Welches Buch eignet sich zum Verschenken?

WeihnachtsengelBücher gehören immernoch zu den besten Geschenken, finde ich. Bücher zum Thema zu verschenken, ist aber eine ziemlich schwierige Angelegenheit – bisher habe ich das auch lieber gelassen, denn man will ja der tolerant und unaufdringlich bleiben. Als Veganer wird man auch ohne Aktionismus schon als wandelndes Ausrufezeichen wahrgenommen. Doch dieses Jahr starte ich mal einen Versuch. Ich möchte ein Buch verschenken, nicht um jemanden zu bekehren, sondern lediglich um demjenigen meine Gründe deutlich zu machen – um mich besser zu verstehen. Derjenige ist sehr intelligent und vielseitig interessiert, dürfte also schon einiges über die Thematik wissen. Allerdings nicht im gesamten Umfang und Details, wie so viele. Ich bin immer wieder überrascht, wie wenig selbst gebildetete und interessierte Menschen über die Standards in der Lebensmittelproduktion wissen, erst vor kurzem habe ich jemanden sehr mit ein paar Infos zum Thema Eier und Küken erstaunt. Noch erstaunter war aber ich selbst; weil ich manchmal nicht verstehe, wie man über so etwas „Normales“, das jeden Tag geschieht und mit dessen Ergebnis man täglich unmittelbar in Berührung kommt, nichts wissen kann. Andererseits – letztlich war ich genauso und das ist noch gar nicht lange her…

Am besten wäre ein Buch mit ausreichender Faktenlage, das trotzdem unterhält, keinesfalls moralisiert und gerade für Omnis nachvollziehbar ist. Auch zu umfangreich sollte es nicht sein, aber trotzdem rundum informieren, also nicht zu speziell sein wie etwa „Die Fleischmafia“. Auch nicht zu detailliert und gesundheitsorientiert, wie „The Kind Diet“ oder die „China Study“. Ich plane ohnehin eine Zusatzsitzung mit „Gabel statt Skalpell“😉 Also gehen wir mal die Leseliste durch:

„Anständig essen“ – Karen Duve

Karen Duve - Anständig essenAn sich keine schlechte Idee! Hier begleitet der Leser die Autorin, die sich ein Jahr jeweils ein paar Monate nur Bio, vegetarisch, vegan und frutarisch ernährt – mit allen theoretischen und praktischen Vor-und Nachteilen, die sich dadurch ergeben. Trotz der hohen Informationsdichte bleibt das Buch immer unterhaltsam und zuweilen sogar ziemlich komisch. Es nimmt sich selbst nicht zu ernst, die Thematik hingegen schon. Dennoch eignet es sich nicht für meinen Kandidaten, denn Veganismus wird als zu schwierig und ein bißchen freakig dargestellt. Außerdem befürchte ich, dass Veganismus mit dem Frutarismus und Sonnenköstlertum in einen Topf geworfen wird. Am Ende bleibt im schlimmsten Fall nur der Eindruck, dass in der heutigen Lebensmittelproduktion zwar wirklich einiges schief läuft, aber die „Essensverweigerer“ alle irgendwie ne Meise haben…

„Tiere essen“ – Jonathan Safran Foer

Tiere essen - Jonathan Safran FoerEigentlich eine fast perfekte Wahl. Auch hier haben wir guten Lesestoff und einen „ganz normalen“ Protagonisten, der auf seinem eigenen Weg die Fakten zusammenrecherchiert. Ausgangspunkt war bei Foer die Geburt seines Sohnes. Kinder werfen ja ganz eigene Fragen auf und zwingen einen manchmal zum Nachdenken. Und Foer denkt viel, es geht in „Tiere essen“ nicht nur um die Zustände in der Nutztierhaltung, sondern auch um kulturelle und soziale Zusammenhänge. Essen ist eben nicht nur Nahrung. Warum ist es also nur fast perfekt? Es ist die Entfernung, die mich stört. Es ist viel zu einfach, am Ende des Buches alles von sich wegzuschieben, nach dem Motto: In Deutschland ist alles anders. Schließlich sind wir nicht die USA. Was dort Fakt ist, muss es hier noch lange nicht sein, und ihre Traditionen sind nicht unsere. Außerdem neigen die Amis ja zur Übertreibung….😉

The Omnivore’s Dilemma – Michael Pollan

Michael Pollan - The Omnivore's DilemmaPollan geht ein bißchen anders an die Sache heran, es geht ihm eher um die gesamte Lebensmittelproduktion und nicht speziell um die Fleisch/Kein Fleisch-Frage. Er erforscht die Lebensmittelindustrie von ihrer industriellen und biologisch/ökologischen Seite und macht sich am Ende als Jäger und Sammler daran, auch noch die – sagen wir mal „steinzeitliche“ Seite zu erforschen. Dabei gehts auch hier meist um US-amerikanische Verhältnisse – selbst wenn einiges analog zu Deutschland bzw. gar global zu sehen ist, wäre es mir lieber, es gebe es explizit auf unsere Datenlage ausgerichtetes Buch. Außerdem finde ich einige von Pollans Argumenten nicht schlüssig, auch seine Auseinandersetzung mit Schriften von Tierrechtlern endet mehr oder weniger in dem Versuch, das Schnitzel auf seinem Teller dennoch irgendwie zu rechtfertigen und Veganer als weltfremd hinzustellen. Jedem seine Meinung, aber neben der Langatmigkeit des Buches ist das für mich ein Totschlagargument – und zwar dagegen.

„We ich verlernte, Tiere zu essen“ – Marsili Cronberg

Wie ich verlernte, Tiere zu essen - Marsili CronbergCronberg erfüllt auf jeden Fall den Anspruch an Unterhaltsamkeit. Verschiedene Perspektiven und ungewöhnliche Erzählstrategien wie etwa die Retrospektive aus einer Zukunft, die Fleischessen längst abgeschafft hat, machen das Buch lesenswert. Für meinen Zweck – also des Verschenkens an einen Uneingeweihten – ist es dennoch ungeeignet. Dafür fehlen mir die harten Fakten zwischen den gelegentlich zu blumig-pathetischen Worten. Marsilis Buch ist eher an die bereits vegane oder tierrechtlerische Leserschaft gerichtet, ein Aufruf, eine Bestätigung – in humorvollem, manchmal sentimentalem Gewand. Für Cronberg sind Tierrechtler keine radikalen Irren, sondern Vordenker. Sie sind die Guten, die Politik und Wirtschaft eindeutig die Bösen. Ein bißchen zu Schwarz-Weiß, finde ich…. Er träumt davon, dass alle Tierschützer, Vegetarier, Veganer und heimliche Mitdenker gemeinsam eine Veränderung bewirken, statt sich gegenseitig zu schwächen. Na, ok – aber spätestens bei der Unterhaltung mit den Bäumen hätte der Beschenkte ernsthafte Bedenken an meiner geistigen Gesundheit. Klarer Fall von falschem Zielpublikum…😉

So sind wir nun am Ende der Liste der Bücher, die in Frage kämen. Ich habe allerdings noch ein weiteres entdeckt, das ich aber selbst noch nicht lesen konnte: „Kein Fleisch macht glücklich“. Es scheint fast ideal zu passen, kein Moralapostel-Buch, eine anständige Datenbasis, trotzdem nachvollziehbar – zumindest den bisherigen Rezensionen zufolge. Ich habs bestellt und werde es mal durchsehen…ich wäre aber noch offen für Vorschläge!🙂

Autor: Jea

// Leipzig, Germany // vegan // forming digital mindscapes //

12 Kommentare zu „Welches Buch eignet sich zum Verschenken?“

  1. Kein Fleisch macht glücklich ist defenitiv richtig gut. ich hab seit monaten einen entwurf zu einer rezession davon…. Cronberg fand ich eher schwierig, da habe ich mich schon so oft gar nicht von angesprochen gefühlt, ich denke für Nichtveganer wäre das noch „weiter weg“.

    Ich mochte auch „Vegan!“ von Pierschel ganz gerne. Aber da ist der Titel natürlich sehr direkt.

  2. Hallo, als ich nur den Titel las dachte ich sofort: „Tiere essen“! Und da du es auch auf deiner Liste hast, stimme ich mal dafür. Habe ich selbst gelesen, habe ich oft verschenkt, kennen aber trotzdem noch längst nicht alle. Gute Wahl.
    Adventliche Grüße von Nina, die schon alle Geschenke beisammen hat, juhu!

    1. Herzlichen Glückwunsch, dass du schon jetzt keinen Geschenkestress mehr hast😉 Naja, „Tiere essen“ bezieht sich eben nicht auf Deutschland, da kann man leicht sagen, dass hier alles besser wäre oder so. Mir wäre ein Titel lieber, der sich mit dem befasst, was direkt hier vor unserer Nase abspielt.

  3. Ich finde, das Buch sollte zum Beschenkten passen und nicht zum Schenkenden. Schenk doch ein Veganerbuch außer der Reihe, als „nur so“-Geschenk. Oder verleih eins, wenn die Person Interesse bekundet. (Mein Freund schenkt seiner Mutter immer die Pralinen, die er selber am liebsten mag, das ist auch eine ganz unmögliche Angewohnheit.)

    1. Weihnachten ist schon konsumbelastet genug, muss man jetzt auch noch völlig das Persönliche aus den „Geschenken“ streichen? Ätzend, ist ja fast wie wenn Leute zu Weihnachten eine Liste zücken und völlig organisiert an die Verwandschaft aufteilen, damit sie auch ja alles davon bekommen…

      1. Keine Bange, es gibt für die Person auch ein sehr persönliches Geschenk, in dem viel, viel Zeit und Liebe steckt, und das es nirgendwo zu kaufen gibt😉

    2. Stimmt schon, es wäre auch nur ein Versuch von mir, jemanden die Gelegenheit zu geben, mich besser zu verstehen. Ich kann demjenigen das Buch auch nur geben, lesen muss er es selbst. Oder auch nicht, wenn er keine Lust hat.

  4. Also ich habe mal „Tiere essen“ verschenkt und mich dabei gar nicht wohl gefühlt. Auf dem Geburtstag wurde es dann auch noch vor allen ausgepackt, na das hätte ich mir ja auch denken können, egal. Das Buch kam erstaunlicherweise trotzdem gut an und der Beschenkte musste es sogar noch mehrmals weiter verleihen🙂 PS: Unglaublich aber wahr, ich habe es selbst noch nicht gelesen, wozu auch?

  5. Hi! Kennst Du das Buch „Mitleid unangebracht“ von Daniela Friedl? Claudi hat es auf Ihrer Seite „claudi goes vegan“ vor einiger Zeit vorgestellt. Ich finde, dass hört sich sehr gut an. Das Buch gibt Interessierten einen unterhaltsamen Einblick in den veganen Alltag,ohne erhobenen Zeigefinger. Überlege nämlich auch, ein Buch zu verschenken. LG!

  6. Wie wärs mit:

    Armin Risi / Ronald Zürrer:
    Vegetarisch leben
    Vorteile einer fleischlosen Ernährung.

    Schreckt vielleicht nicht gleich so ab wie beispielsweise „Tiere essen“ als Titel. Und die Vorteile aufzuzeigen ist immer besser als die Nachteile der anderen Seite zu betonen, das hört sich für die „Betroffenen“ immer nach Vorwurf an. Ich persönlich hasse ja Bücher mit erhobenem Zeigefinger. Ja komsich, bei dem Blognamen😉

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