Wie theoretisch ist Veganismus?

Jupp, das ist ein längerer Blogeintrag. Und es ist Sommer. Keiner will jetzt lange Texte lesen. Und das meiste wisst ihr eh schon. Daher gibt es Zwischenüberschriften, scrollt einfach so weit, bis euch etwas interessiert. Mich jedenfalls interessieren eure Gedanken dazu…

Die Theorie

Wir wissen, dass 50 Prozent der Weltgetreideernte und 90 Prozent der Weltsojaernte nur für Nutztiere draufgehen. Würden wir die Flächen gleich für den Menschen verwenden, hätten wir ein sehr viel kleineres Hungerproblem auf der Welt. Wir wissen, dass für ein Kilogramm Rindfleisch 16 kg Getreide und Soja verfüttert werden, 50 qm Regenwald vernichtet, 20 000 Liter Wasser verbraucht und mehr Treibhausgase verursacht als bei 250 km Autofahrt (mehr). Wir wissen, dass Tiere in Massentierhaltung krank werden, statt Weidegras (gern auch genmanipuliertes) Soja und Mais verfüttert bekommen und dass sie als Teil der Fleisch -, Eier- und Milchproduktionsmaschinerie wie Gegenstände und nicht wie Lebewesen behandelt werden. Natürlich wissen wir, dass das nicht in Ordnung ist. Wir kennen die großen und kleinen Zusammenhänge, wissen um globalen Umweltprobleme und die individuellen Schmerzen eines der tausenden Küken, die täglich  standardmäßig die Schnabelspitze abgeschnitten bekommen.

Die Praxis

Wir treffen daher die Entscheidung, an diesem System nicht mehr teilzuhaben, kaufen kein Fleisch, keine Eier, keine Milch. Unsere Schuhe sind nicht aus Leder, die Pelz-Frage stellt sich erst gar nicht. Wir gehen auf Spurensuche um die Herkunft von Medikamenten und Konservierungsmitteln zu ergründen um so konsequent wie möglich zu sein. Wir testen exotische Rezepte, wandeln Altbekanntes in tierfreundliche Alternativen um, futtern uns durch Sortimente fleischfreier Sonderproduktreihen. Wir suchen und finden Gleichgesinnte um unsere Ansichten zu bestätigen und weiterzuentwickeln. Demonstrationen, Petitionen und Aktionismus, selbst wenn er nur auf dem T-Shirt steht, sind keine Fremdworte.

Die Fakten

Fakt ist, die Fleischproduktion steigert sich jährlich, laut  Statistischem Bundesamt stieg Fleischproduktion im Jahr 2011 um 1,5 Prozent, das sind 8,2 Millionen Tonnen Fleisch und damit ein neuer Höchststand. Dabei geht der Trend in Deutschland weg vom Fleisch: Die Nachfrage nach Fleischprodukten zwischen 1991 und 2011 ist um 17,8 % gesunken, während die Nachfrage nach Gemüse (+ 35,1 %) sowie Fisch (+ 15,3 %) im selben Zeitraum spürbar gestiegen ist, so das Statistische Bundeasamt im März 2012. Wohin also mit dem Fleischberg? Ins Ausland natürlich. In den vergangenen 10 Jahren haben sich die Fleischexporte mehr als verdoppelt: auf  3,7 Millionen Tonnen, Grund sei die wachsende Weltbevölkerung. China, Indien – „die asiatischen Länder per se“ – entdecken Fleisch immer mehr für sich. Durch das Verbot der konventionellen Käfighaltung ging die Eierproduktion in Deutschland zwar stark zurück, der Bedarf ist aber nach wie vor hoch, was durch Importe gedeckt wird. (Quelle). Bis 2011 ist der Verbrauch an Käseprodukten in Deutschland kontinuierlich angestiegen – auf derzeit 23,1 Kilogramm jährlich pro Person. Seit 2000 bedeutet dies einen Anstieg von 8 Prozent. (Quelle). Bei Milch und Milcherzeugnissen allgemein stagniert der Konsum auf hohem Niveau, während der Export steigt (Quelle).

Die Schlussfolgerung

Wenn der Konsum hierzulande sinkt, wird dennoch fleißig weiterproduziert. Wachstum ist alles! Was hierzulande weniger Absatz findet, wird exportiert. Das Fleisch geht ins Ausland, die Gülle und die Probleme bleiben hier. Rein wirtschaftlich hat unsere Konsumverweigerung also kaum Auswirkungen auf die Industrie, die wir zur Vernunft rufen wollen, denn der Fehler ist System-inherent. Andererseits entsteht durch unser Bedürfnis ein gewisses vegetarisches/veganes Angebot. Wir bilden eine zusätzliche Zielgruppe und sorgen so für Wachstum.

Können wenige etwas bewirken?

Gern gezogene Parallelen in veganen Kreisen sind die zu anderen Bewegungen wie die zur Abschaffung der Sklaverei oder der Frauenbewegung. Vorraussetzung dafür war immer Aufklärung, also das Zerstören von Vorurteilen durch Wissensvermittlung. Vor allem auch die Feststellung, dass derartige Zustände mit der geltenden Moralvorstellung nicht (mehr) vereinbar sind. Neue Ideen, die in neue Bücher gefasst wurden und ihre politisch bedeutenden Vertreter fanden. Dabei muss eine Bewegung nicht sofort Erfolg haben. Die Frauenbewegung brauchte in der Geschichte mehrere Anläufe um sich durchzusetzen und erfuhr mehrere Wandlungen.

Revolution von unten

Es mag der Wirtschaft am Allerwertesten vorbei gehen, ob wir Wenigen Fleisch essen oder nicht. Es mag ihr sogar in die Hände spielen wenn wir als neue Zielgruppe ganz neue Möglichkeiten der Vermarktung von Fertigprodukten (Tofu-Bratwürstchen, Soja-Schnitzel, Gluten-Burger) bieten. Es mag – am großen Maßstab gemessen- nicht viel bedeuten, vegan oder vegetarisch oder bio zu leben. Im Kleinen bedeutet es aber, dass sowohl Vegetarier, Veganer und Bio-Fetischist sich Gedanken gemacht haben. Aber ein paar Millionen Menschen da draußen nicht. Natürlich ist es individuell von Bedeutung, ob man nach seinen eigenen Moralvorstellungen lebt oder nicht. Aber es ist mehr als das. Jeder einzelne, der vegan lebt, trägt eine Botschaft mit sich herum – und das ohne ein Wort sagen zu müssen. Jeder einzelne ist das lebende Beispiel dass eine Alternative möglich ist und bringt es so in den Horizont der anderen. Denn wie viele denken, dass es vollkommen unmöglich ist, sich vegan zu ernähren? Genau.

AVAP reicht

Die Wirkung wird multipliziert, je offener und toleranter man damit umgeht, ohne (ungefragt!) Vorträge zu halten- und je glücklicher man damit is(s)t. Wer gern für andere kocht – und das tun viele Veganer, weil sie sich zum ersten Mal mit Kochen beschäftigen – bestärkt diese Botschaft, denn Liebe geht durch den Magen🙂 Im direkten sozialen Umfeld kommen viele zum ersten Mal in Berührung mit diesem Thema und setzen sich so – bewusst oder unbewusst – damit auseinander. Und egal wie dabei das Ergebnis aussieht, sie bilden sich eine Meinung und zwar bei jedem Kontakt. Das ist die Revolution von unten. Natürlich gibt es die ein oder andere Partei und Vereine, die sich für Tiere einsetzt. Das ist auf jeden Fall wichtig um „da oben“ was zu verändern. Aber hier unten muss eine Basis da sein, muss es Leute geben, die zeigen, dass es möglich ist, muss es Mitdenker geben. Das eine geht nicht ohne das andere. Details sind dabei uninteressant. Es reicht völlig, wenn jemand „avap“ ist, also „as vegan as possible“. Und nicht 100 prozentig pur – was immer das bedeuten mag. Was interessiert denn, ob sich der erklärte Veganer um die Diglyceride von Speisefettsäuren kümmert, um die Klärung seines Essigs oder nicht? Mir wäre es persönlich total egal, ob jemand im vegan lebt aber trotzdem ab und zu Ziegenkäse (von einem ihm bekannten Hof, der die Tiere artgerecht behandelt) isst um den Supplementen aus dem Weg zu gehen. (dazu später mehr) Oder beim Urlaub im Niemandsland auf die vegetarische Option zurückgezogen hat, weil sonst einfach nichts da war. Oder es nicht wichtig ist, ob die Klebstoffe im Schuh von Rind kommen oder nicht – denn das wäre ja nun wirklich am einfachsten pflanzlich zu ersetzen. Wie immer im Leben zählt nur das, was man täglich tut und nicht das, was man in Ausnahmesitationen zulässt. Ein glücklicher Veganer, der zweimal im Jahr einen Ausrutscher hat, ist viel mehr wert als ein verbitterter Veganer, der superperfekt hungert und seinen Lebenstil anderen gegenüber als unpraktikabel und „schlimm“ darstellt. Zudem mache ich mir keine Illusionen, wenn es hart auf hart kommt und es ums Überleben geht, esse ich alles. Ich meine, Menschen haben bei einem besonders unglücklichen Flugzeugunfall andere Menschen gegessen. Wer bin ich zu behaupten, ich könnte mich darüber erheben? Wenn es heißt: ich oder das Tier, dann bin ich es. Allerdings müsste ich es dann erstmal töten, schonmal schwierig😉

DU zählst.

Natürlich habe ich mir ja selbst zusammenrecherchiert dass es vollkommen unnötig ist,  Tiere zu töten um alle Nährstoffe zu bekommen. Es hat sogar Vorteile, nicht nur für mich oder (leider nur theoretisch) für das Tier, aber auch für die Umwelt (natürlich auch wieder nur theoretisch). Es gibt viel Theorie im Veganismus. Viele Konjunktive. Wer würde denn wirklich auf die Idee kommen, die Felder, die jetzt für Nutztierfutter vollgepflanzt werden, für Menschen zu nutzen? Keiner, denn es rechnet sich nicht. Wen interessiert das Wasserproblem, so lange es ihm nicht bis zum Halse steht (komische umgedrehte Metapher ;)). Doch was ist die Alternative? Dass keiner vegan lebt, keiner erfährt, dass es möglich ist und es alle als Notwendigkeit hinnehmen, Tiere seien eben zum Essen da, sonst haben wir Mangelerscheinungen (so wie ich früher – leider), dass keiner merkt, dass wir das Steuer noch herumreißen können, wenn wir nur wollen? Dass niemand erfährt, was hinter den hohen Wänden der überfüllten Hallen und Schlachthäuser passiert, dass Tiere leiden, dass es auch anders geht? Einfach auf die nächste Pandemie warten, der die Massentierhaltung den roten Teppich ausrollt? Ehrlich, ich persönlich sehe immer nur eine Handvoll glücklicher Kühe auf der Weide…alles andere ist einfach zu gut versteckt. Es muss schon jemand kommen und einem in den Arsch treten damit man mal über die berühmten runden Wurstscheiben nachdenkt. Und nichts, nicht das traurigste Video, nicht der krasseste PETA-Flyer ist so wichtig wie jemand, der dich liebevoll bekocht und mit dir Spaß hat, der dir jeden Tag zeigt, es funktioniert – ganz nebenbei. Und der (auf Nachfrage!) erklären kann. Wenn es dein Kumpel ist. Deine Mama, dein Onkel. Egal. Er tut es für sich, für die Tiere, für alle – im Endeffekt ist er einfach nur präsent. Und das ist die Voraussetzung für jede Art von Bewegung. Wäre es nicht praktikabel für den Einzelnen, gäbe es sowieso nie eine Chance für diese Idee. Oder?

Autor: Jea

// Leipzig, Germany // vegan // forming digital mindscapes //

63 Kommentare zu „Wie theoretisch ist Veganismus?“

  1. Oh, das ist so ein schöner Artikel! Danke dafür! Manchmal hat man wirklich das Gefühl, dass alle Anstrengungen vergebens sind, aber wenn man sieht, wie der Vegetarismus/Veganismus explodiert (jedenfalls in den größeren Städten), bekommt man wieder etwas Hoffnung. Und dieser Multiplikatoreffekt ist wirklich faszinierend! Ich habe z.B. In meinem Freundeskreis NIE versucht, jemanden gegen seinen Willen zu bekehren und trotzdem sind meine 3 engsten Freunde (du kennst sie von meinem Blog: Röckchen, das Schaf und Lilifee) von ganz alleine Vegetarier geworden. Röckchen ist schon so gut wie Vegan und wird es endgültig, wenn wir in Berlin eine WG gründen!🙂 Nur durch Vorleben und Bekochen/Bebacken hat es bei ihnen Klick gemacht und sie haben sich nicht vor den Infos verschlossen, die ich natürlich auf Nachfrage dahabe. Das ist so toll!😀

    Liebe Grüße, Anna

    PS: Es sind sogar 4! Ich habe meine Freundin Lisl vergessen, die jetzt auch Vegan lebt!😉

    1. Wow ich bin beeindruckt!🙂 Super!
      Ich hab nur vorzuweisen, dass unsere Kantine neuerdings auch gelegentlich vegane Optionen anbietet…die erstaunlicherweise auch gut frequentiert werden!

  2. Alles theoretisches Gefasel.

    Zunächst einmal sind die sog „Veganer“ nämlich in der Beweispflicht, daß eine zu 100% pflanzliche Ernährung für alle Menschen auf Dauer, also für einen Zeitraum von mindestens 10 bis 20 Generationen, möglich ist.

    Da viele, die sich „Veganer“ nennen, aber immer wieder „Ausnahmen“ machen, dürfte es schon mal sehr sehr schwierig werden, wissenschaftlich einwandfreie Untersuchungen durchzuführen, die die Frage „geeignet/ nicht geeignet“ zweifelsfrei beantworten. Und falls die Voraussetzung der 100%igen Konsequenz doch zu erfüllen ist (was ich bezweifel), kann man die Frage nach der Eignung also frühestens in 200 bis 400 Jahren einigermassen beantworten.

    Bis dahin sollten Veganer sich mit ihrer Behauptung „für alle Menschen möglich“ ein bisschen zurücknehmen.

    “ Die Nachfrage nach Fleischprodukten zwischen 1991 und 2011 ist um 17,8 % gesunken…“

    “ Bis 2011 ist der Verbrauch an Käseprodukten in Deutschland kontinuierlich angestiegen – auf derzeit 23,1 Kilogramm jährlich pro Person. Seit 2000 bedeutet dies einen Anstieg von 8 Prozent.“

    Das dürfte zu einem Großteil der wachsenden Zahl von Vegetariern zu verdanken sein. Diese vergrößern also das „Tierleid“ immens🙂

    1. „Zunächst einmal sind die sog “Veganer” nämlich in der Beweispflicht, daß eine zu 100% pflanzliche Ernährung für alle Menschen auf Dauer, also für einen Zeitraum von mindestens 10 bis 20 Generationen, möglich ist.“

      10 bis 20 Generationen? Was soll das denn für ein Unsinn?

      wow, man, dein Kommentare zeigt das ganze Problem so schön auf. Das ist wie die besten „men’s right“ aktivisten kommentare wenn man über sexismus schreibt.

      „Das dürfte zu einem Großteil der wachsenden Zahl von Vegetariern zu verdanken sein. Diese vergrößern also das “Tierleid” immens“

      Eine These die ich mal anzweifeln würde, aber die hier auch wenig sinn macht, schließlich ist das eine VEGANE Site, die sich der Probleme des Vegetarismus sehr bewusst ist. Und deine Anzweiflung des Tierleids wär fast amüsant, wenn es nicht mehr so Menschen wie dich auf der Welt gäbe.

      1. Lea hat gesagt : “ 10 bis 20 Generationen? Was soll das denn für ein Unsinn?“

        Mit der omnivoren Ernährung hat die Menschheit (Gattung Homo) seit mindestens zwei Million Jahre Erfahrung (also seit gut 100 000 Generationen) und ist an diese biologisch und physiologisch bestens angepasst.

        Auf wieviele Generationen von rein vegan ernährten Menschen können die Anhänger des Veganismus denn zurückblicken ?

        Soll ich´s dir verraten ? Auf keine einzige.

        Fakt ist, daß es auf Erden weder einen einzigen Menschen gibt, der 80 Jahre alt ist und sich von Geburt an rein vegan ernährt hat, noch
        hat es so einen Mensch jemals gegeben.

      2. Hallo Hackfleisch,

        also erstens

        haben Steinzeitmenschen sicherlich keine mit genmanipuliertem Soja gemästeten Tiere gegessen, die durch hochkalorische und UNNATÜRLICHE Nahrung gefüttert wurden

        und zweitens

        guck dir diesen Kerl an (109 Jahre) http://www.heilkost.de/blog/bernardo-lapallo-109-jahre-alt-roh-und-vegan-seit-ueber-100-jahren/

        und drittens

        andere Kulturen, zB Inder ernähren sich hauptsächlich, durch Religion und Kultur bedingt vegan und sterben komischerweise auch nicht aus (im Gegenteil, haha😀 )

        viele liebe Grüße,
        Laura

    2. Mh, also die Veganer müssen erst beweisen, dass das alles auf drölf Generationen gut läuft, und dann erst kann man ruhigen Mutes vegan werden, ja? Und wie sollen wir selbst vegan leben, wenn doch der Beweis noch gar nicht erbracht ist dass das OK ist? Achso, wir „Überzeugten“ sind quasi als Experimentierhasen da, und nach dem Generationen-Unschädlichkeits-Beweis wird dann der Rest der Welt (wo sie so lang nur auf den Beweis gewartet haben!!) vegan. Ja? Und Ausnahmen machen dürfen wir nicht (um die „Studie“ nicht kaputtzumachen) oder dürfen wir (weil ja alles nicht so sicher ist)? Gut getrollt…
      Die Ernährung von heute hat übrigens auch eher wenig mit der Ernährung unserer Ururururururururururururururururgroßeltern zu tun, auch wenn beides unter „omnivor“ fällt. Aber halt, so sachlich wollte ich darauf ja gar nicht eingehen.🙂

      1. @Laura und Kiba: Danke, ich habe nichts hinzuzufügen😉 Dem Herrn (?) Hackfleisch werde ich bei Gelegenheit einen eigenen Blogeintrag widmen, und nein, es geht dabei nicht ums Trollen sondern tatsächlich um selbiges.

  3. Toller Post – Danke!

    Mir reicht oft der Gedanke „für mich nicht!“. Für mich stirbt kein Tier (mehr), für mich wird kein Tier (mehr) gequält.
    Jeder einzelne Veganer erreicht eine Menge.
    Ich gebe den veganen Gedanken an meine Kinder weiter. Meine 9-jährige Tochter is(s)t vegan. Sie liest von sich aus bei Peta.kids, informiert sich.

    Wir werden durch unser Elternhaus viele Jahre ernährungstechnisch und auch „lebensweisetechnisch“ geprägt. Das ist SO schwer rauszubekommen. Ich wäre so dankbar gewesen hätten mich meine Eltern ein wenig weltoffener, gerade im Bereich Ernährung, erzogen.

    Ich lege den Grundstein – was sie daraus machen ist ihre Sache. Aber sie haben später einmal nicht diese Schwierigkeiten (wie ich sie hatte) sich aus diesen anerzogenen Zwängen zu befreien.

    1. Naja, den Daten zufolge wird trotz unserer Verweigerung eben doch ein Tier gequält und getötet. Aber ich finde es wirklich gut, wie du das an die nächste Generation weitergibst ohne zu zwingen. Das ist wirklich wertvoll. Jeder muss seine Entscheidung treffen, aber nicht ohne die Hintergründe zu kennen.(idealerweise)

      1. Ich glaube der wichtigere Teil ist, dass man, wenn man keine Tierprodukte isst, eine andere Sicht und Konsequenz zu Tierrechten sehen kann. Und man eben auch überzeugender für andere Leute ist.

    2. Deine neunjährige Tochter wird wahrscheinlich genau die entgegen gesetzten Probleme haben wie du. Ich höre sie schon jammern, wenn sie mit Mitte 30 beim Psychodoc sitzt :

      „Ich musste in meiner Kindheit immer diesen Veggie-Scheiß essen…nie gab´s mal was anderes…und das alles habe ich nur wegen des Spleens meiner Mutter mitgemacht…ach ja, und natürlich, weil ich als Kind total abhängig von ihr gewesen bin.“

      1. Besser als die Kinder die später beim „Psychodoc“ darüber reden müssen wie ihre Eltern nichts besseres zu tun hatten als irgendwelche Leute im Internet mit dümmlich-provokanter Kacke zu trollen^^ Nicht dass das auf irgendwen hier zuträfe.

      2. Qualifizierte Antwort -_-
        Aber vielleicht kam es auch nicht deutlich genug rüber.
        Ich gebe den veganen GEDANKEN weiter. Ich stelle ihr frei Milchprodukte zu essen. Einzig Fleisch bekommt sie von mir nicht (aber wenn sie will auf nen Kindergeburtstag – ist ihre Entscheidung).
        Ich bin kein militanter Veganer! Ich biete ihr Hintergrundinfos, versuche sie aufzuklären.
        Alles, was sie außer Fleisch noch weglässt macht sie aus freien Stücken bzw. nachdem sie sich selber über Peta.kids informiert hat (oder hätte ich ihr das in Deinen Augen verbieten sollen?)
        WENN sie mit Mitte 30 beim Psychodoc sitzt denn nicht wegen ihrer Ernährung in der Kindheit (aber wer weiß weswegen sonst *g*).

  4. Ich geb dir in vielem vom Prinzip her Recht, aber nicht von der Ausprägung her:
    Schuhkleber: egal, Essig: egal, Emulgatoren: egal, Ziegenkäse und vegetarisch unterwegs: egal, was sind denn das bitte für „Ausnahmen“? Sorry aber das sind keine „2 Ausrutscher im Jahr“, und auch keine notgedrungenen Kompromisse an den Grenzen der Machbarkeit, über die bräuchte man ja gar nicht groß zu reden.
    Das hilft doch auch nicht weiter wenn wir uns vegan nennen und gleichzeitig kommunizieren dass es nicht grundsätzlich falsch ist, Tiere auszubeuten! Und von „hungern“ kann doch keine Rede sein. In welchem Restaurant oder Land gibt es weder Grundnahrungsmittel wie Reis oder Kartoffeln noch Gemüse noch Pflanzenöl?
    Weitestmögliche Konsequenz widerspricht sich IMO nicht mit einer entspannten Ausstrahlung, viele Details kommen halt mit der Zeit dazu statt von 0 auf 100, und das kann man ja auch erklären wenn jemand staunt warum ich auswärts nur naturtrüben Apfelsaft trinke.

    Ja und die Überlebens-Szenarien die haben damit ja ohnehin nichts zu tun. Das ist ja fast schon Fleischesser-Bingo. „Und wenn du auf einer Insel landest wo es keine Früchte gibt? Und was ist mit den Eskimos? Und wenn du todkrank bist, nimmst du dann etwa keine Medikamente?“

    Ansonsten: finde es klasse dass du dir die Mühe gemacht hast, Zahlen zu recherchieren und Quellen anzugeben, das findet man nicht oft in der derzeitigen Bloglandschaft.

    1. Danke, ich bin davon ausgegangen, dass so ein Kommentar kommen wird. Man hat immer die Wahl, aber ist die Wahl zwischen vegetarisch und nichts, sorry, ich wähle vegetarisch. Natürlich hast du im Sinne des eigentlichen Veganismus Recht. Jemand, der Käse isst, ist kein Veganer. Punkt. Es ist nur meine persönliche Meinung, dass es nicht falsch sein kann, 99 Prozent der Zeit vegan zu leben und dann einmal im Jahr diesen Käse zu essen, weil man keinen Bock hat, B12 zu schlucken. Und noch dazu genau weiß woher es kommt. Ich spreche nicht von mir, ich hab leider nicht das Glück, einen entsprechenden Hof in meiner Nähe gefunden zu haben. Ähm und die *Überlebensszenarien* wurden mir angetragen, nur deswegen hab ich darüber nachgedacht. Das heißt, für uns sind so Szenarien doof, aber den Fleischessern kommt sowas durchaus in den Sinn… Ja, und Schritt für Schritt find ich auch gut, und jeder muss das nach seinem Wissen und Gewissen entscheiden. Dann entspricht es eben „per se“ keiner Schublade mehr. Für mich schon. Ich weiß, dass NEMs nicht das Gelbe vom Ei sind (ups, schon wieder ne unvegane Metapher ;)). Und finde es gut, wenn jemand Lösungen sucht. Ich denke, dass jeder zählt, auch wenn er lockerer interpretiert als du oder ich. Für mich ist jeder Vegetarierer eine Stimme, jemand, der auf dem richtigen Weg ist. Du hast also Recht im Sinne des Veganismus (wo zieht man die Grenze). Aber für mich ist es wichtig, dass jeder gewöhnliche Irgendwas immerhin einen einzigen Gedanken verschwendet. Und für mich ist es wichtig, dass die, die den veganen Weg gehen wollen, auch den Raum zum Irren haben und nicht für eine Speisefettsäure gekreuzigt werden. Warum auch? Sie tun ihr Bestes und das ist mehr, als die meisten sich vornehmen…

      1. Ja, aber wann/wo in unserer Welt ist die Wahl „vegetarisch oder nichts“? Alles was passieren kann ist, dass man mit dem Koch sprechen oder selbst einkaufen muss.
        Und was an B12 Supps schlecht sein soll, ich weiß es nicht. Wir benutzen elektrisches Licht, kommunizieren per Datenfernübertragung, fahren Bahn, waschen uns, gehen zum Zahnarzt und tragen gefärbte Stoffe, aber bei einer kleinen Tablette bricht dann das große Natur-Dogma aus? Davon abgesehen IST es doch nichtmal natürlicher, B12 auf dem Umweg über Tiere (die ihrerseits B12 ins Futter gemischt kriegen!) zu sich zu nehmen. Um seinen Bedarf sicher zu decken, reicht es auch nicht, ab und zu mal ein kleines Stück Käse von mutmaßlich un-„gesuppt“en Tieren zu essen.

      2. P.S. Ich finde auch du konstruierst ein „entweder-oder“ das es nicht geben muss: entweder man kommuniziert dass diverse Ausnahmen prinzipiell OK sind usw., oder man „kreuzigt“ jemanden wegen „einer“ Speisefettsäure.
        Naah. Ich kommuniziere konsequent, ohne Wischiwaschi, und dennoch sachlich, freundlich, verständnisvoll, positiv. Ausnahmen und Zwischenschritte machen die Menschen (auch ich!) doch aber eh von alleine, ich sehe eher dass sie sich was vormachen oder drauf ausruhen als dass sie wegen zu großem Druck aufgeben.

      3. Hm wenn ich mir das hier alles noch mal durchlese, fällt mir eigentlich nur auf, dass unsere Standpunkte nicht sonderlich weit auseinander liegen. Erstmal sind meine Beispiele in ihrer Aufreihung schon ein ziemlicher Haufen Inkonsequenz. Klar, dass dich das geflasht hat. Aber so sollte es nicht verstanden werden, es sind keine Handlungsanweisungen, sondern stehen nur exemplarisch für Probleme, die der ein oder andere vielleicht schonmal gehabt hat.
        Vielleicht habe ich mich unklar ausgedrückt – mir geht es nur darum, dass sich Neulinge nicht abschrecken lassen, und sich den Kopf über Details zerbrechen statt Schritt für Schritt vorzugehen und es eben so gut sie können machen und nicht doch alles über den Haufen werfen weil alles zu kompliziert wird. Es gibt kein Schwarz oder Weiß, die Praxis liegt immer irgendwo dazwischen.

        Es kann einem schon ganz anders werden, wenn man in so manches Forum schaut – und andererseits verwaisen so viele Blogs in meiner Linkliste, die ursprünglich so voller Euphorie waren…
        P.S.: Deinen Standpunkt zum Thema B12 werde ich mir merken. So hab ich das noch gar nicht gesehen🙂

      4. Jetzt muss ich mich auch mal einmischen, weil die Diskussion auch Thema meines letzten Blogeintrags war und immer wieder auftaucht🙂

        Aber erstmal Danke Jane für diesen interessanten Artikel, der sehr schön auch unser Dilemma aufzeigt! Vegan muss praktikabel sein. Nur ist es das schon wirklich? Nein. Ich bewege mich die meiste Zeit inmitten von Omnis und glaubt mir, die beobachten alles ganz genau🙂

        Jetzt kann ich mich wie @Keba verhalten und mein essen immer einkaufen, mitnehmen und im Restaurant mit jedem Koch verhandeln. Was ist das Ergebnis? Vegan wird als total schwierig und anstrengend erlebt. Im schlimmsten Fall geht keiner mehr gerne mit mir essen oder ich werde gar nicht mehr eingeladen.

        Mache ich es wie @Jane beschreibt, werde ich zwar manchmal von anderen Veganern kritisiert, aber die anderen sehen, ach, als Veganer kommt man auch irgendwie immer klar. Dazu kommt ja noch, dass die meisten Omnis so schlecht informiert sind, dass die Ausnahmen gar nicht bemerkt werden😉

        Ich bevorzuge also auch die zweite Variante und finde die sozial verträglicher. Damit will ich niemanden kritisieren, der es anders macht! Das ist meine persönliche Meinung und Erfahrung.

  5. Ein sehr guter, sachlicher Artikel, danke! Lese hier eh immer gerne🙂
    Ich bin auch der Meinung, dass man einfach durchs vegan leben, Freunde bekochen usw. einen positiven Eindruck schaffen kann. „Predigen“ und ständige Versuche, zu „bekehren“, erzeugen meistens alles Andere als positiven Feedback.
    Man muss allerdings dazu sagen, dass wenn man Bio-Vegan leben will, ist es leider teuer. Eine 08/15 Familie mit Kindern wird es sich kaum leisten können, denke ich.

  6. Ein toller Artikel, mir gefällt deine Art zu schreiben sehr gut!
    Ich denke in letzter Zeit oft über das „wie vegan ist vegan genug“ nach, bin aber für mich (noch) zu keinem wirklich guten Ergebnis gekommen.

    1. Hallo Gina, vielen Dank!
      100 prozentig vegan zu sein, ist ziemlich unmöglich in dieser Welt. Aber man kann schon recht nahe ran kommen.🙂
      ich glaube „vegan genug“ ist es, wenn du dich selbst im Spiegel angucken kannst und weißt, dass du dein Bestes in der jeweiligen Situation gegeben hast und deine eigenen Grenzen hier und da noch etwas verschiebst.

      1. „ich glaube “vegan genug” ist es, wenn du dich selbst im Spiegel angucken kannst und weißt, dass du dein Bestes in der jeweiligen Situation gegeben hast und deine eigenen Grenzen hier und da noch etwas verschiebst.“

        Sehr gut getroffen. Ich habe mich im März 2011 für eine vegane Lebensweise entschieden, und trotzdem ist jeder Tag voller Entscheidungen. Routine hat sich zwar eingestellt, aber ich gerate sehr oft in Situationen, wo ich abwägen muss, was mir wichtiger ist. Oft spielt sich „mein Dilemma“ zwischen den Punkten Konsequenz und sozialer Akzeptanz ab. Sehr oft im Job. Da wissen zwar alle, dass ich vegan lebe, aber mir ist es trotzdem immer noch unangenehm, wenn jemand was ausgibt und ich als einzige nichts mitesse. Mein subjektives Gefühl der Ausgrenzung ist trotzdem da, auch wenn ich es nicht möchte. Umso schöner die Lichtblicke…wenn eine Kollegin extra veganen Kuchen backt, damit mal „alle“ Mitessen können.

  7. das ist n super artikel! der lässt einen wieder so richtig hoffnungsfroh werden. lass dich von so kommentaren wie von hackfleisch nicht verunsichern. finds btw super wie du auf die kritik reagiert

  8. Laura hat gesagt :“….die durch hochkalorische und UNNATÜRLICHE Nahrung gefüttert wurden.“

    Hahaha…der ist gut…UNNATÜRLICH sind ja wohl eher vegane Fleischersatzprodukte , nech

    “ guck dir diesen Kerl an (109 Jahre) “

    Ja, der gute alte Bernado ist mir als Rohköstler schon seit Jahren bekannt. Du vergisst allerdings zu erwähnen, daß er kein Veganer ist, sondern für sein Leben gerne ab und zu eine knusprig gebratene Ente verspeist🙂

    “ andere Kulturen, zB Inder ernähren sich hauptsächlich, durch Religion und Kultur bedingt vegan und sterben komischerweise auch nicht aus (im Gegenteil, haha😀 )“

    So so, die Inder sind also seit neuestem Veganer, das dürfte dann wohl unter die Rubrik „Veganer Sachverstand“ fallen🙂

    Ich dachte eigentlich bisher, daß sich viele Inder ausschließlich lacto-vegetarisch ernähren. Was sie aber nicht davon abhält, ihre „heiligen Kühe “ an die indischen Moslems zu verkaufen, wenn diese altersbedingt kaum noch Milch für Käse und Joghurt geben…und drei Mal darfst du raten was die Moslems mit den Kühen machen…richtig, sie schlachten sie und dann essen sie das Fleisch 🙂

    1. Naja, also eigentlich sind nur vegane Ersatzprodukte, v. a. für Käse ziemlich chemisch (und noch nicht mal so schlimm, der Wilmersburger besteht hauptsächlich aus Kartoffelstärke, was ja noch lange nicht so schlimm belastet ist wie deine Antibiotika-verseuchte Pute)
      Die meisten Veganer*innen, die ich zumindest kenne, nehmen keine wegohwegaöohageöoiihgwe-Stabilisator-Konservierungsstoff-Kombinationen zu sich, weil es sie schlicht und einfach kaum in veganen Produkten finden lässt. Und Räuchertofu kannst du wohl schlecht als unnatürlich bezeichnen😉

      Ach ja, und woher weißt du das mit der Ente??

      Ich persönlich kenne jedoch viele Inder, die wirklich vegan leben, u.a. dank der Umstände, dass Milchprodukte einfach zu teuer sind und daher weggelassen werden. Naja, aber kannst du ja nicht wissen, lieber vorher doof daherreden! Am besten auch noch anonym. Und trotzdem treibst du dich auf Veganismusseiten herum! Verrückt – ich stöbere auch nicht in Auto- oder Technikforen, weil ich nichts damit zu tun habe.

  9. Herzlichen Dank für diesen Artikel! Auch ich bin der Ansicht, dass man durch „Vormachen“ mehr erreicht als durch endlose Diskussionen. Und mir ist jemand, der nur zu 90 % vegan lebt, immer noch lieber als jemand, der sagt, 100 % schaffe ich sowieso nicht, also lasse ich es ganz.

    1. Exakt, ich weiß nicht, wie oft ich schon zu hören bekommen habe, vegan sei furchtbar anstrengend und kompliziert. Ein lebendes Beispiel, das die Sache durchzieht und dabei locker bleibt, ist da schon sehr aussagekräftig.

      1. Also ich bin jetzt relativ neu vegan und ich kann zustimmen, dass es garnicht sooo schwer ist wie man immer denkt. Am Anfang bedarf es einiger Recherchen, aber nach und nach lernt man immer mehr. Im Grunde ist es wie bei allem: je mehr man sich damit beschäftigt und übt, umso leichter fällt es einem irgendwann und um so mehr Routine hat man. Ich habe die Umstellung angefangen was Essen angeht, danach „das Bad“ und es wird von Tag zu Tag mehr. 100% schaffe ich auch nicht, aber das erwarte ich (im Moment) auch (noch) nicht.

        Möchte hier auch mal anmerken, dass mir dieser Blog hier auch sehr weitergeholfen hat und dafür auch mal „Danke“ sagen. Ich lese immer wieder gerne hier.

      2. Ein Bekannter von mir versucht es seit einem Monat vegetarisch, allein weil er Kontakt zu netten, offenen Veganern hat, die zusammen grillen, picknicken und Kaffee klatschen. Zu Hause kocht er vegan, auswärts isst er so vegan wie möglich oder vegetarisch. Ich bestärke ihn darin. Ein Kommilitone isst 1x in der Woche komplett vegan, sonst normal. Soll ich ihn deswegen verurteilen?! Ich finde es super, dass er vegan kochen kann und das auch tut, auch wenn er auch Fleisch etc. isst. Jeder Schritt in Richtung Offenheit ist wichtig.

    2. Genau so seh ich das auch🙂 Veganismus ist keine Religion. Auch wenn mein Arzt mir letztens was anderes gesagt hat…

      @hewa: Du hältst dich super🙂 Und danke für die Blumen!
      @Saskia: Genau, positive Verstärkung ist sicherlich effektiver.

  10. Ganz automatisch stellt sich mir die Frage… Warum liest ein überzeugter Fleischesser einen veganen Blog nicht nur einmal aus Versehn sondern häufiger ? Und warum schreibt er dazu nicht nur einen Kommentar ? Ganz klar er ist ein Fleischtroll. Oder jemand der gern fleischlos leben würde aber sich nicht traut den Schritt zu gehen.
    *Don’t Feed The Troll*

    Ich lese deinen Blog immer wieder gern. Vielen Dank für die Anregungen und Denkanstöße.

    1. Hallo Gundula,
      „Fleischtroll“😀 Einerseits gibts Trolle, die Aufmerksamkeit wollen, die sie im wahren Leben vielleicht nicht bekommen. Andererseits stelle ich oftmals fest, dass sich andere durch die Aussage „ich lebe vegan“ irgendwie bedroht fühlen und sie sich sofort in eine Abwehrposition begeben. Denn – wie kann das denn sein, da kommt jemand an und rührt an das so sorgsam ausgeblendete Wissen (jeder weiß dass es Massentierhaltung und Schlachthäuser gibt), zeigt auch noch, dass es Alternativen gibt und könnte am Ende auch noch damit Recht haben. Die einen reagieren mit: „Oh ich esse auch nur gaaaanz wenig Fleisch und wen n dann nur bIo“, und andere reagieren wie Herr Hack. Es würde ihn in seinem Seelenfrieden stören, wenn sich die Vegetarier und Veganer auf meinem Blog ungestraft gegenseitig beklatschen😉

    2. Auch wenn ich erst angefangen habe, hier reinzulesen, glaube ich doch, schon sagen zu können, dass das ein sehr schöner Blog ist 🙂

      Nach knapp sieben Jahren vegetarischer Ernährung habe ich vor kurzem beschlossen, es nun doch endlich mal ganz ohne tierische Produkte zu versuchen – ohne Zwang, ich wollte einfach versuchen, mich an so vielen Tagen wie möglich vegan zu ernähren und mir für jeden solchen Tag ein V in den Kalender zu schreiben. Tja … nach dem zehnten oder elften V in Folge hab ich damit aufgehört … also mit den Vs, weil mir ja eigentlich schon nach drei, vier Tagen klar war, dass eh nichts anderes mehr drinstehen würde.

      Seither habe ich neue Rezepte ausprobiert, B12 bestellt, den Honig und den Käse verschenkt, den Eierkocher entsorgt, sehr viel gelesen und noch mehr nachgedacht. Und mich (weil ich praktisch nichts vermisse) geärgert, dass ich diesen Versuch nicht schon früher gestartet habe.
      Allerdings habe ich erst zwei Freunden davon erzählt – auch weil ich wohl im Moment (noch) keine Lust habe, verständnislosen Leuten etwas zu erklären, was sie nicht verstehen wollen. Und weil ich nicht begreife – deshalb dieser (späte) Post hier an dieser Stelle – weshalb ich mich womöglich auch noch rechtfertigen soll für etwas, worunter mein Gegenüber doch nicht leidet.

      Außerdem frage ich mich ernsthaft, ob es auch Raucher gibt, die ständig Nichtraucher zum Rauchen überreden wollen??

      1. Schöne Idee, das mit dem Kalender😉 Und man muss es ja keinem so direkt sagen, hab am Anfang auch eher von einem „Experiment“ gesprochen, man tastet sich so ran und findet dann schon seine Art, damit umzugehen. Man muss ja auch kein großes Ding draus machen, dann ist es auch für andere keins. Naja, meistens jedenfalls😉

  11. „Veganismus ist KEIN religiöses Dogma!“ (Mark Greenway [Napalm Death])
    Ich denke das Veganismus zwar die bessere Wahl ist, unter Umständen (Kantine/Mensa/unterwegs etc.) man schon mal “ nur“ vegetarisch essen kann!
    Bin selber gerade dabei von vegetarisch auf vegan upzugraden und bin (negativ) überrascht wo doch überall „Tier“ drinsteckt… durfte als erstes meine heißgeliebten „browniecookies“ vom aldi vom speiseplan streichen, aber in anbetracht dieses mörderischen Systems ist daß das kleinere Übel!

    Greetz, uwe

    ach ja, hackfresse ähhhh fleisch, solche vollpfosten wie dich kenne ich auch genüge aus „bild.de“-Kommentare! Das ist doch sicherlich dein Niveau,

  12. „Veganismus ist KEIN religiöses Dogma!“ (Mark Greenway [Napalm Death])
    Ich denke das Veganismus zwar die bessere Wahl ist, unter Umständen (Kantine/Mensa/unterwegs etc.) man schon mal “ nur“ vegetarisch essen kann!
    Bin selber gerade dabei von vegetarisch auf vegan upzugraden und bin (negativ) überrascht wo doch überall „Tier“ drinsteckt… durfte als erstes meine heißgeliebten „browniecookies“ vom aldi vom speiseplan streichen, aber in anbetracht dieses mörderischen Systems ist daß das kleinere Übel!

    Greetz, uwe

    ach ja, hackfresse ähhhh fleisch, solche vollpfosten wie dich kenne ich auch zugenüge aus „bild.de“-Kommentare! Das ist doch sicherlich dein Niveau.

  13. @Jane: ja, vermutlich hast du recht dass wir gar nicht so weit auseinander liegen. Ich hatte die Ausnahmen-Aufzählung tatsächlich eher als „Summe“ und „ist OK“ verstanden, nicht als einzelne Beispiele und „kann mal passieren“. (Wobei ich schon sag, das mit dem Käse fände ich unverständlich)
    Auf den Hackfleisch-Post bin ich ja mal gespannt🙂

    @Homeveganer: so kompliziert läuft das bei mir nicht. Da seh ich auch bei dir so ein schwarz-weiß-Bild. Aber zwischen „ich treibe jeden Kellner in den Wahnsinn und trage immer eine Lunchbox mit mir rum“ und „ich nehme halt was kommt, nur nicht anecken“ gibt es viel Spielraum😉

    1. Genau, das war nicht als Summe gemeint. Gut, das wir das klären konnten🙂 Also mein Mittelweg sieht schon so aus, dass ich im Restaurant nachfrage und mir Sachen zusammenstellen lasse. Ist mir aber trotzdem schon passiert, dass dann doch ein bißchen Joghurtsoße drin war, trotz ausdrücklichen anderen Wunsches. Nee, ich habs nicht zurückgehen lassen. Wenns im Müll landet, ist das auch blöd. Also nachfragen muss man schon, das ist essenziell, sonst merkt ja keiner, dass der Bedarf nach was anderem existiert! In den Wahnsinn treibe ich aber keinen…

    2. @Kiba Nix schwarz-weiß🙂 Ich nutze auch den vorhandenen Spielraum. Ach irgendwie liegen wir doch alle gar nicht so weit auseinander und auch @uwe el punk t liegt nicht falsch. Manchmal muss man sich für das kleinere Übel entscheiden …

  14. Ich bin heute das erste mal auf dieser Seite und ernähre mich am ehesten vegan. Ob ich ein Veganer bin, weiß ich nicht. Ich denke diese Klassefizierungen in Normen ist echt ein deutsches Problem! Ich bin ein Mensch wie ihr alle auch und ich versuche in dieser Zeit und in meinem Leben so gut es geht zu leben. Dabei hilft mir eine Schublade allerdings nicht. Ich bin ich!
    Ich habe früher Massen an MCD Produkten gegessen und ja sie haben mir geschmeckt! Heute trinke ich Gerstengrassaft und der schmeckt echt nur wenn ich Obst mit drin habe:-) bin ich jetzt kein echter gerstengrassafttrinker?
    Wenn ich als Begründung angebe, dass ich vegan leben wegen der Armen Tiere, dann geht die Diskussion los. Sobald ich erwähne, dass ich MS habe, dann ist das vollkommen OK und Super…. Beides hat eins gemeinsam, es ist meine Entscheidung und es ist mein Leben! Ich bin nicht auf dieser Welt um andere glücklich zu machen, sollte ich es doch tun, freue ich mich:-)
    Ich Wünsche allen ein tolles Leben, im Einklang mit sich selber und viele Gleichgesinnte Freunde und Kommentaristen, dann macht es auch viel mehr Spaß!

    1. Die Botschaft die du damit vertrittst ist ja: „Tierische Produkte sind ungesund“. Ich habe gemerkt daß gerade bei älteren Leuten auf dem Land, die noch aus einer bäuerlichen Tradition kommen damit eher eine Tür zu öffnen ist als mit Grundsatzdiskussionen.

      1. Ich denke das sollte öfter die Botschaft sein. Der übermäßige Verzehr an Fleisch, Milchprodukten, Zucker in seinen vielen Varianten und die viel zu verarbeiteten Lebensmittel können für viele Krankheiten verantwortlich sein. Ich vertrete hier den Standpunkt echte Natürlichkeit und so wenig verarbeitet wie möglich! Ich glaube unser Körper verzeiht vieles (Gibt ja kein Meßinstrument, wo draufsteht: Achtung sie haben zu viel Milch getrunken, ab jetzt Quellwasser mit BioIngwer:-) aber nicht zu viel und zu lange oben genannten Bereiche.

        Ich finde es sehr suspekt, wenn ich in meinem Bekanntenkreis sehe, dass eine Diabetekerin sich lieber mehr Insulien spritzt und zur Einstellung in Kliniken fährt, mein Vater mit Bluthochdruck, weiter Schweinebauch, Haxen und kaum Gemüse ist und Übergewichtige sagen Fleisch ist mein Gemüse. All diese Themen könnten aus meiner Sicht verbessert oder beendet werden durch einen gesunden Lebensstil! Dazu gehört für mich auch die individuelle Ernährungsform und die ist bei mir vegan!

        Aber es sind alles nur Menschen:-)

      2. Whoa, das geht mir auch so! Ich kenne einen Diabetiker, der sich täglich mehrmals spritzt und Angst hat vorm Älterwerden, denn Diabetes kann ja Schlimmes mit sich bringen. Es juckt mich total, ihn mal zu fragen, ob er je davon gehört hat, dass eine natürlichere und pflanzlichere Ernährung (muss nicht mal 100 pro sein) seinen Zustand stark verbessern könnte. Aber ich hab bei ihm schon mitbekommen, dass er es einfach nicht schafft, auf gewisse Dinge zu verzichten. Er findet Veganismus aber an sich gut und – ich zitiere – „bewundernswert“. Aber ist halt nur ein Mensch😉 Nur schade, dass er auch die Ansicht vertritt dass alles, was gut schmeckt, ungesund ist. Stimmt ja so nicht, da muss man seine Geschmacksnerven schon sehr vernachlässigt haben…

  15. Was für ein toller Artikel🙂
    Ich erkenne mich definitiv wieder.
    Gerade komme ich aus Italien zurück, wo ich mit meinem Omnipapa und meinem Omnibruder war. Kleines Kaff in Ligurien, wo du Glück hast, wenigstens was vegetarisches zu finden. Manchmal sogar augenscheinlich vegan (Pizza ohne Käse, Pasta mit Tomatensoße). Abgesehen von der Sprachbarriere wäre es aber ziemlich schwierig geworden, mit Köchen und Bedienungen zu debattieren, ob das vegan ist – die kennen das Konzept nicht und würden es eher als Beleidigung auffassen, wenn du ihr gutes Essen verschmähen und irgendwelche gekochten Kartoffeln der Pasta vorziehen würdest.
    Daher wars dann halt manchmal vegetarisch, aber ich glaube, oft habe ich es vegan geschafft.

    In naher Zukunft plane ich einen Trip in den Himalaya. Was macht man da? Nach langen Wanderungen in einem kleinen Dorf, in dem sie noch nie was von veganer Ernährung gehört haben und Buttertee zum Grundnahrungsmittel gehört?

    Was übrigens das Highlight des Urlaubs in Italien war: in dem kleinen Dorf wohnt eine tolle ältere Frau, die 76 ist und super Englisch spricht – sie lebt seit neuestem vegan!!!

    1. Jupp, genau das meinte ich ja, in solche Situationen kommt man eben manchmal, zwar nicht oft, aber kann schon vorkommen. Und man kann ja trotzdem Nachfrage erzeugen und alle Möglichkeiten ausschöpfen, und trotzdem wäre die letzte Konsequenz nur, dass man in seinem Urlaub eine unfreiwillige Fastenzeit einlegt. Das ist leider nichts für mich…

  16. du sprichst mir aus der Seele Jane. Genau so etwas wollte ich jetzt nach 1 Jahr vegan als Fazit bei Green Lionheart mal posten. Ich erwarte natürlich auch Kommentare wie von Hackfleisch. Aber ich finde eben auch, jeder muss es für sich selber wissen. Eine Sache die ich gelernt habe in dem Jahr ist vor allem, dass ich mich nicht labeln will. Jeder urteilt und will dir Regeln aufdrücken – ich habe viele beschissene Situationen deshalb gehabt „warum isst du denn jetzt doch was vom Pudding..“ usw. Was ist Konsequenz und wo liegt die Grenze zur Einschränkung, die evtl verbittert macht? Eine Frage, über die ich viel nachgedacht habe. Nun hab ich mich 1 Jahr wirklich ausführlich mit dem Thema auseinander gesetzt und wage zu behaupten mir eine differenzierte Meinung bilden zu können. Ich hab meinen Weg gefunden und bin dennoch froh, mich von einem Dogma fern zu halten – denn Veganismus sollte nicht zur Sekte werden😉 Übertrieben ausgedrückt jetzt!!
    Ganz liebe Grüße

  17. Hallo! Ein toller Artikel, vielen Dank dafür.

    Ich wohne zZ noch in Bangkok und bei der Menge an Leuten, die hier rumwuseln und der Menge an Fleisch, die hier überall feilgeboten wird, fühle ich mich schon manchmal etwas frustriert weil einfach klar wird, dass ich nur einer von Milliarden bin und die Handvoll Veganer im Westen der Welt nichts ist im Vergleich zu den ganzen Asiaten, die nun auch im Wohlstand ankommen.
    Dein Artikel trifft also gerade genau meinen Nerv und bestärkt mich darin, dennoch nicht moralisch „die Flinte ins Korn zu werfen“.

    Ich wünsche allen, die dieses Frustrationsgefühl auch kennen, dass sie auf deinen Artikel stoßen🙂

    Dein Blog gefällt mir übrigens generell sehr gut. Vor allem der Begriff „AVAP“, den ich zwar auch versuche zu leben, aber noch keine treffende Bezeichnung dafür kannte!

    Du verfolgst einen angenehm toleranten und aufgeklärten Ansatz, der bestimmt vielen die mit einer Umstellung liebäugeln einen weiteren Stubser in die richtige Richtung gibt.
    Alles Gute und danke für das Leseerlebnis🙂

    Cora

  18. Glückwunsch zum gelungen Blogeintrag.

    Man kann natürlich versuchen von 0 (Fleisch essen) auf vegan umzusteigen, aber muss auch realistisch bleiben:
    100% vegan zu leben, dem Ziel kann man sich, wenn man sich nicht komplett aus der Gesellschaft abgrenzen will, nur Stück für Stück annähern. Es gibt leider zu oft tierische Produkte versteckt in Alltagsgegenständen. Dazu habe ich letztens erst einen Bericht gelesen, wo man überall Bestandteile vom Schwein finden kann (Damn, leider in echt verdammt vielen Sachen !! -.-){Link dazu: http://www.br.de/fernsehen/bayerisches-fernsehen/sendungen/unser-land/verbraucher-und-ernaehrung/schwein-total-produkte-verbraucher100.html}.

    Von daher kann ich nur jeden bestärken, nichts zu überstürzen. Man muss sich erstmal gut informieren, worauf man achten sollte, wenn man komplett vegan leben möchte.
    Sonst möchte man etwas besser machen und realisiert im Endeffekt nur, dass man das eine Opfer durch ein anderes ausgetauscht hat.
    Wenn man keine Freunde hat, die sich vegan ernähren, kann das nämlich echt anstrengend sein.
    Man hat leider auf beiden Seiten (Fleischkonsumenten und Veganer) extrem verklärte Ansichten. Ich mein, wie oft habe ich schon bei Peta gelesen, dass die vegane Ernährung der heilige Gral für eine gesunde Ernährung ist und man damit sicher einen Platz im Paradies erhält. Sowas ist dann natürlich komplett kontraproduktiv. Eine vegane Ernährung kann sicherlich seine gesundheitlichen Vorteile haben, aber auch nur, wenn man nicht nur Pommes mit Ketchup isst. Davon mal abgesehen ist zumindestens mein Anspruch daran nicht gesundheitlicher Natur, sondern möglichst einen Schritt in die (hoffentlich) richtige Richtung zu gehen.

    Einen Fehler, den man auch nicht machen sollte, wenn man versuch ein besserer Dude zu sein:
    Denke nicht in globalen Maßstäben!
    Weil einem dieser Gedanke unmächtig machen kann.
    Natürlich sind mit der einen Fairtrade-Jacke keine globalen Probleme gelöst. Aber denke ich in kleineren Einheiten und stelle mir die handvoll Menschen vor, mit denen ich durch diese Transaktion in Interaktion stehe, so weiß ich (oder hoffe zumindestens), dass ich sie fair behandelt habe.
    Deshalb ist jeder Schritt, den man macht, wichtig… wichtig für die Person am anderen Ende der Kette.

    Grüße,
    Alex mit der Guitarra

  19. Ich habe mir vor kurzen, als sich alle Pizza bestellten, mal eine vegane Pizza kommen lassen. – Ich muß zugeben, die schmeckte wirklich ganz pasabel, obwohl ich nicht sicher weiß, ob alle veganen „Gesetze“ bei der Herstellung eingehalten wurden. Also,vegetarische habe ich mir schon oft bestellt, gar kein Problem. Meine ganz große Skepsis bezog sich auf den Käseersatz und ich muß zugeben, daß mir „echter“ Käse doch noch besser schmeckt! Es war aber einen Versuch wert und ich habe gelernt, daß Vegan nicht nur „Körnerfressen“ bedeutet! Ich könnt es nicht auf Dauer, das muß ich zugeben, aber es lohnt sich bestimmt, den Fleischkonsum zu reduzieren und auf Vegan oder Vegetarisch manchmal zurückzugreifen. Viele werden jetzt sagen, daß das inkonsequent ist, aber ich bin der Meinung, lieber weniger Fleisch als nur Fleisch, oder?

    1. Das auf jeden Fall😉

      Übrigens gibt es verschiedene käsealternativen, da lohnt es sich, ein bißchen zu testen. Oder Pizza gleich ganz ohne, das ist auch lecker.

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