10 Wochen Veggie-Experiment – Bisherige Ergebnisse

Vor etwa 10 Wochen habe ich die Umstellung meiner Ernährung auf rein pflanzlich begonnen. Ich nenne das offiziell mein „Veggie-Experiment“ weil das nicht ganz so bedrohlich klingt. Das Wort „vegan“ ist ja nun leider etwas negativ behaftet – der militante Veganer, der auf einmal die normale Ordnung in Frage stellt und am Ende auch noch Recht haben könnte – der hat schon eine ziemlich abschreckende Wirkung. Nach rund zehn Wochen ist ein kleiner Zwischenbericht fällig. Die Ziele meines Experiments sind unter „About me“ nachzulesen.

Nun zu meinen Recherche-Ergebnissen:

– Es ist tatsächlich ungesund, so viele tierische Produkte zu essen, wie allgemein üblich. Nämlich 3-5 Mal am Tag, angefangen vom Naturjoghurt im Früchtemüsli, über das Pausenbrot mit Käse- oder Wurstbelag, ein Stück Kuchen zum Kaffee und eine Runde Spaghetti Bolognese zum Abendessen. Als äußerst gesund gilt hingegen ein sehr hoher Anteil an Obst und Gemüse sowie Vollkornprodukten. Selbst die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt fünf Mal am Tag Obst und Gemüse und meint: „Mehr als 300-600 Gramm Fleisch und Wurst pro Woche sollten es nicht sein.“ Ob der Körper ganz und gar ohne tierische Produkte besser dran ist, konnte ich bisher noch nicht abschließend klären.

– Sicher ist auch, dass unser hohe Verzehr von tierischen Produkten enorme Auswirkungen auf unsere Umwelt hat und zwar von der ganz schlimmen Sorte. „Die Landwirtschaft (wird) auf lange Zeit der Hauptverursacher der ‚Luftverschmutzung‘ sein (und bleiben)“, schlussfolgert Prof. Möller in seinem Bericht für die Bundeszentrale für politische Bildung. Und Bio ist leider keine Lösung. Nicht nur dass die Meere in weniger als 50 Jahren leergefischt sein werden; ob Bodenerosion, Luftverschmutzung, Wassermangel und Trinkwasserverseuchung, Verlust der Biodiversität und Erderwärmung – der Zusammenhang der Nutztierhaltung und Umweltproblemen ist bekannt – und extrem alarmierend, denn der CO2-Ausstoß steigt trotz aller Bemühungen rasanter als je zuvor!  „2007 hatten Mitarbeiter des Uno-Weltklimarats IPCC ihren letzten Sachstandsbericht vorgelegt. Bereits damals berechneten die Forscher vier verschiedene mögliche Szenarien. Doch selbst die düsterste der vier Prognosen ist nunmehr übertroffen.“, so Spiegel Online erst am 4.11.2011.

– Eindeutig belegbar ist auch, dass auch in Deutschland Haltungs- und Schlachtbedingungen für Nutztiere nur mit „grausam“ beschrieben werden können. Der Frontal 21-Bericht des ZDF berichtet über die Vorgänge in deutschen Schlachthöfen. Die Tiere werden teilweise nicht richtig betäubt, falsch abgestochen und gelangen bei Bewusstsein in die Produktionsmaschinerie. Bio-Tieren geht es dabei nicht besser. Grund ist die massenhafte Produktion, die den Arbeitern zu wenig Zeit pro Tier lässt. Die Nachfrage nach Fleisch und Tierprodukten ist unverändert hoch. Nur zahlen will man am liebsten so wenig wie möglich. Also wird auf Masse gesetzt und schnell viel produziert, das geht aber nur mit dem System „Massentierhaltung“. Das Tierleiden schlägt sich auch in der Fleischqualität nieder: die leidet nämlich auch.

– Auch wichtig: Seit meiner Umstellung fühle ich mich definitiv besser als zuvor. Ich bin wacher, aufnahmebereiter, habe mehr Lust zu sporteln, der Alltag ist so natürlich auch leichter zu bewältigen. Ich koche jetzt sogar gern, lerne Neues kennen und komme auch in schwierigeren Situationen immer besser zurecht (auswärts essen, doofe Sprüche). Ich sehe also überhaupt keinen Grund aufzuhören.

Ich stecke noch immer knietief im Lesestoff, und versuche, möglichst neutrale Quellen zu integrieren und natürlich auch die Argumente der Gegenseite zu beleuchten. Interessanterweise fand ich in einer Seite namens „antiVeganWiki“, der als Symbol eine Erdkugel aus Fleisch präsentiert, einen langen, durchaus vernünftigen Erfahrungsbericht von jemandem, der auch monatelang ein Vegan-Experiment gemacht hat. Der Bericht endete damit, dass sich derjenige zum 90 Prozent weiter pflanzlich ernähren will. Und das in einem Anti-Vegan-Wiki? Interessant!😀

Weiterlesen: „Ein Jahr vegan – inklusive Bluttest“

Autor: Jea

// Leipzig, Germany // vegan // forming digital mindscapes //

10 Kommentare zu „10 Wochen Veggie-Experiment – Bisherige Ergebnisse“

  1. Herzliche Gratulation zu 10 Wochen veganem Leben🙂
    Ich finde es sehr interessant, dass auch Du Dein neues Lebensgefühl mit „wacher“ umschreibst, da ich selber diesen Begriff auch sehr oft brauche. Liegt es daran, dass man die Welt wacher sieht wenn man sie nicht durch die rosarote Brille sieht? Oder ist man körperlich wacher weil einem die tierischen Produkte mit ihrem Leid, dass in ihnen steckt, gute Energie klaut? Spannend spannend.
    Ich freue mich auf weitere vegane Wochen mit Dir🙂

  2. Hey den Artikel im Antivegan-Forum hatte ich auch mal gelesen. Ich finde es immer noch bemerkenswert, dass es dieses Forum gibt und so viele Leute dort aktiv sind… 80000 Beiträge, 2700 Mitglieder, Stammtische? Wahnsinn. Es gibt so vieles, wogegen es sich zu kämpfen lohnt. Aber Veganismus? Nicht auszudenken was passieren würde, wenn all diese Menschen ihre Energie einmal in sinnvolle Projekte investieren würden.

    1. 😀 Das ist wahr! ich glaube, es macht die Leute einfach wütend, wenn einer daherkommt und zeigt dass es auch anders geht und sie am Ende auch noch Recht haben könnten. Und wir sinds ja soo gewöhnt, Tiere zu essen, wir sind die Krone der Schöpfung, wir haben unser Gehirn nur weil wir Fleisch braten lernten…blabla….wir machen den Leuten ihre schöne Grillparty kaputt! Natürlich formieren sie eine Gegenwehr!
      Allerdings gibt es bestimmt auch Veganer, die allzu missionarisch und wütend vorgehen und so umso mehr Widerspruch erregen. Hab ich zwar bisher noch nicht getroffen, aber gibts bestimmt.

      1. Klar, wir sind ihr schlechtes Gewissen🙂

        Das mit den missionarischen/wütenden Veganern ist eine schwierige Sache. Einerseits braucht es Extreme, um das Thema und alles was damit zusammenhängt (Hunger, Tiere, Umwelt) ins öffentliche Bewusstsein zu rücken – siehe Peta. Andererseits kann ich mir einfach nicht vorstellen, dass bislang auch nur ein einziger Fleischesser zum Vegetarier geworden ist, weil er als Tiermörder oder Leichenfresser beschimpft wurde und ihm dann plötzlich ein Licht aufgegangen ist.

  3. Ich bin neulich irgendwann per Zufall auf das Antiveganforum gestossen und habe für mich beschlossen, ne, da halt ich mich nicht auf. Wie Du sagst Daniel, unglaublich worauf Menschen ihre Energie verschwenden…

  4. Das mit dem „wacher“ und „fitter“ kann ich nur bestätigen. Ich habe meine Ernährung im September 2010 umgestellt, und seit dem nie wieder dieses Mittagsloch. Klar, es gibt Tage, da bin ich auch müde und fertig, aber das liegt dann an anderen Dingen. Und das Gefühl – egal wie viel ich gegessen habe – sich so gut wie nie „übervoll“ zu fühlen, das will ich auch nicht mehr missen🙂

  5. Hi! Ich habe seit einigen Monaten umgestellt und mit total zufrieden! Nur eine Sache geht mir auf´n Keks: Ich mag gerne Getreidekaffee. Der flockt aber mit Hafermilch. Ich mag keine Sojamilch und Reismilch ist so dünn. Hat da jemand nen Trick?

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s