Post von PETA

Das „Vegan-Probeabo“ von PETA, das eigentlich nichts anderes ist, als ein Newsletter, der einen über einen Monat mit Tipps, Infos und Zuspruch versorgt, habe ich sehr gern in Anspruch genommen. Nach den 30 Tagen erhielt ich eine Art Zertifikat und unter anderem auch die Aufforderung, zu schreiben, ob ich weitermache oder nicht und welche Gründe es dafür gibt. Das kam mir sehr gelegen, denn wie den meisten Anfängern schwirrten mir ein paar Fragen im Kopf herum, die ich mir immer wieder stellte ohne eine Antwort zu finden. Hier lest ihr meine Mail sowie die Antwort von PETA.

Hallo,

ja, ich verfolge mein Veggie-Experiment weiter und habe auch einen Blog dazu eingerichtet, weil mir so viel durch den Kopf geht seit ich angefangen habe und ich nicht ständig meine Umwelt belästigen will😉 Hier die Adresse:  https://achtungpflanzenfresser.wordpress.com/ Euer Probeabo mit dem Newsletter finde ich großartig und hab ihn auch gleich mit eingebunden.  Ich bin sehr froh dass es das Internet gibt, denn im normalen Leben wird man angesehen, als wäre man in einen Hungerstreik getreten, wenn man sagt dass man sich vegan ernährt. Im Netz findet man aber viele tolle Blogs (deswegen hab ich jetzt auch einen) und wertvolle Infos, die alles viel einfacher machen. Ich war als Jugendliche mal ein paar Jahre Vegetarier und habe irgendwann aufgegeben, weil ich immer mehr das Gefühl hatte, dass mein Tun überhaupt nichts bewirkt. Jetzt bin ich *cold-turkey* von Normalesser auf vegan umgestiegen und fühle mich sehr gut damit, allerdings macht es mich auch wahnsinnig traurig, je mehr ich über die Zustände der Nutztierhaltung recherchiere.

Ein paar Fragen sind dennoch offen. Von den ethischen Gründen mal abgesehen – Massentierhaltung ist unter allen Umständen abzulehnen! – frage ich mich trotzdem, wie viel es im Endeffekt wirklich ausmacht, wenn ich jetzt keine tierischen Produkte mehr kaufe – bringt das was im Kleinen oder entsteht da nicht einfach noch mehr Lebensmittelmüll? Oder wenn es im größeren Umfang Veganer gäbe, würde man das Fleisch dann nicht einfach woandershin verkaufen, wo man das Fleisch haben will? Steckt der Fehler nicht im System selbst, das auf immer mehr Profit ausgerichtet ist?

Und abgesehen davon hat irgendwie keiner Lust darüber nachzudenken, was er da eigentlich isst. Man schwimmt als einziger gegen einen riesigen Strom an. Es ist der gegenwärtige Normalzustand (so traurig es ist), Fleisch zu essen und nicht wirklich darüber nachzudenken. Es gibt Leute, die sich über die in 20 Jahren leergefischten Meere aufregen. Man sieht sie an, während sie mit diesen schockierenden Fakten um sich werfen und sogar meinen, sie wollten lieber keine Kinder in die Welt setzen, und man wartet und erwartet, dass es doch einfach jetzt Klick machen muss! Den nächsten Schritt gehen! Aber es macht einfach nicht Klick. Das ist so verfahren.

Und die Sache mit dem Welthunger, der wohl gelöst werden könnte, würde man die sonst verfütterte Getreide-und Sojaernte gleich den Menschen geben: Würde man das machen? Oder würde wegen weniger Nachfrage nicht einfach nur andere Sachen angebaut (Raps für Biodiesel oder so) und der Regenwald gnadenlos weiter abgeholzt? Weil es einfach allen egal ist, so lange nur es nur Profit abwirft und es wohl keiner merkt, bis es zu spät ist? Dazu jetzt gerade erst am Freitag im SPON: „Kohlendioxid-Ausstoß steigt rasanter als je zuvor“ http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/0,1518,795806,00.html

Vielleicht könnt ihr mir bei meinem Gedankenkarussell helfen🙂

Liebe Grüße

Jane

Und hier die Antwort von Carina von PETA2, über die ich mich echt gefreut habe und auf die ich auch nicht lange warten musste.

Hey Jane,

wow – einen coolen Blog hast du!
Zu deinen Fragen: Also wenn man mal ehrlich ist, dann merkt man ziemlich schnell dass der stille Boykott von tierischen Produkten keine wirklichen Auswirkungen hat. Das Prinzip von Angebot und Nachfrage greift in dem Fall auch nicht, denn die starken Subventionen heben die Agrarindustrie darüber. Trotzdem ist Veganismus natürlich nicht für die Katz! Erstens ist es für Dich viel gesünder und zweitens lebst du ja ob du willst oder nicht, anderen Leuten deine Ernährungsweise vor. Die Leute in deinem Dunstkreis werden anfangen dich zu befragen und werden wenn es gut läuft ihre eigenen Ernährungsmuster überdenken. Je mehr Veganismus zum Massenphänomen wird, desto eher werden sich Firmen danach ausrichten. Es ist ja schon zu bemerken, dass es immer mehr vegetarische und vor allem vegane Produkte gibt. Wichtig ist es meiner Meinung nach auf jeden Fall auch mit seinem Veganismus nach Außen zu gehen und Leute zu informieren, sich politisch zu engagieren.

Am allerwichtigsten finde ich persönlich, dass man nicht zu einem „Lifestyle-Veganer“ wird, sondern immer auch das Politische dahinter sieht. Die Tierrechte und das Machtverhältnis zwischen Mensch und Tier. Das wird nämlich nur durch reinen Verzicht nicht ausgeschaltet. Das bedeut natürlich auch viel Sebstreflexion.
Kritische Texte findest du u.a. von Susann Witt-Stahl
http://www.tierrechts-aktion-nord.de/texte/speziesismus.html Obwohl ich nicht mit allem was sie sagt konform gehe, so hat sie mir trotzdem einige gute Denkanstöße gegeben. Vielleicht ist das ja bei dir auch so? Und zu dem Welthunger: es ist wahnsinng traurig und frustrierend zu
sehen was für Unmengen an Nahrungsmitteln aus dem globalen Süden in den globalen Norden exportiert werden nur um hier die Tiere zu füttern, die später auf dem Teller landen oder unsere Autotanks zu füllen, während jede Minute Hunderte von Menschen verhungern.
Trotzdem ist es leider nicht so einfach wie sich viele Vorstellen. A la „wenn heute alle Vegan werden würde, würde niemand mehr hungern“. Das Ganze hat viel globalere Ausmaße. Am Beispiel Afrika: Dadurch, dass die
Agrarwirtschaft in Europa und gerade in Deutschland so massiv staatlich subventioniert wird, ist es für Anwohner in Afrika einfach billiger importierte Ware zu kaufen, als die aus ihrer regionalen Produktion.

Ich weiß nicht, ob ich dir helfen konnte. Ich hoffe aber, dass ich dir ein paar Denkanstöße geben konnte.

Bleib vegan & spread the word!🙂

Ganz viele Grüße
Carina

Autor: Jea

// Leipzig, Germany // vegan // forming digital mindscapes //

5 Kommentare zu „Post von PETA“

  1. Du sprichst mir aus der Seele hiermit:

    Man sieht sie an, während sie mit diesen schockierenden Fakten um sich werfen und sogar meinen, sie wollten lieber keine Kinder in die Welt setzen, und man wartet und erwartet, dass es doch einfach jetzt Klick machen muss! Den nächsten Schritt gehen! Aber es macht einfach nicht Klick.

    Das habe ich schon soooo oft erlebt und ich empfinde es als schwierig damit umzugehen, weil ich die Menschen in dem Moment am liebsten packen und schütteln tät. Macht sich aber schlecht.

    Ich verstehe auch Deine anderen Argumente, sehe es aber eigentlich wie die Antwort von Peta: Man soll nicht einfach still und leise vor sich hin „veganieren“ sondern kommunizieren was man tut, erklären, vorleben, vorkochen… und wenn auch nur einige im Umfeld ein wenig was ändern, im besten Fall sogar selber ihre Ernährung komplett auf vegan umstellen, hat man was bewirkt. Und desto mehr Veganer es gibt (bzw. natürlich auch Vegetarier) desto mehr wird durch dieses Konsumverhalten auch bewirkt. Klar, wir erleben das Umdrehen der Welt wohl nicht mehr… aber es ist es trotzdem wert, dafür zu kämpfen.

    Last but not least tue ich es für meine Seele. Ich möchte so weit es geht reinen Gewissens sein und eine reine Seele haben. So dass ich, sollte es ein Leben nach dem Tod geben, den Tierseelen gegenüberstehen kann und sehe, sie sehen, dass ich alles getan habe was mir möglich war um sie zu schützen.

    1. Ja, Karen Duve hat in einem Interview gesagt gesagt: „Dass man es nicht 100%ig gut und perfekt machen kann, dass heißt ja nicht, dass man nicht versuchen sollte es wenigstens besser zu machen.“ ( http://www.youtube.com/watch?v=5_SQbTmAKn0 )
      Und ich glaube eigentlich auch, dass eine Änderung im Konsumverhalten auf jeden Fall auch beim Produzenten ankommt, die spüren das durchaus schmerzlich, je mehr Leute ihren Kopf einschalten beim einkaufen. Die Frage ist nur, welche Konsequenzen sie daraus ziehen.

  2. Guter Artikel und super, dass Peta2 so schnell reagiert hat. Allerdings vertreten sie ja auch die Ansicht, dass man ständig und überall auch politisch werden sollte, sprich gegenüber den Mitmenschen u.a. auch Familie, Freunde und überhaupt die vegane Idee und die Tierrechte nach außen hin tragen sollte. Und genau diesen Punkt finde ich schwierig. Wie informiert man ohne „erhobenen Zeigefinder“? Denn genau dann fühlen sich alle anderen meistens angegriffen, manchmal schon durch die Tatsache, dass es Vereine wie Peta und Co. oder auch veganer Blogger gibt. Was ist mit den Mitmenschen, die sich nicht dafür interessieren oder wenn doch, trotzdem ihr Verhalten nicht ändern können/wollen?! Sollte man das Thema immer wieder ansprechen und Gefahr laufen irgendwann nur noch als Nervensäge und Moralapostel zu gelten und gemieden zu werden. Dann hat man zwar seiner Einstellung Luft verschafft, steht dann aber ohne Freunde da?! Vorleben ist ja schön uns gut, und das ist auch das Sinnvollste wie ich finde, weil es anderen zeigt, dass es möglich ist vegan zu leben und seine Gewohnheiten zu ändern, aber ständiges Informieren wo schon Hopfen und Malz verloren ist oder auch ständig nach Außen zu tragen, dass man Veganer/in sei, finde ich schwierig.

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