Unverbissen vegetarisch – Claudia Klinger

Unverbissen vegetarischEine der glücklichen BloggerInnen, die es aus der digitalen auch in die analoge Lesewelt geschafft haben, ist Claudia Klinger von www.unverbissen-vegetarisch.de. Ihr gleichnamiges Buch durfte ich lesen und einige meiner Recherchen zu Nährstoffen haben Erwähnung darin gefunden. :) Als ich das Büchlein endlich in den Händen hielt, war ich erstmal überrascht von der Gestaltung. Es ist nicht nur handlich und übersichtlich, sondern durchweg mit humorvollen Illustrationen versehen. Insgesamt macht es einen sehr sympatischen Eindruck, was dem Titel wunderbar gerecht wird.

Weniger radikal, dafür nachhaltiger
Wie der Untertitel “Der lockere Einstieg in ein fleischloses Leben” schon andeutet, ist das Buch vor allem an eine Leser gerichtet, die mit dem Gedanken spielen, weniger oder kein Fleisch zu essen und ein paar Tipps für die Umsetzung suchen. Dabei werden sie schon auf den ersten Seiten von der Autorin an diesem Punkt abgeholt, da sie selbst Fleischliebhaberin ersten Ranges ist und trotz latentem Bewusstseins um die Missstände der Fleischproduktion jahrelang keinen Anlass zur Kehrtwende gesehen hat. Das Tröpfchen, der das Fass zum Überlaufen brachte, war (wie so oft) Jonathan Safran Foers Buch “Tiere essen”, das in einer Zeit der Lebensmittelskandale auf große Resonanz stoßen muss. Dabei geschah die Umstellung nicht gerade von heute auf morgen. Da die Autorin selbst der Zielgruppe 50 plus angehört, ist es für sie natürlich noch schwieriger, alte Gewohnheiten abzulegen oder zu ändern. Aber für sie geht es vor allem um den Schritt in die richtige Richtung ganz ohne Anspruch auf Perfektion. Daher auch der Titel ihres Blogs: “Flexitarisch, vegetarisch, vegan? Hauptsache, die Richtung stimmt!”. Meiner Meinung nach ist das ein vernünftiger Ansatz. Jeder Schritt hilft! Und selbst als bemühtester Veganer stößt man immer wieder auf Situationen, wo man wieder zurückgeworfen wird. Das deprimiert einen manchmal, aber eigentlich hat es gar keinen Sinn, sich deswegen fertig zu machen. So lange man es nur immer weiter versucht…

Verzicht ist nicht mehr nötig
Für die Autorin bedeutet das, auch ab und zu ein Bio-Steak zu kaufen, wenn die Fleischeslust zu groß wird. Dass sie am Ende aber doch bei einer rein pflanzlichen Ernährung landete, lag an ihrer Experimentierfreude mit Fleischersatzprodukten. Das ist auch der Hauptunterschied zu vielen anderen Büchern zum Thema. Hier geht es weniger um die ausführliche Darstellung der Grausamkeiten in der Lebensmittelproduktion, sondern um die praktische Umsetzung auf dem Speiseplan. Welche Alternativen für Milchprodukte, Eier und vor allem Fleisch und Wurst es gibt und wie man sie zubereitet, wird in lockerem Plauderton vermittelt. Auch ihre Erfahrungen mit Ersatzprodukten und wie es sich anfühlt, manchmal einen Schritt nach vorn und zwei wieder zurück zu machen ohne sich davon entmutigen zu lassen, machen das Buch so lesenswert für Einsteiger. Daneben wird dem Thema Nährstoffe und Mangelerscheinungen ein detailliertes aber kompaktes Kapitel gewidmet. Auch ein Leitfaden mit einigen Antworten auf die üblichen Fragen (“Auch Pflanzen haben Gefühle…?!”) findet sich hier und ein paar vegane Rezepte für den Alltag, etwa Pfannkuchen, Leberwurst und Kartoffelcremesuppe. Ich habe etwas Respekt davor, mit Fleischersatzprodukten (Trockensoja) zu experimentieren oder Seitan selber zu machen, aber bei der Lektüre dieses Buches bekommt man den Eindruck, dass es gar nicht so schwierig ist. Ich würde dieses Buch jemandem empfehlen, der einen Einblick ins vegetarische Leben und ein paar Tipps und Tricks zur Umsetzung sucht. Es ist kein richtiges Kochbuch, eher ein kleiner, kompakter Leitfaden ohne Missionierungsanspruch aber mit Sympathiebonus ;) .

Buffalo Cauliflower Snack

Dieses einfache und leckere Rezept müsst ihr einfach probieren! Es ist eine originelle Abwandlung der “Buffalo Wings” – ein toller Snack mit voller Pflanzenpower! Ich stolperte darüber, als “The Sexy Vegan” ein Foto davon postete und machte mich sofort an das Beschaffen der Zutaten. Die sind nicht schwer zu bekommen, das Meiste hat man im Haus, das Wichtigste ist die richtige Barbecue-Sauce. Außerdem nimmt man entweder aufgetauten, sehr gut abgetropften Blumenkohl aus der Tiefkühltruhe oder lieber gleich einen frischen Kopf, sonst verwässert die Panade, die doch eigentlich knusprig sein soll. Ich weiß es, mir ist es passiert :D

Buffalo CauliflowerIm Original stammt das Rezept von PETA, aber es wurde überall im Netz ausführlich getestet. Die ausführlichste Anleitung ist diese hier von 86 Lemons. Und wem Tofu lieber ist, kann die “Wings” auch mit selbigen zubereiten, etwa wie hier.

Buffalo Cauliflower:
1 Tasse Wasser oder Sojamilch
1 Tasse Mehl (jede Art funktioniert)
2 Teelöffel granulierter Knoblauch
1 Kopf Blumenkohl in hübschen Stückchen
1 Tasse Buffalo/Barbecue oder sonstige Grillsoße, die du magst
1 Esslöffel Olivenöl oder geschmolzene vegane Margarine

Ofen schonmal vorheißen. Wasser/Milch, Mehl und Knoblauch vermischen und über den Blumenkohl geben, der in einer Auflaufform liegt. 18 Minuten lang backen. Währenddessen Olivenöl/Margarine und BBQ-Soße vermengen. Über den Blumenkohl geben und nochmal 5-8 Minuten backen.

Dazu gibts die Blauschimmelcreme:

etwa 100 Gramm festen Tofu
gran. Knoblauch
1 Tasse vegane Mayo (ich hab allerdings gewürzten Seidentofu genommen)
1/4 Teelöffen Tahin
Zitronensaft
Apfelessig

Den Tofu zerkrümeln, alles vermischen, fertig :) Hat meiner Meinung nach nix mit Blauschimmelkäsegeschmack zu tun, ist aber trotzdem lecker. Für das gute Gewissen noch ein paar Selleriestangen als Beilage servieren. ;)

Vegan einkaufen in Leipzig

Vegan Leben - Shop

Einkaufen ohne Zutatenlisten zu lesen. :)

Verdammt gute Nachrichten für alle, die in Leipzig wohnen oder besuchen: unser erster komplett veganer Minimarkt “Vegan leben” hat im März eröffnet, und zwar auf der Kurt-Eisner-Straße, also strategisch günstig in der Südvorstadt! Soll heißen, keine Internet-Bestellungen mehr, alles vor Ort und ganz unkompliziert. ;) Es gibt Eiscreme (von Brakers Eisdiele) und jede Menge veganer Produkte, also auch Fleischersatz, Schoki und Kosmetikprodukte, zahlreiche Käsesorten und Getränke.

Aber das ist noch nicht alles! Die zweite Nachricht ist, dass das “Veganz” eine Filiale in Leipzig eröffnen will, ich kenne die Kette aus Berlin. Naja, so weit nichts Neues, aber dreistöckig, mitten in der Innenstadt auf  1300 Quadratmetern! Wow! ich glaube es zwar erst, wenn ich es sehe, denn ihren Facebook-Aussagen zufolge versuchen sie schon länger erfolglos ein Laden hier aufzumachen, aber wer weiß!

Veganz, veganer Supermarkt in Berlin

Das Veganz, veganer Supermarkt in Berlin, bald auch in Leipzig? Dreistöckig und in bester Lage?

Daneben gibt es in Leipzig natürlich auch jede Menge größere und kleinere Bio-Läden, die einige vegane Produkte anbieten, was hier nicht unerwähnt bleiben soll. ;)

Vegan in Lübeck

LübeckLübeck hat eine sehr hübsche Altstadt mit niedlichen Gassen, mehreren Kirchen, vom Turm der St. Petri – Kirche kann man einen schönen Blick auf die Stadt genießen (Fahrstuhl) und unbedingt mitmachen sollte man eine Schiffahrt, bei welcher der Kapitän um die Stadt schippert und einem mit trockenem Humor bestens unterhält  – für Seekranke gibts auch Rikscha-Touren. Zum Pflichtprogramm gehört auch ein Abstecher nach Travemünde zum Ostseestrand, etwa 20 Minuten noch mit dem Auto aber es gibt auch gute Bus- und Zugverbindungen.
LübeckWenn man vegan verreist, ist es doppelt praktisch, sich statt eines Hotels für eine Ferienwohnung bzw. ein Appartment zu entscheiden. Erstens hat man seine Ruhe, weil kein Zimmermädchen jeden Tag putzen kommt und zweitens die Möglichkeit, sich seine eigenen Mahlzeiten zuzubereiten und aufzubewahren, denn meist ist eine voll eingerichtete Küche mit Ofen, Kühlschrank etc. vorhanden. Zumal eine Ferienwohnung nicht teurer ist als ein Hotelzimmer – allerdings gilt das erst ab zwei Personen, für einen alleine weniger. Immerhin sind mitgebrachte Lebensmittel auch günstiger als Essen im Restaurant! Mir fiel bei unserem Kurzbesuch in Lübeck jedenfalls sehr auf, wie praktisch so eine Ferienwohnung sein kann :) .Cafe AffenbrotDas soll nicht heißen, dass es in Lübeck keine Möglichkeiten zum veganen Auswärtsessen geben würde. Die bekannteste ist das Café Affenbrot, ein vegetarisches Bistro, das innen bunt und alternativ anmutet und außen zum Genießen der Frühlingssonne in Flussnähe einlädt. Leider hält sich die Auswahl an veganen Gerichten zugunsten der vegetarischen in Grenzen, aber mehr als eins will man ja eh nicht essen. Ich hatte den Tofuburger obwohl ich die Tofubällchen mit Rucola-Tomatensalat bestellt hatte und hab dann auch noch vergessen, ein Foto zu machen. Und warum? Der Kellner war echt niedlich. Sowas von! Da war es mir ziemlich egal, dass ich eigentlich was anderes haben wollte. :D Eis Cafè Venezia Lübeck - Lübeck, Germany Eis Cafè Venezia LübeckDas Eiscafé Venezia in Königstraße (Ecke Hüxstraße), in dem es laut diesem zauberhaften Blog auch Eis für Veganer geben soll, hatte leider gerade geschlossen, ansonsten hätte ich milchfreies, italienisches Eiscreme natürlich supergern getestet! Außerdem soll es im Café Stühff (An der Obertrave 15a) veganen Kuchen, Waffeln und Getränke geben.

Weitere Locations mit veganen Optionen sind:

essBAR
Königstraße 98-102
Mo-Fri 12.00-16.00, Sa 1.00-3.00
- auch mit ayurvedischen Angeboten

Café Brazil
Willy-Brandt-Allee 9
Dienstag bis Sonntag ab ca. 18/19 Uhr
- ist auch eine Location mit Konzerten

Löffelbar
Huxstrasse 49
Mo – Sa: 11:30 – 16:30
So: geschlossen
- neben Suppen auch weitere vegane Optionen

Wer hat das Rind zur Sau gemacht? – Udo Pollmer et al.

Udo Pollmer - Wer hat das Rind zur Sau gemacht?Willkommen auf der anderen Seite. :) Udo Pollmer ist dem ein oder anderen von euch vielleicht bekannt. Der Lebensmittelchemiker und Wissenschaftsjournalist fällt vor allem durch seine medienwirksamen Parolen auf, die den üblichen Glaubenssätzen zu gesunder Ernährung diametral entgegenlaufen. Mit  Bücher wie dem “Lexikon der populären Ernährungsirrtümer”, “Wer gesund lebt, ist selber Schuld” oder “Krank durch gesunde Ernährung” hat er sich besonders bei Skeptikern und Diät-Enttäuschten einen Namen gemacht. Seine Ausführungen laufen meist darauf hinaus, dass man essen soll, was man will, letztendlich würde der natürliche Appetit einen immernoch am besten lenken (wie wunderbar das klappt, durften wir ja erst kürzlich hier oder auch hier sehen). Pollmers Argumente sind nicht direkt falsch und lassen sich meist nachprüfen, dennoch ist er keineswegs unvoreingenommen und seine Beweisführung entsprechend selektiv, zuweilen wirken seine Ausführungen genauso überspitzt wie die Medienskandale, die er so verpönt…

Eigentlich hab ich mir das Buch “Wer hat das Rind zur Sau gemacht” wegen des ersten Kapitels geholt, das man bei Amazon schon lesen kann. Es geht hier um Acrylamid, das kennen wir ja alle, entsteht beim Erhitzen, Maillard-Reaktion und so weiter. Besonders Chips und Pommes werden dadurch potenziell krebserregend, heißt es immer wieder n den Medien. Doch was meiner Aufmerksamkeit total entgangen war (weil es eben weniger thematisiert wurde), ist die Tatsache, dass gewöhnliches Sesam-Knäckebrot wesentlich stärker belastet ist. Und noch schlimmer: der koffeinfreie und deshalb auch gern Kindern verabreichte Malzkaffee (Muckefuck, Imnu) weist ebenfalls beachtliche Mengen an Acrylamid auf. Abgesehen davon, dass die Hersteller die Gehalte an Acrylamid in ihren Produkten durch neue Verfahren inzwischen senken konnten, zitiert Pollmer eine Studie nach der anderen, die inzwischen durchgeführt wurden und die keinerlei krebserregende Wirkung nachweisen konnten. Auch das Bundesamt für Risikobewertung konnte keinen eindeutigen Zusammenhang zwischen Krebsentstehung und Acrylamid feststellen, da die bisher vorliegenden epidemologischen Studien sich widersprechen. Pollmer zufolge liegt das daran, dass Acrylamid bei Tieren in das krebserregende Glycidamid umgewandelt wird, beim Menschen jedoch nicht. In Tierversuchen gebe es daher Hinweise (daher die Panik), doch beim Menschen konnte dergleichen nicht festgestellt werden. Der Mensch sei an das Erhitzen von Nahrungsmitteln gut angepasst, während seine pelzigen Mitwesen nur in Filmen wie “Ratatouille” den Kochlöffel zu schwingen vermögen. Da sich hier alles gut nachverfolgen lässt, war mein Interesse geweckt: was war wohl noch alles meiner Aufmerksamkeit entgangen? Ab in den Einkaufswagen mit dem Pollmer. Und weiter gehts.

Kartoffeln - doch lieber ohne Schale!

Kartoffeln – doch lieber ohne Schale?

Kartoffeln sollte man nach Pollmer auch nur sorgfältig geschält und durchgekocht essen, denn sie enthalten ein viel schlimmeres Gift als Acrylamid, nämlich die Alkaloide Solanin und Chaconin. Nun, das ist mir nicht neu, die Makrobiotiker verschmähen ja nicht umsonst Nachtschattengewächse wie Kartoffeln, Auberginen und Paprika. Nur esse ich trotzdem fleißig meine Kartoffelspalten und am liebsten mit der angeblich vitamin-und ballaststoffreichen Schale. Herr Pollmer hat nur leider Recht damit, dass die Schale (anders als Beim Apfel zum Beispiel) wenig Vorteilhaftes enthält, aber dafür besagte Gifte. Natürlich sind heutige Kartoffeln so gezüchtet, dass ihr Giftgehalt sich in Grenzen hält, nur bei grünen Stellen und Keimen ist roter Alarm angesagt. Bei Bio-Kartoffeln, die auf natürlich Resistenz angewiesen sind (die Gifte schützen vor Fraßfeinden) würden oft wieder ältere Arten eingekreuzt, und der Vorteil sei wieder dahin, führt Pollmer aus. Chaconin uind Solanin sind fettlöslich, reichern sich im Körper auch noch an…na gut, her mit dem Schäler!

Und so geht es weiter. Auch die BSE-Krise wird nicht vergessen und findet hier eine hächst unappetitliche Aufklärung, auf die ich nicht näher eingehen will. Gammelfleisch, Zimtsterne und Lebensmittelampel füllen die Seiten des Buches. Der Dioxin-Skandal ist natürlich auch eine total aufgeblasene Geschichte, bei der sich vor kleinsten Mengen Dioxin in Eiern gefürchtet wird, aber Fische aus der Ostsee mit gleichen Werten nirgendwo Erwähnung finden. Auch Bio-Eier aus Freilandhaltung können naturgemäß respektable Dioxin-Werte aufweisen, da die Hühner in Erdreich herumpicken, das verseucht sein kann. Lieber schön alle Tiere wieder in die hermetisch abgeriegelte Halle sperren, nicht wahr, Herr Pollmer? Aber nein, so etwas formuliert er natürlich nicht, es liegt ihm nur daran, den Irrsinn dieses Medienskandals offenzulegen, und dabei kann ich ihm auch immernoch recht geben. Leider hat es mich überhaupt nicht gefreut zu hören, dass mein hochgelobter Brokkoli auch nicht ungeschoren davon kommt, enthält er doch Indol-3-Carbinol. Dieser sekundäre Pflanzenstoff ist eine natürliche TCDD-artige Substanz und wirkt im Prinzip genau wie Dioxin. Dass Indol-3-Carbinol tatsächlich schädigend ist, konnte ich nicht verifizieren, und werde weiter meinen Brokkoli essen, wenn ich Lust darauf habe. Doch als hochdosiertes und extrahiertes Nahrungsmittelergänzungsmittel, wie es im Netz als Krebsschutzmittel angeboten wird, und das Pollmers eigentlicher Kritikpunkt sein dürfte, würde ich ihn mir natürlich nicht geben.

Noch haarsträubender sind die ganze Grippegeschichten, egal ob Vogel- oder Schweinegrippe, auch hier liegt der eigentliche Skandal im Riesengeschäft, das die  Pharmaunternehmen mit Impfmitteln machten, die zu wenig getestet und insgesamt kaum wirksam waren. Und dann am Ende noch kostenintensiv entsorgt werden mussten. Wie Pollmer am Ende des Kapitels richtig zusammenfasst, ist die wichtigste Maßnahme und die Entstehung neuer viruelenter Stämme zu verhindern, die Trennung der Geflügel- von der Schweinehaltung. Denn erst diese Form der Tierhaltung ermöglicht den Austausch der Virulenzfaktoren zwischen den verschiedenen Virustypen (59).

Obst und Gemüse - mehr Schein als Sein?

Obst und Gemüse – mehr Schein als Sein?

Wer jetzt denkt, dass Pollmer etwas für Vegetarier übrig hat, ist schief gewickelt. Denn auch Grünzeug, Obst und Gemüse tragen ihren Heiligenschein zu Unrecht, findet er. Denn auch hier wird getrickst was das Zeug hält – das Aufspüren von Pestizidrückständen ist nämlich gar nicht so einfach. Je mehr Zeit vergeht, etwa bei ein paar Tagen Lagerung, desto weniger kann im Labor noch nachgewiesen werden. Nach zwei Wochen seien praktisch gar keine Rückstände mehr nachweisbar. Während Tiere diese Stoffe ausscheiden, binden Pflanzen sie an Fasern, also Ballaststoffe wie Cellulose, Pektin oder Lignin. So angebunden entgehen sie den Tests erfolgreich. Und der Verbraucher hat das Nachsehen, denn im Magen können die Stoffe zum Teil wieder freigesetzt werden, wie Versuche mit dem radioaktiv markierten Vorratsschutzmittel Malathion auf Bohnen gezeigt haben. (81) Auch Schimmepilzgifte  entziehen sich dem Nachweis auf diese Weise. So ist der Einkauf von “Bio”-Produkten hier auch keine Hilfe und beispielsweise Fusariengifte ein gravierendes Problem bei Bio-Mais, konstatiert Pollmer weiter. Während sich Greenpeace und die Öffentlichkeit sich also über das Auftauchen minimaler Rückstände auf ihre Wirkungen getetester Pestizide im Gemüse erregen, kommen die wahren Probleme in gebundener Form daher, denn die sind ein bisher unkalkuliertes Risiko…

Aber wir sind noch nicht fertig mit Bio. Dabei erkennt Pollmer durchaus an, dass die Bio-Bauern in den 80ern Pionierarbeit geleistet haben, weil sie die Probleme der Konventionellen zum Teil lösen konnten. Inzwischen aber haben sich die Konventionellen weiterentwickelt, und die “Bio um jeden Preis”- Mentalität ist zur Farce geworden. Denn auch als Bio-Bauer braucht man Dünger und Pflanzengifte. Um nur ein Beispiel aufzubringen: der Einsatz von Kupfersalzen (-sulfat, -hydroxid, -oxychlorid) ist deswegen problematisch, weil sie weit weniger wirksam sind als ihre chemischen Gegenstücke und deshalb viel öfter eingesetzt werden müssen. Was das für das Erdreich bedeutet, kann man sich vorstellen.. Dass die Bio-Nutztierhaltung auch nicht gerade von Vorteil für ihre Insassen ist, hat Pollmer erfreulicherweise ebenfalls erkannt. Und so schließt Pollmer, dass die umweltfreundlichste Produktion nicht diejenige ist, die irgendwelchen Labels gerecht werden will, sondern diejenige, die aus allen verfügbaren Mitteln und Techniken schöpft, konventionell wie bio.

Soja - gesund oder ungesund?

Sojaprodukte – gesund oder ungesund?

Und auch die Rohköstler sollten hier aufhorchen. Rohkost, Sprossen oder Schnippelsalate sind für Pollmer keine vitamin- und mineralstoffreichen Lebensmittel, sondern schlicht ein (vermeidbares) Risiko. Organischer Dünger wie Klärschlamm oder Gülle, Bewässerung oder die Erntearbeiter können Erreger auf die Pflanzen bringen. Die Krankheitserreger wie Salmonellen oder EHEC bleiben im Gemüse unglücklicherweise monatelang infektiös, einige nehmen sie sogar über ihre Wurzeln auf, so dass auch gründliches Waschen nichts nützt. “Boil it, peel it or forget it” lautet die Devise. Ich musste auch hier wieder an die Makrobiotiker denken, die ja alles gern durchkochen und auch In China kommen Sprossen nur gekocht auf den Tisch. Kochen hilft allerdings auch nicht, wenn im Rucola das stark leberschädigende und extrem ähnlich aussehende Greiskraut versteckt ist. Eine laut Pollmer völlig unterschätzte Gefahr, die in den letzten Jahren noch zugenommen hat, da die Verwendung von Pestiziden auch bei konventionellem Anbau zurückgefahren wird.

Hellhörig wurde ich nochmal bei Pollmers Tirade gegen Sojaprodukte. Zum einen zitiert er hier eine Studie nach der Affen nach Sojakonsum aggressiv wurden. Die findet zum Glück auch im Spiegel Erwähnung und liest sich hier aber ganz anders. So wurden hier Mengen verabreicht wie sie in Nahrungsergänzungsmitteln (Isoflavon) vorhanden werden und nicht als normales Sojaprodukt. Zum zweiten zerstöre Soja das Immunsystem. Die dafür zitierte Studie bezieht sich aber nur auf Tierversuche, die – wie er selbst an anderen Stellen seines Buches mehrmals betont – nunmal nicht 1:1. auf den Menschen übertragbar sind. Weiterhin reduziere Soja die Fruchtbarkeit bei Männern. Auch diese Aussage, die auf dieser Studie beruht, ist mit Vorsicht zu genießen, wie hier und hier weiter ausgeführt wird. Und zum Schluss kommen wir zu meiner Lieblingssbehauptung, die immer wieder gern aufgeführt wird: Tofuverzehr führe zu Demenz. Dererlei Aussagen beziehen sich (auch hier) immer wieder auf die zwei einzigen Studien dazu, nämlich die in Indonesien und die “Honululu-Asia Aging-Study”. Zu letzterer hat schon die DGE Stellung bezogen und erklärt wortreich, dass es “keine plausiblen Hypothesen über einen zu Grunde liegenden Mechanismus, der durch tofu-spezifische Inhaltsstoffe ausgelöst werden könnte” gibt und auch keine Kausalität in dieser Studie nachgewiesen werden konnte. Zudem soll der Leiter der Studie, Dr. White, selbst gesagt haben “I would be violating a cardinal rule if I said my data says you shouldn’t eat tofu” und seine Studie “can’t be turned into sweeping conclusions and the findings must be considered only preliminary.” Außerdem gibt es einen stärkeren Zusammenhang zwischen Demenz und Aluminium, Soja nimmt viel davon auf, wenn es in Alumnium-Töpfen gekocht wird. Was mich zur zweiten Studie bringt. Hier sind die Ergebnisse gespalten. Während Tofu zu Demenz führte, hatte Tempeh (fermentiertes Soja) den entgegengesetzten Effekt. Der Grund liegt in der Zubereitung. Tofu wird in Indonesien üblicherweise mit Formaldehyd konserviert (diese Praxis wird inzwischen eingedämmt), Tempeh nicht. Nun, mehr muss ich dazu nicht sagen, oder? :)

Wenn man eine Diät machen will, liegt man mit diesem Buch genau richtig. Denn der Appetit kann einem hier schonmal vergehen. Man möchte nur noch hocherhitzten Haferbrei essen….Lebensmittelskandale mögen aufgebauschte Mediengespenster sein, aber Schlimmeres gibts immer. Dabei wird die Lektüre durch Pollmers polemischen Stil zumindest nicht langweilig, zumal er mit sarkastischem Wortwitz den geneigten Leser gelegentlich zum Schmunzeln bringt. Nur scheint er dem Ausdruck den Inhalt notfalls auch unterzuordnen, um eine Pointe unterbringen zu können. Denn seine Übertreibungen führen zu Ungenauigkeiten, wie mein Soja-Beispiel zeigt. Um noch ein Beispiel anzuführen: Pollmer betont auch immer wieder gern, dass Obst und Gemüse nicht vor Krebs schützen würden, diesen Beweis konnte zum Beispiel die große europäische Studie “European Prospective Investigation into Cancer and Nutrition (EPIC)” nicht erbringen (hier nachzulesen). Auch die DGE mit ihrer “5-am-Tag-Kampagne” kann nur zugeben: “Einen unmittelbaren Nachweis, dass eine Intervention mit Gemüse und Obst das Risiko für Krebs oder auch andere chronische Erkrankungen senkt, gibt es derzeitig nicht.”. Komsich nur, dass andere Wissenschaftler und die Krebsforschung das irgendwie anders sehen…. Nicht alles, was Pollmer vor sich hin hyperbelt, muss für bare Münze genommen werden sondern dient vor allem als rhetorisches Schmückwerk. Liebe Damen und Herren, es besteht also kein Grund zur Panik. Sie dürfen weiterhin alles essen (oder nicht essen), was Sie wollen ;)

Hirse und Couscous

Als mir ein Kollege im Scherz vorwarf, nur Vogelfutter zu essen, hatte er gar nicht so unrecht. :D Hirse ist ja auch bei den Gefiederten sehr beliebt. Und gehört neben Couscous, Polenta, Quinoa und vielen anderen Lebensmitteln zu den Sachen, die ich nie ausprobiert hätte, wäre ich nicht auf pflanzlich umgestiegen. Ja, vegan leben bedeutet auch verzichten, aber andererseits entwickelt man ein gewisses Interesse für Neues.
Cauliflower CasseroleDie “Cauliflower Millet Casserole” aus “The Everything Guide to Macrobiotics” (245) besteht aus Blumenkohl, Hirse und Mais, angereichert mit Zwiebeln, Umeboshi Paste, Mochi und Miso, also allem was das Makro-Herz begehrt. Heraus kommt eine ziemlich cremige Angelegenheit mit Kruste, da das Ganze zum Schluss noch im Ofen gebacken wird.
RatatouilleDie “Hirse Ratatouille” (33)  habe ich nach dem Rezept aus “Vegan, lecker, lecker!” zusammengewürfelt, aber z.B. auch hier bei eat this! findet ihr eins, oder auch hier, schön geschichtet. So hübsch wie die Gourmet-Version aus dem gleichnamigen Film ist es nicht geworden, vielleicht sollte ich meine Rattendamen mal mit Kochlöffel ausstatten :D . Aber Hauptsache es schmeckt – und schön bunt ist immer gut.
Mixed Vegetarble Curry with Whole Wheat CouscousUnd nun noch etwas Couscous im “Mixed Vegetable Curry with Whole Wheat Couscous” (126) aus Barnards Buch. Na gut, Vollkorn-Couscous ist das nicht. Aber Süßkartoffeln, Karotten und Erbsen machen auch dieses Gericht superbunt. Und endlich ist das Soßenschüsselchen mal für was gut :)

Ein letztes Mal im Paradies! Essen im EDEN

Das letzte Mal zu Gast im “Eden”! Leider gibt es das Restaurant nicht mehr, an seiner Stelle wurde gestern das Bio-Restaurant “Symbiose” eröffnet. Wenn ich mir dessen Speisekarte so ansehe, muss man sich nicht allzu sehr grämen, denn auch hier wird ein vegan/vegetarisches Konzept verfolgt. :)
Aber nun zum letzten Besuch im Paradies: Zu meinem Geburtstag lud mich mein Pa zum Essen ein und ich schleppte ihn natürlich in ein vegan/vegetarisches Restaurant. Die Wahl fiel auf das “Eden”, da die Gerichte dort nicht ganz so exotisch klingen wie beim “Zest”. Pfeffersteak an einem Rotweinjus mit Topinambur Puree und in Butter geschwenktem Rosenkohl. Mein Pa wählte das Pfeffersteak an einem Rotweinjus mit Topinambur Puree und in Butter geschwenktem Rosenkohl, und ich wusste schon beim Lesen der Karte im Netz, dass darauf seine Wahl fallen würde :D Er hat alles aufgegessen und äußerte sich nur positiv dazu, es schmeckte ihm sehr gut, das “Vleisch” erinnerte ihn an Jägerschnitzel. Das Topinambur-Püree mochte er besonders. Er kostete auch von meinem Gericht, fand sein eigenes aber besser. Perfekt!Soja Schnitzel mit Kartoffelgratin und Preiselbeer-Rotkohl an einer Apfel-Zwiebel Sauce.Ich fand meins aber mindestens genauso gut: Soja Schnitzel mit Kartoffelgratin und Preiselbeer-Rotkohl an einer Apfel-Zwiebel Sauce. Besonders das Gratin war super. Die eckigen Schnitzel waren auf den ersten Biss fantastisch, aber nach und nach entfaltete sich dann doch ein gewisser Soja-Eigengeschmack. Trotzdem schön knusprig und der Rotkohl ganz offensichtlich selber geschnipselt, was mir besonders gut gefiel. Platz für Nachtisch hatten wir danach allerdings nicht mehr…mein Pa bezeichnete das Restaurant “alternativ”, vermutlich wegen der großen Kinderecke und der grünen Wände. Unter alternativ verstehe ich persönlich allerdings was ganz anderes, da ist das Eden eher normal.Speisekarte des EdenLaut ihrer Facebook-Seite verabschieden sich die “Eden”-Betreiber aufgrund familiären Zuwachses. Nachdem es am 1.1.12 seine Eröffnung feierte, hat es auch mir das ein oder andere Mal den Tag verschönert. Nun darf man gespannt sein, wie sich die neuen Inhaber und ihr Konzept mit deutlicher Betonung auf “Bio” aber trotzdem weiterhin vegetarisch/veganem Essen bewähren wird. Die beispielhaft zu verstehende Speisekarte klingt durchaus interessant (“Parfait von geräuchertem Kaiser-Tofu auf Kohlrabi-Bett”) und auch die Tradition des sonntäglichen Brunchs wird fortgesetzt (10-15 Uhr, 12,90 Euro). Also dann, auf ein Neues! :)

Nachtrag: Erfreulicherweise hat in Leipzig im März auch noch der erste vegane Minimarkt eröffnet: “Vegan Leben” , Kurt-Eisner-Straße 11 (Mo-Fr von 10-18 Uhr, Sa von 11-14 Uhr). Wilmersburger, Veggie Döner & Co. braucht man als Leipziger also nicht mehr im Netz bestellen. :)