Auf dem Grill

Es ist Sommer. In die Sonne blinzeln, hauchdünne Shirts tragen und tiefenentspannt am Wasser liegen – und ein bestimmter Duft, der einem immer wieder begegnet. Irgendwo wird gegrillt. Ich würde lügen, wenn ich behauptete, dass mir der Geruch nicht gefällt. Fleisch und Würstchen selbst reizen mich kaum, auch früher schon mochte ich dann doch lieber Grillkäse. Bis auf Hühnchen. Am schlimmsten sind diese Brathähnchenstände, wo sich die geköpften, goldbraunen Körper auf den Spießen drehen. Der Geruch ist fast unwiderstehlich. Der Anblick allerdings eher grotesk. Es käme mir nicht (mehr) in den Sinn, beim nächsten Grillfest zum Hühnerbein zu greifen. Warum auch, man kann auch Gemüse grillen oder sich an den Salaten satt essen (Grillideen z.B. hier).

Noch dazu gibt es zahlreiche pflanzliche Produkte, die den nostalgischen Drang der Umsteiger befriedigen sollen. Gerade Bratwürstchen, die bei näherer Betrachtung ohnehin nur aus einem undefinierbaren Brei in einer Pelle bestehen, lassen sich prima ersetzen. Dann ist eben statt Fleisch Weizenprotein drin. Hauptsache, es schmeckt, oder? Zwar muss man sich auch hier erstmal durchtesten, weil nicht jedes Veggie-Würstchen schmeckt. Aber es funktioniert, wie diverse Tests mit versteckter Kamera in Imbissen zeigen ( Sat.1 Test: Vegane Wurst, RTL  Tofu-Test ). Auch der Veggie-Burger von Aldi (!) hat in meinem persönlichen Test sehr gut abgeschnitten.🙂 Besonders viel Erstaunen erntete ich aber mit den Hähnchenschlegeln von Vantastic Foods, die ich bei der letzten Grillfete unter die Leute brachte. Sehen aus wie kleine Hühnerbeine, die Konsistenz erinnert auch sehr an das Original, der Geschmack ist toll und erinnert etwas an Hühnchen, nur ohne den Tiergeschmack. Allerdings hieß es auch sofort, ob es nicht widersinnig sei, nachgemachte Tierprodukte zu essen. Vegetarier und Veganer wollten ja schließlich nichts mit sowas zu tun haben. Solche Imitate seien inkonsequent. Man könnte ja auch andere Formen wählen, warum muss es aussehen wie Fleisch?

Natürlich kann man Sojafleisch auch aussehen lassen wie eine Blume oder ein Viereck. Aber man hat nicht die gleichen Geschmacksassoziationen mit solchen Formen. Ein Block Tofu wirkt an sich nicht sonderlich appetitanregend, oder? Abgesehen davon, dass es doch viel widersinniger ist, ein anderes Wesen unter erbärmlichen Bedingungen aufwachsen zu lassen mit dem einzigen Zweck es umzubringen, es zu zerteilen und dann seine Körperteile zu verspeisen ohne dass dies mangels Alternativen notwendig wäre. Ich finds nicht schlimm, solche Pseudoprodukte zu essen, wenn man Appetit drauf hat. Man schadet damit keinem. Wenn ich Körperteile anderer Lebenwesen auf einen Grill lege, dann schon. Nur kommt das keinem komisch vor. Weil wir es seit tausenden Jahren so machen. Allerdings war es ursprünglich mal überlebenswichtig. Heute gehen wir in überfüllte Supermärkte, die am Ende des Tages jede Menge Frischware in die Tonne geben. Ursprünglich waren es Wildtiere, die zu erlegen wir jede Menge Energie aufbringen mussten und die deshalb bestimmt nicht dreimal täglich auf dem Speiseplan standen. Heute sind es armselige Kreaturen, die industriell in Massen produziert werden, ohne je sowas wie ein Leben geführt zu haben. Und als Billigwurstscheiben auf unseren Brötchenhälften enden – und dann umgehend auf unseren Hüften. In unseren Zellen landet dann das, was wir vorher in sie hinheingepumpt haben: Medikamente, ohne die eine solche Haltung wegen der Krankheiten unmöglich wäre. Futtermittel mit Anteilen genmanipulierter Pflanzen und undefinierbarem Tiermehl. Um uns herum vergiftet das Übermaß an Gülle die Böden und das Grundwasser. Nee, echt. Ich find Würstchen aus Seitan und Burger aus Sojaeiweiß prima. Denn das ist es mir wirklich nicht wert.

Zum Ausprobieren:

– Rezepte für Gemüsetäschchen, gefüllte Paprika, diverse Dips uvm. bei consume.be silent.die
– gefüllte Champignons und Zucchini mit Knoblauchdip bei foodmaster
– Marinierte Tofu-Gemüse-Spieße bei Homeveganer
– Lieblingsprodukte fürs Grillfest auf Deutschland is(s)t vegan
– Tomaten-Tofu-Salat mit Koriander auf Food ’n‘ Fotos
– Grilltipps und Stockbrot/Pizzateig-Rezept auf Vegane Versuchsküche
– Tomatenmedaillons mit Zucchini-Rollmops bei minimotor
– Grill-Banane mit Curry-Sauce bei culinaria vegan

Autor: Jea

// Leipzig, Germany // vegan // forming digital mindscapes //

23 Kommentare zu „Auf dem Grill“

  1. Die Hähnchenschlegel sind wirklich lecker! Die provozieren aber auch wirklich jeden Fleischesser🙂 Auf den Spruch, warum wir denn alles nachmachen, braucht man da nicht lange warten.

    Doch selbst wenn wir Tofu in Kugelform auf den Grill legen würden, wären die Kommentare nicht besser. „Die Kugeln rollen ja laufen weg. Warum macht ihr den Tofu denn nicht flach wie unsere Steaks? Da ekelt ihr euch wohl?“ Wir können machen was wir wollen, es ist immer falsch🙂

  2. Ich bin dem Grillgeruch auch nicht abgeneigt. Mir würde aber nie in de Sinn kommen, Grillfleisch zu essen. Ich habe einfach kein Verlangen danach – rieche es nur ganz gerne😉
    Liebe Grüße,
    Federchen

  3. Die tausenden Jahre beziehen sich aber auch nur auf die überflüssige Jagd. Die 2 Milliadren Jahre früher waren „wir“ ausschließlich Sammler, was durch neue Wissenschaftliche Erkenntnisse nun auch endlich bestätigt wurde. Und hier waren in erster Linie Meerestiere über dem Feuer, selbst Aas von Landtieren haben nur die unsozialen, ausgestoßenen Vorfahren gegessen.

  4. Der Geruch von Hähnchen kommt vom Hähnchengewürz, das man in jedem Supermarkt kaufen kann. Besteht wohl nur aus Glutamat, das Zeug, aber wenn ich es rieche, bekomme ich sofort Lust auf Gebratenes.🙂

    Liebe Grüße
    Nadja

    1. Ja, dieses Hähnchengewürz schmeckt schon sehr stark. Aber ganz so einfach ist es nicht, glaube ich. Da tun wohl die Röstarmonen beim Grillen des Fleisches auch noch was dazu…

  5. Als langjährigem Rohköstler wird mir mittlerweile kotzschlecht, wenn ich das angebrannte Fett von tierischem Grillgut auch nur von weitem rieche. Ich esse mein Fleisch daher lieber roh, so ohne alles, einfach nur Natur pur🙂

  6. Aha…was es nicht alles gibt…“Ethik“ ist mir persönlich allerdings schnuppe (weil unnatürlich), erst recht wenn es um das Thema „Essen“ geht🙂. Oder anders ausgedrückt : Kann man „Ethik“ essen ? Wird man davon satt ?

      1. “‘Erst kommt das Fressen, dann kommt die Moral.” (B. Brecht)

        Ein aus dem Zusammenhang gerissenes Brechtzitat ?

        „‚Erst kommt das Fressen, dann kommt die Moral!“ hat Bertold Brecht einst effektvoll einer Bourgeoisie entgegengeschleudert, die vom
        hohen Ross materieller Wohlsituiertheit den niederen Schichten Moral predigen wollte“

        http://www.redensarten-index.de/suche.php?suchbegriff=~~Erst%20kommt%20das%20Fressen
        %2C%20dann%20die%20Moral&bool=relevanz&suchspalte[]=rart_ou

        Und mit den „niederen Schichten“ hat Brecht unter Garantie Menschen gemeint und nicht Tiere.

  7. Ich hätte da nochmal ´ne Frage zu diesen Leuten , die es aus ethischen Gründen ablehnen, Tiere zu essen :

    Sind diese Leute etwa auch unter den Spendern dieser Internetaktion zu finden :

    http://www.helpedia.de/spenden-aktionen/rinderrettung

    Wenn ich die Sache richtig verstanden habe, wurden dort innerhalb weniger Tage über 13 000,- Euro gespendet, welche zum Kauf von 4 Rinder verwendet worden sind, um diese Rinder vor dem Schlachthof zu bewahren. Die 4 Rinder wurden dann auf den „Hof Buntenland“ gebracht, wo sie seelig bis an ihr unter menschlicher Obhut erreichbares Maximalalter leben sollen, ohne jemals der menschlichen Ernährung zu Gute zu kommen.

    https://www.facebook.com/HofButenland

    Frage : Wäre es nicht eher ethisch gewesen, diese 13 000,- Euro z.B. den hungernden Menschen in Afrika zukommen zu lassen, sei es in Form von sog. „Patenschaften“, sei es in Form von „Tierspenden“ (Hühner, Ziegen) für bedürftige Kleinbauern in der Sahelzone ?

    Und was ist mit den ökologischen Folgen dieser „Rinderrettung“ ?

    Wie von den Leuten, die es aus ethischen Gründen ablehnen Tiere zu töten, ja immer wieder betont wird, stoßen Wiederkäuer im Laufe ihres Lebens erheblichem Mengen an Methan aus, welches angeblich die Klimaerwärmung anheizt. Nun lebt ein Rind auf einem Gnadenhof wie dem „Hof Buntenland“ aber wesentlich länger als ein Rind, welches spätestens nach ein paar Jahre geschlachtet wird. Also dürfte dieses „Gandenhofrind“ vom Prinzipiellen her wesentlich mehr zur Klimaerwärmung beitragen als ein Rind, welches zur menschlichen Nahrungsgewinnung gehalten wird.

    Ist das ethische korrekt ?

    Eine weiter ökologische Folge dieser „Rinderrettung“ dürfte sein, das dadurch, daß dem Nahrungsangebot von Menschen mehrere hundert Kilo Rindfleisch entzogen wurde, dessen Nährstoffe nun auf andere Art und Weise erzeugt werden müssen. Dies dürfte zusätzliche Ressourcen kosten, sei es in Form von Acker-oder Weideland, sei es in Form von Wasser, Dünger und Energie.

    Ist dieses unökologische Verhalten ebenfalls ethisch korrekt ?

    1. Du vergleichst den ökologischen Schaden von vier geretteten Rindern mit dem der 5,5 Millionen Rinder und Kälber, die jedes Jahr in Deutschland gegessen werden (und entsprechend vorher „produziert“, gefüttert und geschlachtet)? Im Ernst?
      Im Übrigen gehen 50 Prozent der Weltgetreideernte und 90 Prozent der Weltsojaernte nur für Nutztiere drauf. Würden wir die Flächen gleich für den Menschen verwenden, hätten wir ein sehr viel kleineres Hungerproblem auf der Welt. Für ein Kilogramm Rindfleisch müssen 16 kg Getreide und Soja verfüttert werden. Wie satt wirst du von 1 kg Fleisch (etwa 1550 kcal)? Und wie lange machen dich wohl 16 kg Getreide satt (etwa 19000 kcal)? Noch dazu werden für dieses Kilogramm Rindfleisch 50 qm Regenwald vernichtet, 20 000 Liter Wasser verbraucht (das ist mehr als ein Jahr lang zu duschen) und mehr Treibhausgase verursacht als bei 250 km Autofahrt. Hier noch ein bißchen Lesestoff http://www.tagesschau.de/klima/hintergruende/klimalandwirtschaft100.html

      Und zum Thema CO2 hier nochmal bildlich http://wissen.spiegel.de/wissen/image/show.html?did=59403041&aref=image037/2008/08/23/ROSPG2008035007202.JPG&thumb=false

  8. Hallo Jane,

    könntest du bitte auf meine Frage eingehen ?

    Was du mir da geantwortet hast, ist die übliche vegane Argumentation gegen die globale Massentierhaltung, aber keine Antwort auf meine Frage. Deshalb wiederhole ich sie hier nochmal in Kurzform :

    Ist es für Veganer ethisch korrekt, eine Menge Geld zu für Tiere zu spenden, obwohl sie dieses Geld auch sehr einfach dafür verwenden könnten, Menschen vor dem Hungertod zu bewahren ? Ist Veganern das Leben eines Rindes tatsächlich mehr Wert als das Leben eines Menschen ? Mir scheint es jedenfalls so.

    Und bitte nicht wieder ellenlange Abhandlungen über landwirtschaftliche Nutzflächen usw. Es geht hier um einen tatsächlichen Einzelfall, und nicht um die theoretischen Betrachtungen von Veganern, was wäre, wenn die Nutztierhaltung abgeschafft wäre.

    P.S. : Von Getreide werde ich gar nicht satt…das vertrage ich nämlich überhaupt nicht, es macht mich nur krank.

    1. Es ging um einen konkreten Fall, um die Rettung von vier Rindern, die man mit seiner Spende vor dem Schlachthof retten konnte. Die Gelegenheit bekommt man nicht oft, denke ich. Deswegen haben bestimmt so viele Menschen mitgemacht. Aber wieso sollten den Spendern deshalb Menschen weniger wichtig sein als Tiere? Das eine hat doch mit dem anderen nichts zu tun. Wobei das eine das andere ja nicht ausschließt. Denn vielleicht spenden sie ja auch für andere Zwecke. Letztlich musst du sie persönlich fragen.

      P.S.: Was du hier als „die übliche vegane Argumentation“ vom Tisch wischst, sind Fakten, die keinesfalls von Veganern erfunden wurden, wie dir die Quellen (auch generell in meinem Blog) zeigen dürften (ich verlinke möglichst nicht auf einschlägige Veggie-Seiten, da man mir sonst Einseitigkeit vorwerfen könnte.)

  9. Ja gut…alles klar…viel Spaß noch in Vegania, und du kommst auch ganz ganz bestimmt in den Veganerhimmel. Allerdings wird dich der alte Fischmörder Namens Petrus an der Pforte dann wohl fragen, warum du zu Lebzeiten immer Vakten als Fakten ausgebenen hast, wo du doch eigentlich wissen müsstes, daß Vakten zumindest höchstens Halbwahrheiten sind. (hab keine Zeit mehr, muss was anders tun :-))

  10. Gerade jetzt, Grillsaison, diskutiere ich sehr oft mit meinen Mitmenschen darüber, warum „wir Veganer“ diese ganzen „Fleischersatzsachen“ essen „müssen“, wenn „wir Veganer“ doch Fleisch ablehnen. Vielen erkläre ich dann eben auch, dass es mir bei dem Genuss von „Fleisch“ eben nicht darum ging, unbedingt totes Tier zu essen, sondern weil ich diesen Geschmack gerne mochte. Die meisten gucken erstmal erstaunt, wenn ich „totes Tier“ sage, als seien sie sich nicht genau im Klaren darüber, dass die normale Bratwurst eben nichts anderes ist. Für viele Menschen ist das trotzdem suspekt, weil sie wohl Veganer im Kopf haben, die schreiend weglaufen, sobald sie nur etwas Fleisch-ähnliches sehen😉

    1. Genau, als wäre man plötzlich ein neuer Mensch, der von null auf hundert alles an Fleisch verdammt. Aber so funktionieren Schubladen eben.

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