Hackfleisch macht schön!

Hier ist der angekündigte Post zu „Hackfleisch“, so der klangvolle Name einer meiner eher kritischen Leser🙂 Wobei ich das hier durchaus wörtlich meine. „Hackfleisch macht die Haut straff“ ist die Schlagzeile, mit der eine namhafte deutsche Tageszeitung einen Artikel zum Erscheinen des Buches „Ehrlich essen macht schön“ bedacht hat. Wie die Autorin, eine Ernährungswissenschaftlerin, im Sat1.-Frühstücksfernsehen dann auch gleich richtig stellt, war das so natürlich nicht gemeint. Es gehe um „ehrliche Lebensmittel“, also vollwertige, unverarbeitete, möglichst naturbelassene Nahrung. Deren enthaltene Nährstoffe sind für die Gesundheit und Schönheit zuträglich, da sie die Zellen nähren und schützen. Als weitere Beispiel nennt sie übrigens Hafer und Kartoffeln (Kieselsäure), Sahne (Fette), Beeren (Antioxidantien), Zwiebeln und Knoblauch (Zellschutzstoffe) sowie Nüsse und Saaten (Phytohormone). Wie in diese Zusammenstellung Hackfleisch als „naturbelassenes Lebensmittel“ rutschen kann, ist mir allerdings schleierhaft, wenn ich mir ansehe, was da so alles drin ist, und bei dem dringend geraten wird, es richtig durchzugaren. Auch die neusten Nachrichten dazu sind nicht gerade appetitlich…

Es wird behauptet, dass der Kollagen-Anteil im Hack für stabile Haut von innnen sorgt. Allerdings kommt Kollagen ja vor allem von Schwarte, Knorpel, Bindegewebe, Gefäßen, die entsprechend in der Masse vermischt sein müssten. Naja, sieht ja auch keiner mehr in dem undefinierbaren Fleischbrei…Während die Frau Ernährungswissenschaftlerin sicherlich Recht damit hat, dass vollwertige Lebensmittel gesund halten und entsprechend auch schön machen (oder zumindest nicht hässlicher), ist die Schlussfolgerung „Kollagen als Faltenkiller“ natürlich etwas zu vereinfacht, sonst würden die Hollywood-Stars ja an Knochen nagen statt sich unters Messer zu legen. Zum Beispiel ist Vitamin C (Obst und Gemüse) zwingend erforderlich, um eine ausreichende Menge an funktionsfähigen Kollagenfasern produzieren zu können. Alles Quatsch also? Naja, nicht ganz…Lysin und Protein in pflanzlichen LebensmittelnEiner der wichtigsten Bausteine von Kollagen ist die Aminosäure Lysin. Im Gegensatz zu Prolin, ebenfalls ein relevanter Kollagenbaustein, kann sie nicht vom Körper selbst hergestellt werden, gehört also zu den essenziellen Aminosäuren. Und das Thema Lysin ist mir im Rahmen der Proteindiskussion schon ein paar Mal untergekommen. In „Vegan for Life“ heißt es, wer sich vorrangig von Getreide, Gemüse und Obst ernährt, könnte ein bißchen wenig Lysin abbekommen, besonders wenn die Kalorienzufuhr beschränkt wird (z.B. bei Sportmuffeln ;)), Noch dazu ist Lysin hitzeempfindlich! Und da es vor allem in Hülsenfrüchten, Sojaprodukten; Quinoa und Amaranth vorkommt, die ja bekanntlich erstmal schön durchgekocht werden müssen, wie kommt dann ein Veganer zu seinem Lysin und behält sein straffes Bindegewebe? Schaut mal in den Spiegel, habt ihr seid eurer Umstellung schon erste Falten und Cellulite zu beklagen?😉

Auf „Vegan Health“ gibt es hier einen langen und hilfreichen Artikel zum Thema, inklusive einer Tabelle der Lysin-Gehalte von Lebensmitteln. Auch gekocht weisen Hülsenfrüchte also noch Lysin auf. Aber reicht es? In „Vegan for Life“ wird empfohlen, sein Körpergewicht (in Pfund) mal 19 zu rechnen um seinen Lysin-Bedarf in Milligramm auszurechnen. Oder man achtet einfach generell auf 3-4 Portionen Hülsenfrüchte pro Tag, dann nimmt man garantiert genug Lysin (und Protein) zu sich. Eine Portion entspricht einer halben Tasse gekochter Hülsenfrüchte, einer halben Tasse Tofu/Tempeh oder einer Tasse Sojamilch. Also so lange es schwarze, weiße und rote Bohnen, gelbe, braune und Tellerlinsen sowie halbe und ganze Erbsen gibt, bleibe ich gern bei meinem veganem Mett. 

Veganes ZwiebelmettWeiterlesen:

Autor: Jea

// Leipzig, Germany // vegan // forming digital mindscapes //

16 Kommentare zu „Hackfleisch macht schön!“

  1. Witziger Post. Hm, vermutlich lässt sich die Auflage mit „Hackfleisch macht die Haut straff“ besser steigern als mit dem Alternativtitel „Hülsenfrüchte machen die Haut straff“. Das klingt für nahezu jeden Fleischesser leider wahnsinnig „unsexy“.

    1. Ja, natürlich ist da auch Lysin drin. Aber auch in gekochten Bohnen ist noch Lysin. Man muss auch nicht supergenau darauf achten, nur eben außen vor lassen sollte man Hülsenfrüchte, Bohnen, Linsen Co. lieber nicht.

  2. Dumm nur, daß das vielgepriesene vegane „Mett“ nur einen kleinen Bruchteil des Lysins enthält, den echtes (Schweine-)Mett hat. Deshalb (und weil der Reiswaffelersatz einfach nur nach Pappe schmeckt) bleibe ich doch beim Original, nämlich dem rohen Hackfleisch.

    1. Ja, dumm nur, dass das niemanden interessiert, da man -wie beschrieben – seinen Protein/Lysin-Bedarf auch leicht anderweitig stillen kann…

  3. Hallo Jane,

    wenn das alles sooo einfach ist mit dem Lysin in der veganen Ernährung, und gekochte Hülsenfrüchte den Bedarf locker decken können, warum nehmen dann die vegetarischen Inder, welche ausgesprochen viele gekochte Hülsenfrüchte essen, zu jeder Mahlzeit auch noch Jogurtprodukte (Lassi) dazu, welche das Lysin im Allgemeinen noch in unerhitzter, nicht denaturierter Form enthalten ? Und die Inder müssen es ja wohl wissen, mit ihrer jahrtausende alten Veggiekultur.

  4. Durch deinen Bohnensalat -Post bin ich auf den Artikel aufmerksam geworden und hab da gleich eine Anmerkung zu machen…
    Dass Lysin hitzeempfindlich ist, ist doch nicht nur für Pflanzenesser ein Problem. Fleisch wird doch auch nur gut durchgehitzt gegessen, und MIlch, die ja auch nciht unglaublich viel Protein enthält, wird auch erhitzt (pasteurisiert), wobei Lysin auch teilweise zerstört wird. Und die Dauer des Erhitzens spielt, denke ich, da auch keine Rolle (also ob Hülsenfrüchte nun lange gekocht werden oder MIlch nur „kurz“ erhitzt – über der Temperatur, wo Proteine denaturieren, kommt man so oder so)
    Und für Joghurt wird ja auch vermutlch zuvor erhitzte Milch benutzt werden.
    Also haben Veganer auch keinen großen Nachteil…

    1. Ja, es geht beim Erhitzen ja auch nicht alles an Lysin verloren. Es ist eher eine Frage der Menge, eine Kichererbse ( 18,0 g Eiweiß pro 100 gr) hat nunmal weniger Eiweiß als ein Stück Fleisch (Kalbsbraten 28 g pro 100g) und auch nach dem Erhitzen ist entsprechend noch mehr übrig als bei der Erbse😉

  5. Hallo Jane,🙂

    Korrektur zum Lysingehalt von Sojadrinks

    Von Alpro erhielt ich zwischenzeitlich folgende Informationen:

    [quote=“Alpro Kundenservice“]
    vielen Dank für Ihr Interesse an unseren Produkten.

    Anbei sende ich Ihnen die Aminosäurebilanz unserer Sojaprodukte.

    Einheit in mg/1 g Sojaeiweiss:

    Tryptophan 13
    Threonin 43
    Isoleucin 51
    Leucin 82
    Lysin 55
    Phenylalanin 57
    Tyrosin 36
    Valin 51
    Methionin 17
    Cystine 17
    Histidin 24
    Arginin 68
    Alanin 44
    Asparaginsäure 115
    Glutaminsäure 187
    Glycin 41
    Prolin 52
    Serin 49

    Mit freundlichen Grüßen,
    Ihr Alpro Kundenservice[/quote]

    Mit anderen Worten, bei ca 3 – 3,5 g Eiweiß je 100 ml in handelsüblichen Sojadrinks ist von ca 150 bis 200 mg Lysin je 100 ml/g Sojadrink auszugehen.🙂

    Vermutlich übernahmst Du irrtümlich eine Angabe für 1/2 Liter oder eine US-Maßeinheit.😉

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