ernährungsform in der Praxis auf Dauer schwer umzusetzen sein dürfte und in der Masse (also für jeden) auch nicht machbar ist – das heißt, dass dann diese Ernährungsweise wohl nur zu einem geringen Teil aus tierischen Produkten besteht, womit wir dann fast wieder bei Campbell sind. Wir erinnern uns, er unterstützt keine vegane, vegetarische Ernährung, sondern die sogenannte „plant-based diet“, d.h. omnivor aber mit starker Betonung auf pflanzliche Produkte. Insofern haben Minger und Campbell vielleicht mehr gemeinsam, als sie sich je eingestehen würden.

Leider geht sie dann wieder einen Schritt zu weit, denn das was sie „non-Westernized diet“ nennt, ist die sogenannte Paleo-Ernährungsform, die auf Getreide, Milchprodukte, Hülsenfrüchte, verarbeitete Kohlenhydrate und Fette verzichtet und kaum verarbeitetes Fleisch, Fisch, Gemüse, Eier, Früchte und Nüsse beinhaltet. Sie begründet das mit Studien zu den Ernährungsweisen der Völker Alaskas, den Aborigines, der Massai, die Kitava, (ein traditionelles Melanesisches Volk). Anders als Minger glaube ich aber nicht, dass eine Hypothese zu Ernährungsweise und Gesundheit sämtliche Völker der Welt beinhalten muss. Ich glaube einfach nicht, dass ein Europäer mit Bürojob so viel gemeinsam mit einem Urvolk wie den Eskimos gemeinsam hat, dass man einheitliche Ernährungsregeln für beide aufstellen könnte. Ein Eskimo muss andere Lebensaufgaben im täglichen Leben bewältigen, er ist ganz anders an seine Uwelt angepasst und hat eine völlig andere Kultur als wir in unseren Breitengraden. Wenn es also darum geht, alles richtig zu machen nur um am Ende doch daneben zu liegen, dann trifft das wohl eher auf Minger zu. Aber das ist meine nicht wissenschaftlich fundierte Meinung, ihr dürft das gern anders sehen🙂 Und auch wenn Campell tatsächlich Ungenauigkeiten vorzuwerfen sind (so richtig überzeugend finde ich seine Antworten auch nicht, dafür wiederholt er sich zu oft, verweist auf nicht verfügbare andere Studien und geht nicht wirklich ins Detail), es braucht nicht die „China Study“ um die Vorteile einer rein pflanzlichen Ernährung zu ergründen. Es gibt ausreichend andere Studien zu dem Thema. Obst und Gemüse – naturbelassene Lebensmittel – fördern die Gesundheit. Wem das zu weit geht, kann es auch andersherum formulieren: Verarbeitete Industrienahrung und Fertigprodukte fördern die Gesundheit mit Sicherheit nicht. Die Frage, ob kaum verarbeitete Tierprodukte unter gewissen Umständen gesundheitsfördernd sind, bleibt (zumindest in Bezug auf die China Study) hingegen ungeklärt. Auch wenn wir Vegetarier und Veganer das gern anders hätten.

Weiterlesen:

Anhang

Die „China Study“ in der Kritik – Denise Minger versus Campbell

***********************************RUNDE 1********************************************

> „The China Study – Fact or Fallacy“ – Denise Minger

> „A Challenge and Response to The China Study“ mit der ersten Antwort von Campbell

*********************************RUNDE 2********************************************

16.07.2010  „The China Study: My Response to Campbell“ – Mingers Antwort an Campbell

21.07.2010 „China Study author Colin Campbell slaps down critic“ mit der zweiten Antwort von Campbell

********************************RUNDE 3********************************************

03.08.2010 „The China Study: A Formal Analysis and Response“ – Mingers aufgebesserte Analyse

31.07.2011 „One Year Later: The China Study, Revisited and Re-Bashed“ – Minger kündigt ihr Buch an

Autor: Jea

// Leipzig, Germany // vegan // forming digital mindscapes //

47 Kommentare zu „The China Study in der Kritik, Runde 2“

  1. Hallo Jane,

    noch einmal Gratulation, dass Du den Disput zwischen Campbell und Minger hier so ausführlich für deutschsprachige Leser darstellst, denn viele könnten sonst das glauben, was in den Blogs gerade von Paleo-Anhängern steht, dass nämlich die China-Study durch Miss
    Minger widerlegt worden sei.

    Auch finde ich es bemerkenswert, dass Du als Veganerin versuchst, hier einen möglichst neutralen Standpunkt zu bewahren und damit beide Seiten gleichermaßen würdigst.

    Allerdings bist Du meines Erachtens in Deinem Fazit Frau Minger dann doch etwas auf den Leim gegangen: Prof Campbell spricht in seinem Buch ja nicht von den Belegen für die Vorteile einer „plant-based nutrition“, sondern für die Vorteile einer „whole foods, plant-based nutrition“, also einer *vollwertigen* pflanzenbasierten Ernährung, wie sie eben in großen Teilen des ländlichen China praktiziert wurde. (Heute ist das dort wahrscheinlich auch schon wieder vorbei.) Frau Minger verwendet also ein klassisches Strohman-Argument: Sie argumentiert gegen eine Behauptung („Pflanzenbasierte Ernährung ist immer gesund“), die ihr Gegenüber gar nicht aufgestellt hat. Es ist doch vollkommen klar, dass z.B. der Konsum großer Mengen von extrahierten Ölen, raffiniertem Zucker, weißem Mehl und Salz nicht gesundheitsförderlich sind, selbst wenn nichts davon tierischen Ursprungs ist. Das ist wie mit dem Rauchen und dem Alkoholkonsum: das sind zusätzliche Risikofaktoren, die aber nichts zur Sache für die Frage tun, ob denn nun der Konsum tierischer Eiweiße und Fette der Gesundheit eher zuträglich oder abträglich sind. Und da ist die Faktenlage nun einmal so eindeutig, dass ich Deinen Schlusssatz gar nicht nachvollziehen kann. Eine Studie nach der anderen beweist doch die Gesundheitsrisiken der Fleischkonsums, ob es um koronare Herzerkrankungen, Darmkrebs oder auch andere Krebsarten geht. Selbst die DGE, die zu großen Teilen von den Agrarverbänden finanziert wird, empfiehlt mittlerweile eine fleischlose Ernährung. Der einzige Umstand, unter dem Fleischkonsum der Gesundheit förderlich sein könnte, ist der, dass man stark unterenährt ist und gerade nichts besseres zum Essen hat.
    Bei Milchprodukten ist die Faktenlage eigentlich ähnlich eindeutig, z.B. ist der Zusammenhang zwischen Milchprodukten und Prostatakrebs in mehreren Studien eindeutig nachgewiesen. Aber Ernährungsexperten trauen wohl den Menschen nicht zu, dass sie sich etwas genauer über alternative Bezugsquellen nicht-tierischen Ursprungs der wenigen nützlichen Bestandteile der Kuhmilch (als da wären Kalzium, Vitamin D und Vitamin B12) informieren können. Nur deshalb empfehlen die meisten von ihnen weiter den Konsum von Milchprodukten.

    Deshalb lautet mein Fazit ganz klar: Die Vorteile einer vollwertigen, pflanzenbasierten und gut informierten Ernährungsweise (B12 supplementieren!) sind eindeutig. Wer sie nicht sehen und nutzen will, ist selber schuld.

    1. Liebe Hauke,
      Fleisch und Milchprodukte können gar nicht gesund sein, wenn man sich ansieht, unter welchen Umständen sie produziert werden, womit die Tiere vollgestopft werden und wie sie dahinvegetieren müssen. Daher wundert mich nicht, dass rotes Fleisch Darmkrebs-fördernd sein soll und so weiter. Insofern ist es natürlich besser, gleich auf pflanzlich umzusteigen, vorausgesetzt, man achtet auf ein paar Sachen. Denise Minger zieht sich aber auf einen anderen Faktor zurück, sie meint, dass tierische Produkte nicht generell ungesund, sondern wenn sie kaum verarbeitet sind und sicherlich auch nur von grasgefütterten Weidetieren stammen, durchaus zur Gesundheit beitragen. Tierische Produkte seien also nicht generell schlecht. (noch klarer werden die verschiedenen Standpunkte in der Kritik zu „Forks over Knives“, die ich hier auch bald posten werde)
      Für die Praxis ist das letztendlich total unerheblich, denn wie sollte man bitteschön Milliarden an Menschen mit ausschließlich normal gezüchteten, grasgefütterten Weidetieren und Wildfischen satt kriegen? So viel Weideland und Ozean gibts schlicht gar nicht. Es gibt nur den Weg hin zur sehr stark pflanzlich orientierten Ernährung, das sehe ich durchaus auch so. Ich kann Minger nur nicht absprechen, dass Campbell mit seinem Buch eben nicht den ultimativen Beweis erbracht hat, dass Tierprodukte grundsätzlich schädlich sind. Denn das ist das, was den Lesern im Kopf bleibt, auch wenn er selbst die ganze Sache stetig zu relativieren sucht. Ganz so eindeutig ist es eben nicht, wie fast immer in der Wissenschaft.

      1. Ich würde mal vorschlagen sich mit den Studien die Dr. Greger auf seiner Website jeden Tag präsentiert zu beschäftigen, dort sieht man eindeutig, dass tierliche Produkte an sich schädlich sind! Sei es das karzinogene Häm-Eisen, die Entzündungsfördernde Arachindonsäure, der hohe Anteil an gesättigten Fette und Cholesterin die zu Herzkreislauferkrankungen und Diabetes führen oder der hohe Hormongehalt der in Milch zu finden ist. Sehr empfehlen kann ich auch die Studien die zeigen warum tierliches Protein Krebs fördert (durch den hohen IGF1-Gehalt): http://nutritionfacts.org/2013/02/14/animal-protein-and-igf-1/?utm_source=NutritionFacts.org&utm_medium=email&utm_campaign=c6b0c94ab9-RSS_BLOG_DAILY

        Ausserdem kann ich auch die Vorlesungen von Ärzten an der Vegetarian Society of Hawaii empfehlen, in denen offensichtlich wird wie gesundheitsschädlich Tierprodukte sind (sehr viele Referenten, zb alle Ärzte auf die sich Campbell bezieht): http://www.vsh.org/videos.htm

  2. Danke für die ausführliche deutsche Erklärung. Ich fand die Diskussionen damals einfach doch nicht interessant genug, weil die China study eben nur minderwertig interessant ist, wissenschaftlich betrachtet, aber die Kritik auch sehr „sketchy“ ist und bei beiden seiten so viele Interessen haben, die da neutrale sicht nicht möglich machen.

  3. Endlich bin ich dazu gekommen, deine Posts zu dem Thema zu lesen. Finde ich wirklich gelungen. Wenn man selbst mit wissenschaftlichen Arbeiten umgeht, ist man doch verblüfft, dass Minger das Vorwort scheinbar nicht gelesen zu haben scheint. Wie die Studien genau zu bewerten sind möchte ich als Fachfremde gar nicht beurteilen, aber die Diskussion ist schon spannend😉 Hilft vor Allem, wenn man mal wieder gesagt bekommt, dass es ja gar keine Beweise gibt, dass vegane Ernährung gesund ist😀
    Danke!

  4. Hallo Jane,

    ich frage mich, ob Du am Donnerstag auf arte die Sendung „Geheimnisse eines langen Lebens“ über die Altersforschung und das Laron-Syndrom gesehen hast. (Man kann sie noch ein paar Tage in der Mediathek von arte im Internet „nachsehen“.)
    Kurze Zusammenfassung: Das Laron-Syndrom ist eine Krankheit, bei der durch eine genetische Mutation in der Leber die Rezeptoren für das Wachstumshormon der Hypophyse nicht funktionieren. Die Leber erhält dadurch kein Signal zur Ausschüttung von IGF-1, dass eine entscheidende Rolle bei den Wachstumsprozessen des Körpers spielt. Die Betroffenen bleiben kleinwüchsig. Interessanterweise gibt es diese Mutation nicht nur beim Menschen, sondern auch bei Mäusen und sogar bei Fadenwürmern und Hefepilzen. Bei Fadenwürmern führt sie zu einer fünffachen Lebenserwartung, bei Mäusen immerhin noch zu einer doppelten. Und was besonders verrückt ist: Obwohl die meisten Laron-Patienten nicht nur kleinwüchsig, sondern auch übergewichtig sind, scheinen sie nie an Krebs oder Diabetes zu erkranken. Dies wiederum wird auf den Mangel an IGF-1 in ihrem Körper zurückgeführt.

    Und jetzt rate mal, welche Nahrungsmittel nach vielen Studien hohe IGF-1-Werte im menschlichen Körper begünstigen: Tierische Proteine. Einer der Forscher vermutet einen Zusammenhang zwischen der hohen Zahl von Über-Hundertjährigen im italienischen Heimatdorf seiner Eltern, und der Tatsache, dass die übliche Kost in diesem Dorf früher fast ausschließlich pflanzlich war.

    Hier kommt also eine ganz andere Gruppe von Wissenschaftlern aus einer ganz anderen Richtung als T. Colin Campbell zu denselben Ergebnissen wie er: Der Konsum tierischer Proteine fördert über die Steigerung der IGF-1-Werte die Entstehung von Krebs. Tatsächlich steht schon in der „China Study“, dass hohe IGF-1-Werte ein ebenso klarer Risikofaktor für Krebserkrankungen sind, wie hohe Cholesterinwerte es für Erkrankungen der Blutgefäße sind.

    Das Puzzle bekommt also immer mehr Teile, die alle zusammenpassen und ein eindeutiges Bild ergeben. Daran kann auch eine Denise Minger und die ihr applaudierende Weston A. Price Foundation nichts mehr rütteln.

    1. Habe ich leider nicht gesehen, aber danke für den Hinweis. Das klingt interessant. Und ich bin auch völlig einverstanden damit, Campbells Werk eher als Puzzle-Teil zu sehen, nur eben nicht als den ultimativen Beweis, das hat er ja auch selbst so dargestellt.

      1. Hallo Jane,

        einen Kommentar hierzu wollte ich noch loswerden und dabei direkt im Bild mit dem Puzzle bleiben: Wenn ich ein Puzzle noch nicht fertig, aber schon so weit zusammen habe, dass an einer Stelle eindeutig ein Turm von Schloss Neuschwanstein erkennbar ist, dann darf man eben schon davon ausgehen, dass auch das fertige Puzzle das Schloss Neuschwanstein und eben nicht den Taj-Mahal zeigen wird. Das Puzzle, dass Prof Campbell erstellt, ist eben auch schon vollständig genug, um daraus zu schließen, dass das Gesamtbild wohl einen Zusammenhang zwischen dem Konsum tierischer Proteine und dem Risiko für zahlreiche Krebserkrankungen zeigt. Angesichts seiner langen wissenschaftlichen Karriere und entsprechenden Erfahrung ist er umso mehr dazu berechtigt, eine solche Aussage über das Motiv des Puzzles zu treffen. Denise Minger hingegen wirft ihm dafür gewissermaßen Scharlatanerie und Täuschung vor, mit dem bloßen Hinweis, dass das Puzzle ja noch nicht fertig sei und sie ein Puzzleteil in der Hand habe, auf welchem ein Stück weiße Wand erkennbar ist, die genauso gut zum Taj Mahal gehören könnte. Die Unredlichkeit liegt also klar auf seiten von Frau Minger, nicht auf der von Prof. Campbell.

  5. Danke dafür, dass du dich da durchgewühlt hast! So habe ich jetzt als Englisch-Sprachgenie auch mal was von der Diskussion mitbekommen🙂 Tja, was soll ich sagen …. auch wenn das Puzzle noch nicht komplett ist, verzichte ich vorsichtshalber jetzt schon mal auf’s Fleisch😛 Im Zeitalter von Genmanipulationen, Antibiotikaeinsatz und Massentierhaltung ist mir das einfach zu riskant. Und völlig pervers ist dieses System auch noch! Statistiken und Korrelationen hin oder her.

    1. Genau. Ob tierisches Protein an sich schädlich ist oder nicht, mag umstritten sein. Aber die Frage stellt sich auch gar nicht unbedingt, da Fleisch und tierische Produkte, wie sie heute hergestellt werden, gar nicht gesundheitsfördernd sein können…so sehe ich das.

  6. Gerade entdeckt, wirklich sehr spannend. Bin gerade zu 50% durch mit der China Study und habe vorher natürlich auch schon unglaublich viele Dokus wie Food Inc. gesehen und auch Eating Animals gelesen.

    Aktuell bin ich 31 Jahre und habe mich eigentlich ein Leben lang sehr viel von Fleisch ernährt. Milchprodukte hielten sich eigentlich sehr in Grenzen. Vor ca. 3 Jahren fing ich dann an mich Low Carb zu ernähren, um 4,5 Kilo abzunehmen, obwohl ich eigentlich nicht übergewichtig bin und einen normalen BMI habe. Hat allerdings nicht wirklich funktioniert bei mir…

    Abends also immer Salat mit Huhn und derartiges. Seit ca. 2 Jahren habe ich eine Art von Neurodermitis an den Händen und diverse Ausschläge, die aber nicht jucken und auch nicht allzu auffällig sind. Die Neuro an den Händen wurde allerdings immer schlimmer und meine Finger waren regelmäßig offen und schmerzen. Zusätzlich kommt noch ein etwas unschönes Darmproblem hinzu, über das man nicht so gerne redet…

    Seit ca. 10 Monaten lebe ich zu ca. 95% vegetarisch und kaufe nur noch alle 4,5 Wochen ein kleines Stück Fleisch oder Fisch mit Siegel von Neu- oder Naturland. Die Neuro hat sich dadurch aber nicht verbessert und war noch immer sehr schlimm. Habe mich fast nicht mehr getraut Leuten die Hand zu geben, war 3x beim Arzt und alle wollten mir immer Cortison andrehen. Zusätzlich hatte ich noch Atemprobleme und konnte nur noch wenig Luft durch die Nase bekommen (hielt das zu Beginn für Heuschnupfen).

    Nach ca. 10 verschiedenen Cremes habe ich irgendwann im Internet den Tipp gefunden auf Milchprodukte zu verzichten. Dazu muss ich sagen, dass mein Käsekonsum stark angestiegen ist, seitdem ich so wenig Fleisch esse. Witzigerweise war ich zwischendrin 2 Wochen in China und habe so gut wie keine Milchprodukte zu mir genommen und meine Neuro war erst einmal weg. Zuerst dachte ich auch es liegt am Klima…

    Seit 4 Wochen ernähre ich mich jetzt fast Vegan und kaufe sehr bewusst Bioqualität ein. Mittlerweile hat sich meine Neuro zu 85% zurückgebildet und meine Haut ist an keinem Tag mehr offen gewesen. Ich bin mittlerweile guter Dinge, dass meine Haut bald wieder zu 100% in Ordnung sein wird. Aktuell ist sie nach dem Duschen ein wenig trocken und ich creme mich 1x am Tag mit Biomaris ein und das reicht dann auch. Meine Atemprobleme sind mittlerweile übrigens auch weg (könnte allerdings an der Jahreszeit liegen, sehe ich dann nächsten Sommer) und meine Darmerkrankung macht sich auch kaum mehr bemerkbar.

    Was ich damit sagen will? Ich bin vom Inbegriff des Fleischessers auf eine größtenteils vegane Ernährung gewechselt und es fällt mir aktuell überhaupt nicht schwer das Ganze durchzuziehen. Gesundheitlich wird es Woche um Woche besser und ich bin fest entschlossen auch weiterhin so zu leben. Trotzdem werde ich alle paar Wochen auch noch etwas Fleisch zu mir nehmen, aber weiterhin auf die Herkunft achten und auch generell etwas mehr Geld für gute Produkte ausgeben und konventionelle Ware wo es geht meiden.

    Ich kann das mit der Ernährung also absolut unterschreiben und bin froh, dass ich nicht mehr abhängig von irgendwelchen Ärzten bin, die eh keinen Bock haben sich wirklich mit meinen Problemen zu beschäftigen, sondern einfach irgendwelche Mittel aus der Pharmaindustrie verschreiben, durch die Symptome nur gelindert werden, die aber keinesfalls eine Heilung ermöglichen.

    Viele Grüße

    Stefan

    1. Cool, dass das so gut geklappt hat! Konsumierst du Pflanzenmilch(produkte) und haben die auch einen Einfluss auf deine Neurodermitis? Nur so aus Interesse.

      1. Hi Ines,

        Ist halt die Frage ob es wirklich Neuro ist, bzw. welche Form davon. Die Ärzte schauen drauf, verschreiben Cortison und dann war es das. Aber ja, ich trinke Sojamilch etc. und trinke auch weiterhin Alkohol und da scheint es keine Probleme zu geben. Eventuell ist es ja auch eine Unverträglichkeit gegen irgendwas in den chemisch bearbeiteten Milchprodukten. Richtige Schübe kann ich bei mir nämlich nicht feststellen.

    2. Hallo Stefan, vielen Dank fürs Teilen! Das ist genau die Art von Geschichte, die wieder einmal zeigt, wie selten man auf das Thema Ernährung als Grund für alle möglichen Krankheiten kommt – zumindest am Anfang. Ich musste dabei gerade an eine Kollegin denken mit ganz schlimmer Haut und ich wünschte, ich könnte ihr sagen, dass sie es doch nur mal ein paar Wochen testen müsste…oder ein anderer Kollege mit Diabetes…naja, aber man darf ja nicht als missionierender Veganer auftreten…

      1. Hi Jane, ich finde es kommt ein wenig drauf an wie man es sagt. Ich neige leider aktuell ein wenig zum missionieren und muss mich da auch mal ein wenig zurücknehmen. Allerdings bin ich der Meinung, dass jeder dazu verpflichtet ist sich ein Bild von heutiger massentierhaltung zu machen. Wenn man dann entscheidet weiterhin konventionelle Waren zu kaufen und täglich zu essen, dann ist das immerhin eine bewusste Entscheidung mit der ich gut leben kann. In meinem Bekanntenkreis ernähren sich jetzt übrigens 5 weitere Personen deutlich bewusster durch diese Aufklärung und versuchen Fleisch zu meiden. Also ein wenig hat es schon gebracht🙂

  7. Hm, Blogger vs. gestandener Wissenschaftler. Ich gehe mal auf Nummer sicher und glaube letzterem. Der Disput zwischen beiden liegt nun schon einige Zeit zurück und der Paleo-Quatsch hat sich weiter etabliert. Es ist gerade zu pervers, dass die Amis mit ihrem Hang zu fettem Essen sich gerne davon überreden lassen, sie müssen noch mehr davon essen, um gesunder zu leben.

    Campbell hat übrigens ein neues Buch veröffentlich: „Whole“, bisher nur auf englisch.
    Dort spricht er an, dass es eben nicht um einzelne isolierte Nährstoffe geht. Wenn man die gesamte Wissenschaft überblicken kann, sieht man ein eindeutiges Bild: Pflanzen essen > Tiere essen

  8. Leute, lasst euch nicht so verunsichern. Es gibt zahlreiche weitere und aktuelle Studien, die zu denselben Ergebnissen kommen, wie die China Study (z.B. Studien der Harvard Medical School). Hier mal ein Artikel von Dr. Henrich (Initiative Provegan):

    Was ist von der Kritik an Prof. Dr. Campbell und der „China Study“ zu halten?

    Das wohl beste und fundierteste Ernährungsbuch „China Study“ von Professor Dr. T. Colin Campbell von der Cornell Universität und seinem Sohn Dr. med. Thomas M. Campbell wird immer wieder von Helfern der Tierindustrie kritisiert. Prof. Campbell widerlegte diese Kritik in einer Stellungnahme eindrucksvoll. Aber dies nützt natürlich wenig, weil die Tierindustrie ihr Ziel bereits damit erreicht hat, dass die herausragende Studie, die Prof. Campbell in Zusammenarbeit mit einer ganzen Reihe von renommierten Wissenschaftlern aus den USA, England und China durchführte, einmal mittels unhaltbarer Vorhaltungen kritisiert wurde und nun jeder Tierausbeuter und jeder Laie schreiben und sagen kann, das Buch sei „umstritten“. Genau das ist der boshafte Trick: Seriöse Wissenschaftler und ihre Arbeiten werden mit Nebensächlichkeiten und Absurditäten kritisiert und schon gelten Wissenschaftler und Arbeit als „umstritten“, weil der Laie gar nicht beurteilen kann, ob eine Kritik berechtigt ist oder nur aus boshaften taktischen und geschäftlichen Interessen erfolgt. Damit wird zumindest erreicht, dass viele an dem Thema interessierte Menschen ein angeblich „umstrittenes“ Buch nicht mehr lesen und viele sich nicht mehr trauen, das Buch von Prof. Campbell als Beleg für die gesundheitsschädigende Wirkung von Tierprodukten zu nutzen, weil sie Angst haben, mit dem Verweis auf die angebliche „Umstrittenheit“ abgelehnt zu werden.

    Die zum einen als Kritikerin in Erscheinung getretene Harriet Hall ist eine pensionierte Hausärztin, die offensichtlich niemals wissenschaftlich tätig war und jetzt ihre alten Tage damit verbringt, Kritik am allem Möglichen in der Medizin anzubringen. Sie beruft sich wiederum auf Denise Minger. Die damals 23-jährige Denise Minger ist nach eigenen Angaben eine „professionelle Puppenspielerin“ ohne jegliche wissenschaftliche Ausbildung. Mingers pseudowissenschaftliche Ausführungen wurden von Professor Campbell und anderen ad absurdum geführt. Da die China Study ein mit chinesischen und amerikanischen Steuergeldern finanziertes Projekt war, hatte Professor Campbell einen ganzen Stab von international anerkannten Wissenschaftlern auch für die gesamten statistischen Auswertungen zur Verfügung. Ausserdem wurde die ganze Studie von staatlichen Gremien strenger als wohl jede andere wissenschaftliche Untersuchung über Jahre kontrolliert und überprüft. Es ist leicht zu durchschauen, dass Minger offensichtlich eine Marionette der Tierindustrie ist, die keinen echten Wissenschaftler finden konnte, der zu dieser schmutzigen Arbeit bereit war. Dass sich die Kritik an Campbell ausgerechnet auf eine pensionierte Hausärztin und eine 23-jährige Puppenspielerin ohne jegliche wissenschaftliche Ausbildung beruft, lässt tief blicken.

    Völlig absurd ist jedoch, dass ausgerechnet auch noch Veganer ohne medizinische oder ernährungswissenschaftliche Ausbildung Kritik an Campbell hervorbringen. Es ist bekannt, dass Professor Campbell in Veganerkreisen nicht nur unbeliebt, sondern teilweise sogar regelrecht verhasst ist, weil er auch Tierversuche durchführt hat. Professor Campbell ist nicht wie die meisten Veganer aus ethischen Motiven für eine vegane Lebensweise, sondern aus rein gesundheitlichen Gründen. Er hat mit Tierschutz und Tierrechten im Gegensatz zu den meisten Veganern nichts am Hut! Professor Campbell ist genau deshalb bei einigen Veganern zu einem regelrechten Feindbild und Hassobjekt geworden. Es ist bekannt, dass es auch sehr abgedrehte Gruppen unter den Veganern gibt, die sogar andere Veganer bekämpfen, die aus religiösen Gründen Tiere schützen und vegan leben. Auch solche abgedrehten und durchgedrehten Gruppen taugen als Beleg für die Richtigkeit der Kritik an der China Study und an einem international anerkannten Wissenschaftler nicht.

    Mir ist keine Kritik von einem wirklich renommierten Wissenschaftler an der China Study bekannt. Ganz im Gegenteil stimmen weltweit führende Wissenschaftler und Ärzte mit Professor Campbell und seiner China Study überein. Beispielhaft seien genannt: Diehl, Esselstyn, Goldhamer, Klaper, McDougall, Ornish, Shintani, T. Barnard, N. Barnard, Corso, Fuhrman, Lederman, Montgomery, Popper, Pulde, Schulz, Shewman. Wie bereits geschildert, hat gerade der frühere US-Präsident Bill Clinton wegen dieser renommierten und international anerkannten Gruppe von Ärzten zu einer veganen Ernährung gewechselt.

    Und was führt man letztlich gegen Professor Campbell an? Eine pensionierte Hausärztin und eine 23-jährige Puppenspielerin ohne wissenschaftliche Ausbildung! Das ist wirklich unwürdig, ja absurd. Die von Professor Campbell und dem internationalen Wissenschaftsteam gefundenen Ergebnisse, die in der China Study veröffentlicht wurden, werden zudem von vielen hundert Studien anderer Wissenschaftler aus der ganzen Welt bestätigt und damit zusätzlich abgesichert. Nur liest diese Studien kaum einer. Die Aussagen in der China Study sind also wissenschaftlich durch unzählige andere Studien bestens belegt! Im Mittelpunkt des Interesses steht die China Study wegen der Länge und Fundiertheit der Studie und wegen des hohen Renommees von Prof. Campbell als Ernährungswissenschaftler.

    Mit dieser unwürdigen Kritik verunsichert man gesundheitlich interessierte Menschen und lässt sich bei unkritischer Weitergabe dieser Propaganda von unseriösen Interessengruppen einspannen. Dies richtet immense gesundheitliche Schäden bei den Menschen an.

    http://www.vegsource.com/news/2010/07/china-study-author-colin-campbell-slaps-down-critic-denise-minger.html

    http://www.tcolincampbell.org/fileadmin/Presentation/finalmingercritique.pdf

    1. Hallo Sabine🙂 Mir ging es darum, dass die Leute, die gehört haben, dass die China Study „umstritten“ sein soll, erfahren, wo das herkommt und was genau kritisiert wurde, so dass sie sich ein eigenes Bild machen können. Vielen Dank für die Ergänzung. Deine Links verweisen genau auf die von mir übersetzen Texte.

    2. Jesus hatte auch keine theologische Ausbildung, das ist doch völlig irrelevant. Personen einfach nur zu diskreditieren, ist mir jedenfalls zu billig. Campbell hat Minger mitnichten ad absurdum geführt, sondern ihr bloß größtenteils Dinge vorgehalten, die er an seiner eigenen Nase hat baumeln sehen. Nur hat er das nicht bemerkt. So wie du.
      Aber wie sagst du so schön:“Im Mittelpunkt des Interesses steht die China Study wegen der Länge und Fundiertheit der Studie und wegen des hohen Renommees von Prof. Campbell als Ernährungswissenschaftler.“

      Länge und Renommee sind Garanten für gar nix. Und von Fundiertheit kann ja wohl keine Rede sein. Schon mal in der richtigen Studie nachgesehen, wie die Daten erfasst worden sind? Vermutlich nicht. Warum auch.

  9. Hi,

    gut geschriebener Artikel! Und vielen Dank für die Sachlichkeit und Ausdauer bei deiner Recherche! Das kommt bei der Thematik leider selten vor, egal welche Seite vertreten wird.

    Ich habe das die deutsche Version von Campbells China Study gelesen. Und ich hatte den Eindruck, dass Campbell inhaltlich sinngemäß den Standpunkt vertritt: Möglichst eine naturbelassene pflanzlich betonte Ernährung, selten Fleisch/Fisch ist okay bzw. sogar sinnvoll. Ansonsten alles in Maßen genießen.

    Und so betrachtet, vertritt er ja die Ansicht anderer Ernährungswissenschaftler (auch nicht vegane Vertreter).

    In der englischen Version taucht der Untertitel „Die wissenschaftliche Begründung für eine vegane Ernährungsweise“ nicht auf. Kann es sein, dass diese Ausprägung erst vom deutschen Herausgeber veranlasst wurde? Kennst du die englische Version?

    Mich würden dort vor allem die Graphen interessieren. In der deutschen Version zeigen viele Graphen, dass der deutlich übermäßige Verzehr von tierischen Produkten zu einer Verschlechterung gesundheitlicher Aspekte führt. Mich würde aber auch interessieren, ob es einen Unterschied zwischen „ein bisschen“ und „gar nicht“ gibt.

    Ansonsten kritisiere ich jedoch Campbells Aussage gegenüber Denise Minger (von der ich kein Fan bin), sie habe allein auf die Korrelationen geachtet und diese keiner biologischen Plausibiltät zugrunde gelegt. Er selbst macht dies in seinem Buch jedoch auch nur ein einziges Mal besser. Und zwar bei der krebsfördernden Wirkung von Kasein. Alle weiteren Aussagen, die er trifft, beruhen ebenfalls nur auf Korrelationen aus epidemiologischen Studien, was er selbst auch einräumt.

    Versteh mich nicht falsch. Ich versuch wirklich nur zu verstehen, was eine sinnvolle Ernährung ist und ich finde es einfach schade, dass ständig Studien ZU FRÜH ohne genauere Prüfung rausgehauen werden. Bis jetzt ist Campbells Buch kein großer wissenschaftlicher Beitrag, weil es kaum etwas neues liefert und zu viele Fragen offen lässt. Ich glaube auch nicht, dass er vor hatte, es anders aussehen zu lassen. Die Lesart „vegan ist das gesundheitliche Ideal“ wurde diesem Buch eher von anderen so auferlegt.

    Ich will nicht ausschließen, das eine vegane Ernährung das Optimum in Sachen Gesundheit ist. Nur Campbell liefert mit seinem Buch keinen wissenschaftlichen Beitrag zu dieser Fragestellung.

    Viele Grüße

    1. Hallo Lars,

      wenn ich es richtig verstehe, sagt Campbell: tierische Produkte sind zu meiden, also keinesfalls sinnvoll (Andere sehen das nicht ganz so eng.) Trotzdem distanziert sich Campbell von der Bezeichnung „vegan“ weil das ja noch so einiges mehr impliziert, und er rein wissenschaftlich und nicht ideologisch argumentieren möchte. Ich habe die englische Ausgabe des Buches und der Untertitel lautet da „Startling Implications for diet, weight loss and long-term health“. Der deutsche Herausgeber hat den Untertitel also für den deutschen Markt „passend gemacht“, wie du richtig erkannt hast. Das Buch ist ja schon lange der Renner unter den Veggies obwohl es – wie Campbell selbst betont – überhaupt keine endgültigen Schlussfolgerungen zulässt, sondern lediglich richtungsweisend funktioniert, richtungsweisend für künftige Studien. Soll heißen, es lässt etwas erahnen, also das „big picture“, aber es ist noch lange nicht bewiesen. Deswegen wäre ich sehr vorsichtig mit den gern verbreiteten Thesen, tierisches Protein sei per se ungesund. Wie du siehst, sind wir da einer Meinung. Campbell selbst hat nie behauptet, dass dieses Buch den ultimativen Beweis liefert. Beim Lesen des Buches wird allerdings stark der Eindruck erweckt, und dadurch wird dem Buch in Pflanzistenkreisen mehr Bedeutung beigemessen, als es verdient hat.

      1. Hallo Jane,

        danke für deine Antwort! Hoffentlich befassen sich bald noch mehr Fachleute mit der Thematik. Die Tendenz ist ja da. Ich hatte mich aus ethischen Gründen vegan ernährt. Obwohl ich mich an die allgemeinen Empfehlungen gehalten habe, ging es mir nach 2 Jahren nicht unbedingt schlecht, aber auch nicht wirklich prall, Blutbild-mäßig war alles okay. Bin dann zwischendurch auf ovo-veggie umgestiegen, aber erst als ich hin und wieder kleine Portionen Fisch oder Fleisch eingebaut hatte, fühlte ich mich wieder fitter, vor allem kognitiv.
        Ich wollte dann wieder alles auf vegan umstellen, aber nach 3 Monaten bekam ich dann schon wieder dieselben Probleme und bin nun wieder beim „Sonntagsbrätchenkonzept“ angekommen. Hatte mit dem Buch auf Antworten gehofft, aber leider hat es mich noch mehr verunsichert, aufgrund der meiner Meinung nach nicht ausreichenden wissenschaftlichen Vorgehensweise. Naja, ich will demnächst mal einen Versuch mit Kreatin starten. Der Wert war bei mir im unteren Normbereich. Ich bleib dran und schau hier mal hin und wieder vorbei🙂

        Bis denn
        Lars

      2. Hey Lars, ist ja interessant, was für Probleme genau hast du denn bekommen? Ich finds gut, dass du auf deinen Körper hörst und nicht gleich die Flinte ins Korn wirst. Liebe Grüße!

  10. Hallo Jane,

    ich kann es gar nicht so genau beschreiben. Kennst du auch dieses Gefühl, wenn man im wahrsten Sinne des Wortes ausgelaugt ist, was aber nach ner Portion salzigem Essen weggeht? Ich habe das manchmal wenn ich viel Tee getrunken, aber wenig gegessen habe. Naja so ähnlich zumindest. Körperlich habe ich es nicht so sehr gemerkt. Bewege mich zwar viel, aber würde mich jetzt nicht als sportlichen Typ bezeichnen😉

    Aufgefallen ist es mir bei der Arbeit (bin Programmierer). Ich konnte mich mit der Zeit immer weniger konzentrieren. War sogar bei einer Neurologin. Der hab ich aber zunächst nichts von meiner Ernährung erzählt. Ihr ist halt nichts weiter aufgefallen, bis auf meine Kalium-, Natrium- und Kreatinwerte und in einem Test leicht verlangsamte Reaktionswerte. Bei Kalium und Natrium hat sie sogar tatsächlich gesagt, dass das sehr mit der Flüssigkeitsaufnahme schwanken kann, aber bei mir noch im Normalen liegt. Der Kreatinwert war jedoch gerade noch so im Normbereich. Sie meinte, das könne Veranlagung sein, was besonders dann auffällt, wenn man sehr wenig Fleisch oder Fisch ist. Bingo! Kreatin kannte ich zwar im Zusammenhang mit den veganen Sportlern, welche das für ihre Muskelleistung suplementieren, aber die Neurologin meinte, es sei auch sehr wichtig für die Nervenleistung.

    Ich habe darauf an den Sonntagen Fleisch oder Fisch gegessen und habe tatsächlich eine deutliche Verbesserung gespürt: Ich konnte wieder fast 8 Stunden konzentriert durchprogrammieren, vorher habe ich schon meist nach 4 Stunden angefangen, die Blumen im Büro zu gießen. Jetzt ist die Frage Placeboeffekt oder Tatsache. Deswegen wollte ich mal dieses Kreatinzeugs testen, wobei ich eigentlich einer dauerhaften Einnahme abgeneigt wäre. Bei Nährstoffen in Reinform hat man ja schon öfters festgestellt, dass das schiefgehen kann. Ich werde dir mal davon berichten.

    Ein schönes Wochenende!

      1. Vielen Dank Jon,
        bei Googeln bin ich auch auf ähnliche (bzw. dieselbe Studie ?) gestoßen. Das fand ich auch sehr interessant. Demnach müsste ich nun mal schauen, ob sich der Effekt, den ich durch meinen Fleischkonsum spüre, irgendwann nach ein paar Wochen wieder legt.
        Aber laut meiner Neurologin ist das Kreatinlevel wohl eh ein wenig Veranlagung. Ich müsste sie mal fragen, ob damit der Bedarf oder die Eigenproduktionsfähigkeit gemeint ist. im letzteren Fall bliebe einem ja nichts anderes übrig als es über die Nahrung zuzuführen. Aber ich fürchte, bis dahin wird noch Zeit vergehen.
        Ich hoffe ja auf eine neue Studie von Prof. Hahn von der Uni Hannover. Dann würde ich mich da freiwillig melden, ich wohn direkt neben dem Institut😉. In Sachen B12 und Eisen hat er schonmal eine Studie durchgeführt, die ihr vermutlich schon kennt: http://www.uni-hannover.de/imperia/md/content/alumni/unimagazin/2004/04_1_2_6_9_waldmann.pdf

        Viele Grüße
        Lars

      2. Hey Lars, hast du schonmal an einen B12-Mangel gedacht? B12 ist wichtig für die Blutbildung und das Nervensystem und die Serum-B12-Werte der Blut-Tests sind da sehr unsicher leider. Die sagen nur aus wieviel B12 in deinem Blut ist, aber nicht ob es auch dort ankommt wo es hin soll. Hierzu wird empfohlen den Homocystein-Wert oder am besten direkt die Methylmalonylsäure (MMA) bestimmen zu lassen:

        http://www.veganhealth.org/articles/vitaminb12
        http://www.christiankoeder.com/2011/11/vitamin-b12-nimmst-du-genug-zu-dir-von.html

        http://nutritionfacts.org/2011/08/25/vegan-b12-deficiency-putting-it-into-perspective/
        http://nutritionfacts.org/questions/what-is-the-best-way-to-get-b12/

      3. Nein, den Artikel kannte ich nicht. Leider enthält er auch keinerlei wissenschaftliche Quellenangaben, von daher kann ich ihn kaum ernst nehmen.

        Eisen kann in Form von Häm-Eisen sogar sehr schädlich sein und ist mit Darmkrebs assoziert: http://nutritionfacts.org/video/risk-associated-with-iron-supplements/

        Eisen stellt keinerlei Problem dar: http://www.veganhealth.org/articles/iron

        Zudem sehen die Amerikaner in Form der ADA (https://de.wikipedia.org/wiki/Academy_of_Nutrition_and_Dietetics) das ganz anders:

        „It is the position of the American Dietetic Association that appropriately planned vegetarian diets, including total vegetarian or vegan diets, are healthful, nutritionally adequate, and may provide health benefits in the prevention and treatment of certain diseases. Well-planned vegetarian diets are appropriate for individuals during all stages of the life cycle, including pregnancy, lactation, infancy, childhood, and adolescence, and for athletes.“
        http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/19562864

  11. Hallo Jon,

    danke für deinen Hinweis. Habe gerade mal nachgeschaut. Die beiden Werte tauchen bei meinem großen Blutbild nicht auf. Ich werde es ansprechen, wenn ich bald wieder zum Hausarzt gehe! Wobei die Blutbildung an sich bei mir in Ordnung sein müsste, da keine Anämie besteht. B12 hatte ich jedoch von Anfang an durch Pillen supplementiert und wurde auch in Produkten ergänzt, die ich regelmäßig konsumiert habe. Ich vermute, dass ich da sogar mehr als benötigt aufgenommen hatte.

    1. Hallo Lars, meine erste Vermutung war, dass du vielleicht einfach insgesamt zu wenig Kalorien zu dir genommen hast, was den Schwächezustand erklären würde und was leicht passieren kann, wenn man versucht, nicht nur vegan, sondern auch gesund zu leben. Aber ich vermute mal, darauf bist du schon selbst gekommen? Über Kreatin bin ich auch schonmal bei der Recherche gestolpert, deswegen finde ich das interessant. Freue mich also, von dir zu hören.

      1. Hallo Jane, das war damals auch mein erster Gedanke gewesen🙂 Aber hab dann auch echte Kalorienbomben gegessen, um das auszuschließen. U.a. viel Zucker hat mir dann vielleicht kurz einen Energieschub gebracht, aber das kann es dann auf Dauer auch nicht sein😉, mal davon abgesehen, dass es nur kurzfristig was gebracht hat. Aber ich werde demnächst wieder auf vegan umsteigen. Mal schauen, ob es dann wieder eintritt… und in dem Fall probier ich es dann mal mit Kreatin. Ich werde dir dann mal davon berichten. Kann aber noch ein paar Monate dauern bis ich wieder eine Veränderung spüre. Weil bei meinem allerersten Versuch hab ich mich ja auch 2 Jahre echt gut mit vegan gefühlt.

  12. Woher bekommst du denn dein Eiweiss? Diese Frage wird Vegetariern sehr häufig gestellt. Die weitaus berechtigtere Gegenfrage könnten jedoch lauten: Wie kommst du eigentlich mit deinem gesundheitsbedenklichen Eiweissüberschuss klar? Vegetarier müssen sich bei der überaus vielfältigen Auswahl gesunder pflanzlicher Lebensmittel sicher nicht den Kopf über ihre Eiweissversorgung zerbrechen. Nicht-Vegetarier dagegen sollten sich sehr wohl den Kopf darüber zerbrechen, wie sie ihren Körper vor den Folgen ihres täglichen Eiweissüberschusses schützen können.
    Wir brauchen kein Protein, sondern Aminosäuren
    Proteine sind natürlich keineswegs unwichtig. 10.000 verschiedene Proteine bilden in unserem Körper Muskeln, Knochen, Haut, Haare und viele andere Gewebe und Organe. Gerade deshalb ist es ausschlaggebend, sich für Proteine bester Qualität, in adäquaten Mengen und in bester Begleitung (mit Vitalstoffen etc.) zu entscheiden.
    Proteine – ob pflanzlicher oder tierischer Herkunft – werden im Körper immer erst zu Aminosäuren zerlegt. Aus diesen Aminosäuren baut der Organismus menschliches Eiweiss auf. Wir benötigen also lediglich alle für uns essentiellen Aminosäuren (die sowohl in pflanzlichem als auch in tierischem Eiweiss zu finden sind), sind aber nicht darauf angewiesen, solche Proteine zu essen, die unseren Proteinen möglichst ähnlich sind.
    Selbst wenn wir Menschenfleisch ässen, würde dieses von unserem Körper erst in seine einzelnen Aminosäuren zerlegt und dann wieder zu neuem Menschenfleisch, nämlich unserem eigenen, zusammengebaut werden.
    Nur ein Gerücht…
    Wie entstand aber dann das Gerücht, tierisches Protein sei für die menschliche Ernährung viel hochwertiger und auch viel besser verwertbar als pflanzliches Protein? Wir müssen jetzt leider ein wenig Haare spalten. Einfach deshalb, weil es bei diesem Thema um nichts anderes geht als um Begriffsdefinitionen, die dem Grossteil der Bevölkerung unbekannt sind und daher gewisse Begriffe vollkommen missverstanden werden.
    Um den Satz“Tierisches Protein ist hochwertiger und viel besser verwertbar als pflanzliches Protein“ so zu verstehen, wie er wirklich gemeint ist, müssten wir erst einmal wissen, wie die Wissenschaftler, die diesen Satz in grauer Vorzeit zum Besten gaben, erstens „hochwertig“ und zweitens „Verwertbarkeit von Proteinen“ definierten.
    Kannibalismus – die ideale Ernährungsweise?
    Ein Protein sei um so „hochwertiger“, je weniger wir davon brauchen, um unseren eigenen Proteinbedarf zu decken. Und je hochwertiger das Protein sei, umso besser verwertbarer sei es auch – zumindest nach Meinung der meisten Ernährungswissenschaftler. Tierisches Protein wird also nur deshalb im Vergleich zu pflanzlichem Protein als besser verwertbar bezeichnet, weil seine Aminosäurezusammensetzung der unsrigen mehr ähnelt als der Aminosäurezusammensetzung von pflanzlichen Proteinen. Das ist aber keine besondere Erkenntnis, schliesslich sind wir Säugetiere und keine Pflanzen.
    Wäre es aber in der Natur so geregelt, dass alle Tiere nur solche Nahrung essen dürften, die ihrer eigenen Aminosäurezusammensetzung möglichst ähnlich ist, dann dürfte es kein einziges pflanzenfressendes Tier geben. Pferde, Elefanten, Rehe, Kaninchen, etc. würden sich folglich alle nicht optimal ernähren. Kannibalismus müsste – unter diesem Blickwinkel betrachtet – die ideale Ernährungsweise darstellen.
    Es geht nicht unbedingt um Eiweiss, sondern darum:
    Bei der idealen und jeweils artgerechten Ernährungsweise geht es jedoch nicht darum, mit möglichst wenig Material möglichst viele essentielle Aminosäuren aufzunehmen. Es geht darum, den jeweiligen Körper mit allem zu versorgen, was er braucht und gleichzeitig vor allem zu verschonen, was er nicht braucht und was ihn belasten könnte.
    Eiweissüberschuss ist weit verbreitet
    Natürlich könnten wir mit Hilfe von Fleisch unseren Eiweissbedarf mengenmässig(!) schnell decken. Das Problem dabei ist, dass wir ihn tatsächlich sehr schnell decken. Und zwar so schnell, dass wir offenbar gar nicht merken, wann er gedeckt ist. Sonst würden all die vielen Menschen – nachdem ihr Eiweissbedarf gedeckt ist – doch nicht immer noch mehr und noch mehr des“hochwertigen“ tierischen Eiweisses in sich hinein stopfen – in Form von Fleisch, aber auch in Form von Fisch, Milchprodukten und Eiern. Es herrscht also ein weit verbreiteter Eiweissüberschuss.
    Qualität ist wichtiger als Quantität
    Mengenmässig haben wir offenbar kein Problem, unseren Eiweissbedarf zu decken. Aber wie sieht es denn mit der Qualität des tierischen Eiweisses aus? Tierische Produkte werden so gut wie nie frisch im Sinne von roh und unerhitzt verzehrt. Die Verwertbarkeit von Aminosäuren hänge im Wesentlichen jedoch von der Naturbelassenheit der Nahrung ab und sinke – laut dem deutschen Bakteriologe und Ernährungswissenschaftler Prof. Werner Kollath (1892 – 1970) – durch Erhitzung um 40 – 60 Prozent.
    Eiweissreiche pflanzliche Lebensmittel hingegen, wie z. B. Walnüsse, Kürbiskerne, frische Erbsen, Quinoa, Amaranth, Kichererbsensprossen und grüne Blattgemüse können sehr gut roh und unerhitzt verzehrt werden und liefert daher Proteine in unschlagbarer Qualität. Und nicht nur das: Diese Lebensmittel liefern nicht nur Proteine, sondern auch Vitalstoffe, Mineralstoffe, Ballaststoffe, Spurenelemente und sekundäre Pflanzenstoffe.
    Fleisch hingegen ist äusserst arm an all diesen lebenswichtigen Begleitstoffen, dafür reich an Schwermetallen, Medikamentenrückständen, ungünstigen Fetten, Cholesterin – und an überflüssigem Eiweiss. Bei der Auswahl Ihrer Lebensmittel sollten Sie also nicht unbedingt nur auf den Eiweissgehalt achten, sondern darauf, ob das, was zusammen mit dem Eiweiss“geliefert“ wird, nützt oder eher schadet.
    Tierisches Protein macht gross und schwer, aber nicht unbedingt gesund
    Wenn im Zusammenhang mit tierischen Proteinen die Rede von“hochwertig“ ist, dann ist damit folglich keineswegs“wertvoll“,“vollwertig“ oder gar“gesund“ gemeint. Im Jahre 1914 fütterten Wissenschaftler eine Rattengruppe mit tierischem Eiweiss, eine zweite Gruppe mit pflanzlichem Eiweiss. Was beobachteten Sie?
    Die Ratten, die tierische Proteine erhielten, wurden deutlich grösser und schwerer als die Vegetarier-Abteilung. Was schlossen die Forscher daraus? Natürlich! Tierisches Eiweiss muss hochwertiger sein als pflanzliches. Und das glaubt die Mehrheit der Menschen daher heute immer noch. Knapp dreissig Jahre später aber machte Professor McCay von der Berkeley Universität in Kalifornien denselben Versuch, untersuchte dann klugerweise aber auch gleich den Gesundheitszustand der Ratten. Was stellte er fest?
    Die leichteren Veggie-Ratten waren wesentlich gesünder und lebten etwa doppelt so lange wie die schwerfällige Schnitzel-Fraktion. Letztere hatte mit allerhand gesundheitlichen Problemen zu kämpfen, litt dabei nicht nur unter körperlichen Unzulänglichkeiten, sondern auch unter Verhaltensstörungen und der Neigung zu Kannibalismus. Beim Nachwuchs kam es vermehrt zu Fehlbildungen und Totgeburten.
    Die Folgen von proteinreicher Ernährung
    Auch beim Menschen führt eine eiweissreiche Ernährung zu unangenehmen Erscheinungen. Überflüssiges Protein wird von der Leber abgebaut und als Harnsäure über die Nieren ausgeschieden. Bei Überlastung der Nieren wird diese Harnsäure in Form von Kristallen in den Gelenken abgelagert. Neben Nierensteinen und einer verminderten Nierenfunktion kann es jetzt zur schmerzhaften Gicht kommen.
    Harnsäure wirkt ausserdem wie ein Diuretikum, schwemmt also Wasser aus dem Körper hinaus und verursacht folglich einen enormen Wasser- und Mineralstoffverlust. Eines der wichtigsten Mineralien, das auf diese Weise verloren geht, ist Calcium. Calcium wird bei einer eiweissreichen Ernährung ausserdem in grösseren Mengen den Knochen entzogen, um die bei der Proteinverdauung anfallenden Säuren zu puffern.
    Osteoporose
    Dieser Calciumverlust kann wiederum Osteoporose begünstigen – eine Erkrankung, die Knochen spröde macht und diese leichter brechen lässt. Nahezu 15 Prozent aller weissen Frauen über 65 sowie insgesamt 5 bis 7 Millionen Menschen allein in Deutschland sind von Osteoporose betroffen. In vielen anderen Ländern jedoch – in denen der Eiweissbedarf bevorzugt mit pflanzlichen Lebensmitteln gedeckt wird – stellt Osteoporose kaum ein Problem dar.
    In China isst man Reis und viel Gemüse, in Mexiko die unterschiedlichsten Bohnensorten, Reis und Tortilla, in Indien Gemüsecurrys und Erbsen-Dals. Je mehr sich der Lebensstil und damit auch die Ernährungsweise dieser Länder aber dem Westen anpassen, umso häufiger tritt auch dort Osteoporose auf.
    Weitere Probleme, die mit einer sehr eiweisshaltigen Ernährung zusammenhängen sind beispielsweise Allergien, Arthrose sowie Brustkrebs, Prostatakrebs, Pankreaskrebs, Darmkrebs, Rektalkrebs und Gebärmutterhalskrebs.
    Auch pflanzliches Eiweiss schadet im Übermass
    Natürlich sollten Sie es bei einer vegetarischen Ernährungsweise mit dem pflanzlichen Eiweiss auch nicht gerade übertreiben. Es gibt Vegetarier, die riesige Mengen Hülsenfrüchte und täglich mehrmals Sojaprodukte (Sojafleisch, Sojayoghurt, Sojasahne, Sojawurst, Sojakäse etc.) essen – aus Angst, sie bekämen sonst nicht genügend Eiweiss. Auch das kann zu den erwähnten typischen Eiweissspeicherkrankheiten führen.
    Eisen und Vitamin B12
    Nicht einmal das im Fleisch enthaltene Eisen oder das Vitamin B12 könnten die Nachteile des tierischen Proteins aufwiegen. Der Eisengehalt in Fleisch ist ausserdem kaum der Rede wert. Denn wenn Sie nicht gerade ein Faible für Innereien wie Leber, Niere und Lunge haben (die Ihnen zusätzlich die ganze Palette der gespeicherten Umweltgifte und Stoffwechselgifte des jeweiligen Tieres liefern), dann enthält“normales“ Fleisch (Schnitzel, Steak, Kotelett etc.) deutlicher weniger Eisen als viele pflanzliche Lebensmittel.
    Hervorragende Eisenlieferanten sind dagegen grünes (Wild-)Gemüse (z. B. Brennnessel), Kräuter, getrocknete Aprikosen und Pfirsiche, Nüsse, Samen (Kürbiskerne, Sesam, Mohn, Leinsaat), Quinoa, Hirse und Amaranth.
    Vitamin-B12-Mangel hängt übrigens kaum mit der Ernährungsweise zusammen, sondern mit dem Gesundheitszustand des Magen-Darm-Traktes. Gerade die Magen-Darm-Flora von leidenschaftlichen Fleischessern ist unter anderem durch die übermässige Proteinlast oft so gestört, dass sie nicht mehr in der Lage dazu ist, selbst Vitamin B12 zu bilden, wie das in einem gesunden Organismus eigentlich der Fall sein sollte.
    Da sich auch vegetarisch oder vegan lebende Menschen ungünstig (mit vielen Süssigkeiten, verarbeiteten Fertigprodukten, unfermentierte Sojaprodukten etc.) ernähren können, kann es auch bei ihnen zu einer gestörten Magen-Darm-Flora und damit zu Vitamin-B12-Mangel kommen. Dieser Mangel hat aber nichts damit zu tun, ob jemand nun tierisches Protein zu sich nimmt oder nicht.
    Bei einer rein pflanzlichen Ernährungsweise gibt es ausserdem ebenfalls Vitamin-B12-Lieferanten, welche die körpereigene B12-Produktion ergänzen können, nämlich Sauerkraut, fermentierte Gemüse, fermentierte Sojaprodukte (Miso, Tempeh), Algen oder – bei einer ovo-vegetarischen Ernährungsweise – dann und wann ein rohes Bio-Eigelb.
    Basisches pflanzliches Eiweiss für Sportler und für Menschen in Zeitnot
    Trotz allem gibt es Situationen, in denen Menschen auf eine zusätzliche Eiweissversorgung angewiesen sind. Das ist dann der Fall, wenn für die Zusammenstellung einer ausgewogenen und hochwertigen Ernährung einfach die nötige Zeit oder – im Krankheitsfalle – die Kraft fehlt.
    Auch Sportler, die für einen verstärkten Muskelaufbau, für Ausdauer und mehr Leistung ihre Eiweisszufuhr steigern möchten, greifen gerne zu Proteinpulvern. Herkömmliche Proteinkonzentrate stammen aber meist aus zweifelhaften tierischen Quellen, übersäuern den Organismus und sind oft mit Schwermetallen belastet (siehe Proteinpulver mit Schwermetallen belastet). Pflanzliche Proteinpulver hingegen bestehen meist aus der Sojabohne und diese ist bekanntlich fast nur noch in genmanipulierter Ausführung erhältlich. Folglich kann weder das eine noch das andere guten Gewissens verzehrt werden.
    Die eiweissreiche Süsslupine – eine Hülsenfrucht und Zuchtvariante einer einheimischen Gartenblume – stellt hier eine erfreuliche Ausnahme dar. Das aus ihren Samen gewonnene Eiweisspulver enthält nicht nur alle für den Menschen essentiellen Aminosäuren, sondern auch alle Vital- und Mineralstoffe der Lupine. Es ist ausserdem frei von Purinen (aus denen im menschlichen Organismus schliesslich die gichterzeugende Harnsäure wird) und hat daher eine angenehm basische Wirkung. Die basische Lupine wird inzwischen auch in Form von Eiweisstabletten angeboten.
    Veggie-Life – Genuss pur
    Wenn Sie also längst vegetarisch leben und sich in der Vergangenheit von den Fragen und Kommentaren Ihrer nicht-vegetarischen Umwelt gelegentlich nervös machen liessen, dann können Sie sich jetzt entspannt zurücklehnen und Ihr Veggie-Life in vollen Zügen geniessen. Und falls Sie sich gerade erst überlegen, ob Sie so ein Veggie-Life wohl auch beginnen sollten, dann los, zögern Sie nicht, rein ins Vergnügen!

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