Warum vegan? Pflanzenhass! Reiner Pflanzenhass!

Mir wurde auf meiner Facebook-Page vor kurzem die Frage gestellt, wieso ich stolz darauf wäre, Pflanzen zu vernichten. Offenbar ist mein Blog-Titel doch missverständlicher als ich dachte – oder Humor transportiert sich wirklich nicht gut im Internet. Meine Seite soll die vegane Küche als Erweiterung des Speiseplans, nicht als Verzicht oder Zwang darstellen. Es soll keiner ausgeschlossen, sondern jeder ermutigt werden, sich mehr oder möglichst ganz pflanzlich zu ernähren. Dahinter steht natürlich neben möglichen gesundheitlichen Vorteilen auch das Vermeiden von Tierleid – so gut es eben möglich ist und egal, wie theoretisch dieses Anliegen sein mag. Mit Stolz hat das wenig zu tun, mir vergeht angesichts dessen, was in der Welt vor sich geht, jede Form von Stolz…



Wie auch der Artgenosse im Video so schön zusammenfasst, ist nicht nachgewiesen, dass Pflanzen ein Nervensystem haben und Schmerzen empfinden. Und selbst wenn dies so sein sollte, fressen doch Nutztiere ebenso Pflanzen (und davon nicht wenige). So würde sich das pflanzliche Leid noch mit dem der Tiere multiplizieren. Sollte sich also jemand Sorgen um Pflanzen machen, müsste er erst recht Pflanzenfresser werden, wenn er den Schaden nicht noch um ein Vielfaches vermehren möchte. Leider zeigte sich der Fragende und sein Anhang als einigermaßen argumentationsresistent, d.h. ging nicht wirklich auf diese Aussagen ein. Nach und nach stellte sich aber heraus, dass es ihm vor allem darum ging, dass alle Lebenwesen gleichzustellen sind, Pflanzen also nicht weniger wert sind als Tiere. Und ja, er zöge auch Konsequenzen aus seinen Ansichten: “Ich tue keiner Pflanze etwas zuleide, wenn es sich nicht vermeiden lässt (sprich: wenn es zum Überleben notwendig ist). Ich bevorzuge Früchte gegenüber allem Pflanzlichen, das durch den Verzehr komplett stirbt. In meine Wohnung kommen keine Schnittblumen. Eine Zimmerpflanze hat für mich die gleiche Priorität wie ein Haustier. Wenn jemand Pflanzen misshandelt, setze ich mich mit demjenigen auseinander.”

Tod der Petersilie!

Lauf, Petersilie, lauf!


Er erinnert mich damit an die Frutarier oder Fruktarier, die sich auch vegan ernähren, aber nur diese Pflanzen, die sie essen können, ohne sie damit zu zerstören. Früchte, Nüsse und Samen sind also ok, weil die Pflanze danach noch weiterlebt, manche essen auch Getreide, da es bei der Ernte schon abgestorben ist. Knollen, Blätter oder Wurzeln hingegen stehen nicht auf den Speiseplan. Neben den üblichen ökologischen und ethischen Aspekten scheint es hier noch einen philosophischen zu geben, und in dem speziellen Fall eben die Gleichstellung. Leider scheinen Menschen anderer Meinung nicht in sein gleichstellendes Weltbild zu passen, da er einer Kommentatorin schrieb, sie solle sich lieber umbringen, das wäre ein Vorteil für alle Pflanzen und Tiere. Aber abgesehen von diesen Ausfällen hat er nicht ganz unrecht – wenn ich auch nicht weiß, wie er darauf kommt, dass ich Pflanzen nicht achte, nur weil ich sie esse (n muss). Denn das tue ich natürlich, aber ich verbringe meine Freizeit nicht gerade damit, wehrlose Gänseblümchen zu köpfen, Bäume zu fällen und mit Kohlköpfen Weitwurf zu veranstalten. Sicher behandle ich sie anders als Tiere, eben weil ich nach derzeitigem Stand der Wissenschaft davon ausgehe, dass Pflanzen kein Leid empfinden, wenn auch einige Wissenschaftlicher zu beweisen suchen, dass sie durchaus sehen, hören und kommunizieren können. Schmerzen haben sie aber offenbar nicht. Ich schneide Tomaten zu Salat klein, ja mittendurch! ich beiße Äpfel und futtere ganze Blumenkohlköpfe, wenn mir danach ist! Die Petersilie steht auch nicht nur zur Deko am Küchenfenster. Ist diese Einstellung bigott? ich weiß es nicht. Für mich ist es nur logisch. Wie seht ihr das?

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Soja oder kein Soja – das ist hier die Frage!

Ein unheimlich beliebtes Thema für alle Fleischverweigerer, da ja nunmal so ziemlich jedes zweite “Ersatz”-Produkt aus Sojaderivaten besteht. Dazu kommt noch, dass die Soja-Diskussion die ganze Bandbreite an wissenschaftlichen Halbweisheiten und Vermarktungsstrategien abbildet, die in der Lebensmittelbranche so gern instrumentalisiert werden: Auf der einen Seite wird Soja über den grünen Klee gelobt, soll Krebs vorbeugen und das Risiko von Herzerkrankungen reduzieren – auf der anderen wird es als Sondergiftmüll bezeichnet. Beim Konsumenten bleibt am Ende nur noch Verwirrung – und auch hier auf meinen Blog tauchte die Frage immer wieder auf, so dass ein Post dazu längst überfällig ist. :)

Soja ist das Ersatzprodukt schlechthin: Soja-Joghurt und -milch, Tofu-Würstchen, Sojaschnetzel und mehr, die Bohne rangiert in Sachen Vielseitigkeit weit vor Lupine, Weizenprotein und Reis oder …äh… Quorn . Man kommt als Veganer kaum drumherum. Das merken vor allem diejenigen, die allergisch drauf reagieren. In der Praxis ist es gar nicht so einfach, auf der Karte eines Veggie-Restaurants etwas ohne Soja zu finden, wie ich selbst festellen musste. Zwei meiner besten Freundinnen haben nämlich eine Soja-Allergie - merkwürdig, denn sie sind beide Normalesser, kommen also vermeintlich kaum in Kontakt mit Soja. Doch Soja ist in unzähligen, verarbeiteten Normalo-Produkten drin, etwa Hamburgern, Würstchen, Milcherzeugnissen, Gebäck, z.B. in Form von Sojaöl und Lecithin. Und es wird nicht mal deklariert, etwa wenn der Bäcker Vorprodukte mit Soja nutzt, damit Brötchen und Toastbrot schön weiß strahlen. Der Unterschied: es geht hier um Extrakte, um Teile der Sojabohne, um stark verarbeitete Produkte. In ihrer eigentlichen Form ist die Sojabohne eine Hülsenfrucht von vielen, also genau wie Linsen oder Erbsen. Sie enthält viele mehrfach ungesättigten Fettsäuren, ist kalium- und magnesiumreich, und enthält viel Vitamin B1, B2, Folsäure und Vitamin A, E sowie Ballaststoffe. Bei Veggies ist sie vor allem für ihren hohen Gehalt an Protein beliebt (34,3 g pro 100g) und sie enthält alle essentiellen Aminosäuren.

Wie andere Pflanzen auch, enthält auch die Sojabohne einige Stoffe zur Abwehr von Fraßfeinden, etwa Lektine, Protease- und Enzymhemmer (Trypsininhibitoren), Oxalate und Phytate. Um diese Stoffe muss man sich aber kaum sorgen, denn sie werden bei der Verarbeitung zerstört (z.B. Erhitzen) bzw. sind in normalen Mengen unschädlich. Außerdem enthält Soja Isoflavonoide (Genistein, Daidzein, Glycitein), das sind Phytoöstrogene, also Stoffe, die dem Hormon Östrogen ähnlich sind. Von diesen hieß es anfangs, dass sie supergesund seien, also kamen sie in extrahierter Form als Nahrungsergänzungsmittel auf den Markt. Ziemlich schnell stellte man in weiteren Studien allerdings fest, dass zu viel des Guten entweder gar keinen Effekt hat oder ihn offenbar sogar noch umkehren kann. Auch hier wurde nicht die Wirkung normalen Sojakonsums untersucht, sondern isolierte Isoflavonoide in hoher Dosis – in Tierversuchen versteht sich. In Beliveaus Buch “Krebszellen mögen keine Himbeeren” (155ff)  kann man das (und noch einiges mehr) ausführlich nachlesen.  Soll heißen, das, was man als Nahrungsergänzungsmittel mit hochdosierten, extrahierten Isoflavoniden bekommt, ist nicht notwendigerweise gesundheitsfördernd. Normaler Konsum von Sojaprodukten hingegen hat womöglich tatsächlich gesundheitliche Vorteile. So könne Soja vor Brustkrebs und Osteoporose schützen, besonders wenn schon in jungen Jahren regelmäßig Sojaprodukte verzehrt werden. Durch seinen cholesterinsenkenden Effekt kann Soja auch vor Herzkrankheiten und Diabetes schützen, wie auch in “Becoming Vegan” (71) nachzulesen ist. Dort ist außerdem ist dort von vorteilhaften Effekten bei Nierenkrankheiten die Rede. In “Vegan For Life” beschäftigt sich gleich ein ganzes Kapitel mit der Frage “Is it safe to eat soy?” (205 ff). Den Autoren zufolge, zeigen die meisten Studien, dass 25 g Soja-Protein (entspricht drei Portionen traditioneller Sojaprodukte) das Cholesterin senken, aber auch weniger davon hat bereits positive Effekte. Es gebe zudem Hinweise darauf, dass Soja vor Prostatakrebs schützt, die kognitiven Fähigkeiten erhält und Hitzewallungen mildert. Die in Soja enthaltenen Goitrogene können die Schilddrüsenfunktion beeinträchtigen, allerdings ist das nur der Fall, wenn die Jodaufnahme beschränkt ist, heißt es weiter. Diese Befürchtungen entstanden ausschließlich bei Tierversuchen, bei Studien mit Menschen habe man keinerlei negative Effekte bei gesunden Menschen nachweisen können (S. 213). Die Gerüchte, dass das Phytoöstrogen sich negativ auf das Testeronlevel auswirkt und zur Verweiblichung führt, wird nicht durch Forschungsergebnisse gestützt, ist also unbegründet. Tatsächlich stehen Isoflavone im Verdacht, bei niedriger Spermienanzahl hilfreich zu sein (214).  Auch in Sachen Säuglingsnahrung mit Soja gab es erst kürzlich endlich Entwarnung, als eine neue Meta-Studie zu dem Schluss kam, dass keine Nachteile gegenüber normaler Säuglingsnahrung zu befürchten sind.

Soja hat also die so typische Laufbahn von Superfoods hingelegt: es wird ein Hype erzeugt, der das Produkt als Wundermittel deklariert. Dann werden die gehypten Stoffe extrahiert und als Tabletten auf den Markt gebracht, weil so vermeintlich auch die Wirkung gesteigert werden kann - in Wirklichkeit wird natürlich nur der Gewinn maximiert. Dann stellt sich raus, dass Einzelteile nunmal nicht so wirken wie das vollwertige Lebensmittel und als logische Folge wird das Wundermittel entzaubert, herabgesetzt – bis hin zur völligen Diffamierung durch Verschwörungstheoretiker, die Soja als Sondergiftmüll bezeichnen. Es stimmt natürlich, dass neben Mais auch Soja massenhaft angebaut,  gentechnisch verändert und so verarbeitet wird, dass es auch für Nutztiere, die eigentlich Gras fressen sollten, annehmbar wird (aber wer kann sich bei dem hohen Fleischbedarf schon noch weitläufige Weiden leisten). Soja ist eben extrem vielseitig einsetzbar und  eignet sich hervorragend um für die Nachfrucht Stickstoffdünger zur Verfügung zu stellen. Aber wie schon erwähnt, geht es hierbei vor allem um Tierfutter. In Deutschland erhältliche Sojaprodukte sind fast immer Bio und stammen bevorzugt aus Österreich, Italien, Frankreich und Österreich oder anderen Ländern, aber anders als beim Soja für Nutztiere, nicht aus Regenwaldgebieten. Natürlich lässt sich auch als Bio-versessener Veganer nicht ganz verhindern, dass man auch dieses Soja unfreiwillig mitverzehrt, da es sich, wie gesagt, auch gern in dem ein oder anderen Produkt versteckt.

Mit anderen Worten, der Literatur zufolge gibt es keinen Grund, auf Soja zu verzichten, außer man ist allergisch, logisch ;). Es gibt zahlreiche Studien, die auf positive Effekte hinweisen. Negative Folgen sind wohl eher bei isolierten Stoffen zu befürchten, die in Pillenform überdosiert daherkommen. Sojakritiker erwähnen gern Studien, die nachweisen, dass Soja die Fruchtbarkeit von Männern verringert oder Tofu zu Demenz führe. Diese Vorwürfe sind hart, aber einer genaueren Prüfung halten diese Studien nicht stand, wie ich hier bereits ausgeführt habe. Wenn ihr anderes gelesen habt, immer her mit den Links, ich bin immer bereit dazuzulernen. In der Wissenschaft ist das letzte Wort nie gesprochen, schon gar nicht in der Ernährungswissenschaft. Bis dahin gilt für mich: Die Dosis macht das Gift. Würde ich ausschließlich von Tomaten leben, wäre das auch alles andere als gesund. Die Autoren von “Vegan for Life” empfehlen bis zu 3-4 Portionen Soja-Produkte pro Tag (S. 215) und meinen damit die traditionelleren, wie Tofu, Sojamilch oder Tempeh. Das erscheint mir persönlich schon fast ein bißchen viel, zumal man ja auch als Veganer verstecktes Soja in Form von Extraktionen (Lecitine, Sojaöl) zu sich nimmt. Es hilft wohl am meisten, die Sojabohne als eine von vielen anzusehen: neben Linsen, Erbsen, Bohnen etc. immer schön Abwechslung auf den Speiseplan zu bringen und wenn schon Soja, dann möglichst in den weniger verarbeiteten Formen und alles andere eher im Ausnahmefall.

 

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Rohvegan – Claudia Renner

Fast schon HerbstIch strecke die Hand aus und bewege meine Finger im Licht, in den letzten sommerwarmen Strahlen. Lange hab ich gezögert, mich durch das Buch von der lieben Claudi von “Claudi goes vegan!” zu testen, das sie mir schon vor einiger Zeit zugeschickt hatte. Zwar wollte ich die Rezeptetesterei ohnehin auf den Sommer verlegen, da sich Rohveganes meiner Meinung nach am besten in der heißen Zeit des Jahres macht. Aber nach meinen zum Teil geglückten, aber zum Teil auch weniger erfolgreichen Experimenten mit Rohkost im letzten Jahr, war ich irgendwie doch nicht mehr so heiß drauf, mich der kalte Küche erneut zu widmen. Mühsam geschichtete rohe Lasagne, wahnsinnig viel Nussmus und Bauchweh von zu viel Avocado – das alles war mir noch zu gut in Erinnerung. Und dass man nicht unbedingt alles roh essen muss oder sollte, um gesund zu bleiben, hatte ich ja ebenfalls schon recherchiert. Mir persönlich reicht es, täglich einen schönen Salat ins Tagesmenü einzubauen (wobei Salat ein ziemlich dehnbarer Begriff ist). Aber ehrlich, wenn ich mich nicht bewusst durch Rezepte teste, esse ich entweder immer so ziemlich das Gleiche oder ich fange an, ins vegane Junk Food zurückzufallen, weil ich zu spät merke dass ich Hunger habe und dann sofort was her muss. Meine wieder enger gewordenen Hosen zeugen von dieser Phase…*seufz* Schließlich machte ich mich doch daran, das Büchlein zu lesen, und sei es nur, weil es mich monatelang mit großen Schafaugen gespannt ansah. Die Rezepte Ich gehe beim Rezeptbuch-Testen gern methodisch vor. Ein bißchen Disziplin muss sein, damit der kleine Chaot in mir es auch wirklich durchzieht :D Ich schreibe mir die Namen der Rezepte heraus, auf die ich Lust habe – mit Seitenzahl und vermerke darunter jeweils klein die noch zu besorgenden Zutaten. So habe ich etwas mehr Übersicht. Da fällt mir auf: Warum gibt es hier kein Rezepteverzeichnis? Hm… Einige von Claudis Rezepten kannte ich schon durch die Roh-Experimente des letzten Jahres. Grüne Smoothies, Gazpacho, Gemüsenudeln, Lasagne, Chia Pudding, Schokoladenmousse, Eis und rohe Törtchen. Anderes war neu: Gefüllte Paprika oder Pilze, Vushi, Zucchiniröllchen, Schoko-Pralinen, Mangold-Chips, Knäckebro(h)t und Mandelmilch zum Selbermachen.

Beim ersten Durchblättern fällt das an ihren Blog orientierte Design auf, alles übersichtlich strukturiert mit recht ansprechenden Fotos zu jedem Rezept. Und man bemerkt schon den ersten Vorteil roher Küche, den ich schon fast vergessen hatte: die Zutatenliste ist meist sehr kurz. Im Normalfall braucht man auch nichts Exotisches, da Rohkost nunmal hauptsächlich aus rohem Obst und Gemüse besteht, logisch. Allerdings kommt es hier auch drauf an, wie genau man es nehmen will mit der Rohkost. Wirklich rohe Nüsse, Gewürze, Öle, Kakao, ja sogar Trockenfrüchte sind nicht immer roh im normalen Handel erhältlich, sondern nur über Online-Shops oder spezialisierte Läden. Für meine eigene Testreihe habe ich es hierbei nicht so genau genommen und mir in den Fällen keine extra Sachen bestellt, was aber dem Experiment an sich nicht schadete. Der zweite Vorteil roher Küche, zumindest in Claudis Fall: die Zubereitungszeit ist wahnsinnig kurz! Und dieser geht Hand in Hand mit Nummer drei: sie ist wunderbar einfach. Hier eine Möhre durch den Scheider gedreht, Zutaten in den Mixer fürs Topping, fertig. Oder ein bißchen Gemüse zusammengeschnitten, Soße mixen, done! Und während ich hochmotiviert von so vielen Vorteilen in der Küche hantierte, kam ich mir schon selber ein bißchen dusselig vor, dass ich so lange damit gewartet hatte, es endlich anzugehen. Und ja, es hat geschmeckt, auch wenn ich bei einigen vorher skeptisch war. Ich bin kein Fan von rohen Pilzen, zum Beispiel. Aber Claudis Gefüllte waren einfach fabelhaft! Und Pastinaken liebe ich als Suppe sehr gern, aber roh als Salat? o.O Ich kostete sehr vorsichtig. Und ja, die pure, zerkleinere Pastinake machte nichts her, mit diesem komischen stechenden Nachgeschmack der Wurzel. In der Kombi mit Banane und ein, zwei anderen Sachen in Claudis Rezept – tadaa! Es funktionierte. Ich glaube der einzige Reinfall war wieder der Avocado-Overkill mit der gefüllten Paprika. Ich vertrage die grüne Superfrucht wohl nur in geringen Mengen. Das liegt aber ja nun nicht am Rezept ;) Die Geschichte Rohvegan - Claudia RennerNun ist Claudis Buch aber kein reines Rezeptebuch. “Mein 4-Wochen-Selbstversuch” hat sie es genannt und auch genauso, fast chronologisch, geschrieben. Wie sie auf vegan gekommen ist, dann auf rohvegan, wie sie sich vorbereitet hat, welche Geräte sie benutzt, wo sie Rohköstliches herbekam, welche Gedanken und Sorgen sie bewegten und wie Freunde und Familie auf ihren Selbstversuch reagierten. Das alles macht das Büchlein sympathisch und praxisnah, wobei alles immernoch sehr kompakt gehalten ist. Man findet hier keine endlosen Textwüsten, durch die man sich erst durchwühlen muss. Dazu schreibt sie natürlich über Rohkost selbst: Was dahinter steckt, welche Konzepte es gibt, welche gesundheitlichen Vorteile man hat, wie ein typischer Speiseplan für einen Tag aussieht, wo man mehr Informationen bekommen kann. Besonders hilfreich fand ich auch die Übersicht auf Seite 22/23, mit einer Tabelle von Lebensmitteln, die nicht roh sind und warum und was ihre rohköstlichen Alternativen sind. Insgesamt ist das Buch am besten für die geeignet, die einen unkomplizierten Einstieg in die Rohveganitäten suchen, mal reinschnuppern und  erste, einfache Gerichte kosten möchten. Es vermittelt die Grundlagen sowie leckere Basis-Rezepte. Für alles weitere gibt es ausführlichere Werke. Weiterlesen:

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Vegan Summer Day II: Da geht was, in Leipzig!

Der Sommer war zurückgekehrt, nur für ein Wochenende: Der Vegan Summer Day Nummer Zwo braucht ja schließlich die passende Kulisse. Anders als im letzten Jahr, als der VSD seine Premiere mitten im Stadtzentrum auf dem Augustusplatz feierte, hatten sich die Veranstalter diesmal das südlichere Gelände der Alten Messe ausgesucht. Auch diesmal hatte ich nur sehr wenig Zeit, aber es reichte für eine kleine Fototour über das Straßenfest der etwas anderen Art. An vielen Ständen luden zum Testen und Verkosten oder gleich richtig essen ein. Und wer wollte, konnte sich komplett mit veganen Klamotten, Schuhen oder Kosmetika eindecken. Auch die Infostände waren gut besucht. Auf der Bühne sprach man über vegane Ernährung und bereitete Roh-Veganes. In der prallen Mittagssonne war der Platz schon angenehm gefüllt, ganz hinten spielten und malten Kinder. Ich selbst war kurz vorm Sonnenstich, aber ich fands viel zu interessant, um sofort zu gehen. Neben bekannten Marken wie Wilmersburger, Fritz Cola & Co. entdecke ich für mich auch viel Neues.

Im letzten Jahr war ich ganz hin und weg von ausverkauften Ständen und dem Gefühl, hier tut sich was, hier gibt es wirklich sowas wie eine Bewegung. 2014 schaute ich mir einige Stände genauer an und führte hier und da ein Schwätzchen mit den Inhabern. Da gibt es die Mädels von der “grünen Drogerie” von www.diesen-samstag.com, die ursprünglich Apotheke waren und nun ganz und gar auf Kosmetik umgestiegen sind – mit einer veganen Abteilung, versteht sich. Oder Daisy, die in Leipzig mit “Ackerwinde” Gemüsegartenparzellen und Workshops anbietet. Hier können Privatpersonen selbst ökologisch-vegan anbauen. Eine Parzelle reicht für die Versorgung mit Bio-Gemüse von 3-4 Personen eine ganze Saison lang, heißt es im Faltblatt. Das Konzept funktioniert in Berlin bereits sehr erfolgreich, so die Öko-Landwirtin. Auch bei den Jungs von www.ernte-mich.de kann man sein eigenes Beet bepflanzen oder erstellt es im Netz und lässt es pflegen und hegen. Wer in der Gruppe gärtnert, bekommt eine “Gemüseflaterate”. :D Patrick von “Leipspeis” fand vegane Aufstriche zu langweilig und unregional und kreierte einfach seinen eigenen – aus Leipziger Öko-Gemüse und Obst in umweltschonenden Verpackungen. Außerdem bietet er vegane Kochkurse und Catering an. Catherina vom frisch eröffneten Laden “Con Veg Style” in Leipzig war mit einem Stand vor Ort. Einen Monat jung ist ihr Shop, der Bekleidung, Accessoires und vegane Snacks anbietet.

Nach und nach formte sich für mich ein Bild des Unternehmertums innerhalb der Pflanzisten-Szene. Es gibt nicht nur Anhänger, Vertreter, Vereinsmitglieder, 30-Tage-Challenger oder generell Alternativlinge. Es gibt eine deutliche Bewegung in Richtung Professionalisierung. Viele kleine Entrepreneurs, die viel Wert auf Regionalität, Fairness und Bio-Qualität legen und bereit sind, nicht nur durch Konsumverweigerung und -selektion (wie der gewöhnliche Veganer) zu agieren. Sie nehmen die Sache einfach selber in die Hand und beweisen so ihr Vertrauen in diese eigentlich doch so kleine und abseitige Randbewegung. So sieht es also aus, wenn sich ein paar Ideen aus einer Szene heraus manifestieren und weiterentwickeln, dachte ich bei mir und freute mich ein bißchen.

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Mit Mr. Longear im Burgerparadies

Mr. Longear war müde. Alice hatte ihn zu ihrem sonntäglichen Workout mitgenommen. Und eine Weile hatte er sich das Hüpfen und Drehen, Dehnen und Stemmen auch gefallen lassen. Aber schließlich ist Hoppeln die naturgemäße Fortbewegungsart eines Hasen. Und, zugegeben, Mr. Longear ist nunmal ein Schlappohr. Und mit Blick auf sein rundes Plüschbäuchlein beschloss er, dass ein Nickerchen jetzt angebrachter wäre als schweißtreibendes Rumgehüpfe. Schließlich hatten er und Alice an diesem sonnigen Sonntag noch andere Pläne….

Das Deli in ConnewitzNach dem ersten missglückten Versuch wollten wir endlich die besten Burger der Stadt ausprobieren! Die gibt es in Leipzig angeblich im “deli”, einem kleinen Fast Food-Laden in Connewitz – alles vegan, versteht sich. Die Aussage, dass es hier die besten Burger gäbe, stammt im Übrigen von meinem fleischliebenden Arbeitskollegen. Und da wir ja alle wissen, dass es durchaus einiges braucht, um einen überzeugten Omni dazu zu bringen, vegane Fleischersatzprodukte besser zu bewerten, als sein geliebtes Original, war ich umso neugieriger. Mit von der Partie: Alice und Mr. Longear, die ihr ja schon aus vorherigen Beiträgen kennt. Nur Hund Mylo war nicht mit dabei, der hätte die Sportstunde wohl noch langweiliger gefunden als der Hase…

Die Auswahl allein stellte Mr. Longear schon vor eine fast unlösbare Aufgabe, fünf verschiedene Burger, vier Sandwiches und vor allem zehn verschiedene Soßen! Dazu noch Toppings nach Wahl, Salat, Pommes, Kuchen, Kekse…Uff! Schließlich standen ein Philly – Cheese Sandwich (Baguette, gegrillte Paprika, Sojastreifen, Süßkartoffeln, smoked Pepper-Cheese, Salat, Gurke, rote Zwiebeln) und ein Tempeh-Burger auf dem Tisch. Das deli bewohnt zwar eine sehr kleine Örtlichkeit und ist eher als Take-Away gedacht, aber ein paar Plätze für alle, die gerade nicht nach Hause wollen, gibt es durchaus. Die Portionen waren unerwartet üppig, besonders für nur 4,50 Euro bzw. 3,50 Euro für den Burger. Und ja, einfach supergenialhammerlecker! Im leicht angetoasteten Brot steckte ein gut-durchgebratener, herzhafter Tempeh-Kern, etwas Gemüse und eine käsige Soße mit scharfer Chili-Note (Smoked Pepper Cheese). Aber es geht noch besser! Sporthäschen Alice orderte zum Nachtisch doch glatt noch ein mächtiges Stück Matcha-Pflaumen-Torte. Von dem mehrschichtiges Gebäckgebäude konnten alle drei naschen. Schwercremig trifft auf luftigfeuchten Teig trifft auf fruchtigsüß trifft auf wortloses Kuchenglück! Und auch noch hausgemacht. Respekt! Besonders Alice war hin und weg. :D

Vegan Summer DayAm 6. September 2014 (10- 20 Uhr) geht’s übrigens zum zweiten Vegan Summer Day! Diesmal nicht auf dem Augustusplatz, sondern auf der Alten Messe in Leipzig. Ich hab an dem Tag gleichzeitig noch ein Festival, aber ich werde zumindest mal vorbeischauen und hoffe, dass er trotz der weniger zentralen Lage ähnlich erfolgreich aublaufen wird wie im letzten Jahr! :)

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Vegan auf Festivals

Zum Thema Festivals hatte ich ja letzes Jahr schon die ein oder andere Zeile geschrieben. Während vegetarisch noch ziemlich einfach ist, brilliert man als reiner Pflanzist nur dann, wenn die Vorbereitung stimmt. Doch diesmal wurde schon auf der Festivalseite angekündigt, dass auch für die Veganer bestens gesorgt sein würde! A “Vegefarm“-Stand wurden “vegane Gerichte in Bio-Qualität gemäß traditioneller chinesischer Medizin (TCM) und buddhistischer Ernährungstradition.” angeboten. (Was auch immer das bedeutet) Alles aus ökologischem Anbau, fair gehandelt und frei von Konservierungsstoffen, Geschmacksverstärkern und künstlichen Aroma- und Farbstoffen, hieß es. Na, wunderbar! :D Die Vegefarm auf dem Mera Luna 2014Zwischen drei Gerichten konnte man wählen: die Tinti-Kartoffel-Box mit veganen Tintenfischringen aus Konjakwurzel mit Drillingskartoffeln mit hausgemachter süßsaurer Ananas-Soße, veganes Erdnuss-Huhn aus Sojaeiweiß mit Brokkoli, Möhren, Mais und Zwiebeln in Erdnuss-Soße mit Jasminreis und Veganes Masala-Curry-Lamm ebenfalls aus Sojaeiweiß und Shiitakepilzen mit Kichererbsen, Tomaten und Zwiebeln in  Masala-Curry mit Jasminreis. Alles in der XL-Box (recyclebar) für 8,50 Euro. Danach war man auf jeden Fall satt!
Vegefarm - GerichteIch ließ mir die Tintenfischringe schmecken und am Sonntag das Pseudo-Lamm. Für das Hühnchen war leider kein Platz mehr :D Schaaaade! Meine Mitfestivalisten kosteten mit mäßiger Begeisterung von dem Tintenfisch, aber waren deutlich mehr angetan vom Nachbarstand “Hensslers Fesival Kitchen”, wo “frisches Gemüse, hochwertige Zutaten und kulinarische Kreativität” versprochen wurde. Zugegeben, das Essen dort machte  optisch einiges her, und es gab auch vegetarische Optionen. Noch einen Stand weiter drehte sich die Sau am Spieß…immerhin hat es sich irgendjemand nicht nehmen lassen, ein “Stop Eating Animals” zu hinterlassen…
Festival-AngebotAuch den veganen Burger oder die Bio-Pommes konnte ich nicht mehr ausprobieren…die Falafel hatte ich im letzten Jahr probiert. WIrklich schön zu sehen, wie sich das vegane Angebot erweitert hat! Man muss nicht mehr fragen oder sich was zusammenstellen lassen, inzwischen werden die Veganitäten richtig herausgestellt. Ist natürlich immernoch alles Fast Food, klar. Aber so ein Festival lässt sich damit gut überleben :)

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Mini-Pizza, Gnocchi und Schokocreme – Barnard quick & easy

Da bin ich euch in meiner kleinen Galerie aus dem vorletzten Post (“Was Veganer so essen…”) noch ein Rezept schuldig geblieben… Dabei haben es die “English Muffin Pizzas” (226) ja sogar ins TV geschafft. :D Na gut, das “Rezept” ist wieder typisch Barnard, also simpel, fettarm, gut. Vielleicht zu einfach. Fast schon ein weiteres no-recipe-recipe. Genau richtig, wenn man keine Lust hat, bei der Hitze viel Zeit in der Küche zu verbringen. Man nehme einen English Muffin, also ein flaches Brötchen (ich hab einfach ein Roggen-Toastbrötchen genommen) und schichte Tomatensoße, Gemüse und Pilze drauf. Ab in den Ofen und schon hat man ein äußerst handliches Gericht. Ich hab den Pizza-obligatorischen Käse nicht mal vermisst. Gut, dafür muss man sich Barnard’s Buch nicht kaufen. Aber die Rezepte sind ja auch nur ein kleines Extra, denn mir ging es eher um den anderen Inhalt bei “Power Foods for the Brain” (ausführliche Rezi folgt). Trotzdem hielt der Rezepteteil eine echte Überraschung für mich bereit. Ihr würdet nie erraten, was der Hauptbestandteil dieser Schokocreme ist!
Chocolate PuddingIch hätte es selbst nicht geglaubt, wenn ich es nicht probiert hätte! Dieser “Chocolate Pudding” (255) nach Barnard besteht hauptsächlich aus schwarzen Bohnen! Ja, genau die schwarzen Bohnen, die ich mal als besonders herzhaft bezeichnet habe. Entsprechend skeptisch bin ich an das Experiment herangetreten, das kann doch gar nicht funktionieren, oder? Umso erstaunter war ich dann, also ich mit dem Löffel den Mixer auskratzte und kostete…und kostete…und kostete. Kein bißchen herzhaft mehr, kein Bohnengeschmack. Unfassbar. Barnard hat die absolut perfekte Grundzutat für sündige Schokocreme gefunden: protein- und ballaststoffreich, voller Antioxidantien und fettarm! Klar, aus Avocado kann man auch leckere Schoko-Mousse basteln. Aber erst warten, bis das Ding endlich reif ist, aufheben lässt es sich auch nicht so gut und wenn man alles auf einmal aufbraucht, bekommt man Bauchweh. Also dann lieber so! Das Rezept von Barnard gibts leider nicht online, aber hier ist ein ganz ähnliches.
gnocchi with Basil and Sun-dried TomatoesBarnards “Gnocchi with Basil and Sun-dried Tomatoes” (232) sind auch schnell gemacht, vielleicht nicht ganz so fix, wenn man die Gnocchi selber baut. Was ich durchaus vorhatte. Ehrlich! Aber nicht getan habe. Hey, es gibt die fertig und vegan im Supermarkt! :D Irgendwann versuche ich das aber mal. Soll ja ganz einfach sein. Kartoffeln und Mehl, Salz, alles kneten, rollen, schneiden, kochen und gut. Dazu Pfeffer, getrocknete Tomaten und Basilikum (huch, auf dem Bild ist ja Petersilie! :D), mehr braucht es nicht für das Comfort Food mit einem Hauch Italien, das Urlaubs-Feeling auf den Teller bringt….*träum*

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