Was kümmert mich der Regenwald?

Das Bild des saftigen Hamburgers von McDonalds, für den vier Quadratmeter Regenwald geopfert werden, wie John Robbins in „Food Revolution“ erläutert (siehe dazu auch den Greenpeace-Report „Eating up the Amazon“) – naja, das will einem nicht aus dem Kopf. Im gleichen Buch summierte sich übrigens der Preis eines Hamburgers, ohne all die Subventionen und nur mit realen Kosten gerechnet, auf 200 Dollar (S. 257).  Zwar habe ich kaum persönliche Erfahrungen mit tropischen Gefilden. Doch ich begann, über Artenvielfalt und das wunderschöne Wort „biodiversity“ nachzudenken, als ich mir tonnenweise Urlaubsfotos aus der Region Borneo ansehen musste/durfte/konnte, und dazu zu hören bekam, wie erstaunlich die Tier-und Pflanzenwelt doch eigentlich ist. Insekten, die erst auf den zweiten Blick als solche erkennbar sind, weil sie eigentlich eher einem Blatt ähneln, verschiedenste Formen und Farben über und auch unter Wasser, auf jeden Meter entdeckt man die unglaublichsten Kreaturen. Die Fotos wurden übrigens mit freundlicher Genehmigung meines Kollegen für den Blog zur Verfügung gestellt und sind in unter „Fotos“ zu finden. Seitdem hab ich eine Ahnung davon und finde allein diese Vielfalt schützenswert.

Dazu kommen natürlich noch schwerwiegendere Gründe: Der Amazonas-Regenwald ist essenziell für das Weltklima, reguliert die Wolkenbildung, reinigt die Luft, filtert Wasser und verhindert Erosion. Die Bäume des Amazonas speichern 90 bis 140 Milliarden Tonnen CO2. Bei Abholzung wird dies freigesetzt. So stammen bereits 17 % der weltweiten CO2-Emissionen aus der Vernichtung der Tropenwälder. (Quelle) Sofern der Ausstoß der Treibhausgase nicht drastisch eingeschränkt wird, sind extreme Wetteränderungen zu erwarten. Doch der Uno-Klimarat scheut sich vor klaren Statements: Forschungsergebnisse werden ignoriert, der UNO-Klimareport bleibt geheim. (SPON am 18.11.2011) Wer ein bißchen Zeit hat, kann sich mal in die Climategate – Affäre (ein Fest für Klimawandel-Leugner) reinlesen, die gerade am 23.11.2011 neu angefacht wurde. Und danach bitte unbedingt diesen Artikel nachschieben.

Fakt ist, der gegenwärtige Zustand der Regenwälder ist nicht gerade ermunternd: So ist in Südostasien ist bereits mehr als die Hälfte des Regenwalds verschwunden, in Westafrika sind sie sogar größtenteils weg. In Zentralafrika gibt es noch einige große Gebiete. Am östlichen Rand der Insel Madagaskar ist der ursprüngliche Regenwald zum Großteil nicht mehr vorhanden, der verbleibende Wald ist stark fragmentiert und degradiert. Die Hälfte der weltweit verbleibenden tropischen Regenwälder befinden sich im Amazonasbecken. Die Entwaldungsraten sind hier geringer als in Asien und vielen afrikanischen Regionen, aber die absolute Entwaldung ist größer. Das Hauptproblem ist die Umwandlung von Wald zu Agrarflächen. In Brasilien wurden bis Ende 2006 ungefähr 13 % der ursprünglich vorhandenen Regenwälder abgeholzt; 85 % dieser gerodeten Flächen wurden in Weideland umgewandelt, 15 % in Felder zum Anbau von Sojabohnen. Die beiden anderen Regenwaldgebiete neben dem Amazonasbecken, der Mata Atlântica und Regenwald entlang der Pazifikküste, sind größtenteils nicht mehr vorhanden. (Quelle)

Und wo ist er hin, der Regenwald? Jedes Jahr werden über 100.000 Quadratkilometer des tropischen Regenwalds für die Holzgewinnung gerodet oder abgebrannt, um Acker- und Weideland zu schaffen. Das ist eine Fläche so groß wie Österreich. Im Amazonasgebiet sind bis heute fast 20 Prozent des ursprünglichen Regenwaldes verschwunden. Jede Minute gehen noch immer mehr als drei Hektar verloren, fasst der World Wide Fund for Nature (WWF) zusammen. (Quelle)

Unter Wasser siehts noch schlimmer aus: Die Geschwindigkeit und die Rate des Sterbens in den Ozeanen sei viel größer als irgendjemand vorausgesagt habe, schreibt ein Verbund von Meeresforschern nach einer Tagung in Oxford im April 2011. „Die Ergebnisse sind schockierend“, sagte Alex Rogers, Wissenschaftlicher Leiter des Internationalen Programms zur Lage der Ozeane (IPSO). Überfischung habe einige der wirtschaftlich interessanten Fischbestände bereits um mehr als 90 Prozent reduziert. Die Meere werden immer stärker verschmutzt und überfischt, sie versauern und erwärmen sich, zudem sinke der Sauerstoffgehalt. So sei die von den Ozeanen aufgenommene Kohlenstoffmenge derzeit weit größer als beim jüngsten Massensterben in den Meeren vor 55 Millionen Jahren, teilten die Forscher mit. (Quelle)

Diese Erkenntnisse der Klimatologen offenbaren den dringlichen Handlungsbedarf, stellte das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit erst in diesem Jahr wieder fest. Der globale Temperaturanstieg müsse auf 2 Grad gegenüber vorindustriellen Werten begrenzt werden (jetzt sind es bereits 0,8 Grad), sonst drohen „gewaltige Schäden“. Die Weltgemeinschaft in Kopenhagen hat dies bereits im Dezember 2009 in der Kopenhagen-Vereinbarung  festgehalten und 2010 in Cancún erstmals offiziell anerkannt.  Um die 2 Grad Obergrenze einhalten zu können, müssten die globalen Emissionen bis 2050 um mindestens 50 Prozent gegenüber 1990 reduziert werden. Außerdem muss schon  bis 2020 und eher noch bis 2015 eine Trendwende erreicht werden. Mit den gegenwärtigen Emissionsminderungszielen der über 120 Länder, die bisher die Kopenhagen-Vereinbarung unterstützen, kann das angestrebte 2 Grad Ziel allerdings nicht eingehalten werden, schließt das Bundesministerium in seiner Stellungnahme. (Statement vom August 2011). Und nun? Ende im Gelände? Ich weiß es nicht.

Selbstverständlich kann man auch als Einzelner etwas tun: Hier gibts zehn simple Tipps, wie man zu Hause nicht nur CO2 sondern auch Geld spart. Doch neben weniger Auto fahren und Recycling kann man natürlich auch seinen Fleischkonsum reduzieren. Denn die Nachfrage nach Sojabohnen zur Tiermast trägt zur Schädigung des Amazonasgebietes bei. Zudem entstehen bei der Produktion von einem Kilogramm Fleisch Gase mit einer Treibhauswirkung, die die der von etwa 36 Kilogramm Kohlendioxid entspricht. (Quelle) Sinnvoll wäre zum Beispiel die Rückkehr zum Sonntagsbraten. Denn zuersteinmal müssen wir uns an die eigene Nase fassen: Würden alle Menschen weltweit so viel CO2 freisetzen wie der durchschnittliche Deutsche, wären vier Planeten nötig. (Quelle). Ob solche Maßnahmen in der Praxis in größerem Rahmen etwas bewirken würden – keine Ahnung. Aber eine Trendwende wäre greifbarer. Und die ist notwendig, denn wir haben kürzlich die 7 Milliarden Grenze der Weltbevölkerung überschritten. Wenn wir weiter an unseren natürlichen Lebensbedingungen herumpfuschen, sägen wir an dem Ast auf dem wir sitzen. Denn ändert sich beispielweise das Klima in der vorherberechneten Weise, sind weitaus weniger Regionen für uns bewohnbar als jetzt. Natürlich betrifft das vor allem erstmal die Entwicklungsländer, die jetzt schon teilweise hungern müssen. Aber das ist uns ja egal, nicht wahr? Wir können ja zu Weihnachten wieder ein paar Euro an Kinder in Not  spenden und alles ist wieder in Ordnung.

Mehr Lesestoff:

Autor: Jea

// Leipzig, Germany // vegan // forming digital mindscapes //

4 Kommentare zu „Was kümmert mich der Regenwald?“

  1. Äh, ne Frage mal : Vermisst du eigentlich den nordischen (Eichen-)Urwald, der noch vor 10 000 Jahren ganz bestimmt genau an der Stelle stand, wo du heute dein Bett, deine Heizung, deinen Veganfraß und vor allem deinen PC stehen hast ?

    Kein Mensch braucht den Regenwald ! Und am allerwenigsten diejenigen Menschen, die direkt dort vor Ort um ihre Existenz kämpfen. Die brauchen ganz was anderes, nämlich Strassen, Häuser, Autos, Schulen, Krankenhäuser und viel viel Fleisch…

    1. Hallo Pummelpups, ich gehe davon aus dass du Ökologe bist und dich ziemlich gut mit Regenwäldern auskennst – denn sonst würdest du ja sicherlich nicht so eine gewagte Aussage treffen. Kannst du deine Theorie, dass kein Mensch den Regenwald braucht, etwas näher erläutern? Soweit ich weiß brauchen wir ihn nämlich zum Atmen.

    2. In dieser prähistorischen Zeit gab es btw noch keine 7 Milliarden Menschen auf der Erde, die – zusammen mit anderen Faktoren – momentan ein Umdenken erfordern.
      Die Menschheit insgesamt würde das vielleicht trotzdem überleben. Aber die Menschen vor Ort, von denen du so fürsorglich sprichst, würde es wohl am meisten treffen, da ihr Lebensraum verwüstet, das Meer sauer und die Luft zum Atmen zu stickig wird.

  2. „Im gleichen Buch summierte sich übrigens der Preis eines Hamburgers, ohne all die Subventionen und nur mit realen Kosten gerechnet, auf 200 Dollar (…).“

    Absolut richtig! Ich kann zu dem Thema auch diesen Artikel über den „wahren Preis der Dinge“ empfehlen: http://mnmlist.com/the-true-cost-of-stuff/

    Und wir müssen auch nicht glauben, dass wir mit unserer „Möglichst-Billig-Mentalität“ nur auf Kosten zukünftiger Generationen leben. Wir zahlen den wahren Preis der Dinge schon heute, bloß merken es die wenigsten – siehe z.B. die explodierenden Kosten unserer Gesundheitssysteme.

    Danke für diesen Beitrag!

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