Kein Fleisch macht glücklich – Andreas Grabolle

Kein Fleisch macht glücklich - Andreas GrabolleAndreas Grabolle liebt Fleisch. Das ist in seinem Buch durchgängig spürbar. Egal ob er das erste Kapitel gleich im Steakhaus beginnen lässt oder sich später als Vegetarier im fremden Haus heimlich Wurstscheiben in den Mund schiebt. Selbst als langjähriger Vegetarier gehörte Fisch zu seinem normalen Speiseplan. Wie schon Foer und Duve vor ihm, macht er sich auf die Suche nach der Antwort auf die Frage: „Ist es nicht vielleicht doch ok, Fleisch zu essen?“ Hier dürfte wohl auch etwas Hoffnung dabei gewesen sein. Ist ja auch lecker, so ein Schnitzel. Wie seine berühmten Vorgänger, recherchiert er auch er intensiv, macht sich ein Bild vor Ort in Mastanlagen und Antitierbenutzungshöfen, spricht mit Tierärzten und zahlreichen Wissenschaftlern. Er wartet mit zahlreichen Daten auf, und verlässt sich auf durchaus glaubwürdige Quellen, was mir besonders gefällt. Anders als bei Foer und Duve ist sein Buch wesentlich weniger literarisch ambitioniert, so finden sich hier keine Kapitel mit sprachwissenschaftlichen Abhandlungen oder Anekdoten, die einen erzählerischen Rahmen formen. Es ist sehr faktisch geschrieben, was vielleicht gerade eher rationalen Zeitgenossen entgegenkommt. Jedenfalls war das mein Grund, es an so jemanden zu verschenken. Für mich selbst war wenig Neues dabei, aber für mich war es ja auch nicht gedacht.🙂

Erfreulicherweise ist das Buch auch wirklich umfassend, enthält also Kapitel zur steinzeitlichen Ernährung, Fischen und Jagen, Umwelt, Krankheiten und Keimen, philosophischen Ansätzen, gesundheitlichen Auswirkungen und Vor-und Nachteilen veganer Ernährung. Dabei hält sich der Autor wirklich an die Fakten und festigt so seinen unaufgeregten, bodenständigen Standpunkt. Und da es um Daten aus dem deutschsprachigem Raum geht, kann man die Zahlen auch nicht einfach verdrängen, da all dies direkt vor der Haustür passiert und nicht in einem fernen Land. Ich kann leider nicht (mehr) einschätzen, wie das Buch auf unbedarfte Normalesser wirkt und hoffe, dass der von mir Beschenkte mir dazu mehr sagen kann…ich selbst fand es gut, eben weil sich die Daten auf Deutschland beziehen, es sich leicht lesen lässt, der Autor neutral und sachlich berichtet, aber nicht gänzlich ohne Humor. Er verteufelt nicht und stellt den Veganismus auch nicht als Lösung für sämtliche Probleme der Welt dar. Am Ende des Buches läuft es für ihn persönlich trotzdem darauf hinaus, vegan zu leben. Dazu gibt er noch ein paar ernährungswissenschaftliche Hinweise zu veganer Ernährung, sowie eine Handvoll Rezepte um den Einstieg zu erleichtern.

Autor: Jea

// Leipzig, Germany // vegan // forming digital mindscapes //

22 Kommentare zu „Kein Fleisch macht glücklich – Andreas Grabolle“

  1. Das klingt gerade richtig für mich – befinde mich noch ziemlich am Anfang meiner Ernährungsumstellung und vieles was ich lese hat einen starken „Religions-Charakter“. Neutral und sachlich klingt sehr gut🙂 Vielen Dank für den Tip!

  2. Hallo Jane,
    dieses Buch war das erste, das ich zu diesem Thema las. Es gefiel mir sehr gut und ich habe es daher meinem Dad ausgeliehen. Dieser (selbst seit über 25 Jahren Vegetarier), lässt nun Schritt für Schritt weitere tierische Produkte fallen und war von den Fakten des Buches tief erschüttert. Immer mal wieder rief er in dieser Zeit an und war total berührt, weil so viele Küken sterben – „das weiß doch keiner!“, sagte er – „und die Kälbchen…“. Tja.
    Deiner Rezension kann ich mich daher nur anschließen, das Buch ist gerade für Einsteiger gut aufgebaut und geschrieben, zudem finde ich es gut, dass vor allem Zahlen und Statistiken genannt werden, die sich auf den deutschsprachigen Raum beziehen, da hierdurch eine Nähe des Problems offenbar wird (Amerika ist einfach zu weit weg, die schrecklichen Zustände „von da drüben“ gibt es hier ja nicht, usw. usf.).
    Viele Grüße,
    Frau Schulz

    1. Ja, das weiß einfach keiner. Und selbst wenn man es schafft, ihnen das unaufdringlich nahezubringen, wirds schnell wieder verdrängt. Es gibt eben so viel Schlechtes auf der Welt, da sind die 40 Millionen Küken, die jährlich für das Frühstückei vergast oder geschreddert werden, nur ein Punkt. Umso schöner, wenn es doch einige gibt, denen klar wird, dass sie zumindest ihren kleinen Teil beitragen können. Denn wenn keiner irgendwas macht, ändert sich ganz sicher nichts. Wenn ein paar was machen, gibt es zumindest eine Chance auf Veränderung.

  3. Habe auch letztens meine Review zum Buch endlich mal geschrieben. Ich finde es wirklich das beste deutsche Buch dazu. Gerade die, auch von dir angesprochene, Sachlichkeit die sich durch das ganze Buch zieht.

  4. Klingt interessant. Ich lese zurzeit „Tiere essen“ von Jonathan Safran Foer. Werde mir dieses Buch mal auf meine Wunschliste setzen. Bin noch Neuling in Sachen „vegan“.

  5. Der Tod im Kükenschredder ist so ziemlich die schnellste und schmerzloseste Todesart die man sich nur denken kann. So ähnlich wie der Tod unter der Guillotine es für einen Menschen ist. Nur weiß der zum Tode verurteilte Mensch, im Gegensatz zum Küken, daß er bald sterben wird. Da haben es die Küken doch wesentlich besser.
    Und die Tatsache, daß Veganer nun mal zu zart besaitet und zu sensibel sind um mit der Realität klar zu kommen, ist kein Grund auf Geflügelprodukte zu verzichten.

    1. Oh, es ist also völlig ok, millionenfach Küken zu produzieren nur um sie sofort umzubringen? Wäre nicht wenigstens die Mindestlösung das Zweinutzungshuhn? Das müsstest du sogar einsehen.

      1. Ja, das ist ethisch gesehen vollkommen okay. Genauso, wie es z.B. für dich ethisch vollkommen okay ist, Millionen von Bakterien in deinem Körper mit Antibiotika umzubringen, nur weil sie dir manchmal Probleme bereiten, was du dann Krankheit nennst.

        Dumm nur für die Bakterien, daß sie nicht so süß und flauschig aussehen wie Küken, und dadurch dein Kindchenschema/ Bambisyndrom nicht bedienen.

        Und Zweinutzungshuhn war früher…bekanntlich gibt es aber kein „Zurück“ in der Evolution.

      2. Du möchtest nicht allen Ernstes das unabsichtliche, unvermeidliche Töten von Kleinstlebewesen mit dem eben durchaus vermeidbaren Umbringen von Tieren am Fließband vergleichen?
        Mit „flauschig“ hat das nichts zu tun, ein ausgewachsenes Schwein oder eine Kuh sehen nicht gerade „niedlich“ aus. Oder, wie Kiba weiter unten vermerkt, auch ein Truthahn ist keine klassische Schönheit.
        Und nicht die Evolution hat das mit sich gebracht, sondern bewusste, absichtliche Züchtung bis zu dem Punkt, an dem Hühner in Masthühner und Legehennen unterschieden wurden. Was zur Folge hat, dass die ausgemergelten Körper der Legehühner (ein bißchen Hungern erhöht die Legeleistung) zu nix mehr gut sind, zumindest nicht zum Grillen. Und die männlichen Küken der Legenhühner müssen halt weg.

    2. Es geht dabei ja gar nicht um die Art, wie das Küken stirbt, wobei ich bezweifle, dass es nicht schmerzhaft ist, wenn einem z.b. erst ein Flügel abgeschreddert wird und man dann erst tot ist. Es geht einfach darum, dass so viele Küken ohne ethisch vertretbaren Grund getötet werden. Man behandelt die Küken da ja wie ein Stück Holz, was nicht die richtige Form hat und deswegen zu Sägespänen zerkleinert wird, um anders verarbeitet zu werden. Ich glaube, dass Veganer die Stärke besitzen der Realität ins Auge zu sehen und nicht die Augen zuzumachen.

      1. So, daß glaubst du also. Und wieso umfasst dein ethisch korrektes Mitgefühl dann nicht auch all die Millionen von Insekten, Kleinnager und Vögel, die in Folge der Pflanzenschutzmassnahmen für den Anbau deines Sojas, deines Getreides und deines Gemüses sterben müssen ? Und zwar sowohl im konventionellen wie auch im biologischen Anbau ? Die sind dir nicht flauschig genug, gell ? Was du betreibst ist schlicht selektive Wahrnehmung und selektive Auswahl, sonst nix.

    3. Ich weiß nicht, ob ich es sensibel oder zart besaitet nennen würde, wenn man sich freiwillig in Schlachthäuser begibt um mit eigenen Augen gesehen zu haben und beurteilen zu können, was da abgeht.
      Meiner Meinung nach ist es sehr viel schwächer, die Augen vor der Realität zu verschließen und nach Ausreden zu suchen, weshalb die Grausamkeit Tieren gegenüber in ihrem ganzen Umfang völlig in Ordnung bzw. sogar gerechtfertigt ist, nur um täglich sein Tier auf dem Teller zu haben, auf das man nicht verzichten kann …

    4. Hi Hackfleisch (loool voll lustiger Nick so),
      und gestatten an die anderen Beteiligten, es ploppt grad so aus mir raus🙂

      Auch wenn man annimmt, der Tod im Schredder (Gas ist ja auch üblich) sei schmerzfrei (was auch ich bezweifle):
      Das ist ethisch nur ok, wenn man so tut, als ob Lebewesen, die nicht so nah am Menschen sind auf der Zeit- und Selbst-Bewusstseins-Skala, keine Interessen und daraus abgeleitet auch keine Rechte hätten. Haben sie aber, das lässt sich auch nachweisen, wenn du es nicht empfindest. Man kann sich testhalber auch immer mal fragen: wäre es OK, das mit geistig Behinderten oder Babies zu tun?
      Oder in diesem Fall: wäre es OK, Menschen einfach völlig unerwartet und schmerzlos zu töten?

      Bakterien haben hingegen nicht die notwendige Eigenschaft eines Nervensystems. Mit dem „Bambisyndrom“ *augenroll* kennen sich Allesesser meistens besser aus als Veganer, schließlich essen wir nicht nur keine Hunde, Hasen und Pferde, sondern auch keine Fische oder Truthähne.🙂

      Evolution? Wie naiv bist du denn? So wie Nutztiere vom Menschen gezielt hochgezüchtet wurden – in freier Natur wären sie großteils gar nicht überlebensfähig – so kann er sie u.U. auch wieder zurückzüchten. (Was ich übrigens keineswegs ein akzeptables Ziel finde, solange es der weiteren Ausbeutung dient.)

      Und zum Thema „sind dir die indirekten tierischen Opfer deines Pflanzenkonsums egal?“:
      – Nein, aber ich fang halt wenigstens mal bei den direkten Opfern an. Und du?
      – Veganismus –> Prinzip der Vermeidbarkeit
      – Irgendwas müssen wir essen. Und den Pflanzenkonsum schränken Veganer ja immerhin ein, durch effizientere Verwertung als über den Tier-Umweg.

    5. Und die Tatsache, daß Veganer nun mal zu zart besaitet und zu sensibel sind um mit der Realität klar zu kommen, ist kein Grund auf Geflügelprodukte zu verzichten.

      Meine Erfahrung dazu ist:

      Wir können dieser brutale Realität ins Auge sehen, und lehnen es deshalb ab Tiere zu essen!
      Mir ist aber noch kein „Fleisch“esser begegnet der sich dieser Realität stellen wollte oder konnte, denn würde er es tun, müsste er sich ja mit seinem Gewissen auseinadersetzen und würde am Ende zu dem Schluss kommen das es doch nicht wirklich gut und sinnvoll, im Gegenteil, eher grauenvoll ist, sich seinem Fleischgenuss hinzugeben!
      Sie würden an der Realität zusammenbrechen!

  6. Ich habe gerade Skinny Bitch durch und habe nun mit „Tiere essen “ angefangen. Ich denke das reicht dann auch. Jedes Mal wird beschrieben wie Tiere gehalten werden und jedes Mal wird mir übel. Nach Earthlings und den Büchern bin ich mehr als überzeugt, dass die vegane Ernährungsform die richtige ist. Ich glaube es gibt da so ein Zeitfenster wann man „empfänglich“ dafür ist sich überhaupt mit Veganismus zu befassen bzw. sich darauf einzulassen. Mein Freund ist durch und durch Fleischesser, ich erzähle ihm von den Umständen und er isst weiterhin Fleisch. Genauso wie ich, bevor ich dann doch den Schritt wagte. Mit einem Video war dann doch pötzlich alles anders und ich konnte gar nicht glauben das mich das sonst so kalt gelassen hat…

    1. Ich stimme dir zu, aber ich verstehe das Zeitfenster nicht. Ich hab mich schon vor Jahren mit einer Veganerin unterhalten und hab gar nix davon behalten. War vor noch mehr Jahren Vegetarier und bin dann wieder Normalo geworen, und plötzlich, zack, ziemlich schnell auf einmal vegan. Wenn man sich einmal damit wirklich beschäftigt, gibts kein Zurück, jedenfalls nicht für mich. Aber dahin muss man erstmal kommen…

      1. Ja und das meine ich, ein Zeitfenster wo man empfänglich ist für die Wahrheit … Ich hab mich auch Jahre vorher mit Veganern unterhalten und nichts davon erreichte mich so als das ich aufgehört hätte Fleisch zu essen. Nagut vielleicht ist Zeitfenster nicht der so ganz der richtige Begriff :-)) aber du hast recht man kann gar nicht mehr zurück wenn man das erstmal alles weiß

  7. Danke für den Buchtipp, habe mich nochmal weiter drüber informiert und werde es jetzt meinem Freund schenken. Der probiert zurzeit ein bisschen aus, was seine Ernährung angeht, nachdem ich ihm immer mal wieder etwas von dem, was ich bei meinen Nachforschungen so herausgefunden habe, erzählt habe. Und Fakten sowie Allround-Infos kommen bei ihm mit Sicherheit sehr gut an!
    Toller Blog übrigens, ich gehe regelmäßig drauf um zu gucken, ob es wieder was Neues zum Thema gibt!

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