Abwechslung ist alles!

Als ich zum Pflanzismus überging, startete ich gleichzeitig eine Expedition: ich entdeckte neue Gemüsesorten und Getreidarten, griff im Laden bewusst zu Sachen, die ich noch nie probiert hatte. So lernte ich zum Beispiel verschiedenste Kürbisarten kennen, orangefarbene Süßkartoffeln, dunkelgrünen Mangold, welligen Wirsing, perliges Quinoa, Couscous und vieles mehr. Inzwischen liebe ich Lauch, auch als (ach so gewöhnlicher) Porree bekannt. Champignons mochte ich auch vorher, hatte aber immer die gefrorenen gekauft, da diese länger haltbar sind. Aber was für ein Unterschied wenn man sie frisch zubereitet! Auf meinem Teller ist meist richtig farbenfroh🙂 Das hat einen prima Nebeneffekt: Wenn man abwechslungsreich futtert, maximiert man die Nährstoffe im Essen. Deswegen heißt es ja, man soll nach dem Ampelprinzip essen, also viel Grün, Rot und Gelb – nicht zuletzt wegen der sekundären Pflanzenstoffe und ihren gesundheitlichen Vorteilen. Und wie ich in „Wie komme ich an mein Protein?“schrieb, liegt in der Artenvielfalt der Trick für eine ausgewogene Ernährung.

Reis, Hirse, Couscous, Gerste, Buchweizen, Quinoa….

Beim Thema Soja sind – nachdem es erstmal einen großen Hype um die positiven Wirkungen der Sojabohne gab – ziemlich schnell ein paar Spielverderber auf den Plan getreten. Soja ist wunderbar vielfältig einsetzbar, gerade in Form von Tofu ist es in zahlreichen vegetarischen und veganen Produkten enthalten. Auch wegen seines hohen und hochwertigen Eiweißgehaltes ist es sehr beliebt. Doch auf einmal tauchten Studien auf, die von negativen Effekten berichteten, vor allem bei Babys sei Vorsicht angeraten, unter bestimmten Umständen soll auch eine krebsfördernde Wirkung möglich sein und Tofu steht sogar im Verdacht, das Gehirn altern zu lassen. Zwar ist es wie immer in der Wissenschaft – nichts genaues weiß man nicht, aber ich denke, eine Überbetonung von Soja im Speiseplan ist eigentlich ohnehin gar nicht notwendig. Es gibt nicht nur die Sojabohne, es gibt rote Azuki-Bohnen, schwarze Bohnen, weiße Riesenbohnen, gelbe Kichererbsen, grüne und gelbe Erbsen, Berglinsen und einige mehr – warum sollte man sich also auf Sojabohnen beschränken? Zumal jede Art mit ihrem ganz eigenen Geschmack aufwarten kann. Es lohnt sich ganz sicher, da mal was Neues auszuprobieren. Und man wird auch kein Pflanzist, um sich dann ständig nur von Tofu-Fertigkram zu ernähren, oder?🙂

Und es gibt noch einen anderen Punkt: Wie so oft, ist es die Dosis, die das Gift macht. Oder andersherum formuliert: einseitige Ernährung ist nie gesund, egal um was es sich handelt. Isst man ständig viele Pilze, darf man mit gesundheitlichen Problemen wegen radioaktiver Belastung rechnen. Tomaten und Kartoffeln enthalten giftiges Solanin, in Erdnüssen und Erdnussbutter findet sich das krebserregende Schimmelpilzgift  Aflatoxin. Die in Spinat und Mangold vorkommende Oxalsäure beeinträchtigt die Calciumabsorption. In einigen Gemüsesorten wie Broccoli oder Kohl sind Lektine enthalten, mit denen sich die Pflanzen vor Fraßfeinden schützen. Und so weiter und so weiter. Letztlich gibt es wohl kein einziges Lebensmittel, das vollkommem frei von irgendwelchen Vorwürfen bezüglich seiner potenziell schädlichen Wirkung ist – es muss nur in ausreichend großer Menge verabreicht werden. Denn in den meisten Studien werden die Stoffe in unnatürlich hohen Konzetrationen getestet. Daher lautet die Schlussfolgerung immer, dass das jeweilige Nahrungsmittel in üblicher Verarbeitungsweise und Menge für den Menschen dann doch unbedenklich ist.

Abwechslung ist also nicht nur wichtig, damit es im Veggie-Haushalt nicht langweilig wird, sondern auch wichtig zur Erhaltung der Gesundheit. Klingt alles komplizierter als es ist. Es geht nur darum, nicht jeden Tag Eisbergsalat zu essen, sondern sich auch mal mit Rucola, Feldsalat und Romana zu vergnügen. Einfach mal Hirse, Couscous, Quinoa oder verschiedene Reisarten zu probieren. Wenn man es hinbekommt, möglichst saisonale Früchte und Gemüsesorten zu kaufen, hat man ohnehin immer einen ziemlich abwechslungsreichen Speiseplan. Dafür eignet sich das Abonnieren einer Bio-Kiste zum Beispiel sehr gut, die gibt es inzwischen schon in verschiedenen Regionen, gerade für Großstädter ist so ein Angebot sicherlich interessant. Ok, ich gebe zu, ein bißchen Experimentierfreude und Offenheit sollte man schon an den Tag legen. Aber man wird dafür belohnt – und hätte sonst sooo viel verpasst😉

Quinoa – hier mit Mangold und Veggi-Pesto (Alnatura von dm). Quinoa wirkt wie Getreide, ist aber keins…

Zum Weiterlesen:

6 einfache Tipps für mehr Abwechslung auf dem Teller – auf bevegt.de

Pausenbrot mit Pflanzen-Power – auf peta.de

Autor: Jea

// Leipzig, Germany // vegan // forming digital mindscapes //

9 Kommentare zu „Abwechslung ist alles!“

  1. Sehr schön zusammengefasst. Das Lustige ist, dass die meisten Veganer viel abwechslungsreicher essen als die Omnivoren unter uns – und wir werden immer gefragt, ob wir denn keine Mangelerscheinungen haben… langsam muss ich fast schon darüber lachen.
    Früher habe ich jeden Tag Nudeln gegessen, ab und zu Reis und ganz selten Kartoffeln. Heute gibt es vielleicht noch 1x die Woche Pasta, und ansonsten Couscous, Bulgur, Quinoa, Amaranth, Reis, Kartoffeln, …
    Und ich wusste noch gar nicht, dass es von Alnatura auch veganes Pesto hat, sehr interessant!

  2. Wie recht du hast. Zu meinen omnivoren Zeiten gab es oft das Gleiche. Druch die bewusste Ernährungsumstellung und ja auch gewissemaßen den „Druck“ neue produkte zu testen, habe ich schon so viel Neues kennengelernt und bin noch lange nicht fertig.
    Es macht aber auch viel Spaß und ist super spannend was am Ende rauskommt.

    1. Quinoa gehört zu den Fuchsschwanzgewächsen und ist damit ein Blattgemüse, eher mit Spinat oder Rüben verwandt. Echtes Getreidesorten gehören zur Familie der Süßgräser.

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