Süße Ostern – nicht nur zufällig vegan

Schöne Ostern! :)

Schöne Ostern! :)

Vielleicht ahnt ihr schon, woran ich mich versucht habe. Aus unerfindlichen Gründen habe ich schon eine Weile furchtbar Appetit auf Hefeteigteilchen, also auf diesen süßen, duftig leichten Teig, aus dem auch Osterzöpfe, Osterbrot oder ähnliches gebacken wird. Das Rezept ist auch in seiner veganen Variante nicht sonderlich kompliziert, allerdings kommt eine Menge Margarine hinein und es soll weißes Mehl verwendet werden…naja darüber hab ich mich hinweggesetzt und es stattdessen einfach so gemacht, wie es mir lieber war. Statt Alsan oder Margarine habe ich etwas Kokosfett verwendet. Bio-Kokosfett ist natürlicher als Margarine, hitzebeständig, enthält Vitamin B und E und ist cholesterinfrei. Für mich ist es die bessere Wahl, wenn ich schonmal Fett verwende. Das Endprodukt hat dann ein leichtes Kokos-Aroma, aber ich mag das ganz gern, ich habe auch schon Muffins damit gebacken (lecker, lecker!). Außerdem nahm ich Dinkelvollkornmehl, da ich das im Haus hatte und kein ganzes Paket Weißmehl kaufen wollte, das ich dann nicht leer bekomme. Allerdings habe ich irgendwo gelesen, dass Vollkornmehl sich nicht so gut macht für süßen Hefeteig, und naja, was soll ich sagen, das stimmt! :-/ Der Teig geht dann nicht so schön auf und wird eher fest – man sollte also vielleicht nur zur Hälfte VK-Mehl nehmen und etwas mehr Hefe.

Frohe Ostern! :)Ich habe mich grob am Rezept von Totally Veg! orientiert, das für kleine, sehr schicke Zimtschneckchen gedacht ist. Das habe ich etwas angepasst und so ergibt sich dann folgendes Grundrezept für süßen Hefeteig:

250 Gramm Mehl (höchstens zur Hälfte Vollkornmehl, sonst wirds zu fest)
ca. 1 Würfel frische Hefe (in kleine Stückchen schneiden)
2 EL Rohrohrzucker
½ TL Salz
etwa 1,5 EL Kokosfett (zerlassen)
125ml pflanzliche Milch, lauwarm
1 EL feingeschrotete Leinsamen verrührt mit ca. 3 EL Wasser (als Ei-Ersatz)

Glasur:
Puderzucker
Zitronensaft
Auf Wunsch: Rosinen; Mandelblättchen oder Hagelzucker zur Deko

Alle Zutaten vermischen, erst alle trockenen, dann die feuchten dazugeben und schön kneten, bis sich ein homogener Teig ergibt. Wenn er zu sehr klebt, dann noch mehr Mehl verwenden. Ehrlich, die Teigkneterei hat richtig Spaß gemacht. :D Eine Stunde ruhen lassen. Dann in die gewünschte Form bringen, bei mir war es ein Osterhase (danke an Ideengeberin Anja), aus dem Rest habe ich Brötchen geformt. Wie gesagt – bei mir zu viel Vollkorn, bei euch wird’s sicher besser und hübscher! Etwa 30 Minuten bei 180 Grad im Ofen reichen schon! Aus Puderzucker und Zitronensaft (es geht aber auch Wasser oder Pfl. Milch) eine feste Paste rühren und das Werk damit bestreichen. Fertig!

Zufällig vegane Süßigkeiten aus dem Supermarkt

Und für den Fall, dass ihr euch oder andere zu Ostern mit Süßkram eindecken wollt: Das ist gar nicht so kompliziert, wie ich dachte. Ich habe bei Netto auf Anhieb vegane Fondant-Eier, Jamaica Rumkugeln und Marzipaneier gefunden. Es gab sogar Gelee-Eier ohne Gelatine. Sie wurden nicht als solche beworben, man muss schon direkt auf die Zutatenliste schauen und sich überraschen lassen. Wenn der Schoki-Osterhase zartbitter sind, lohnt sich ebenfalls der Blick auf die Zutatenliste, das ist auch oft tierfrei. Ansonsten fallen mir bei *zufällig veganer Süßkram* noch die Chocolate Cookies von Rossmann ein. Und euch? :)

 

Weiterlesen:

The Get Healthy, Go Vegan Cookbook – Neal Barnard

The Get Healthy, Go Vegan - Cookbook - Neal BarnardNachdem ich mich schon fast durch das Buch gekocht habe (#barnard), wird es wohl mal Zeit, es auch vorzustellen: Dr. Neal Barnards “Get Healthy, Go vegan”- Kochbuch soll helfen, sich auf eine pflanzliche Ernährungsweise umzustellen. Dabei geht es nicht nur um vegane, sondern auch um vollwertige, fettarme, nährstoffreiche Nahrung mit niedrigem glykämischen Index. Ganz schön viel auf einmal! Das Cover sieht schon ziemlich klinisch aus :D.  Barnard beginnt mit einer Einleitung, warum gerade diese Form der Ernährung gesundheitliche Vorteile bietet und beschreibt einige Fälle, bei denen Patienten damit ihr Übergewicht und Diabetes-Medikamente losgeworden sind. Während Ernährungsweisen, die auf Fleisch basieren, oft arm an Ballaststoffen und einigen Vitaminen sind und ein Zuviel an Fett und Cholesterin mit sich bringen, ist bei veganer Ernährung genau das Gegenteil der Fall, schreibt er. An die Stelle von überflüssigen Kalorien und Cholesterin treten zahlreiche Vitamine, Mineralien, sekundäre Pflanzenstoffe und Antioxidantien. Dennoch hebt er drei Nährstoffe gesondert hervor, auf die man ein Auge haben sollte: Calcium, Eisen und Vitamin B 12. Statt seinen Calcium-Bedarf mit Milchprodukten zu decken, die außerdem noch tierische Fette, Lactose-Zucker, Cholesterin und Hormone mit sich bringen, kann man dies auch mit “Greens & Beans” tun, also Grünzeug und Hülsenfrüchten. Diese sind ebenso reich an Eisen. Gemüse und Obst enthalten außerdem viel Vitamin C, was die Eisenaufnahme erhöht. Vitamin B12 sollte am besten supplementiert werden. Hier folgt noch ein kurzer Ausflug zur wissenschaftlichen Studien zum Pflanzismus (Dean Ornish, Caldwell Esselstyn, David Jenkins, McDougall, Hans Diehl). In einem weiteren Kapitel geht Barnard darauf ein, wie diese Ernährungsform verschiedene Krankheitsbilder bessern kann (Übergewicht, Diabetes, Krebs, Verdauuungsprobleme etc). Das Buch erschien 2010, ist also auf dem damaligem Forschungsstand. Ich habe einen Teil davon in dem Blogpost “Vorteile pflanzlicher Ernährung” zusammengefasst, damit ich hier nicht so weit ausschweifen muss :)

Rezepte aus Neal Barnards Buch "The Get healthy, go vegan Cookbook"Ds klingt jetzt ziemlich viel, aber das sind nur die ersten 50 von 220 Seiten, den Großteil machen natürlich die Rezepte aus. Wie gesagt, ich habe davon schon einige ausprobiert, die meisten Gerichte sind sehr einfach und schnell zubereitet. Bebildert sind die Rezepte nicht alle, nur in der Mitte des Buches sind ein paar Fotos. Auf die hätte man vielleicht sogar verzichten können…ich kenne ein paar Blogger, die haben wesentlich mehr Talent beim Fotografieren von Gerichten ;) Letztlich zählt für mich, dass ich durch das Buch Neues ausprobieren kann und dabei kein schlechtes Gewissen haben muss, weil alles fettarm und vollwertig ist. Auch Ersatzprodukte spielen keine große Rolle, nur ab und zu tauchen Tofu, Sojamilch und -joghurt auf. Es ist vielleicht etwas Knoblauch-lastig, ich mag Knobi zwar sehr, aber ich mag nicht danach riechen. Entsprechend hab ich ihn  manchmal einfach weggelassen. Leider ist das Buch nicht auf deutsch erhältlich, die Angaben sind also in “cups”, was mich persönlich nicht so gestört hat, es klappt ja am Ende trotzdem, auch wenn man sich nicht sklavisch an jedes Gramm hält. :)

Unter jedem Rezept findet man Nährwertangaben zur Orientierung und kleine Tipps (“Wusstest du schon..”). Es gibt auch eine Einkaufsliste, aber die ist 7 Seiten lang weil sie für das gesamte Buch gilt, doch es wird wohl kaum jemand auf die Idee kommen, alles auf einmal nachkochen zu wollen. Da sind ja die ersten Zutaten schon wieder verwelkt, bevor man das Rezept dazu ausprobieren konnte. Das Register hingegen ist hervorragend umgesetzt, das hilft mir sehr, wenn ich fast abgelaufene Sachen noch verarbeiten muss. Die Tomaten müssen weg? Einmal hinten nachgesehen und alle fünfzehn Rezepte gleich gefunden. Obwohl man davon ausgehen sollte, ist das nämlich leider nicht bei jedem Kochbuch der Fall. Und da die Rezepte so basic sind, hat man auch viele Zutaten schon im Haus. Die Rezepte sind nach Frühstück, Mittagessen und Abendessen geordnet, danach folgen Snacks, Dips und Desserts. Will man Freunde und Famile einladen, findet man drei Menüpläne mit Rezepten für mehrere Gänge (“Italienisches Fest”, “Tapas”, “Sommerparty”, “Asian Twist”). Dazu kommt ein Drei-Tage-Menüplan für den leichteren Einstieg. Wie ihr auf meiner Zusammenstellung auf dem Foto sehen könnt, gibt es Salate, Suppe, Burger, aber auch Rezepte für Pizza, Kuchen, Pancakes, Paella, Smoothies und vieles mehr. Nicht schlecht für so ein gesundheitsbewusstes Kochbuch, geschrieben von einem Doktor….naja und einer Kochbuchautorin. Sonst wäre wohl nicht nur das Cover ein bißchen klinisch. :)

Weiterlesen:

Jetzt neu: Achtung, Pflanzenfresser auf Facebook
Achtung, Pflanzenfresser auf Facebook

Achtung, Pflanzenfresser auf Facebook

Kurzmitteilung

Für diejenigen, die mehr vom Pflanzenfresser wollen, habe ich jetzt doch eine Facebook-Page eingerichtet. Dort kann ich ergänzend zum Blog ein paar Einblicke ins vegane Anfängerleben geben und schneller auf Aktuelles reagieren. Da ist auch Platz für kleine Themen, über die man tagtäglich stolpert, die aber nicht genug Stoff für einen Blogeintrag bieten. Nicht zuletzt freue ich mich natürlich, wenn wir uns unkomplizierter austauschen können (z.B. ohne Sicherheitscodes einzugeben). :) Das Hauptaugenmerk liegt natürlich weiterhin auf dem Blog. Wie gesagt, ist nur ein weiterer Kommunikationsweg für die Facebooker unter euch…da gibt’s bestimmt ein oder zwei ;)

>> Hier entlang!

Pflanzenfresser auf Facebook

Vegan ist auch nicht besser, quakt die Presseente

Meine Vegan Challenge für April: Einfach mal die Kresse halten.

Meine “Vegan Challenge” für April: Einfach mal die Kresse halten.

Und noch ein Post von dieser Sorte. Nein, so war das nicht geplant. Der Nächste wird ganz bestimmt wieder eine Buchbesprechung oder ein paar schöne Rezepte, versprochen! Ich habe viele schöne Fotos für euch. :) Aber es kam ein ganzer Entenschwarm angeflogen, der innerhalb kürzester Zeit durch sämtliche Netzwerke schwirrte und für neues Chaos an den ohnehin schon verhärteten Fronten sorgte. Es traf mich völlig unerwartet, der erste Link war noch ganz harmlos, da schau, eine Presseente, wie niedlich. Aber dann quakte es hier und da, immer häufiger und spätestens beim Blick auf Spiegel Online, die das Ding an der prominentesten Stelle, also quasi im Doppelseitenformat brachten, war der Tag gelaufen. Spätestens jetzt muss ich leider davon ausgehen, dass auch bei SPON nur unterbezahlte Praktikanten und Volontäre zum Umschreiben von Pressemitteilungen „für Online“ verdonnert werden, weil sonst keiner Zeit hat und weil Leser für Internetartikel höchst ungern Geld bezahlen. Anders kann mich mir dieses voreingenommene Stück Missachtung der journalistischen Sorgfaltspflicht nicht erklären: “Fett und salzig: Vegane Lebensmittel sind auch nicht besser!” lautet der neue Stein des Anstoßes. Die Überschrift müsste korrekt lauten wie von Graslutscher vorgeschlagen: Veganes Junk-Food ist nicht gesünder als unveganes Junk-Food. Selbst dann ist der Artikel immernoch dezent irreführend bzw. ist schon die Quelle, der “Martkcheck” der Verbraucherzentrale Hamburg, auf den ersten Blick etwas verwirrend. Man gewinnt den Eindruck, da hat jemand die Testergebnisse so verstanden, wie er sie gern verstehen wollte…

Verallgemeinerung führt zu schöneren Schlagzeilen

Getestet wurden Fleisch- und Wurstersatzprodukte aus Soja, Seitan oder Lupine sowie Milch/Käse-Ersatzis aus Kokos, Soja oder Getreide, darunter auch ein Brotaufstrich, eine Art Margarine, Süßigkeiten und Sprühsahne – insgesamt 20 Produkte. Ergebnis des Tests: Teilweise hoher Einsatz von Zusatzstoffen und Aromen, denn ohne diese „wäre die Herstellung oder ein annehmbarer Geschmack in den meisten Fällen gar nicht möglich.“ Übersetzung: “Hey Veganer, euer Ersatzscheiß ist ohne eine Tonne Chemie überhaupt nicht essbar!” Dazu kann ich nur sagen: Hey, Normalos, das trifft auf die Mehrzahl eurer Fressalien erst recht zu und ihr wollt bestimmt nicht, dass ich euch erzähle, was in Leberwurst oder Chicken Nuggets wirklich drin ist. Ohne Aromen und Zusatzstoffe ist die braune Pampe aus dem Fleischwolf erst recht nicht genießbar. Von Gammelfleisch, Antibiotika und Hormonen will ich gar nicht erst anfangen – und diese findet man ganz sicher nicht in pflanzlichen Produkten. Ich empfehle die Lektüre von “Die Suppe lügt” und “Die Fleischmafia” (Liste lässt sich beliebig erweitern). Im Übrigen enthalten fast die Hälfte der getesteten veganen Produkte weder Aromen noch Zusatzstoffe. Vier enthalten jeweils nur eins von beiden. Jetzt würde mich mal interessieren, wie vergleichbare Tierprodukte abschneiden. Ich kann mir vorstellen, dass Würstchen, Burger, Bolognese, Aufschnitt und Käse mit Geschmack nicht ohne die Segnungen der modernen Lebensmittelindustrie auskommen.

Es ist kaum überraschend, dass die mit dem Artikel konfrontierten Veganer gleich in die Defensive gegangen sind, denn sie wissen bereits, was in veganen Ersatzis drin ist (und die meisten leben ohnehin eher aus ethischen als aus gesundheitlichen Gründen vegan). Veganer sind gezwungenermaßen dran gewöhnt, Zutatenlisten zu lesen. Viele sind richtige kleine Experten, die meisten kennen aber zumindest die grobe Faustregel, dass alles, was mehr als drei Zutaten auf der Liste stehen hat, kein Health Food sein kann. Allerdings wäre es in dem Fall gar nicht notwendig gewesen. Denn vegane Ersatzprodukte müssen sich hinter ihren tierischen Pendants gar nicht verstecken, wie mir erst beim zweiten Blick auf die “Daten” des Marktchecks auffiel. Bei vier bzw. fünf Produkten wurde ein zu hoher Fettanteil festgestellt und bei vier Exemplaren zu viel Salz. Ähm, bin ich die einzige hier, die findet, dass vier bzw. fünf von 20 Produkten ein ganz guter Schnitt ist? Bei nur einem Viertel beanstandeter Produkte müsste die Überschrift eher lauten: Vegane Produkte überwiegend fett- und salzarm. Aber ok, darüber kann man sich vielleicht streiten, wenn man einen davon ausgehen würde, dass sämtliche vegane Produkte gefälligst ihrem implizit vorausgesetzten Gesundheitsversprechen zu entsprechen haben. Interessanter ist die Tatsache, dass die Hälfte der getesteten veganen Produkte bis zu 50 Prozent weniger Fett enthalten als die entsprechenden tierischen Produkte. Im erweiterten Check zu Soja-, Weizen- und Lupinenprodukten wird festgestellt, dass Fleischersatzprodukte vergleichweise kalorienarm, eiweißreich und cholesterinfrei sind, sowie einen hohen Vitamin- und Mineraliengehalt aufweisen. Den Marktcheck der Verbraucherzentrale Hamburg sollte man also weitaus differenzierter betrachten als es im SPON und nachfolgend in allen anderen Online-Publikationen von Fokus über bis ZEIT geschehen ist.

Den Vorwurf des Etikettenschwindels, etwa weil ein Schweizer Hersteller sein Produkt mit Schweizer Landschaft bewirbt, obwohl die Rohstoffe aus „verschiedenen Ländern Europas“ kommen, finde ich so an den Haaren herbeigezogen, dass ich darauf nicht eingehen will. Ob die einsame Walnuss, die auf dem Pflanzenaufstrich, der “nur 2 Prozent Walnussöl” enthält, zu groß ausgefallen ist, werde ich hier ebenfalls nicht bewerten. Ähnlich geht es mir mit den ungenauen Bezeichnungen („Phantasienamen“ – Haha! Was ganz Neues im Marketing!). Ärgerlich finde ich allerdings, dass man auch hier auf das beliebte Vorurteil trifft, für vegane Produkte aus Soja würden Regenwälder gerodet. Dabei wird rund 98 Prozent des weltweit angebauten Sojas zur Tierfütterung verwendet. Lediglich zwei Prozent werden zu Lebensmitteln. Und die in Deutschland erhältlichen Sojaprodukte (fast immer Bio) stammen wohl eher aus Österreich als aus Brasilien.

Siegel-Wirrwarr: Wer lesen kann, ist klar im Vorteil.

Siegel-Wirrwarr: Wer lesen kann, ist klar im Vorteil.

Außerdem bemängelt werden Siegel-Wirrwarr (ein einheitliches Vegan-Siegel wäre tatsächlich wünschenswert) und mangelnde Transparenz, da nur 40 Prozent der Hersteller innerhalb von drei Wochen auf die Anfragen der Verbraucherzentrale nicht geantwortet haben. Betrachtet man die Sache positiv, bringt uns die ganze Aufregung vielleicht einen neuen Vorstoß in  Richtigung Transparenz auch in der veganen Lebensmittelproduktion, was am Ende zu „besseren“ Produkten führen sollte. Allerdings bezweifle ich, dass dazu dieser Artikel notwendig war. Denn Veganer sind eine äußerst kritische Kundschaft und nerven Hersteller gern mit Nachfragen zu Thema Palmöl, Tierversuchen und Herkunftsländern von Rohstoffen. Und die Nebenwirkung der Artikelflut, die diese „Studie“ gebracht hat, ist in der Außenwirkung nur eine weitere Stigmatisierung der veganen Lebensweise. Nicht, dass die Omnis die Ersatzis nicht schon vorher gruselig gefunden hätten („Wieso müssen die Veggies Fleisch und Wurst nachbauen?”) aber zumindest haben sie vorher gedacht, dass Pflanzismus “irgendwie doch gesünder” ist als die übliche Schweinshaxe aus der Kantine. Diese Vermutung kommt allerdings nicht von veganen Ersatzprodukten…

Aufregen bringt nix?

Falls ihr euch jetzt fragt, warum ich mich so aufrege, denn das habe ich leider wirklich, vor versammelter Mannschaft, weil mir natürlich auch gleich mehrere meiner Kollegen den Link schickten, versehen mit einem hämischen „Eat this!“. Ich rege mich auf, weil es gesünder ist, die Aufregung auch mal rauszulassen :D Aber vor allem: Weil sowas hängenbleibt. Schlagzeilen und Bildunterschriften werden gelesen, gemerkt und (besonders wenn sich der Leser sich bestätigt fühlt) auch weitergegeben. Ein neuer Fall von: Veganismus ist auch nicht besser, also lehn ich mich zurück – die Welt ist eben schlecht und ändern kann man es ja nicht. Case closed. Meine schriftliche Antwort auf diesen Link war übrigens eine Abbildung von reichlich Obst und Gemüse, darüberDies sind vegane Lebensmittel“ und darunter ein paar Bilder von Foodgawker . Dass ich mich so ereifert habe, war mir danach schon wieder peinlich, sowas bringt ja am Ende nichts. Heißt es gleich wieder, Veganismus sei ‘ne Religion. Aber dazu kommen wir ein anderes Mal.

Was Veganer so essen - Mein Wocheneinkauf

Was Veganer so essen. Echt jetzt.

Um dem Artikel gleich mal auf seinen Realitätsgehalt entgegenzusetzen, habe ich spontan ein Foto von meinem Wocheneinkauf gemacht. Mit Wocheneinkauf meine ich sozusagen die Basics, die ich so ziemlich jede Woche neu hole. Nicht gerade wenig, ich weiß, so für eine Person, aber ich bin ein Selbstversorger, ins Büro nehme ich einen selbstzubereiteten Salat mit, abends gibt’s zu Hause was Gemüsiges aus dem Topf und früh Müsli, also Haferflocken mit Obst. Dazu kommen noch Unmengen an Wasser…und ja auch Bier (nicht so gesund, aber vegan dank Deutschem Reinheitsgebot). Sicher variiert es auch immer mal, besonders am Wochenende teste ich ja gern Rezepte und brauche dann auch ein paar andere Sachen. Aber trotzdem fällt doch gleich ins Auge: Ersatzprodukte gehören nicht zu meinen Basics. Ich esse aber durchaus welche, aus genau zwei Gründen:

1. Wenn ich einen „Jieper“ drauf habe (besonders Käse) > genau dafür sind Ersatzprodukte eben auch da, nämlich um die Umstellung vom Gewohnten auf das Neue zu erleichtern. Wir sind ja nicht vegan auf die Welt gekommen, gelle ;)

2. Wenn ich bei Normalessern bin und mich da ein bißchen anpassen will, also auf den Grill auch Würstchen, auf den Frühstückstisch neben die echte auch mal Hobelz Wurstscheiben legen oder veganen Käse präsentieren will.

Insofern bin ich wohl mitschuld, wenn allgemein angenommen wird, Veganer würden genauso wie Normalesser essen, nur dass sie die tierischen Produkte gegen veganen Ersatzkram austauschen. Dabei hat sich mein Futterverhalten insgesamt umgestellt, mit deutlich mehr an ganz gewöhnlichem Gemüse und Hülsenfrüchten, gern auch Tofu. Aber damit dies hier nicht in gefährlicher Selbstdemoskopie ausartet, könnt ihr mir gern Fotos von eurem Wocheneinkauf schicken, die ich an dieser Stelle gern ergänze :) (jane.pflanzenfresser@gmx.de).Und weil solche Sachen einfach besser auf Facebook funktionieren, könnt ihr mich jetzt auch da erreichen http://www.facebook.com/achtungpflanzenfresser.

Ilkas Kühlschrank :)

Ilkas Kühlschrank :)

Fazit: Ersatzprodukte sind  – ähnlich wie Fertigkram für Normalesser (im besten Fall) – nicht Grundnahrungsmittel für Veganer, sondern Ergänzung. Und so hat auch der eigentliche Inhalt des Artikels in Wirklichkeit weit weniger Bedeutung, als durch seine Schlagzeile suggeriert wird. Seinen Zweck hat er dennoch erfüllt: Veganer (notgedrungen im Verteidigungsmodus) und Fleischliebhaber (fühlen sich so schön bestätigt) haben sich gleichermaßen daran erfreut und Klicks und Kommentare beschert. Immer gut für den Umsatz. Insofern betrachte ich den ganzen Wirbel vor allem als eine weitere Lektion in Sachen Medienkompetenz: Erstmal genau durchlesen, sich an die Fakten halten und erst dann aufregen. Aber dann richtig! ;)

Weiterlesen:

Über Doppelmoral, Luxusprobleme und bessere Menschen

“Krass, wie du dich angegriffen fühlst.” durfte ich mir anhören als ich meinen Kommentar unter dem folgenden Post hinterließ. Werde ich doch noch zum Wutveganer? ;)
Ich lebe vegan aus ethischen Gründen veganNatürlich soll der Tweet nur ein Witz sein, eine pointierte Beobachtung. Aber es steckt doch noch einiges mehr darin als das Offensichtliche. Erstmal sehen wir hier den augenscheinlichen Widerspruch zwischen dem veganen Gutmenschentum, das durch den Konsum von Produkten aus menschenverachtenden Herstellungspraktiken vermeintlich negiert wird. Veganesentum als hohle Modeerscheinung, das hatten wir schonmal, das wissen wir und ich persönlich finde es erstmal nicht mal besonders schlimm (siehe auch Ist Veganismus ein Trend?).

Veganer und Vegetarier mögen keine Menschen

Außerdem haben wir hier den impliziten Vorwurf, Vegetarier/Veganer würden sich mehr für Tiere als für Menschen interessieren.  Hm, ich kann da jetzt nur für mich sprechen: Was für ein Unsinn. Natürlich tut mir menschliches Leid auch in der Seele weh. Natürlich muss auch da was getan werden. Nur sind hungernde Kinder, Flutopfer u.s.w. mehr im Fokus der Öffentlichkeit als leidende Tiere, gerade sogenannte “Nutztiere”. Weinende Kinder bekommen einfach mehr Presse als ein Schnitzel. Umso beherzter, engagierter und vielleicht auch aggressiver versuchen Tierschützer deshalb, dieses Leid mehr in den Mittelpunkt zu stellen und Missstände anzuprangern. Das Mitgefühl von Vegetariern ist deshalb aber nicht eingeschränkt, sondern eher erweitert, wie sich offenbar auch wissenschaftlich feststellen lässt.

Luxusproblem Veganismus?

In unserer Welt, in der alles immer verfügbar ist und besonders Lebensmittel zu erschwinglichen Preisen zu haben sind, muss derjenige, der auf mindestens 50 Prozent davon freiwillig verzichtet, wie ein undankbarer Schnösel wirken. Wir sollten froh sein, dass wir uns so schön satt essen können, hungernde Kinder anderswo wären froh darüber, wie kann man denn nur das gute Fleisch verweigern oder gar Eier oder Milch. Hochpreisige Bio-Lebensmittel, Ersatzprodukte und “teure” Öko-Klamotten lassen den veganen Lebensstil zusätzlich wie verdeckten Luxus wirken, den wir uns nur leisten können, weil wir eben die Auswahl haben und im Überfluss leben. Würden wir in einem sehr armen Land leben, wo es nur alle zwei Wochen mal ein Schnitzel gibt, wären wir alle wohl keine Veggies mehr, wird uns gern vorgehalten. Aber wenn dem so wäre, gäbe es auch die ganzen Probleme gar nicht, die aufgrund zu hohen Konsums von tierischen Produkten auftreten. Und wie der Graslutscher hier schon geschrieben hat, ist dieses Scheinargument schlicht irrelevanter Nonsens. Teurer ist es als Veganer  nicht (siehe auch “Mir ist das zu teuer”), sogar mit Hartz IV lässt sich prima damit leben. Lasst uns nicht vergessen, dass Milch und Fleisch hoffnungslos subventioniert werden und deswegen preislich so niedrig liegen, was mit ihrem eigentlichen Wert nichts zu tun hat. Denn wenn man genau hinschaut, ist Veganismus genau das Gegenteil von Luxus, von Verschwendung. Veganismus ist ja der Protest gegen die Verschwendung, also die 15.000 Liter Wasser und bis zu 49 Quadratmeter Fläche zum Beispiel, die für ein Kilo Rindfleisch verbraucht werden. Der wahre Luxus ist es doch, etwas zu verkonsumieren, das immens viele Ressourcen verbraucht, die Umwelt zerstört und ja, auch einen Beitrag zum Welthunger leistet. Die armen, hungernden Kinder hätten viel mehr davon, wenn wir weniger Fleisch essen würden, als wenn wir es tun.

Veganer und Vegetarier halten sich für was Besseres

Das nächste Vorurteil, das ich aus dem Spruch herauslese, ist das Gutmenschentum der Veganer/Vegetarier. Ich lebe vegan, zeige also ein gewisses Engagement für meine Umwelt und bin daher ein besserer Mensch oder so. Komischerweise kommt dieser Vorwurf aber eher der Seite der Fleischesser/Omnis. Denn die meisten Vegetarier/Veganer, die ich kenne, sind sich geradezu schmerzlich bewusst, dass sie eben keine perfekten Menschen sind, dass man nie genug Gutes tun kann, dass es viele Baustellen gibt. Sie sind sich der Probleme durchaus bewusst, die Iphones und Billigklamotten verursachen, aber nicht jeder ist den Schritt gegangen, auch dagegen was zu tun. Ich hab auch ein Smartphone, meine Klamotten sind zwar nicht von Primark aber auch nicht gerade Fair Trade. Immerhin kaufe ich nicht ständig neue, sondern trage sie buchstäblich, bis sie Löcher haben. Was in unserer Wegwerfgesellschaft auch nicht mehr selbstverständlich ist. Ich weiß, dass Plastikmüll ein Riesenproblem ist und dass die schlechten Arbeitsbedingungen in anderen Ländern für die günstigen Preise hierzulande verantwortlich sind. Ich bin also kein besonders guter Mensch nur weil ich Pflanzismus betreibe. Ich bin nicht “besser” als andere (wie will man das vergleichen?) und ich weiß das auch. Der Weg ist für mich aber klar. Mir sind die Probleme bewusst und ich versuche, Stück für Stück mein Handeln meinem Problembewusstsein anzupassen. Und das mache ich nicht, um besser als andere zu sein, sondern um selbst besser zu sein bzw. besser zu handeln also bessere Entscheidungen zu treffen.

Möglicherweise ist es so, wie der Artgenosse hier so schön erklärt: Ich bin nur eine besser handelnde Version von mir selbst im Vergleich zu der, die ich wäre, wenn ich Fleisch essen würde. Er betont hier mehr das Handeln im Gegensatz zum (schlecht vergleichbaren) Sein oder Nichtsein. Und wem nützt denn auch ein solcher Wettbewerb, wer hier der bessere Mensch ist? Eigentlich ganz einfach. Er dient dazu, das eigene Handeln zu relativieren…

Wie man Veganer/Vegetarier von ihrem hohen Ross holt

Erwischt! Die ach so bewusste Veganerin, der bloße Anwesenheit, ja Existenz wie ein ständiges Ausrufezeichen wirkt, weil sie verdeutlicht, was man nicht wahr haben will; dass es auch ohne geht! Genau diese Person ist gar nicht so großartig, denn sie hat ja ein Smartphone und kauft Billigklamotten, die möglicherweise von Kinderhänden gestrickt wurden. Sie hat zwar vielleicht nie behauptet, was Besseres zu sein, aber das muss sie auch gar nicht. Sie weiß dafür sonst immer alles besser, und konfrontiert einen schonmal mit unangenehmen Fakten. Was tun wir also? Wir nehmen sie mal genau unter die Lupe und siehe da, sie ist auch nur ein Mensch und alles andere als perfekt. Und weil das so ist, muss ich es auch nicht sein. Schon kann ich mich zurücklehnen und die Welt weiter schlecht sein lassen, denn man kann ja eh nichts dagegen tun. Dieser Tweet ist schlicht die Zusammenfassung aller dieser Hintergründe und zielt darauf ab, die Angeprochene ins Lächerliche zu ziehen, damit das eigene Weltbild wieder stimmt. Diese Form der Distanzierung ist eine Art des Selbstschutzes: Attacken auf ihr positives Selbstbild wehren Menschen ab, indem sie Angreifer lächerlich machen. Doch wenn alle so denken, passiert am Ende rein gar nichts und alles bleibt für immer so, wie es ist. Denn das eigentliche Problem ist, dass zu wenige etwas machen. Die sich überhaupt mal aus ihrer Comfort Zone erheben und beschließen, mal über den Tellerrand zu schauen. Zu verwöhnt von dem Glauben, dass alles so bleiben wird, wie es ist, owohl wir jetzt schon so viele Ressourcen verbrauchen als hätten wir drei Erden, und deshalb schon der Weltuntergang prophezeiht wird. Und das ist der Grund, warum ich dafür bin, jeden noch so kleinen Schritt zu unterstützen und zu fördern statt ihn kleinzureden. Positive Verstärkung statt Spott. Und irgendwo muss man doch anfangen, oder?

Jetzt neu: Der Pflanzenfresser auf Facebook
Achtung, Pflanzenfresser auf Facebook

Noch mehr “Vegan For Fit” – Experimente

Seit meiner Experimentreihe für die Blogeintrag zum Buch ist schon etwas Zeit vergangen aber ich war noch neugierig auf einige Rezepte. Also rollte, panierte und glasierte ich mich noch weiter durch Attilas Buch in der Hoffnung auf kulinarische Offenbarungen.
Kokos-Schoko-Riegel
Wer hätte gedacht, dass man Schokoriegel auch selber machen kann – und zwar komplett tierfrei! Und es war viel einfacher als man denken würde, auch wenn meine Version der “Kokos-Schoko-Riegel” (S. 196 f.) nicht ganz so schick sind wie die im Buch abgebildeten. Ja, schmecken ein bißchen wie Bounty, nur nicht so klebrig. Und neben weißem Mandelmus und gepoppten Amaranth hat Attila wohl auch die Kakaobutter in Mode gebracht, oder wieso lächelt er einen von der Rapunzel-Packung an? ;) Die braucht man nämlich für dieses Rezept
Zucchiniloni mit Kürbis-Oliven-Füllung und Basilikum-Öl
Weniger gelungen sind mir die “Zucchiniloni mit Kürbis-Oliven-Füllung und Basilikum-Öl” (S. 136 f). Na gut, mit dem Öl bin ich ganz offensichtlich sehr sparsam umgegangen. Und meine Technik im Schneiden einer Zucchini in hauchdünne Scheiben muss ich noch feilen, mit dem Messer wurde es zu dick, mit dem Kartoffelschäler zu dünn…
Kürbis-Paprika-Gemüse mit Kokos-Tofu-Sticks
Besser erging es dem “Kürbis-Paprika-Gemüse mit Kokos-Tofu-Sticks” (112 f.).Coole Idee und sieht einfach hübsch aus mit den Kokosraspeln. Und Kürbis liebe ich ja sowieso, da kann man nicht viel falsch machen…

Warum Vegetarier Krebs haben, Blutvergießen verursachen und Giraffen sterben lassen

Eigentlich bin ich nicht dafür, die sich fast wöchentlich neu aufdrängenden Aufreger-Themen in meinem Blog auszuhandeln. Dafür sind andere soziale Netzwerke schneller und besser geeignet als lange, detaillierte Blogeinträge, die nach Fußnoten verlangen. Eigentlich will ich nämlich nicht jeder Sau, die durchs Dorf getrieben wird, wild schreiend hinterherlaufen. Darf man das sagen als Veganer? ;) Eigentlich wollte ich nie einen Blogeintrag mit einer Entschuldigung anfangen und eigentlich wollte ich nie das Wort “eigentlich” verwenden. Duh.

1. Warum Vegetarier Blutvergießen verursachen

Ich habe es nach Möglichkeit ignoriert, als es ein Urköstler mit einem Blogeintrag namens “Verursachen Vegetarier mehr Blutvergießen als Fleischesser?” in einige führende Medien wie die Süddeutsche schaffte und entsprechend von weniger führenden Medien kopiert wurde. Der Text an sich verdient einfach keine übertriebene Aufmerksamkeit – jeder hat ein Recht auf eine eigene Meinung, gerade Privatpersonen. Wäre es nur der Blog gewesen und nicht seine endlose Verbreitung in den Medien, hätte man es einfach dabei belassen können. Doch natürlich erhielt der Text unreflektierten Beifall und Likes und wurde wie wild in den sozialen Netzwerken geteilt. Denn endlich hat mal jemand die Veggies von ihrem hohen Ross heruntergeholt und dargelegt, dass sie auch bloß Mörder sind und trotz ihres Märtyrertums für Leid sorgen. “Der größte Irrtum vieler Vegetarier und Veganer ist, dass für ihre Ernährung niemand sterben müsse.” darf man hier lesen. Weil nämlich beim Mähen unserer geliebten Getreidefelder ja auch eine Menge Mäuse und Insekten draufgehen. Auch die Pestizide und Monokulturen schaden der Tierwelt immens. Erstens: Wer hat das behauptet? Kaum ein Veganer oder Vegetarier ist so naiv zu glauben, dass er komplett tierleidfrei leben kann (siehe auch: “Wie theoretisch ist Veganismus”). Je nachdem, wie weit man es treiben will, kann man sich nämlich  auch um versehentlich zertretene Käfer unter seiner veganen Schuhsohle Sorgen machen. Es geht einzig und allein um vermeidbares und nicht vermeidbares Leid. Die Absurditäten der Massentierhaltung halten keinem Vergleich mit einer verunfallten Feldmaus stand. Abgesehen davon, was glaubt der Herr Urköstler, was das Rind auf seinem Teller gefressen hat? Wird nicht die Zahl der Tiere noch multipliziert durch die immensen Mengen an Getreide und Soja, welche die Nutztiermast benötigt? Abgesehen davon, dass er neben dem Rind womöglich noch Kartoffeln und Erbsen liegen hat (huch! Pflanzen!) Achja richtig, er weicht natürlich wieder auf das allzu beliebte Weidetierhaltung-Argument aus. Sein Rind hat friedlich auf grünen Wiesen gelebt, logisch (und ist vermutlich dann von selbst umgefallen und so der noch größeren, aber in seinem Text nicht erwähnten Absurdität des Schlachtungprozesses entgangen). Nur wo diese Wiesen sein sollen, hat er nicht geschrieben. Braucht man doch mindestens vier Mal so viel Platz als bei der Massentierhaltung, wenn man extensive Weidehaltung betreibt. Wieviele Menschen könnten dieses edle und seltene Fleisch dann essen? Vermutlich gerade die oberen Zehntausend. Und die anderen sieben Milliarden Menschen auf der Welt müssten trotzdem pflanzlich leben. Aber genug dazu, es haben hier und hier andere schon ausführlich über diesen etwas realitätsfernen Artikel geschrieben.

2. Warum Vegetarier Giraffen sterben lassen

Dann der Fall Marius, die Giraffe, die im Kopenhagener Zoo getötet und vor Kinderaugen zerlegt und verfüttert wurde, der weltweit Schlagzeilen machte. Hier stecken gleich mehrere Aufreger-Themen drin, etwa der Unterschied zwischen anderen “Futtertieren” und dieser Giraffe, das Zuschaustellen der Tatsache, woher Fleisch eigentlich kommt und so weiter, ich will das gar nicht ausbreiten, auch dies haben andere zum Beispiel hier und hier schon getan. Der Fall hat mich immerhin dazu gebracht, mich mit dem Thema Zoo mal intensiver auseinanderzusetzen. Klar, eingesperrte Tiere sind doof, aber was genau sind die Argumente gegen die Zootierhaltung eigentlich? Theoretisch ist es lehrreich, exotische Tiere in echt zu erleben und Kindern die Natur näher zu bringen. Durch die direkte Erfahrung bauen wir eine Beziehung zu dem auf, was wir schützen sollten. Theoretisch kann der Zoo dem Artenschutz und der Forschung dienen. Praktisch ist es aber eher so, dass nur eine verschwindend geringe Zahl an bedrohten Arten durch Zuchtprogramme überhaupt erhalten werden, während viele Arten, wie Delfine, Elefanten oder Menschenaffen, kaum nachhaltig gezüchtet werden können oder für eine Auswilderung vorgesehen sind, so der deutsche Tierschutzbund. In den meisten Zoos übersteigt die Zahl der nicht bedrohten Tiere die der wirklich bedrohten um ein Vielfaches. Nicht jedes bedrohte Tier ist so attraktiv und publikumswirksam wie ein Eisbär. Oder ein Eisbärenbaby. Wirklicher Artenschutz wäre daher wohl eher, in die Erhaltung von Lebensräumen zu investieren statt künstliche nachzubauen, die ihren Ansprüchen in den allerwenigsten Fällen gerecht werden können, sei es aus finanziellen oder Platzgründen. Zudem gibt es so viele Zoos, dass sie sich gegenseitig auch noch Konkurrenz machen, schließlich sind es am Ende auch nur Wirtschaftsunternehmen. Wie gesagt, ein umfangreiches Thema, von dem bei den meisten wahrscheinlich nur der bewimperte Blick von Marius in Erinnerung geblieben ist, das aber auch die Diskussion um Sinn und Unsinn von Zoos wieder aufgebracht hat.

3. Warum nicht nur Vegetarier Gülle-Stürme erzeugen

Auch den Gülle-Sturm, der durch ein Video des WDR entfacht wurde, habe ich einfach vorbeiziehen lassen: Es geht um ein erfundenes Game, einen Wirtschaftssimulator namens “Das Rind”. Hier lernt man spielerisch, wie das System Fleisch- und Milchproduktion funktioniert. Dabei geht es nur um Eines: um Profit, und das auf Kosten der Nutztiere, das wird einem in diesen Clip sehr deutlich gemacht. Der Beitrag ist eindeutig Satire, aber die Zahlen sind echt, heißt es. Logisch, dass die Agrarwirtschaft Sturm lief. Erstens mögen sie es natürlich nicht, wenn all Bauern und Agrarbetriebe über einen Kamm geschoren werden und zweitens sei es natürlich lange nicht so schlimm, wie im Video dargestellt und das kann aber niemand wissen, der nicht selbst in diesem Bereich tätig ist. In diesem Sinne wurde den Journalisten von Quarks & Co. schlechte Recherche vorgeworfen, die wiederum haben eine (nur leicht) korrigierte Fassung und eine Erklärung herausgebracht, dass es gar nicht um die Landwirte geht, sondern um ein System, welches allein wirtschaftlichen Regeln zu gehorchen hat. In anderen Worten: sie sollen es nicht persönlich nehmen, es geht um die zwingenden Umstände, nicht um einzelne Betriebe. Schon klar, dass der einzelne Bauer auch irgendwie leben muss. Nur nimmt im Internet jeder immer alles persönlich, scheint es. Nicht nur die Veganer…

4. Warum Vegetarier ungesund leben und Krebs haben

Und dann kam der Artikel, den ich aber nicht mehr ignorieren konnte, wohl auch, weil es sich dabei um eine Studie, also “Irgendwas wissenschaftliches” handelt, dem die Leute für gewöhnlich Vertrauen schenken:Gesundheitsrisiko Fleischverzicht: Fleischesser sind seltener krank als Vegetarier” (Original-Pressemeldung hier) . Folgerichtig erreichten mich Fragen wie “Warum haben Vegetarier auch Krebs?”, was von der Verwirrung zeugt, die solche Schlagzeilen hervorbringen. Auf einmal steht die Welt Kopf, denn die Studie der Uni Graz sagt aus, dass Vegetarier häufiger Krebs, Asthma und psychische Erkrankungen haben. Dabei hieß es doch sonst immer, Vegetarier seien gesünder, hätten einen niedrigeren BMI, leiden seltener an chronischen Krankheiten und hätten ein niedrigeres vaskuläres Risiko (siehe auch: Gesundheitliche Vorteile pflanzlichen Ernährung). Dabei enttarnt sich die Studie bei genauerem Hinsehen schon selbst als papierdünne Hypothese, vor deren Schlussfolgerungen sich die Forscher selbst distanzieren (“Das alles bedeutet jedoch nicht, dass tatsächlich der Fleischverzicht etwas damit zu tun hat“, so Ernährungswissenschaftler Uwe Knop.). Abgesehen davon, dass ein Teil der  vermeintlichen Vegetarier in dieser Studie gar keine sind, sondern sog. “Vegetarier, die Fisch essen”, beruht die ganze Sache lediglich auf den rein subjektiven Selbsteinschätzungen der Studienteilnehmer, keineswegs auf ärztlichen Untersuchungen. Zusätzlich sind die Zahlen vermutlich auch noch ungenau um nicht zu sagen falsch interpretiert, wie zum Beispiel hier oder hier erklärt wird. Für mich war der Sachverhalt dann spätestens bei dieser Aussage komplett  widerlegt: „Ob die schlechtere Gesundheit der Vegetarier durch deren Ernährung verursacht wird oder ob sie wegen ihres schlechten Gesundheitszustands zu Vegetariern wurden, das kann nicht beantwortet werden“. Letztlich wird hier also kein kausaler Zusammenhang nachgewiesen. Es ist nicht gerade unwahrscheinlich, das Leute, die sich für krank halten oder krank sind, auf eine vegetarische Ernährung umsteigen, denn es gibt tonnenweise Studien, Bücher und Artikel, die auf Vorteile fleischloser Ernährung hinweisen. Und selbst wenn man sich vorher keinen Kopf um Ernährung gemacht hat, fängt man wahrscheinlich damit an, wenn man krank wird. Damit war die Sache für mich gegessen…

… bis mich jemand fragte, warum Vegetarier auch Krebs haben können. Das wiederum deutet auf ein grundsätzliches Missverständnis wissenschaftlicher Studien hin. Es geht bei Studien um Relationen, also Verhältnisse und um Wahrscheinlichkeiten. Es gibt keine praktische Möglichkeit, sich zu 100 Prozent vor Krebs zu schützen. Es geht immer nur darum, das Krebs-Risiko zu senken. Man kann also die Wahrscheinlichkeit vermindern, an Krebs zu erkranken. Diese Begrifflichkeiten überliest man schnell, sie sind aber wichtig. Eine Garantie gibt es nicht, da die Krebsentstehung ja nicht nur von der Ernährung abhängt, sondern noch von einigen anderen Punkten. Es besteht ein gewisser Konsens in der Wissenschaft, dass eine Ernährungsweise, die zu großen Teilen aus vollwertigen, pflanzlichen Lebensmitteln besteht, aufgrund der hohen Mengen an Antioxidantien und anderen Stoffen für die Gesundheit zuträglich ist. Rotes Fleisch hingegen ist bewiesenermaßen für ein erhöhtes Darmkrebsrisiko und andere Krankheiten verantwortlich. Für Milch wurde immerhin ein erhöhtes Prostatakrebsrisiko nachgewiesen. Diese Erkenntnisse sind immernoch sehr punktuell, da es gerade bei Krebs sehr schwierig ist, die Zusammenhänge nachzuweisen. Ähnliches gilt aber auch für andere Krankheiten wie Diabetes oder Herzkrankheiten. Vegetarier haben hier ein vermindertes Risiko, also werden sie mit verminderter Wahrscheinlichkeit krank werden als Fleischesser. Das gilt aber nicht absolut! Und vor allem gilt es nicht für jede Art vegetarischer Ernährung, Pommes und Ketchup sind vegan, aber alles andere als gesund. Sich vollwertig zu ernähren aber dabei zu rauchen wie ein Schlot, wird den gewonnenen Vorteil wohl wieder aushebeln. Wie ihr seht, ist alles relativ…man kann nur versuchen, es relativ gut zu machen ;)

Weiterlesen: